Mein Weg nach Deutschland – persönliche Tipps und Ratschläge einer russischen Assistenzärztin

27. März 2014

in Assistenzarzt in Deutschland, Chancen in Deutschland

Mein Ziel ist es, als Ärztin in Deutschland zu arbeiten. Ich bin 26 Jahre alt und bin mit einem deutschen Mann verheiratet. Mein Medizinstudium und meine einjährige Internatur hatte ich in  Russland, genauer gesagt in Moskau, absolviert und  war direkt nach dem Ausbildungsabschluss nach Deutschland zu meinem Ehemann umgezogen. Alle Hürden auf dem Weg zu meiner Berufserlaubnis und Approbation habe ich inzwischen genommen.

Erste Eindrücke, erste Hürden

In der ersten Zeit war es bisschen schwierig, sich an die fremde Sprache, an andere Menschen sowie an das neue Klima zu gewöhnen. Als ich schließlich einen Kita-Platz für meinen Sohn bekommen hatte, erhielt ich die Möglichkeit, mit den einzelnen Schritten zur Anrechnung meiner in Russland absolvierten Ausbildung in Deutschland zu beginnen.

Wie sich schnell herausstellen sollte, musste ich leider vieles noch einmal wiederholen. Obwohl ich bereits am Goethe Institut  in Moskau die C1-Sprachprüfung erfolgreich bestanden hatte, sollte ich trotzdem an dem Integrationskurs sowie Orientierungskurs teilnehmen und die B1-Prüfung machen – unlogisch, aber so ist Deutschland.  Zusätzlich zu den Sprachkursen, musste ich auch meinen russischen Führerschein durch eine Prüfung bestätigen. Dies hat alles viel Zeit und Geld gekostet.

Wichtige Anlaufstellen und hilfreiche Informationen

Alle Informationen, die ich bezüglich der Erteilung der Berufserlaubnis oder der Approbation in Berlin brauchte, konnte ich bei dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) erfragen (http://www.berlin.de/lageso). Dort befindet sich  der erste Ansprechpartner für uns, ausländische Ärzte. Hier erhielt ich auch eine Liste mit einer Aufstellung der benötigten Dokumente, von denen man sich einige in seinem Heimatland besorgen muss. Dies kostete wieder Geld und Zeit, da ich extra nach Russland fliegen musste, um diese zu bekommen.

Aus diesem Grund rate ich jedem, sich bereits im Voraus per Email zu erkundigen, welche Dokumente wirklich erforderlich sind. Man sollte lieber alles Mögliche nach Deutschland mitnehmen, wie z.B. alle Zeugnisse bzw. Referenzen vom früheren Arbeitgeber, also überhaupt alle Dokumente, die belegen, was man in der Heimat gemacht hat.

Ich hatte nur das Medizinstudium absolviert, noch nie gearbeitet und konnte deswegen leider  nicht sofort einen Antrag auf Approbation stellen, sondern musste erst einmal eine Berufserlaubnis beantragen. Die Berufserlaubnis erhält man maximal für zwei Jahre. Theoretisch  darf man  mit dieser Berufserlaubnis als Assistenzarzt arbeiten, aber es ist ganz schwierig ohne Approbation eine Stelle zu finden – besonders in Berlin. Daher hatte ich mich entschieden, so schnell wie möglich eine Gleichwertigkeitsprüfung zu machen, die  innerhalb dieser zwei Jahre bestanden sein muss.

Im Internet hatte ich eine Angebot zur „Vorbereitung auf die Gleichwertigkeitsprüfung für Ärzte/Ärztinnen“ (http://gfbm.de) gefunden. Zum Glück erhielt ich dort einen Platz, aber man muss sich hierfür frühzeitig auf einer Warteliste eintragen. Im Rahmen dieses Kurses habe ich  ein Praktikum als Assistenzärztin absolviert, dadurch das Gesundheitssystem in Deutschland kennengelernt und  meine Sprachkenntnisse in der deutschen Medizin erheblich verbessert. Ich kann diesen Kurs nur weiterempfehlen!

