Famulatur in Filderstadt – Gynäkologie und Geburtshilfe

25. Juni 2012

in Chancen in Deutschland, Deutschland, Famulatur in Deutschland, Gynäkologie und Geburtshilfe

Baden-Württemberg, Filderstadt-Bonlanden, Filderklinik (01.02.-29.02.2012)

Schon früh im Medizinstudium habe ich mich für mein zukünftiges Fachgebiet, die Frauenheilkunde, entschieden. Und so war es naheliegend, dass ich mich bei meiner geplanten Famulatur in der Gynäkologie und Geburtshilfe nach Krankenhäusern umsah, die ich mir später auch als mögliche Arbeitsstellen vorstellen und bei einer Famulatur bereits näher kennenlernen könnte.

Meine Entscheidung für die Gynäkologie und Geburtshilfe

Im Februar 2012 nach meinem 7. Semester habe ich eine vierwöchige Famulatur in der Gynäkologie und Geburtshilfe an der Filderklinik in Filderstadt bei Stuttgart absolviert. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Vorlesungen zu diesem Fach gehört. Für mich persönlich war die Frauenheilkunde schon vorher der Fachbereich, in dem ich später arbeiten wollte und dieses Ziel hat sich durch die Famulatur noch verstärkt.

Ich hatte mich dafür entschieden, diese Famulatur in Deutschland zu machen, da ich so am besten meine potentielle spätere Arbeitsstelle kennenlernen konnte. Außerdem wollte ich fachlich so viel wie möglich lernen, was in der Muttersprache eben doch am einfachsten ist.

Für die Filderklinik hatte ich mich interessiert, da diese Klinik mit dem Konzept der integrativen Medizin arbeitet. Auf ihrer Internetseite www.Filderklinik.de wird es folgendermaßen beschrieben: „Die Filderklinik ist ein modernes Krankenhaus für Akut- und Ganzheitsmedizin. Wer hierher kommt, schätzt unser qualifiziertes medizinisches Know-How, das durch das Therapieangebot aus der Anthroposophischen Medizin ergänzt wird. Denn in der Filderklinik geht es Ärzten und Pflegenden nicht nur um die Krankheit im Menschen, sondern vor allem auch um den Menschen in der Krankheit.

Zu den speziellen Anthroposophischen Therapien gehören therapeutisches Malen, Zeichnen und Plastizieren, aber auch Sprachgestaltung, Musiktherapie und Heileurythmie. Neben diesen Kunsttherapien kommen äußere Anwendungen wie Wickel, Einreibungen und Auflagen sowie Rhythmische Massage nach Wegman/Hauschka oder spezielle anthroposophische Arzneimittel zum Einsatz.“ Die Umsetzung dieses Leitgedankens wollte ich kennenlernen.

Vorbereitung für eine Famulatur

Willkommen in der Filderklinik

Bei dem Wunsch, eine Famulatur in der Frauenheilkunde zu machen, muss man meiner Meinung nach auf die Größe des Krankenhauses und den Schwerpunkt achten, den manche Kliniken haben. In einer Universitätsklinik oder einem sehr großen Haus gibt es eher Ärzte, die sich innerhalb der Gynäkologie stark spezialisiert haben, sodass auch sehr schwierige Fälle gesehen werden können. Extreme Risikoschwangerschaften oder seltene, schwere gynäkologische Krankheitsbilder.

Die Frauenheilkunde in der Filderklinik hat ihren Schwerpunkt in der Geburtshilfe. Es kommen dort jährlich über 1.700 Kinder zur Welt. Die Gynäkologie verfügt über 40 Betten. Für mich war auch wichtig, dass die Ärzte in der Frauenheilkunde über alle drei Stationen rotieren, also überall arbeiten. D.h. Kreißsaal, Wochenbett, Gynäkologie und auch Brustoperationen durchführen lernen. Da ich später auch gerne das ganze Spektrum in meine Arbeit integrieren möchte, gab mir dieses Krankenhaus einen guten Überblick über den Arbeitsalltag.

