Famulatur in Hannover – Pädiatrie Kinderarztpraxis

10. Januar 2017

in Chancen in Deutschland, Famulatur in Deutschland

Niedersachsen, Hannover, Kinderarztpraxis Dr. med. Bultmann (15.08.-13.09.2016)

Praxisfamulatur in der Pädiatrie – sie will gut überlegt sein! „Lachen, weinen, lachen.“ – So schnell können sich die Gefühle eines Babys bei einer Impfung ändern. Für meine erste Famulatur tauschte ich das hoch ausgestattete „Teddybär Krankenhaus“ der Charité gegen eine lebendige Kinderarztpraxis in Hannover. Beide Einrichtungen beherbergten viele Kuscheltiere, doch waren die dieses Mal nicht die Patienten.

Warum ich mich für die „Hausarztfamulatur“ in der Pädiatrie entschieden habe

Der Entschluss, in der Pädiatrie zu famulieren, stand schon lange fest. Nun stellte sich die Frage: Praxis oder Krankenhaus? Da eine Famulatur beim niedergelassenen Kinderarzt praktischerweise auch als „Hausarztfamulatur“ zählt, war diese Frage schnell beantwortet. Nun ist die Pädiatrie ein Fach, welches mir besonders am Herzen liegt. Umso wählerischer war ich folglich bei der Suche nach der geeigneten Kinderarztpraxis.

Wie finde ich die passende Kinderarztpraxis?

Das Zimmer für Vorsorgeuntersuchungen
Das Zimmer für Vorsorgeuntersuchungen

Bei einer Famulatur wollte ich, wie viele Medizinstudenten, möglichst viel lernen und „selbst machen“. In der Pädiatrie eine Praxis zu finden, die beides ermöglicht, ist leider gar nicht so einfach.

So ist es in manchen Kinderarztpraxen selbstverständlich, dass Famulanten eigenständig Anamnese erheben und die Kinder voruntersuchen, um sie anschließend dem Arzt/der Ärztin vorzustellen. Manche Famulanten bekommen hierfür sogar ihr eigenes Untersuchungszimmer zugeteilt. Auch hörte ich von Kommilitonen, dass manche Kinderarztpraxen „Steckbriefe“ von Famulanten aushängen, damit Eltern informiert sind. Leider kommt es auch vor, dass Famulanten in der Pädiatrie nur mitlaufen und gelegentlich etwas Interessantes nachuntersuchen dürfen.

Empfehlenswert ist es daher, ausschließlich in Kinderarztpraxen zu famulieren, von denen Ihr entweder aus Erfahrungsberichten oder von Kommilitonen wisst, dass sie gerne Studenten aufnehmen und auch einen viel machen lassen. Sonst kann es nämlich ziemlich schnell frustrierend und langweilig werden.

Bei meiner bevorstehenden Famulatur war mir persönlich am wichtigsten, dass der Kinderarzt/die Kinderärztin über tolle „bedside manners“ verfügt. So fiel die Wahl schnell auf die Kinderarztpraxis von Dr. med. Bultmann in Hannover, da ich aus dem Familienkreis diesbezüglich nur Positives gehört hatte.

Bewerbung und Vorstellungsgespräch

Da ich gerade vor Ort in Hannover war, hatte ich mich persönlich mit den üblichen Unterlagen (Anschreiben und Lebenslauf) beworben. Die offizielle Zusage kam dann kurze Zeit später per Email.

An dieser Stelle könnte bereits mit dem Kinderarzt geklärt werden, was Famulanten in der Praxis machen dürfen.

Ich hatte Pädiatrie noch nicht im Studium. Wie bereite ich mich vor?

Hintergrundwissen ist für eine Praxisfamulatur in der Pädiatrie nicht zwingend notwendig, da vieles im Laufe der Famulatur erlernt wird. Allerdings nehmt Ihr mehr mit, wenn bereits Hintergrundwissen vorhanden ist. Und es macht mehr Spaß!

