Famulatur in Hamburg – Onkologie

9. April 2015

in Chancen in Deutschland, Deutschland, Famulatur in Deutschland, Gastroenterologie, Innere Medizin, Onkologie

Hamburg, Asklepios Klinik Barmbek (17.03.-13.04.2014)

Die erste Famulatur! Meine Wahl fiel auf die Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Ärzte, die während der Visite viel erklärten, ein wirklich guter Studentenunterricht, angemessene Aufgaben, eine gute Arbeitsatmosphäre und ein sich sehr wohl fühlen aufgrund der ausgezeichneten Betreuung. Wegen meiner durchweg positiven Erfahrungen kann ich mir sehr gut vorstellen, einen Teil meines Praktischen Jahres am AK Barmbek zu absolvieren.

Motivation – „der Atem der Welt“

Ein Abend an den Landungsbrücken in Hamburg
Ein Abend an den Landungsbrücken in Hamburg

„Immer werden wir wieder auf den sicheren schwankenden Pontons stehen und eine Freude in uns fühlen, einen Mut in uns merken und eine Kraft in uns kennen. Immer wieder werden wir auf den Pontons stehen, mit dem Mut zum Abenteuer dieses Lebens, und den Atem der Welt unter unsern Füßen fühlen.“ – Wolfgang Borchert, „Die Elbe Blick von Blankenese“, Das Gesamtwerk, Rowohlt 1974, S. 96

Famulatur in Hamburg – das war die Gelegenheit! Ich wollte raus aus Tübingen, raus aus der Kleinstadtidylle, den „Atem der Welt“ – wie Borchert es treffend beschreibt – mal wieder spüren. Mir ähnelt mein beliebter Studienort nämlich eher einer Schneekugel – heile,  ein bisschen kitschig und fernab des Weltgeschehens.

Aber warum gerade die Stadt an der Waterkant, warum nicht eine der vielen anderen Metropolen in Europa, die vielleicht sogar noch weltmännischer sind? Als Mediziner ist es ja dank Vorträgen wie „Famulatur und PJ im Ausland“ leicht, sich ein Praktikum im Ausland zu organisieren.

Diese Famulatur war nicht nur eine Möglichkeit, Süden gegen Norden einzutauschen, sondern war auch gleichzeitig mein erstes Praktikum auf ärztlicher Seite. Daher stand für mich im Vordergrund, die praktischen Basisfähigkeiten zu erlernen und zu verinnerlichen. Für Anfängerfehler wollte ich mich wenigstens adäquat entschuldigen können, anstatt halbrichtige Entschuldigungen zu stammeln, während ich versuche, drei Röhrchen Blut zu bekommen und dabei die Arterie zum zweiten Mal punktiere.

Da eine Freundin von mir in einer größeren Wohnung in Hamburg wohnt und ich darauf spekulierte, daraus eine vorübergehende WG zu machen, was wir beide für eine ausgezeichnete Idee hielten, stand meine Entscheidung fest: Hamburg, Innere Medizin. Im Semester war dieses Thema gerade dran und ich zunehmend fasziniert von den vielfältigen Krankheitsbildern, die sich pathophysiologisch erklären lassen. Ich finde, das ärztliche Vorgehen ähnelt fast einer detektivischen Tätigkeit – und ich wollte immerhin Geheimagentin werden und hatte die ersten 100 Folgen von „Die drei Fragezeichen“ auf Kassette.

Außerdem erschien es mir sinnvoll, Bereiche praktisch zu vertiefen, nachdem ich mir eine theoretische Grundlage erarbeitet hatte. Was das internistische Spezialgebiet anging, war ich eher flexibel. Ursprünglich hatte ich mir Gastroenterologie herausgesucht, dieser Bereich war allerdings während meines Wunschzeitraumes schon vergeben. Daher nahm ich den Alternativvorschlag Onkologie an.

