Famulatur in Heidenheim – Neurologie

17. Dezember 2015

in Chancen in Deutschland, Deutschland, Fachgebiet, Famulatur in Deutschland, Land, Neurologie

Baden-Württemberg, Heidenheim, Klinikum Heidenheim (27.07.-26.08.2015)

Meine Wahl für die 1. Famulatur fiel auf das Klinikum Heidenheim, einem akademischen Lehrkrankenhaus der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm. Als Fachgebiet hatte ich mich für die Neurologie entschieden. Es war eine tolle Erfahrung, schon nach dem 4. Semester eine Famulatur zu machen. Meine Erwartungen wurden erfüllt und ich kann mir sehr gut vorstellen, noch eine weitere Famulatur oder auch ein PJ-Tertial im Klinikum Heidenheim zu absolvieren.    

Meine Wahl für die 1. Famulatur

Das Schloss Heidenheim
Das Schloss Heidenheim

Meine 1. Famulatur absolvierte ich vom 27.07. bis zum 26.08.2015 im Klinikum Heidenheim auf der Station der Neurologie. Ich studiere in Hamburg am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) und habe die Famulatur nach meinem 4. Semester gemacht. Da in Hamburg ein Modellstudiengang (iMED) durchgeführt wird, haben wir Studenten bereits ab dem 1. Semester Bezug zum klinischen Geschehen, erlernen somit schon recht früh praktische Fertigkeiten und werden mit verschiedenen Untersuchungen des Körpers vertraut gemacht.
Eine frühe 1. Famulatur finde ich zudem auch persönlich wichtig. Neben dem vielen Lernen und theoretischen Unidasein erhält man durch die praktischen Erfahrungen und dem Einblick in den Ärztealltag neue Motivation und Energie für das weitere Medizinstudium.

Ich hatte mich entschieden, die Famulatur in meiner Heimatstadt in Heidenheim zu machen, um dabei Praktikum und Heimaturlaub zu verbinden. Das Krankenhaus liegt nur 5min mit dem Fahrrad von meinem Elternhaus entfernt und so war es sehr praktisch, morgens gleich vor Ort zu sein. Neben der Arbeit im Krankenhaus hatte ich somit Gelegenheit, abends noch Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden von früher zu verbringen.

Wieso gerade Neurologie?

Schon oft habe ich den Rat bekommen, die Famulaturen eher in kleineren Gebieten und in „Nebenfächern“ der Medizin zu machen, d.h. eher nicht in der Chirurgie oder der Inneren Medizin, denn diese zwei großen Fachbereiche wird man spätestens während des PJ-Jahres gut genug kennenlernen. Aber solch ein Argument ist natürlich immer Geschmackssache; ich finde es ganz gut, Themen, die man während des Studiums nur recht kurz behandelt, durch die Praktika etwas zu vertiefen. Ich kann es aber auch gut nachvollziehen, wenn Famulanten die Innere Station auf jeden Fall bevorzugen würden, um somit ihr Wissen und Können schon direkt anzuwenden und auch nicht „unerfahren“ in das PJ-Tertial zu starten.

Da wir im 2. Teil des 3. Semesters an der Universität Neuroanatomie durchgenommen und parallel dazu auch schon ein paar Krankheitsbilder kennengelernt hatten, stand für mich ziemlich schnell fest: darüber möchte ich nun etwas mehr lernen!

Was davor erledigt werden musste …

Im März desselben Jahres fragte ich per Mail in der Personalabteilung des Krankenhauses an, ob ich  im Sommer eine Famulatur machen könne. Recht schnell bekam ich die Rückmeldung, dass man sich über alle interessierten Medizinstudenten freue, ich mich jedoch direkt an den Chefarzt der Abteilung wenden solle. Also ging ich diesem Hinweis nach und erhielt aufgrund des Chefarztwechsels mit leichter Zeitverzögerung von etwa einem Monat von dem neuen neurologischen Chefarzt Herrn Dr. Huber-Hartmann eine Zusage, dass ich gerne kommen könne.

Kurz vor dem Beginn meiner Famulatur erhielt ich von der Sekretärin telefonisch genauere Angaben zu meinem 1. Arbeitstag am Montagmorgen. Ich packte meinen Kittel und mein Stethoskop ein und nun stand dem Beginn nichts mehr im Wege.

Stationsalltag als Famulantin

Eingang Klinikum Heidenheim
Eingang Klinikum Heidenheim

Mein 1. Tag als Famulantin am Klinikum Heidenheim begann am Montag um 8:00 Uhr im Besprechungszimmer der Neurologie. Dort fanden sich alle zugehörigen Ärzte von Chefarzt über Oberarzt, Fach- und Assistenzärzte, PJ-Studenten bis hin zu den Praktikanten ein. Ich stellte mich bei allen vor und wurde sehr freundlich empfangen. Am selben Tag begann auch noch eine andere Studentin aus dem 10. Semester ihre Famulatur auf derselben Station.

Anschließend wurden in der Morgenbesprechung die neuen Patientenaufnahmen vom Wochenende bzw. vom Tag und der Nacht zuvor vom diensthabenden Arzt vorgestellt und deren Therapieplanung und weitere Behandlung kurz besprochen. Dann ging es im gesamten Team auf die Station. In diesem Krankenhaus war es so geregelt, dass die Oberärzte sich die Arbeit in der Notaufnahme und die geplanten Termine in der Elektrophysiologie (zur Nervenreizweiterleitung-Testung) teilten und die Fach- und Assistenzärzte die Station organisierten. Da ich mein Praktikum zur Urlaubszeit machte, waren auf Station immer 1-3 Ärzte, die uns Famulanten anleiteten und uns Aufgaben zuteilten.

Meine Famulatur-Abteilung Neurologie bestand aus 38 Planbetten, davon sechs in der dazugehörigen Stroke-Unit. In dieser werden hauptsächlich die akuten neurologischen Krankheitsbilder, wie z.B. Schlaganfälle, behandelt und intensiv überwacht. Auf der Station liegen Patienten mit etwas älteren Schlaganfällen, Bandscheibenvorfällen, Multipler Sklerose (MS), Morbus Parkinson, Neuroborreliose, u.v.m.

Bevor es auf Visite ging, schauten sich die Ärzte nochmal gemeinsam mit uns die Patientenakten am Computer an und begutachteten dabei die Laborwerte und neue CT- oder MRT-Bilder. Schon am 1. Tag war ich vom Fach Neurologie und dessen Krankheitsbildern ganz begeistert. Im 1. Patientenzimmer war z.B. eine Frau im Alter von ca. 45 Jahren mit halbseitiger Fazialisparese, d.h. sie konnte ihre Muskeln auf einer Gesichtshälfte nicht mehr bewegen. Diese Parese war bei ihr bedingt durch Borrelien, ausgelöst durch einen Zeckenstich. Sie lag bei uns etwa zwei Wochen auf Station, erhielt Antibiotika und trainierte während dieser Zeit mehrmals täglich mit ihrem Handspiegel ihre Gesichtsmimik. Es war wirklich faszinierend, wie gut sie sich dadurch verbesserte und ihre Symptomatik zurückging.

Nach der Visite standen meist Neuzugänge auf dem Plan, wobei wir Famulanten anfangs nur zuschauten und versuchten, uns bei der neurologischen Untersuchung alle wichtigen Methoden zu merken. Nach dem 1. Neuzugang zeigte uns eine der Ärztinnen nochmal ganz genau, was man beachten muss und auf welche Kleinigkeiten es ankam. Es ist wirklich toll, wie viel man bereits durch eine genaue Anamnese und eine gründliche Untersuchung von Kopf bis Zehenspitze herausfinden kann. Dies ist auch ein Punkt, welcher mir sehr gut an der Neurologie gefällt.