Meine Vorbereitung für das Abendteuer „Praxisfamulatur in der Pädiatrie“ bestand aus folgendem:

  1. „Praxistage“: An meiner Universität hatte ich die Möglichkeit, im Rahmen von Praxistagen bereits in einer Kinderarztpraxis mitzuarbeiten. Die dort gesammelten Eindrücke hinsichtlich Praxisablauf, Vorsorgeuntersuchungen, Sonografie etc. waren für meine Kinderarztfamulatur sehr hilfreich.
  2. IPOKRaTES Beside-Teaching: Symptoms, Signs and Interpretation in Pediatrics. Nähere Informationen hierzu findet Ihr unter folgendem Link: http://medizinernachwuchs.de/allgemein/2015/10/ipokrates-seminar-berlin-2015-eine-grossartige-bereicherung-des-medizinstudiums-mit-internationalen-dozenten
  3. Modul „Hands-on in Pädiatrischer Allergologie, Pneumologie & Immunologie“: Diesen Kurs hatte ich an meiner Universität vor Famulatur Beginn gewählt und zum Glück auch zugeteilt bekommen. Anhand ausgewählter Krankheitsbilder wie Atopische Dermatitis, Nahrungsmittelallergie, Asthma bronchiale, Mukoviszidose habe ich dort neben der Anamnese und körperlichen Untersuchung auch entsprechende spezifische Diagnostik (z.B. Hautpricktest, Lungenfunktionsuntersuchung, Provokationstestungen) „hands on“ erlernt.

Von allen oben genannten Veranstaltungen, bildete das letztgenannte Modul die perfekte Vorbereitung für meine bevorstehende Famulatur. Die Kinderarztpraxis von Dr. med. Bultmann ist nämlich spezialisiert auf pädiatrische Pneumologie und Allergologie.

Nachdem ich im und außerhalb des Medizinstudiums bereits mit exzellentem Bedside-Teaching verwöhnt wurde und praktisch auch viel übernehmen durfte, blickte ich umso erwartungsvoller meiner Famulatur entgegen.

Meine Famulatur: Was konnte und durfte ich machen?

Vorbereitung einer Vorsorgeuntersuchung
Vorbereitung einer Vorsorgeuntersuchung

Da ich weder Famulatur Berichte über diesen Arzt gefunden hatte, noch ehemalige Famulanten kannte, war ich umso neugieriger, wie Famulanten in den Praxisalltag einbezogen werden. Spätestens am ersten Tag sollte mit dem Kinderarzt geklärt werden, was man bereits kann, machen möchte und was erlaubt ist. So hatte ich gleich mein Interesse an der Hüftsonografie geäußert und wurde am selben Tag zu einer solchen Untersuchung hinzugerufen.

Die erste Zeit bin ich viel mitgelaufen, habe viel beobachtet und auskultiert. So viel Giemen, Brummen und Pfeifen hatte ich im Studium noch nicht gehört. Ich hatte zudem den Luxus, dass in der Praxis insgesamt zwei Kinderärzte tätig sind und ich dadurch verschiedene Gesprächs- und Untersuchungstechniken kennenlernen durfte.

Nach und nach habe ich dann direkt nachgefragt, ob ich bei bestimmten Tätigkeiten assistieren (Hüftsonografie, Vorsorgeuntersuchungen, Impfung) oder unter Aufsicht selbst durchführen (Lungenfunktion, Vorsorgeuntersuchungen) darf. Letzteres kannte ich zum Beispiel bereits aus dem Studium. In dieser Praxis gibt es sogar einen Ganzbodyplethysmographen, was ich bei niedergelassenen Kinderärzten noch nie gesehen hatte.

Zusätzlich habe ich mich immer bei den Arzthelferinnen erkundigt, ob irgendwo Arbeit abgenommen werden kann wie z.B. Patienten aufrufen, Zimmer belegen, Kinder messen und wiegen, Streptokokken-Schnelltest auswerten etc.

Wie war die Betreuung?

Das Labor für die Lungenfunktionsdiagnostik
Das Labor für die Lungenfunktionsdiagnostik

Besonders gut gefallen hat mir, dass der Kinderarzt super engagiert ist. Obwohl es während meiner Famulatur in den Wintermonaten brechend voll war, ich war vor dieser Famulatur (15.08.-13.09.2016) bereits im Winter für zwei Wochen in dieser Praxis gewesen, nutzte er die kaum vorhandene Zeit zum Erklären und rief mich immer zu interessanten Fällen hinzu. Aufgrund des hohen Patientenaufkommens von bis zu 120 (!) pro Tag im Winter wurde ich häufiger von einer Arzthelferin gebeten, einige Runden nicht mitzugehen. Diese Zeit habe ich dann genutzt, Krankheitsbilder nachzulesen. Im Sommer war dies zum Glück kaum der Fall.

Man hat Dr. Bultmann richtig angemerkt, dass er viel Freude an seinem Beruf hat und diese gerne teilt. „Ich habe Ihnen hier was ausgedruckt. In diesem Buch können Sie folgendes nachlesen. Diese Internetseiten empfehle ich Ihnen. Im Ordner drüben steht vieles zum gesehenen Krankheitsbild. Lesen Sie bitte schon einmal die Krankheit nach, dazu sehen wir gleich einen Patienten“. Um gute Lehre wurde sich stets bemüht.

