PJ in Berlin – Gynäkologie und Geburtshilfe

15. April 2015

in Chancen in Deutschland, Deutschland, Fachgebiet, Gynäkologie und Geburtshilfe, Land, Praktisches Jahr in Deutschland

Berlin, Vivantes Humboldt Klinikum (05.09.-26.12.2014)

Das perfekte Tertial! Wer hätte gedacht, dass es so etwas wie ein perfektes PJ-Tertial gibt? Ich habe es im Vivantes Humboldt Klinikum, in welchem ich das Wahltertial meines praktischen Jahres absolvierte, gefunden. Und dies in einer Abteilung, in welcher ich nur durch Zufall gelandet bin: in der Gynäkologie und Geburtshilfe. Da ich später Pathologin werden möchte, war für mich die Gynäkologie und Geburtshilfe eigentlich nur eine „Notlösung“, da man als Student der Berliner Charité leider kein Pathologie Tertial absolvieren darf. Dies ist eine Festlegung unserer Studienordnung, die mich zunächst zutiefst frustrierte, hatte ich doch schon einige Famulaturen in der Pathologie abgeleistet und wäre extrem motiviert gewesen. Doch für all den Ärger im Vorhinein wurde ich in meinem Wahltertial mehr als doppelt entschädigt.

Meine Entscheidung für das Fachgebiet und für die Klinik

Willkommen am Vivantes Humboldt Klinikum in Berlin-Taffelt/Vivantes
Willkommen am Vivantes Humboldt Klinikum in Berlin-Taffelt/Vivantes

Die Entscheidung, mich im PJ-Büro für ein Gynäkologie Tertial anzumelden, fiel bereits ein Semester zuvor im Blockpraktikum Gynäkologie an der Charité, das  mich sehr begeistert hatte. Wenn ich schon nicht Pathologie machen konnte, wollte ich wenigstens ein Fach belegen, das mir gute Laune bereitet. Und glaubt mir, die gute Laune bekommt Ihr im Kreißsaal ganz automatisch – zumindest dann, wenn die Geburten reibungslos ablaufen. Ich hatte im Vorhinein eher wenig Berührungspunkte mit diesem Fachgebiet, das heißt, mein fachliches Wissen war zu dem Zeitpunkt noch eher gering. Abgesehen davon, ist gerade die Gynäkologie verständlicherweise seitens der Patientinnen sehr gefühlsbetont geprägt. Das Gleiche gilt für Geburten, denn diese haben im Leben einer Frau einen ganz besonderen Stellenwert. Ich habe sie immer wieder als tief emotionale und ganz besondere Momente empfunden, die man mit der werdenden Mutter durchleben durfte.

Da ich keine andere Sprache so perfekt beherrsche wie meine Muttersprache, konnte ich mir nicht vorstellen, dieses Tertial im Ausland zu absolvieren. Ich hatte zwar ein Tertial in England absolviert, aber das Vertrauen der Patientinnen, das man in der Gynäkologie gewinnen muss, ist eine Herausforderung, die ich mir nicht in einer fremden Sprache zugetraut hätte. Daher informierte ich mich auf PJ-Ranking.de über die Bewertungen der Berliner Krankenhäuser im Fach Gynäkologie und Geburtshilfe. Von allen Häusern hatte das Vivantes Humboldt Klinikum die besten Bewertungen, was mich motivierte, es als Erstwunsch im PJ-Büro einzureichen. Als meine Zulassungsbescheide ankamen, erfuhr ich, dass ich das Tertial im Humboldt Klinikum ableisten können würde.

Vorbereitung auf die Gynäkologie und Geburtshilfe

Als Vorbereitung auf das Tertial hatte ich mir noch einmal meine inhaltliche Zusammenfassung vom Staatsexamen angesehen. Dies war zwar sehr hilfreich, aber bei Weitem nicht ausreichend. Den Großteil der Inhalte, die man mit der Zeit wissen sollte, lernt man eigentlich vor Ort. Die Abteilung der Gynäkologie und Geburtshilfe am Vivantes Humboldt Klinikum ist sehr an der Ausbildung der PJler interessiert, woraus sich tolle Fortbildungen und eine sehr gute Einarbeitung ergeben. Für Fragen und Probleme findet man immer einen Ansprechpartner. Die Chefärztin der Abteilung, Frau Dr. Hasenbein, ist die stellvertretende Lehrbeauftragte der Klinik und kümmert sich vorwiegend um die Studentenangelegenheiten in der Gynäkologie und Geburtshilfe. Die Betreuung der Studenten ist sehr intensiv, was auch die Tatsache erklärt, dass vier der dort tätigen Ärztinnen ehemals PJlerinnen der Klinik waren. Allen von ihnen hatte der PJ-Abschnitt so gut gefallen, dass sie sich dort im Nachhinein beworben hatten.

Meine Aufgaben und der Tagesablauf

Das Vivantes Humboldt Klinikum in Berlin
Das Vivantes Humboldt Klinikum in Berlin

Das PJ in der Gynäkologie liefert eine große Bandbreite an Aufgabenbereichen. Der Tagesablauf variierte je nach Abteilung. Da die Einteilung in die Bereiche Kreißsaal, Station, OP, Ambulanz, Sprechstunde jeden Tag neu erfolgte, wechselte er also von Tag zu Tag. Der Tag begann jeweils um 07:30 Uhr mit der Frühbesprechung. Danach erfolgte die Einteilung in die verschiedenen Fachbereiche. Um 08:00 begann die Arbeit in den einzelnen Abteilungen. Reguläre morgendliche Blutentnahmen gab es nicht, da das Klinikum Phlebotomisten angestellt hat. Daher blieb uns PJlern viel mehr Zeit, uns in die restlichen Aufgaben zu vertiefen.

