Famulatur in Berlin – Naturheilkunde

10. Juli 2013

in Chancen in Deutschland, Deutschland, Famulatur in Deutschland, Naturheilkunde

Berlin, Immanuel Krankenhaus Berlin-Wannsee (10.09.-12.10.2012)

Ich hatte mich bei meiner zweiten Famulatur für die Naturheilkunde entschieden, weil ich nach vielen Fernsehberichten neugierig auf dieses Fach war. Und nun nach meiner Famulatur am Immanuel Krankenhaus Berlin- Wannsee muss ich sagen, dass ich mir sehr gut vorstellen könnte, in diesem Krankenhaus auf der Station für Naturheilkunde später zu arbeiten.

Meine Entscheidung für das Immanuel Krankenhaus Berlin-Wannsee

Die Tagesklinik

Das Immanuel Krankenhaus Berlin-Wannsee ist eine Spezialklinik für Rheumatologie, Orthopädie, Osteologie und Naturheilkunde und ein akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Es gliedert sich in insgesamt sechs Abteilungen mit zusammen 200 Betten in den Fachrichtungen Innere Medizin (Rheumatologie und Immunologie), Obere Extremität (Hand- und Mikrochirurgie), Untere Extremität (Endoprothetik und Fußchirurgie), Naturheilkunde, Stoffwechselerkrankung (Osteologie) und Anästhesiologie. Jede von diesen wird chefärztlich geführt. Außerdem gehören eine Ambulanz und eine Tagesklinik, sowie das Zentrum für Naturheilkunde und das Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung zum Krankenhaus.

Die Lage ist sehr naturnah, da der Immanuel Park des Krankenhauses direkt am kleinen Wannsee liegt und von Patienten und Angestellten viel für Spaziergänge genutzt wird. Die Fahrt vom Hackeschen Markt bis zum Wannsee dauert 30 min, sodass ich mit Fahrrad insgesamt 40 min brauchte. Ich fand dies für die Entfernung erstaunlich wenig und habe es jeden Morgen genossen, am Wannsee vorbei zu fahren.

Ich hatte mich für die Naturheilkunde entschieden, weil ich aus Fernsehberichten davon erfahren hatte und neugierig auf die dort beschriebene Indische Medizin war. Das Schöne an der Komplementär – oder der Integrativen Medizin ist, dass sie die Schulmedizin nutzt und diese um die jeweilige alternative Methode erweitert. Ich finde es sehr spannend, in der Medizin nicht nur eingleisig zu fahren, sondern auch mal links und rechts vom Weg zu schauen, um meinen späteren Patienten sowohl offen gegenübertreten zu können, als auch mehrere Möglichkeiten zur Gesundung anbieten zu können. Das Schöne am Immanuel Krankenhaus ist, dass man dort sehr wissenschaftsnah arbeitet und man so viele ihrer naturheilkundlichen Methoden auf ihre Wirksamkeit hin prüft.

Die rechtzeitige Bewerbung

Ich bewarb mich Ende April für meine Famulatur im September, wie sich später herausstellte, gerade rechtzeitig, denn es gibt immer nur einen Famulanten. Ich schickte über die Webseite eine E-Mail Anfrage mit Lebenslauf und bekam eine sehr freundliche Antwort von Frau Leisching aus dem Chefarztsekretariat für Naturheilkunde, die mir bestätigte, dass ich für den angegebenen Zeitraum mein Praktikum in der Abteilung für Naturheilkunde machen könnte. Einen Monat später musste ich meine Famulatur um drei Tage vorziehen, aber dies war kein Problem.

Meine Famulatur am Immanuel Krankenhaus Berlin-Wannsee

Blick von der Ambulanz auf das Immanuel Krankenhaus Berlin-Wannsee

Am 10. September um 9:00 Uhr begann ich dann das Praktikum und wurde auf die Station gebracht. Dort stellte ich mich den Ärzten vor. Das Team auf Station bestand aus dem Chefarzt Dr. Michalsen, zwei Oberärzten, zwei Stationsärztinnen und einer Assistenzärztin. Weiterhin arbeiteten noch Ärzte in der Ambulanz, der Tagesklinik und der Forschung für Naturheilkunde. Aber zu diesen werde ich später berichten.