Die Filderklinik ist eines der wenigen Krankenhäuser in Deutschland, das auch Kinder in Beckenendlage spontan entbindet. So konnte ich während meiner Famulatur bei einer solchen Entbindung zusehen. Die integrative Medizin stellt so sogar eine größere schulmedizinische Herausforderung dar, da auch risikoreichere Schwangerschaften, wie zum Beispiel eine Frau mit einem schiefen Becken, spontan entbinden können. Trotz des Schwerpunktes auf der natürlichen Geburt, werden die Risikofaktoren gut abgewägt und bei zu kritischen Situationen oder dem eindringlichen Wunsch ein Kaiserschnitt gemacht. Ich konnte bei Kaiserschnitten zugucken und bald auch mit am Tisch stehen und assistieren.

Stationen meiner Famulatur

  • Im Kreißsaal

Die ersten beiden Wochen war ich im Kreißsaal. Dort begleitete ich die Ärzte bei ihrer Arbeit und konnte so einen sehr guten Eindruck in die Arbeit im Kreißsaal und in den Ablauf der unterschiedlichen Geburten erlangen. Erstgespräch bei Geburtsbeginn, Ultraschalluntersuchungen, CTG Auswertungen, Besprechung des Geburtsmodus, bei der Notwendigkeit der Geburtseinleitung Aufklärung über die unterschiedlichen Möglichkeiten, Begleitung der schwierigen Geburten bzw. Dammschnitte und Nähen, Notsektio, U1 etc.
Außerdem hat man auf jeden Fall die Möglichkeit, auch die Hebammen zu begleiten, um die Geburten noch intensiver mitzuerleben.

Meine Aufgaben waren das Blut abnehmen, Zugänge legen, Durchführen der U1, Ertasten der Kindslage und des Uterusstandes nach der Geburt als auch das Assistieren beim Kaiserschnitt. Vaginale Untersuchungen habe ich im Kreißsaal nicht gemacht, konnte dies aber im gynäkologischen OP bei Frauen in Vollnarkose üben.

Die Ärztinnen waren alle sehr nett und haben mir gerne viel erklärt. Ich habe mich während der Famulatur sehr gut aufgehoben gefühlt und viel gelernt. Ich konnte mir selbst aussuchen, wie lange ich auf welcher Station sein möchte und auch die tägliche Zeiteinteilung konnte ich angepasst an die Geburten selbst vornehmen. Wenn also gerade noch Geburten waren, bin ich länger geblieben, bei keiner direkt anstehenden Geburt konnte ich dafür dann auch mal früher gehen. Die eigentliche Arbeitszeit ging von 7:30 Uhr bis 16:00 Uhr. Man kann aber Spät- und Nachtdienste machen, wenn man auch die anderen Routinen miterleben möchte.

  • Auf Station

Auf der gynäkologischen Station habe ich morgens an der Visite teilgenommen. An den OP-Tagen hatte ich die Möglichkeit, verschiedene Operationen zu sehen und zu assistieren. Vor allem bei den Operationen mit dem Chefarzt konnte ich selbst tätig werden, da er Wert darauf legte, dass man früh Dinge selber macht.

Auf der Wochenbettstation gibt es nicht ganz so viel zu sehen und zu tun. Mir reichten zwei, drei Tage um den Stationsalltag und die Aufgaben der Ärzte kennen zu lernen. Die Frauen werden beim Stillen unterstützt, die Rückbildung des Uterus wird kontrolliert, Frauen nach einem Kaiserschnitt werden mobilisiert und bei dem Abschlussgespräch kurz vor Entlassung werden alle offen gebliebenen Fragen beantwortet und letzte Tipps gegeben. Auf dieser Station gab es für mich neben den Blutentnahmen nicht wirklich viel zu tun, aber ich konnte einen guten Einblick bekommen und natürlich durchs Zuschauen und zum Beispiel Ertasten des Uterusstandes einiges lernen.

  • Gynäkologische Notfallambulanz und Sprechstunden

Neben den drei Stationen gibt es auch die gynäkologische Notfallambulanz, für welche die Ärzte abwechselnd zuständig sind. Die Patientinnen werden aufgenommen, untersucht und in gegebenen Fällen wird ein OP-Termin gemacht.

Außerdem werden zahlreiche Sprechstunden angeboten: Brust-Sprechstunde, Onkologische Sprechstunde, Inkontinenz-Sprechstunde, Sprechstunde zur Klärung von Operationsindikationen, Vorstellung vor der Geburt, Schwangerensprechstunde, Beckenendlagensprechstunde, Dopplersprechstunde, Fehlbildungsultraschall. Nach Rücksprache mit den Ärzten kann man in den Sprechstunden zuhören. Man lernt, Patientengespräche zu führen, vor allem auch in problematischen Situationen, und den Umgang mit ganz unterschiedlichen Charakteren und ihren Ängsten, Bedürfnissen und Fragen.