Bei der Auswahl des Krankenhauses ging ich ähnlich pragmatisch vor: Am besten in der Nähe der Wohnung, damit ich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren konnte. Das war in meinem Fall das AK Barmbek. Nachdem ich das Famulatur-Ranking überprüft und meine Wahl für gut befunden hatte,  standen die Eckdaten fest.

Vorbereitung und Bewerbung

Im Jenischpark in Hamburg
Im Jenischpark in Hamburg

Da ich mich nicht um eine Unterkunft kümmern musste, gab es im Vorfeld der Famulatur eher wenig zu organisieren. Nur rechtzeitig bei der Sachbearbeiterin anfragen, Bewerbung abschicken, Attest über Impfstatus einreichen, Fahrrad organisieren, Herold einpacken und es konnte losgehen…

Ich hatte mich damals circa fünf Monate vorher mit der zuständigen Sachbearbeiterin in Verbindung gesetzt. Sicherlich kann man auch zu einem späteren Zeitpunkt einen Praktikumsplatz bekommen. Ob das Wunschfach dann noch frei ist, ist wahrscheinlich Glückssache.

Das AK Barmbek – Ein Krankenhaus mit einer durchaus interessanten Geschichte

Die Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg
Die Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg

Vor etwas mehr als 100 Jahren wurde das ursprüngliche „Allgemeine Krankenhaus Barmbek“  als drittes Hamburger Großkrankenhaus eröffnet. Besonders hervorzuheben war seine Pavillonbauweise: In ungefähr 80 Einzelgebäuden waren Krankensäle, OP und Verwaltung untergebracht. Im Laufe der Zeit wurde die Klinik mehrfach umgebaut und modernisiert. Da die Struktur des Pavillonsystems den modernen medizinischen Anforderungen nicht mehr gewachsen war, fiel 1999 die Entscheidung zum Neubau.

Die Pavillons des ursprünglichen Klinikkomplexes werden heute noch genutzt. Dort befindet sich das sogenannte Quartier 21 – mit Gastronomie, Büro- und Gewerbeflächen und Wohnungseinheiten.

Auch der Neubau hat seine architektonischen Besonderheiten: Es handelt sich um Karree-förmiges Gebäude mit 16 Stationen auf vier Etagen. Die einzelnen Flügel des Komplexes sind über Brücken mit einer Plattform im Zentrum des Innenhofs verbunden. Dadurch wird der Innenhof in vier Bereiche geteilt, welche jeweils einem bestimmten Zweck dienen: In einem befindet sich ein Flügel, in einem anderen die Sitzplätze der Kantine… Damit der Innenhof auch seinem Namen gerecht wird, wird das Glasdach, wenn es warm ist, geöffnet.

Mit 16 Abteilungen und 703 Betten zählt dieses Lehrkrankenhaus der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg zu einem der größeren Häuser in Deutschland.

Meine Famulatur

Hamburg - Die Schanze am Morgen
Hamburg – Die Schanze am Morgen

Um 8:00 Uhr begann für mich der Arbeitstag auf Station 3C. Recht fit vom Fahren durch die frische Morgenluft und dem unfreiwilligen Sportprogramm in der Umkleide, zu dem es unweigerlich kommt, wenn alle PJler und Praktikanten einen Spind vor der Eingangstür haben, nahm ich an der Team-Besprechung teil. Dienstags fand zusätzlich ein kurzer Vortrag zu verschiedenen onkologischen Themen statt. Für mich als Studentin waren die Inhalte eher speziell.

Anschließend stand Blut abnehmen auf dem Programm. Glücklicherweise war außer mir noch eine  PJlerin auf der Station, was zahlreiche Vorteile hatte:

  • Sie hat mir unendlich viele Tipps gegeben und chirurgische Knoten beigebracht.
  • Ich war beruhigter, denn ich hätte eine Ansprechpartnerin gehabt, wenn irgendetwas nicht geklappt hätte.
  • Wir konnten uns nach dem postprandialen Loch gegenseitig motivieren.
  • Die zahlreichen Blutabnahmen konnten bewältigt werden, bis es mit der Visite losging.

