Famulatur in München – Innere Medizin

27. Juli 2012

in Chancen in Deutschland, Deutschland, Famulatur in Deutschland, Innere Medizin

Bayern, München, Universitätsklinikum Großhadern (13.02.-13.03.2012)

Eine Famulatur in der Notaufnahme sollte man einmal in seinem Medizinstudium gemacht haben, da es die Möglichkeit bietet, die Vielfältigkeit der Medizin kennen zu lernen. Und es hat einen riesigen Vorteil – es wird nie langweilig. Eine der besten Famulaturen, die ich machen konnte. Gleichzeitig hat mich diese Famulatur in meiner Absicht bestärkt, später in der Inneren Medizin tätig zu sein.

Die Wahl der richtigen Famulatur

Ich hatte mir vorher genauestens überlegt, was ich wollte. Dies sollte man grundsätzlich bei allen Famulaturen machen und schon früh anfangen zu planen, wo und wann man welche Famulatur macht. Das Ganze wird natürlich nicht leicht, wenn man zudem auch noch eine Famulatur im Ausland plant.

Mein Ausgangspunkt war das Ende meines 7. Semesters, somit hatte ich die großen Fächer Innere Medizin und Chirurgie abgedeckt. Ich wollte nicht nur etwas lernen, sondern vor allem wollte ich mein Gelerntes anwenden. Dies war meine Priorität. Deshalb hatte ich mich vorher im Internet informiert und meine Erwartungen mit der zuständigen Oberärztin besprochen. Somit ging ich schon mit der Überzeugung in die Famulatur, dass es kein Reinfall sein würde. Trotzdem! Die Nothilfe hat mich wirklich überrascht. Dass es so spannend und lehrreich werden würde, hätte ich nie gedacht.

Es wird ziemlich oft geraten, keine Famulaturen in der Uniklinik zu machen. Ich kann dies auch zum Teil mit meinen eigenen Famulaturen an ausländischen Unikliniken bestätigen. Allerdings kann man das nicht ganz pauschalisieren und wenn man sich vorab gut informiert, dann kann eigentlich nichts schiefgehen.

Warum habe ich genau diese Famulatur gewählt?

Ich hatte viele Gründe für meine Wahl. Mein späteres Ziel ist die Innere Medizin. Daher wollte ich auf jeden Fall eine Famulatur in der Inneren Medizin machen. Ich hatte es in den Zeitraum nach meinem 7. Semester gelegt, da ich mein Wissen zu diesem Fachgebiet, das ich gerade erlangt hatte, noch weiter festigen und vertiefen wollte.

Die Nothilfe hatte ich gewählt, um ein sehr breites Spektrum der Inneren Medizin kennen zu lernen. Man sieht jeden Tag Fälle aus der Gastroenterologie, der Kardiologie, der Pulmonologie, der Onkologie u.v.m. Außerdem kann man sich eine Famulatur in der Notaufnahme als eine Praxisfamulatur anerkennen lassen und das ist sicherlich eine sehr schöne Alternative zur Hausarztpraxis.

Warum gerade in München? Ich war wirklich neugierig, wie die Arbeitszeiten und das Arbeitsklima am Uniklinikum sind – vor allem mit dem Hintergrund, auch einmal dort zu arbeiten. Außerdem konnte ich nebenbei bei wichtigen Notfällen in meinem Nebenjob einspringen. Dies war seitens der Ärzte in der Nothilfe kein Problem. Ich habe entweder die Schicht gewechselt oder konnte auch ein paar Arbeitstage in einem Wochenende kompensieren. Diese Möglichkeit war super, denn sonst hätte man ja im Grunde keine Zeit für den einen Monat, Geld zu verdienen.

Vorbereitung

Das Universitätsklinikum Großhadern in München

Ich hatte mich im Oktober 2011 um die Famulatur im Universitätsklinikum Großhadern beworben. Die zuständige Ansprechperson war die Sekretärin der Endoskopie. Vorab hatte ich allerdings auch die Oberärztin in der Nothilfe kontaktiert.