Nicht nur Dr. Bultmann, sondern auch seine Kollegin Dr. Süßmuth, erklärt sehr gerne. Beide äußerten sogar ihr Bedauern, dass sie im Winter aufgrund der vielen Patienten kaum Zeit hierfür hatten. Bei meiner Famulatur im Sommer war vieles deutlich entspannter.

Auch das Arzthelferinnen-Team war zuvorkommend. Sie kannten meine Interessen und haben mich immer dazu gerufen, wenn es die Zeit erlaubte. „Kennst Du schon das? Hast Du dieses hier schon mal gemacht? Willst Du es versuchen? Wenn Du Lust hast, ist hier noch eine U3. Hier ist jemand zum Wiegen und Messen, darauf freust Du Dich ja immer“. Dass ich viel mitmachen durfte, war aber keinesfalls selbstverständlich. So habe ich ganz oft, damit meine ich so gut wie jeden Tag, nachgefragt und nach Arbeit gesucht.

Mein Tipp also, um viel in der Pädiatrie machen zu dürfen: Eigeninitiative zeigen, die Ärzte über die eigenen praktischen Kenntnisse informieren, sich vorbereiten und vor allem fragen, fragen, fragen!

Was waren meine Arbeitszeiten? Meine Arbeitszeiten waren vormittags 8:00/8:30-13:00 Uhr und je nach Wochentag zusätzlich nachmittags 15:00-18:30 Uhr. Manchmal durfte ich früher gehen, blieb mittags und abends allerdings auch länger, wenn noch Patienten da waren, ich etwas nachlesen wollte oder mich ein Fall besonders interessierte.

Meine persönlichen Highlights

Bei der Vorsorgeuntersuchung - gewogen wurde selbstverständlich ohne meine Hand
Bei der Vorsorgeuntersuchung – gewogen wurde selbstverständlich ohne meine Hand

An tollen Momenten gab es unglaublich viele. Hier sind drei meiner Lieblingserinnerungen:

  1. Unterstützung: Eine Arzthelferin sagte mir nach der Famulatur, dass ich ihr viel Arbeit abgenommen hatte. Ein schönes Gefühl, nützlich gewesen zu sein!
  2. Kleines Quiz: Unerwartet wurde ich einmal von Dr. Bultmann ins Zimmer gerufen, um eine Diagnose herauszufinden. Ich hatte ein bisschen das Gefühl, in einer mündlichen Prüfung zu sitzen, mit dem einzigen Unterschied, dass ich unvorbereitet war. Zum Glück hatte ich aber einen wohlwollenden Arzt als Prüfer und Eltern, die mich lieb mit ihrer Tochter anblickten. Sie gaben mir auch den entscheidenden Hinweis, um auf die richtige Diagnose (Zöliakie) zu kommen. Über dieses kleine Erfolgserlebnis habe ich mich richtig gefreut, umso mehr, weil ich es noch nicht im Studium hatte.
  3. Gute Laune und Neugier: Zuckersüßes Baby- und Kinderlächeln zu ernten und deren strahlende Gesichter zu sehen, war definitiv das Beste. Ich erfreute mich auch an deren Neugier. So erinnere ich mich noch genau, als ein Kleinkind von meiner Bluse so fasziniert war und sie aus der Nähe nochmal untersucht hat. Es war ziemlich lustig! Oder als ein 4-jähriger Junge so prima bei der Vorsorgeuntersuchung (U8) mitgemacht und mich danach die ganze Zeit angelächelt hat.

Fazit

Diesem Teddybär der Praxis geht es mittlerweile schon wieder besser
Diesem Teddybär der Praxis geht es mittlerweile schon wieder besser

Mit großer Begeisterung blicke ich auf meine vergangene Famulatur zurück und bin für diese Erfahrung sehr dankbar. Wenn Ihr bei der Wahl Kinderarztpraxis aufmerksam seid, ist der Grundstein für eine erfolgreiche Famulatur bereits gelegt. Ich kann Euch auf jeden Fall die Praxis von Dr. Bultmann in Hannover nur wärmstens empfehlen. Ich wünsche Euch, dass Ihr während einer Famulatur auch so viel Spaß haben werdet wie ich – sei es in der Pädiatrie oder in einem anderen Fach.

Da fällt mir ein: Vielleicht sollte der Teddy aus Dr. Bultmanns Praxis für die nächste Impfung mal ins „Teddybär Krankenhaus“ nach Berlin kommen? Dort tun Spritzen auch nicht weh.

Thi Minh-Thi Do

Berlin, Oktober 2016

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