In der ersten Woche lernte ich alles kennen. Ich hospitierte bei Aufnahmen und Visiten, bekam einen Einblick in den Behandlungsablauf und machte mich mit den Patienten vertraut. Es waren vor allem chronische Schmerzpatienten, Rheumapatienten und Menschen mit metabolischem Syndrom. Dazwischen gab es vereinzelt auch Patienten aus allen möglichen Fachbereichen, z.B. Patienten mit Atopischer Dermatitis, Dyshydrotischem Syndrom, Herzrhythmusstörungen, Diabetes mellitus, Neuropathien, Krebserkrankungen, Atemproblemen, Schlafapnoe.

Blutabnahmen waren immer kurz vor 8:00 Uhr und unsere Oberärztin hat dies immer gern gemacht. Je nachdem, wer noch da war, half ich ihr dabei. So habe auch ich einigen Patienten Blut abgenommen. Daneben lernte ich die ersten Behandlungen kennen wie Schröpfen, Akupunktur oder Wickel.

Am 2. Tag kam eine chinesische Ärztin aus dem Forschungsinstitut für Naturheilkunde und ich begleitete sie und eine Stationsärztin zu drei Patienten, wo sie zunächst eine chinesische Anamnese durchführten. Zuerst befragten sie die Patientin zu Beschwerden und aktuellen Umständen, Schlaf, Essen, ähnlich der schulmedizinischen Anamnese, dann schauten sie sich die Zunge an und fühlten den Puls mit drei Fingern. Anhand dieser beurteilten sie die Zustände der inneren Organe. Interessanterweise fand die chinesische Ärztin oft Symptome innerer Organe über Zunge und Puls, welche die Patienten dann verblüfft bestätigten, so z.B. Verdauungsprobleme, oder dass sie morgens schlecht aufstehen könnten oder eine schwache Leber hätten.

Später trafen wir die Patienten dann zur Akupunktur und die chinesische Ärztin setzte die Nadeln dann so, dass sie über die Meridiane das jeweilig geschwächte System stärkte. Es war sehr spannend, denn die Punkte lagen natürlich nicht auf den Organen, sondern über den ganzen Körper verteilt. Die Patienten waren immer sehr begeistert davon und berichteten, dass es ihnen gut getan habe.

Ähnlich war es auch beim Schröpfen. Hierbei wird ein Glas, das glockenförmig ist auf der Seite mit dem geringeren Durchmesser von einem runden Gummisaugball umschlossen. Darüber kann man einen Unterdruck erzeugen, der dann zu einem Ansaugen der Haut in die Glasglocke führt. Mit einem Schmerz Öl wurde der entsprechende schmerzhafte Bereich dann massiert oder es wurden auf die Haut mehrere Schröpfköpfe aufgesetzt. In dem behandelten Körperbereich regt es die Durchblutung an. Es wurde vor allem bei Schmerzen durch Migräne, Bandscheibenvorfälle, Rheuma, Arthrose usw. angewendet. In der ersten Woche schaute ich nur zu und probierte es einmal aus, doch in den folgenden Wochen gehörte es zur Nachmittagsroutine und es gab Tage, da konnte man sich vor der Nachfrage nicht retten. Ich habe es sehr gern gemacht, weil man den Kontakt zu den Menschen dadurch vertiefen konnte und sofort ein positives Feedback für seine Arbeit bekam.

Mein Arbeitsablauf

Kältekammer
Kältekammer

Jede Woche hatte einen Grundablauf. Es gab zwei Chefarztvisiten, dienstags und donnerstags, für jeweils eine Hälfte der Station. Dazu trugen sich die Patienten in einen Plan ein und kamen am gegebenen Tag zum Arztzimmer, in welchem wir dann oft zu fünft saßen und uns anhörten, wie es ihnen erging. Ich fand es sehr schön, dass es die Möglichkeit gab, jeden Menschen individuell zu empfangen und mit ihm zu reden, da er so die vollkommene Zuwendung von vier Ärzten hatte und ihm das Gefühl gegeben werden konnte, dass alle Anwesenden sich jetzt Zeit für ihn und seine Bedürfnisse nehmen.