Literaturempfehlung ist natürlich der „Herold“ (= Innere Medizin vom G. Herold und Mitarbeitern). Wer dieses Buch noch nicht besitzt, wird es sich sicherlich in nächster Zukunft kaufen müssen. Also kann man es sich schon zur Famulatur kaufen. Allerdings gibt es auch dort im Aufenthaltsraum ein kleines Bücherregal, welches gefüllt ist mit älteren „Herolds“ und anderen nützlichen Büchern, wie z.B. dem EKG Pocket.

Die Arbeit in der Nothilfe

Der Eingang in die Nothilfe

Bereits am ersten Tag meiner Famulatur habe ich mich sehr ernstgenommen gefühlt. Sofort wurde ich mit integriert in den ärztlichen Alltag. Zuerst habe ich bei einer Patientin zugeschaut, wie das übliche Prozedere von statten geht: Anamnese – Was genau will ich erfahren? Welche Fragen stelle ich dazu? Körperliche Untersuchung, weitere Diagnostik und eine erste „Triagierung“. Ich habe schnell gelernt, wie man ein EKG interpretiert und wie man einen Arztbrief anlegt. Und seitdem war ich an der Reihe. Am ersten Tag habe ich bereits meine ersten Patienten betreut.

Der Tagesablauf sah folgendermaßen an: Man konnte in der Früh- oder in der Spätschicht arbeiten. Die Frühschicht ging von 8:00 bis 16:00 Uhr, die Spätschicht von 16:00 bis 22:00 Uhr.

Sobald die letzte Schicht die Patienten übergeben hatte, schaute man sich diese nochmal an und kontrollierte z.B. Laborwerte etc. Bei einem neu eingetroffenen Patienten machen zunächst die KrankenpflegerInnen eine Einteilung. Die Nothilfe ist aufgebaut in sechs Kabinen – zwei chirurgische, eine HNO und drei internistische Kabinen. Natürlich kann sich die Aufteilung je nach Bedarf ändern, aber in der Regel hatten wir von der Inneren Medizin drei Kabinen, in denen zwei Patienten liegend versorgt werden konnten.

Das Pflegepersonal hat den Ärzten dann Bescheid gegeben, Blut abgenommen und ggf. ein EKG geschrieben. Ich muss erwähnen, dass das Pflegepersonal sehr erfahren war und dass man auch hier viel theoretisch und praktisch lernen konnte (Blutabnehmen, EKG-Schreiben etc.).

Danach haben meistens die Famulanten übernommen. Die Anamnese sollte qualitativ gut strukturiert, kurz, aber inhaltlich komplett sein; sprich man musste fit sein, den Patienten später vorzustellen. Danach folgten eine körperliche Untersuchung und die Anmeldung spezifischer Diagnostik nach Rücksprache. Hier hatte man den Patienten einer Assistenzärztin/einem Assistenzarzt vorgestellt und mögliche Differentialdiagnosen genannt. Ich sollte auch Therapievorschläge machen und bereits eine mögliche Schmerztherapie einleiten.

Die Anamnese und die körperliche Untersuchung wurden dann noch einmal in etwas konkreterer Form vom Assistenzarzt und ggf. vom Oberarzt wiederholt, so dass man auch stets ein Feedback bekam, ob man die Anamnese oder die körperliche Untersuchung korrekt durchgeführt hatte. Dieses Feedback war mir sehr wichtig, da ich immer die Sicherheit hatte, nichts übersehen zu haben. Ich hatte immer Zeit, in der Zwischenzeit vieles vor Ort nachzulesen und ggf. noch weiter nachzufragen. Das würde ich auch jedem raten, denn der Lernerfolg ist enorm.