Typische Tätigkeiten im Kreißsaal waren zum Beispiel das Begleiten von Spontangeburten, die chirurgische Assistenz bei Kaiserschnitten, das Hospitieren bei der Naht von Dammrissen und -schnitten, die Aufnahme von schwangeren Patientinnen zur Geburtseinleitung, der Ultraschall von schwangeren Patientinnen zur Feststellung des Schätzgewichtes beim Kind, das Interpretieren von CTGs sowie Blutentnahmen und Flexülen legen. Neben den Ärzten waren auch die Hebammen sehr hilfsbereit. Von allen Seiten bekam man so viele Erklärungen, dass man während der Arbeit auch gleichzeitig sehr viel Theorie vermittelt bekam. Nebenbei hatte man als Student auch die Aufgabe, die Abschlussgespräche und -untersuchungen der Wöchnerinnen zu absolvieren.

Auch auf der gynäkologischen Station gab es meist viel zu tun. Man bekam ein eigenes Patientenzimmer zugeteilt, für dessen Visite und anschließende Betreuung man, natürlich immer in Rücksprache mit einem Arzt/einer Ärztin, zuständig war. Dadurch wurde man langsam an die Verantwortung, die einen nach dem PJ erwartet, herangeführt. Des Weiteren gab es auf der Station sowie in der Ambulanz bei Einverständnis der Patientinnen die Gelegenheit, Patientinnen gynäkologisch zu untersuchen und auch den vaginalen Ultraschall durchzuführen. Ansonsten zählten Briefe, gelegentliche Blutentnahmen und Flexülen zu den Aufgaben auf Station und in der Ambulanz. Da in der Ambulanz noch zusätzlich die gynäkologischen Rettungsstellenpatientinnen aufgenommen wurden, konnte man hier parallel viel lernen und sehen.

Ebenso interessant gestaltete sich die Arbeit im OP. Hier war man oft als erste oder zweite Assistenz für laparaskopische und vaginale Chirurgie eingeteilt. Zu den häufigsten OPs zählten vaginale Hysterektomien, laparaskopisch geleitete Hysterektomien (LAVH, LASH, TLH), urogynäkologische Eingriffe, laparaskopische Zystenexstirpationen, Endometriose- Operationen und natürlich Not-OPs wie zum Beispiel bei Tuboovarialbszess, Stieldrehung oder Bartholini-Zyste. Es wurden auch Längslaparatomien bei Ovarialkarzinomen durchgeführt.

Zusätzlich hatte ich in diesem Tertial die Möglichkeit, an einem im Klinikum stattfindenden MIC-Kurs für laparaskopische Chirurgie teilzunehmen, in dem man zum Beispiel die Konisation oder das laparaskopische Nähen an Modellen üben konnte. Die Arbeit im OP hat mir immer großen Spaß gemacht, vor allem, da einem wirklich jeder Schritt erklärt wurde. Dazu kam, dass die OP Schwestern außerordentlich nett zu den PJlern waren, sodass man nicht die übliche Sorge vor Anfeindungen haben musste.

An bestimmten Wochentagen gab es auch verschiedene Sprechstunden, bei denen man hospitieren konnte. Dazu zählten die Endometriose Sprechstunde, die urogynäkologische Sprechstunde, die Risikosprechstunde für Schwangere und die Sprechstunde für Schwangerschaftsdiabetes. Alles in allem also eine vielseitige und sehr lehreiche Mischung.

Der Tag endete regulär mit der Übergabe an den Dienst um 15:00 Uhr, die circa eine halbe Stunde dauerte. Danach hatte man in der Regel Feierabend. Wenn danach noch etwas für die PJler zu erledigen war, wurde man jedes Mal sehr höflich gefragt, ob man denn noch Zeit hätte, zu helfen. In solchen Fällen bin ich immer gerne geblieben und es wurde mir wirklich tausendfach gedankt. Überhaupt bedankten sich die Ärzte bei uns Studenten häufig für unsere Hilfe. Wenn wir einmal  aufgrund eines Termins früher Feierabend machen mussten, gab es überhaupt keine Probleme. Man konnte auch, um Fehltage auszugleichen, Dienste absolvieren. Natürlich lief das nur auf Freiwilligenbasis.

Während dieses gesamten PJ-Abschnitts in der Gynäkologie und Geburtshilfe wurde ich wie eine Kollegin ins Team integriert und habe viel Wertschätzung für meine Arbeit erfahren. Andererseits wird im Vivantes Humboldt Klinikum auch auf verantwortungsbewusstes und selbstständiges Arbeiten wert gelegt – ein Vorgeschmack auf das, was uns alle ein halbes Jahr später erwartet. Am Ende des Tertials erhalten alle PJler von der Chefin einen wunderschönen Blumenstrauß und ein dickes Dankeschön für die Hilfe, die man geleistet hat. Ich fand, dass dies eine sehr freundliche Geste war.

Mein Fazit

An meinem Berufswunsch, Pathologin zu werden, hat sich zwar nichts geändert, aber ich bin trotzdem sehr dankbar, dass ich all diese tollen Erfahrungen in der Gynäkologie und Geburtshilfe, die letztendlich das Gegenteil meines späteren Berufswunsches darstellen, noch mitnehmen durfte.

I., J.

Berlin, Januar 2015

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