Zusammen mit der anderen Famulantin durfte ich schon ab dem 3. Tag die neuen Patienten aufnehmen und dann dem zugehörigen Arzt vorstellen. Dieser schaute sich daraufhin den Patienten nochmals an, bevor wir uns zusammen den weiteren Therapieplan überlegten. Zu der Patientenaufnahme gehörten natürlich auch das Diktieren der Anamnese und des vorläufigen Arztbriefes sowie das Vorstellen des Patienten am nächsten Tag in der Frühbesprechung. Dabei war ich etwas aufgeregt, da ich eine Patientenvorstellung vor versammelter Runde zuvor noch nie gemacht hatte. Es hat jedoch immer recht gut geklappt, auch wenn ich nicht auf alle Fragen stets die perfekte Antwort wusste, was letztlich nicht so schlimm war.

Auf der Station war es so geregelt, dass die Blutabnahmen meist schon morgens um 7:00 Uhr von den Krankenschwestern erledigt wurden. Somit gehörte das Blutabnehmen nicht zu meinen Hauptaufgaben. Da ich dies aber trotzdem gerne üben wollte, fragte ich bei den Schwestern nach, ob sie mir ein paar Blutabnahmen übrig lassen könnten. So hatte ich jeden Tag, zusätzlich zu den Neuaufnahmen, 2-5 Blutabnahmen und auch immer wieder neue Braunülen zu legen.

Generell war es sehr schön, dass zur selben Zeit noch eine andere Famulantin da war. Sie hat mir z.B. gute Tipps beim Blutabnehmen geben können und selber ihr Glück versucht, wenn dies bei mir mal nicht klappte. Zudem hat sie mir auch bei Fragen zu Krankheiten/Medikamenten immer gut weiterhelfen können. Wenn wir dann manchmal nach dem Mittagessen nicht zu viel zu tun hatten, konnte man auch immer gemeinsam einen Kaffee trinken.

Wenn es uns möglich war, gingen wir jeden Tag gegen 12:00 Uhr im gesamten Team zusammen in die Kantine zum Mittagessen. Dort gab es eine Auswahl an 2-3 Gerichten sowie Backwaren und belegte Brötchen. Man konnte sich auch sehr gut selbst von zuhause etwas mitbringen, so wie ich es auch meist machte. Als Famulant erhält man vom Klinikum Heidenheim für einen Monat Praktikum sogar ein „Essensgeld“ von etwa 82€.

Gegen 14:00 Uhr fanden jeden Tag für die PJ-Studenten Seminare in den verschiedenen Fachbereichen statt, in welche wir auch sehr gerne mitgegangen sind. Dies hat mir auch immer sehr gut gefallen, da es nachmittags auf der Station nicht mehr allzu viel für uns zu tun gab und man so auch noch neuen Input aus den anderen medizinischen Bereichen mitbekam. Da ich z.B. in Pulmologie vorher noch nicht viel wusste, war es sehr spannend, auch in diesem Fachgebiet etwas während meiner Famulatur zu lernen. Zudem gingen wir an manchen Tagen auf die Station und befragten die Patienten direkt am Krankenbett oder hatten einen praktischen Anteil bei Seminaren, wie z.B. das Tubus Legen in der Intensivmedizin.

Nach den Seminaren oder auch noch vor dem Mittagessen schauten wir oft bei Untersuchungen zu, wie z.B. bei Lumbalpunktionen oder bei Duplex-Sonographien der Halsschlagadern. Wenn wir etwas mehr Zeit hatten, konnte ich sogar mit der anderen Medizinstudentin oder auch mit den anderen Ärzten selber den Ultraschallkopf in die Hand nehmen und versuchen, die Gefäße damit schön darzustellen. Dies ist nicht immer so einfach, wie es zunächst beim Zuschauen aussieht; aber mit der Zeit hat es immer besser geklappt. In meiner letzten Woche konnte ich bei den Lumbalpunktionen steril anreichen und auch selbst eine Punktion durchführen. Dies war natürlich eines meiner Highlights!

An zwei Tagen war ich zeitweise mit der Oberärztin in der Notaufnahme, um dort bei den Aufnahmegesprächen und Untersuchungen der neu eintreffenden neurologischen Patienten dabei zu sein.