Die Visite war neben dem, was sie eigentlich ist, auch eine Führung durch die Klinik, falls einem die architektonischen Besonderheiten und Tücken bei der Suche nach dem Besprechungsraum nicht aufgefallen sein sollten. Über die Palliativstation zur Station 3C weiter zu den Außenliegern auf den Privatstationen – sechs Treppen, drei Stunden und zwei Kaffee.

Die Visiten waren also lang, dafür aber ausführlich. Die Ärzte haben sich dabei sehr bemüht, mit uns Studenten die einzelnen Patienten zu besprechen. Meine Fragen zu Fällen, die ich spannend fand, wurden immer bereitwillig aufgenommen und der Sachverhalt erklärt. Wenn ich einen Patienten selbst aufgenommen hatte, durfte ich den Fall den Stationsärzten bzw. manchmal auch dem Chefarzt vorstellen.

Nach der Mittagspause, die lang genug fürs Mittag und zu kurz für eine Pause war, ging es mit den Patientenaufnahmen weiter. Dabei durfte ich eigenständig die Krankengeschichte erfragen und den Patienten fokussiert untersuchen sowie einen Zugang legen und Blut abnehmen. Gemeinsam mit dem zuständigen Arzt habe ich dann die weiteren Maßnahmen besprochen.

Häufig gab es nachmittags die Gelegenheit, bei Interventionen zu assistieren oder Untersuchungen beizuwohnen. Dabei fand ich vor allem die kleineren, invasiven Eingriffe (Port-Einbau, Anlage einer Aszitesdrainage, Knochenmarkspunktion) spannend. An ruhigeren Tagen besuchte ich meistens den Studentenunterricht. Das Programm ist recht umfassend und reicht von klinischer Nephrologie, EKG-Kurs bis hin zu chirurgischen Grundtechniken – und lohnt sich.

Zwischen 16:30 Uhr und 18:00 Uhr konnte ich mich aufmachen und die Vorzüge einer großen Stadt genießen: Mal zum Bikram-Yoga, mal Freikarten für ein großes Konzert gewinnen – und irgendwann zum Sonnenuntergang an den Elbstrand…

Fazit – „Junge, komm‘ bald wieder…“

Hamburg - Sonnenuntergang in der HafenCity
Hamburg – Sonnenuntergang in der HafenCity

Auch wenn ich häufiger vom Klingeln des Weckers aus der Nachbarwohnung als von Möwengeschrei geweckt wurde, habe ich die Zeit in Hamburg vollkommen genossen. Natürlich nicht nur wegen des lehrreichen Praktikums, sondern auch wegen des Drumherums – dem Jenischpark, den Läden auf der Schanze, dem „Moin, Moin“ und den Franzbrötchen.

Neben ersten Einblicken in den Klinikalltag konnte ich während meiner Famulatur vor allem praktische Erfahrung gewinnen. Dies lag vor allem daran, dass fast jeden Tag Interventionen stattfanden, die über Blut abnehmen hinausgingen, und ich aktiv in die Tätigkeit aller Stationsärzte eingebunden wurde. Da die Ärzte während der Visite viel erklärt haben und ein wirklich guter Studentenunterricht angeboten wurde,  war das Verhältnis von praktischen zu theoretischen Anteilen insgesamt ausgewogen.

Dass mir als Studentin angemessene Aufgaben übertragen wurden und ich häufig selbstständig arbeiten durfte, hat mir besonders gefallen. Obwohl während der ersten Famulatur vieles neu scheint, habe ich mich dank einer wirklich guten Arbeitsatmosphäre und der ausgezeichneten Betreuung sehr wohl gefühlt.

Wegen meiner durchweg positiven Erfahrungen – und um wieder am Elbstrand sitzen zu können – kann ich mir sehr gut vorstellen, einen Teil meines Praktischen Jahres am AK Barmbek zu absolvieren.

 

P., A.

Tübingen, Oktober 2014

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