Dienstagnachmittags war eine Besprechung mit dem Kunsttherapeuten, während der er schilderte, wie er die Patienten beim Malen oder Töpfern erlebt hat und was sie gemalt haben. Ich fand es sehr spannend, die unterschiedlichen Kunstwerke zu begutachten und zu sehen, dass es den Patienten eine Möglichkeit gab, sich mit ihrer Krankheit auseinanderzusetzen oder auch einfach kreativ tätig zu sein und etwas gefunden zu haben, das ihnen Spaß macht.

Mittwochnachmittags fand das Gespräch mit der Psychotherapeutin statt. Einige Patienten führten während der Woche Gespräche mit ihr und wir hörten uns dann mittwochs an, wie sie während der Therapie gewirkt und was sie erzählt haben. Oft fand man dann heraus, dass sich bestimmte Wesenszüge, die man wahrgenommen hatte, bestätigten oder, was die Patienten wirklich belastete. Es gab z.B. einen Patienten, der in der Therapie überhaupt nicht von seiner Erkrankung sprach, aber sehr viel über familiäre Stressoren.

Donnerstagnachmittags hatten dann Therapeuten aus dem Bereich Physiotherapie, Thermotherapie, Schmerztherapie, Ernährungsberatung und Ordnungstherapie mit den Ärzten der Station ein Gespräch. Dies war hilfreich, um ein Gesamtbild des Patienten zu entwickeln. Wir unterhielten uns über den Verlauf des Aufenthaltes des Patienten, vor allem, wie es ihm erging, und berieten, welche Therapien für seine Gesundung noch in Frage kämen.

Ab der zweiten Woche habe ich selbständig Patienten aufgenommen, d.h. Anamnese und körperliche Untersuchung durchgeführt. Danach habe ich es mit der betreuenden Ärztin besprochen und sie hat, wenn nötig, noch eine Nachuntersuchung durchgeführt. Insgesamt war es ein sehr selbständiges Arbeiten, aber wenn man Fragen hatte, waren alle sehr offen und haben sie geduldig beantwortet. Die Arbeitsatmosphäre war sehr entspannt und ich durfte von allen, inklusive Pflege und Therapeuten, etwas lernen.

Ich begann nun auch, mich mehr mit den Behandlungen vertraut zu machen, da man bei der Anamnese immer auch einen Behandlungsplan erstellte, den man auf die Patienten individuell zuschnitt. Da ich nun diejenige war, die den jeweiligen am besten kannte, musste ich mir auch Gedanken machen, was ihm gut tut. Die Liste an möglichen Behandlungen war leider ewig lang und ich besprach sie bis zum Ende der Famulatur immer noch mit der betreuenden Ärztin und lernte so, welche Anwendung für welchen Patienten geeignet ist.

Zu den Anwendungen gehörten z.B.:

  • ausleitende Verfahren wie Schröpfen, Aderlass, Blutegeltherapie
  • Ernährungstherapie, z.B. Heilfasten, Ernährungsgespräche
  • Mind-Body Medicine (Ordnungstherapie)
  • Neuraltherapie
  • Osteopathie
  • Anwendungen wie Wickel, Fußbäder, Auflagen
  • Entspannungstherapien wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Feldenkrais
  • Thermotherapie, z.B. Güsse, Bäder, Kältekammer, Hyperthermie
  • Physiotherapie, z.B. Stromtherapie, Krankengymnastik, Massagen, Bewegungsbad
  • Schmerztherapie
  • Ergotherapie
  • Traditionelle Chinesische Medizin, mit z.B Moxibustion, Akupunktur
  • Ajurveda, mit z.B Ernährungsberatung, Massagen
  • Homöopathie

Diese kurze Auflistung zeigt noch nicht annähernd alle Therapien, aber für einen ersten Eindruck sollte es reichen. Ich begann mir mehr und mehr dieser Verfahren anzusehen oder machte sogar einige mit. Dies fand ich sehr sinnvoll, um den Patienten über das jeweilige Verfahren ausreichend informieren zu können. Die Ärzte ließen mir da vollkommenen Freiraum.