Besonderheiten der Filderklinik

Die Filderklinik

Wenn man sich für eine Famulatur in der Filderklinik entscheidet, lernt man auch etwas über die, an der Universität meist vernachlässigten, zusätzlichen Therapiemöglichkeiten, wie zum Beispiel die Misteltherapie bei onkologischen Patientinnen und es wird mehr auf die Bedürfnisse der Patienten geachtet. So konnte ich auch an einer Besprechung der verschiedenen Therapeuten teilnehmen, bei der einzelne Patienten besprochen wurden.

Was auffällt, ist das Klientel in der Klinik. Da die Filderklinik dafür bekannt ist, integrative Medizin zu betreiben und Wert auf die natürliche Geburt legt, kommen auch zum Großteil Frauen, die diesen Wunsch haben. Schön war die Erfahrung, als eine Frau mit Zwillingen mit dem Wunsch in die Klinik kam, spontan zu entbinden. Sie kam von weit her, da ihre Kinder beide in der Beckenendlage lagen und aus diesem Grund viele andere Kliniken die spontane Geburt nicht begleiten wollten.

Diese Frau war sehr glücklich, in der Filderklinik fündig zu werden und am nächsten Tag, nachdem sie nachts entbunden hatte, besuchte ich die Frau auf der Wochenstation, wo sie glücklich über die gut verlaufene Geburt ihre Kinder in den Armen hielt.

Wöchentlich gibt es für alle Ärzte in der Frauenheilkunde eine kleine einstündige interne Weiterbildung beziehungsweise einen Auffrischungskurs. Dort wird ein bestimmtes Thema besprochen und auch zum Beispiel eine bestimmte Geburtsproblematik an einem Modell geübt. Ich nahm unter anderem an Weiterbildungen zum Thema Saugglockengeburt oder Adaptation des Neugeborenen nach der Geburt und daraus entstehende Anpassungsstörungen teil.

Tipps rund um eine Famulatur an der Filderklinik

Filderstadt und Umgebung

Die Filderklinik verfügt über eine gute Küche und einen großen Speisesaal mit Balkon. Das Essen ist gut, jedoch bekommt man kein kostenloses Essen sondern nur eine Essenskarte zum Aufladen, über die man zu Mitarbeiterpreisen essen kann.

Parken kann man auf dem Mitarbeiterparkplatz. Gegen ein Pfand von EUR 20.- erhält man eine Parkkarte.

Da die Klinik außerhalb von Stuttgart und eher ländlich gelegen ist, ist die Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Stuttgart oder Tübingen aus eher ungünstig. Das Wohnen im Wohnheim der Klinik ist jedoch möglich.

Für eine Famulatur bewerben sollte man sich wie überall besser früher als später. Es werden eigentlich nicht mehr als zwei Famuli für die drei Stationen gleichzeitig eingesetzt, sodass man sich beim Aufteilen auf die Stationen nur mit einem anderen absprechen muss. Meiner Meinung nach sind vier Wochen notwendig, um wirklich überall reinschauen und einen guten Eindruck bekommen zu können.

Mein Fazit

Eine Famulatur zu machen, bevor man die Vorlesung und Seminare in der Uni z.B. zu diesem Fach hatte, hat, so glaube ich, Vor- und Nachteile. Ich werde jetzt beim Lernen Bilder im Kopf haben und wissen, welche Dinge in der Klinik wichtig und welche unwichtig sind. Auf der anderen Seite erleichtert eine Famulatur mit einem größeren Vorwissen den Einstieg.

Eine Famulatur in der Filderklinik kann ich wärmstens empfehlen. Ich wurde herzlich aufgenommen, habe viel gelernt und hatte das Gefühl, als Student gut anerkannt zu werden.

B., A.
Rostock, Mai 2012

Kontakt

Filderklinik
Im Haberschlai 7
70794 Filderstadt-Bonlanden (bei Stuttgart)
Tel: 0711 77030
Chefarzt Gynäkologie: Dr. med. Hauke Schütt
Sekretariat: 0711 7703 2875

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