Mein Arbeitstag endete im Normalfall zwischen 15:00 Uhr und 16:30 Uhr. Falls ich jedoch noch relativ spät einen neuen Patienten aufgenommen hatte, was eher eine Ausnahme war, wurde es eventuell auch einmal 17:30 Uhr. Da ich an den Wochenenden keinen Dienst hatte, war die zeitliche Belastung nicht zu groß.

Das Klinikum Heidenheim

Luftaufnahme des Klinikums Heidenheim - Bildquelle Klinikum Heidenheim
Luftaufnahme des Klinikums Heidenheim – Bildquelle Klinikum Heidenheim

Im Akutkrankenhaus Heidenheim sind 16 Fachabteilungen mit insgesamt 540 stationären Betten vereint. Neben dem onkologischen, geriatrischen und dem regionalen Schlaganfall- Schwerpunkt gibt es mehrere verschiedene Organzentren, wie z.B. das Brust- oder Gefäßzentrum. Besonders schön ist die Lage auf dem Schlossberg der Stadt mit direktem Anschluss an den Wildpark Eichert.

Seit 2008 finden große Umbauarbeiten am Klinikum statt mit dem Ziel, nach und nach alle Bettenhäuser zu modernisieren. Der Hubschrauberlandeplatz und auch ein großer Bereich der Patientenstationen wurden bereits 2012 fertiggestellt und somit war auch meine Station der Neurologie schon ins schöne, neue Bettenhaus umgezogen. Von dort hat man auf der einen Seite auch direkte Sicht auf den Wildpark Eichert und kann an manchen Tagen vom Patientenzimmer aus ein paar Hirsche oder Wildschweine beobachten.

Das Klinikum Heidenheim wurde im Jahr 2014 als bestes akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm nominiert. Damit ist es besonders bei den PJ-Studenten sehr beliebt und die PJ-Plätze sind sehr umkämpft. Für eine Famulatur jedoch ist es mit genug Bewerbungsvorlauf meiner Meinung nach gut möglich, den gewünschten Praktikumsplatz zu bekommen.

Mein Fazit

Wunderbarer Blick vom Schloss Heidenheim auf die Stadt
Wunderbarer Blick vom Schloss Heidenheim auf die Stadt

Zusammenfassend kann ich nun sagen, dass es eine tolle Erfahrung war, auch schon nach dem 4. Semester eine Famulatur zu machen. Zwar weiß man einiges noch nicht, jedoch freut man sich umso mehr, wenn einem manche Krankheitsbilder und Untersuchungsmethoden schon bekannt vorkommen. Auch das Fachgebiet der Neurologie hat mir wirklich sehr gut gefallen und ich freue mich schon sehr, bis wir diesen Themenkomplex genauer an meiner Universität durchnehmen werden.

Meine Erwartungen wurden allesamt erfüllt. Ich freue mich feststellen zu können, dass ich sicherer im Blutabnehmen/Braunülen Legen geworden bin und auch wertvolle Erfahrungen im Umgang und Gesprächen mit den Patienten und auch dem Personal  sammeln konnte. Da ich mich in dem Team wohl und anerkannt gefühlt habe, war es fast schon schade, am letzten Tag zu gehen.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, noch eine weitere Famulatur oder auch ein PJ-Tertial im Klinikum Heidenheim zu absolvieren und werde dieses Krankenhaus und die Station der Neurologie auf jeden Fall weiterempfehlen. Auch für später wäre es gut denkbar, dort zu arbeiten, da das Krankenhaus von der Größe her meiner Meinung nach perfekt ist, also nicht zu groß, aber auch nicht zu klein, und somit eine angenehme familiäre Atmosphäre entsteht.

Ich bin schon auf meine weiteren Famulaturen gespannt und möchte auf jeden Fall noch eine im Ausland machen. Ich denke jedoch, dass es für die 1. Famulatur ganz gut ist, diese im Inland zu machen, um erstmal hier den Ablauf auf Station und auch generell das Gesundheitssystem kennenzulernen, bevor man dies im Ausland tut.

S.,T.

Hamburg, Oktober 2015

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