Nachdem ich mit Schröpfen und Akupunktur schon vertraut war, begann ich mit der Mind-Body Medicine (Ordnungstherapie) und der reflektorischen Atemtherapie. Dabei war letzteres eher eine Manuelle Therapie, da mittels der Hände des Therapeuten Atemreize gesetzt wurden.

Eine Woche später probierte ich die progressive Muskelspannung und Feldenkrais aus. Ich ging zur Schmerzgruppe und hörte mir einen Vortrag zum Thema Fibromyalgie an. Zweimal hat mich der Oberarzt auch zur Neuraltherapie hinzugeholt und ich durfte ihm assistieren.

Das absolute Highlight war allerdings die Kältekammer. Ich bin zusammen mit zwei Patienten im Bikini mit Stirnband und Mundschutz dort hinein gegangen. Zuerst ging es in die Vorkammer mit
-40°C, dann in die zweite Kammer mit -60°C und zuletzt in die Hauptkammer mit -110°C. Da lief schöne Musik und wir bewegten uns langsam dazu. Durch ein Fenster lächelten wir dem Therapeuten zu, der mit uns über Lautsprecher kommunizierte und uns die Zeit durchgab. Bei 3 min gingen wir dann wieder heraus. Dies ist auch die maximale Zeit, die den Patienten vom Therapeuten empfohlen wird. Auf Station haben wir eher gesagt, 1-2 min reichen am Anfang und dass man natürlich rausgehen soll, wenn man es nicht aushält. Die Kältekammer wurde viel bei chronischen Schmerzerkrankungen und Rheuma verordnet.

In der letzten Woche durfte ich an einem Notfallkurs für Ärzte teilnehmen. Zuerst erhielten wir eine allgemeine Einführung, dann gingen wir in Gruppen auf eine Station. Hier waren in verschiedenen Zimmern Notfallsituationen aufgebaut, die man dann im Team bearbeiten musste. Diese Weiterbildungsmaßnahme hat sich wirklich gelohnt und war ein toller Abschluss für das gemeinsame Arbeiten.

Fazit meiner Famulatur

Der Immanuel-Park

Da dies meine zweite Famulatur gewesen war, fand ich es sinnvoll, sie in Deutschland zu machen. Mit Auslandsfamulaturen würde ich warten, da es aus meiner Sicht nicht sinnvoll ist, diese als erste oder zweite Famulatur zu machen. Man sammelt zu Beginn noch viele Erfahrungen. Wenn die dann gefestigt sind und der Ablauf klar ist und man sich selbst sicher in Sprache als auch Umgang mit einem Patienten fühlt, dann würde ich ins Ausland gehen.

Außerdem finde ich, man sollte eine gewisse Anzahl an Praktika auch im eigenen Land absolvieren, um die Arbeitsatmosphäre und das System kennen zu lernen sowie einige Fertigkeiten. In manchen Ländern lernt man z.B. nicht, Blut abzunehmen, da dies die Schwestern machen. Was dann wiederum hier kritisiert wird, da dies sowie Zugänge legen, Anamnese und körperliche Untersuchungen zum Famulanten Alltag gehören.

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, im Immanuel Krankenhaus Berlin-Wannsee auf der Station für Naturheilkunde zu arbeiten, da mir der Umgang mit den Patienten dort sehr gut gefallen hat und auch unter den Kollegen das Klima stimmte. Vor allem hatte ich nie das Gefühl, dass ich unter den Ärzten stehe, sondern immer mit Respekt behandelt wurde. Außerdem hat es mir gefallen, mit so vielen Therapeuten zusammen zu arbeiten und zu merken, wie man gemeinsam etwas bewirken kann.

Josephin Bartram

Berlin, Dezember 2012

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