Man wartet Laborergebnisse ab, Röntgen- und CT-Diagnostik und revaluiert das Ganze nochmal. Am Ende wird der Patient entweder entlassen, verlegt oder aufgenommen. In jedem Fall braucht der Patient einen abschließenden Arztbrief, wofür die Famulanten zuständig sind. Es gucken noch mehrere Ärzte über den Brief und man muss ihn auch nicht zwingend schreiben, wenn man sich nicht sicher ist, aber als Übung ist dies bestens geeignet, denn man erhält überall ein Feedback, weil die Assistenzärzte und der Stationsarzt stets den Famulanten auf die Finger schauen.

Im Prinzip bekommt man so das ganze Spektrum der Inneren Medizin zu sehen und kann in den Schockraum mitgehen oder ggf. noch in andere Bereiche hinein schnuppern. Im Schockraum steht man neben Anästhesisten, Internisten und Pflegepersonal in der Ecke, aber lernt auch eine ganze Menge aus der Notfallmedizin. Die Fragen und praktischen Tätigkeiten sollte man sich allerdings für ein anderes Mal aufheben. Hier kann man das Team und den Patienten begleiten, aber am besten so unscheinbar wie nur möglich.

Im Großen und Ganzen ein sehr gutes Lehrkonzept. Ich konnte mir aussuchen, wie viel ich machen wollte, war sehr selbstständig und verantwortungsbewusst. Wenn man Initiative zeigte, wurde man entsprechend gefördert und mit einer immer größer werdenden Verantwortung, die einem als Medizinstudenten dann übertragen wurde, belohnt.

Pause machen, durfte ich jederzeit und essen konnte man sehr gut in dem Aufenthaltsraum nebenan, aber nicht nur hier, sondern auch im Personalcasino mit 3-Gänge-Menü.

Man konnte pünktlich gehen, allerdings war es für mich oft so spannend, dass ich geblieben bin, bis „meine“ Patienten abgeklärt waren und so bin ich deshalb öfters etwas länger geblieben.
Die Nothilfe ist sehr flexibel und sehr offen für Vorschläge. Wenn man nebenbei arbeiten muss, kann man entweder später oder zur anderen Schicht oder eben auch am Wochenende kommen. Die Wochenenddienste haben mich sehr weit gebracht, weil ich die Stations- und Assistenzärzte wirklich gut entlasten konnte. Am Wochenende war ich oft die einzige Famulantin und musste mehrere Patienten gleichzeitig betreuen.

Fazit

Eine der besten Famulaturen, die ich machen konnte. Ich habe sehr viel gelernt und bin nun auch im Auftreten gegenüber Patienten und Personal viel sicherer geworden. Außerdem hat mich die Famulatur in meiner Absicht bestärkt, später in der Inneren Medizin zu arbeiten.

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, im Universitätsklinikum Großhadern als Ärztin tätig zu sein. In der Nothilfe waren jedenfalls die Arbeitsatmosphäre und die Lehre sehr gut.

H., A.
München, Mai 2012

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2 Kommentare

  • Hallo zusammen,

    ich habe auch großes Interesse am Universitätsklinikum Großhadern für meinen ersten Monat Famulatur in die Notaufnahme für die Innere Medizin zu gehen. Wie war das denn bei euch organisiert, habt ihr in der Inneren famuliert und durftet dann ab und zu in die Notaufnahme? Wer war denn bei euch Ansprechpartner? Es gibt immer so viele Namen. Vielleicht kann mir jemand von euch helfen.
    Aufjedenfall klang das alles sehr interessant und so würde ich mir meine Famulatur auch wünschen….

    Liebe Grüße

  • Ich bin Ägypticher Medizin Student (5 Jahr) und ich möchte ein Ausländer Famulatur machen in Deutschland , aber ich weiss nicht ob ich das machen kann , oder in welchem krunkenhäuser , universitäten oder klinikum kan ich es machen. Mein Deutsch ist nicht so gut,ich habe Deutsch als Zweiten Fremdsprache im abitur gelernet und A2 stufe bendet in Goethe institute-Kairo , Können Sie mir helfen ?

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