Ich habe meine Prüfung, auf welche man sich sechs Monate vorher anmelden muss, direkt nach diesem Kurs absolviert und erfolgreich bestanden. Die Prüfung besteht aus drei Teilen: schriftlicher, praktischer und mündlicher Teil. Ab Januar 2014 ändern sich die Gesetze für diese Prüfung. Die aktuellen Informationen hierzu kann man bei LAGeSo (http://www.berlin.de/lageso) erhalten.

Zusammenfassung und abschließende Tipps

Mein Weg sah so aus:

  • Die Heirat hatte mir das Recht gegeben, nach Deutschland umzuziehen (Oktober 2011)
  • Medizinstudium (bis 2010) plus einjährige Internatur (bis 2011) in Russland. Während der Internatur hatte ich Innere Medizin gemacht, aber dies spielte überhaupt keine Rolle, da ich sowieso eine Weiterbildung in Deutschland absolvieren muss.
  • 1. Jahr (2012): Intensive Sprachkurse – Ich hatte noch die Elternzeit damals, ohne Kinder geht es klar viel schneller. Gleichzeitig eine Führerscheinprüfung und die Beantragung der Berufserlaubnis.
  • 2. Jahr (2013): Vorbereitung auf die Kenntnisstands Prüfung  mit dem halbjährigen Praktikum als Assistenzärztin im Krankenhaus und Teilnahme an der Prüfung, die Beantragung der Approbation und die Bewerbung auf eine Stelle.

Mein Weg war der kürzeste, aber gleichzeitig schwierigste. Es ist leider ganz individuell, wie alles laufen kann. Ich kenne Ärzte, welche die Approbation ohne die Prüfung erhalten dürfen, und auch Ärzte, die so erfahrend sind, mehr als 30 Jahre in der Medizin gearbeitet haben,  aber an der Prüfung doch teilnehmen müssen.

Es hängt viel vom jeweiligen Berater ab und ganz viel von all den Dokumenten, welche sie zusammenstellen. Mann muss einfach alle  Dokumente sowie unwichtige Papiere mitnehmen. Wo hat man gearbeitet? Wie viel hat man gearbeitet? Was hat man konkret gemacht? Sprich überhaupt alle Papiere, welche man finden kann. Dies ist manchmal total schwierig, beispielweise in Russland, aber es lohnt sich, um in Deutschland problemlos und ohne Stress die Approbation zu erhalten.

Die Prüfung ist leider total schwierig, man muss sich wirklich sehr gut darauf vorbereiten. Wie ich es erlebt habe, fallen acht von zehn Prüflingen leider durch. Dies hat einerseits mit der Sprache zu tun und andererseits mit den medizinischen Fragen. So ist es beispielweise für einen Augenarzt, der 25 Jahre in seiner Heimat nur in seinem Gebiet tätig war, schwierig, sich wieder an Wissen zur Chirurgie, Inneren Medizin und zu einem Überraschungsfach zu erinnern oder eher dieses Wissen wieder zu erlernen. Aus diesem Grund beschreiten manche den Rechtsweg, um zu beweisen, dass sie wirklich das Recht haben, die Approbation zu erhalten. Was wieder viel Zeit und Geld kostet.

Jeder hat seinen Weg, aber ich wünsche auf  jeden Fall allen viel Erfolg!

V., A.

Prüfungsprotokolle zur Vorbereitung auf die mündliche Prüfung für Examenskandidaten in Berlin

Berlin, Januar 2014

Ähnliche Artikel:

1 Kommentar

  • Vielen Dank für deine vollständige Beschreibung deiner Erfahrung.
    Ich habe übrings eine kleine Frage.
    In Russland hast du nur den klinischen Teil abgeschlossen oder bist du schon als Fachartzt nach Deutschland angekommen?
    Ich meine die Gleichwertigkeitsprüfung die du geschrieben hast hat als Ziel ein Erlaubnis als Artzt in Deutschland zu arbeiten oder einen Zugang zur Weiterbildung zum Fachartzt zu bekommen?

Schreibe einen Kommentar zu Mhemed Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *