Famulatur in Berlin – Herzchirurgie

18. Juni 2012

in Chancen in Deutschland, Deutschland, Famulatur in Deutschland, Herzchirurgie

Deutsches Herzzentrum Berlin (25.07.-23.08.2011)

Wer sich wie ich für die Kardiologie oder insbesondere die Herz–Thoraxchirurgie interessiert, der träumt vielleicht auch davon, eine Famulatur in Karlsburg bei Prof. Dr. Wollert zu absolvieren oder sogar im Deutschen Herzzentrum Berlin bei Prof. Dr. Hetzer. Dies war auch ein kleiner Traum von mir und so habe ich nichts unversucht gelassen, um an mein Ziel zu kommen.

Mein Ziel, meine Motivation

Am Stadtstrand No. 1 in Berlin
Am Stadtstrand No. 1 in Berlin

Wie eingangs schon erwähnt, war meine Motivation nach Berlin zu gehen, mein großes Interesse an der Herzchirurgie. Dann natürlich auch die Tatsache, dass ich sehr neugierig darauf war, Prof. Dr. Hetzer kennen zu lernen und operieren zu sehen. Zusätzlich habe ich mir erhofft, dass sich eine Famulatur im Deutschen Herzzentrum Berlin, evtl. sogar ein Zeugnis, äußerst gut auf meinem Curriculum Vitae machen würde.

Und nebenbei könne man mit Berlin natürlich eine sehr interessante und aufregende Stadt kennen lernen. Ich hätte zudem Zeit, Stadt, Kultur, Geschichte, Leute und das Nachtleben zu erkunden.
Ein erstes Resümee an dieser Stelle bereits vorab: Meine gesamte Zeit in Berlin, sowohl die Famulatur als auch das Leben dort, war einfach eindrucksvoll und hat viele positive Erinnerungen hinterlassen.

Die Bewerbung

Anfangs war es etwas mühsam und viele meiner Anfragen und e-Mails blieben unbeantwortet, bis ich schließlich mit ein wenig Glück und Vitamin B ein Antwortschreiben des Chefarztsekretariats bekommen habe; das war ca. ein Jahr vor meinem geplanten Aufenthalt in Berlin.

Im Zeitraum vom 25.07.2011 bis zum 23.08.2011 habe ich die Famulatur im Deutschen Herzzentrum Berlin, einer Stiftung des Bürgerlichen Rechts, absolviert. Es handelt sich um ein akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin, auf dessen Campus sich auch das Deutsche Herzzentrum befindet.

Grundsätzlich kann ich aus Erfahrung sagen, dass man es verhältnismäßig leicht bei Bewerbungen hat, wenn man sich direkt an den Chefarzt/die Chefärztin bzw. das Chefarztsekretariat wendet.
Entweder schickt man gleich alle Bewerbungsunterlagen wie Bewerbungsschreiben, CV, Immatrikulationsbescheinigung, Physikums-Zeugnis, Zeugnis aus voran gegangenen Famulaturen etc. mit oder man stellt sich erst einmal nur mit seinem Anliegen vor und fragt nach den Möglichkeiten. Wichtig hierbei ist, dass man dies rechtzeitig tut.

Für die Famulatur im Deutschen Herzzentrum hatte ich mich ca. ein Jahr im Voraus beworben. Ich hatte zuerst nur angefragt, ob die Möglichkeit bestehe, eine Famulatur im gewünschten Zeitraum zu absolvieren und dann im Nachhinein alle weiteren Unterlagen versendet.

Der erste Tag

Das Deutsche Herzzentrum in Berlin

Aber fangen wir erst einmal an. An meinem ersten Tag sollte ich um 9:00 Uhr im Chefarztsekretariat sein. Dort bekam ich, nach einer freundlichen Begrüßung und einem herzlichen „Willkommen heißen“ einen Laufzettel, der mich durch einige Abteilungen (EDV, Personalabteilung, Datenschutz etc.) führte, bevor es schließlich, incl. Mitarbeiterausweis, auf die Station H2 ging. Dort wurde ich schon erwartet und schließlich von einer Assistenzärztin als auch einer anderen Famulantin grob über die Station und durch das Haus geführt sowie in erste Stationsabläufe eingewiesen.

Die Kleidung sowohl für die Station als natürlich auch für den OP wurden gestellt. Mit Ausnahme der Oberärzte und des Chefarztes war es übrigens als Famulant bzw. Assistenzarzt nicht unbedingt üblich, einen Kittel zu tragen. Im hauseigenen Restaurant gab es zudem ein wirklich sehr leckeres Essen zu Mitarbeiterpreisen, das mit einer Chipkarte bezahlt wurde, die man aufladen konnte. Grundsätzlich wurde ferner immer drauf geachtet, dass wir Famuli unsere Pausen machen konnten, insbesondere, wenn es in den OP ging.

Auf der Station gibt es eine grobe Einteilung der Abläufe sowie auch der Patienten. So gibt es die beiden chirurgischen Stationen H1 und die H2, welche durch eine Etage voneinander getrennt sind. Auf der H1 liegen hauptsächlich die Patienten mit „Kunstherzen“ bzw. Assistsystemen. Zum Teil sind dies frisch Operierte, ferner welche, die auf ein neues System warten und vorbereitet werden sowie diejenigen mit Komplikationen, meist mit Gerinnungsstörungen. Die H2 wird noch einmal in einen A und einen B Teil unterteilt. Auf ihr liegen vorrangig Patienten mit Klappenersatzoperationen oder aortokoronaren Bypassoperationen.

Meine Eindrücke auf der Herzchirurgie

Die Übergabe-Gespräche am Morgen, es geht schon um 6:30 Uhr los, werden meist mit allen Ärzten gemeinsam durchgeführt und es herrscht ein reger Informationsaustausch über die voneinander „getrennten“ Stationen hinaus. Der Stationsablauf verläuft dann weitestgehend separat voneinander.

Auf den jeweiligen Stationen gibt es die Unterteilung in Ärzte, die den Stationsdienst übernehmen, und diejenigen, die die Neuaufnahmen machen. Dieser groben Einteilung sind auch wir Medizinstudenten gefolgt. Die ersten Blutentnahmen am Tag wurden meist gemeinsam durchgeführt bzw. man hat sich über die Stationen hinaus geholfen. Danach war dann jeder einer Station zugeteilt bzw. hat bei den Patientenaufnahmen geholfen oder diese selbst übernommen.

Der Tag endet immer mit der Übergabe an den Spätdienst und mit viel Glück hat man dann gegen 15:00 Uhr Feierabend. Es wurde uns schließlich von vielen Ärzten freigestellt, ob wir noch an der Übergabe teilnehmen oder schon davor nach Hause gehen wollten.

Grundsätzlich konnten wir mit Absprache auch flexibel arbeiten und nicht nur ausschließlich Frühdienste machen. Genauso kam es vor, dass die Ärzte auch auf uns zugekommen sind und gerade bei Krankheit als auch Personalmangel gefragt haben, ob man z.B. auch am Wochenende kommen könnte, wofür man natürlich einen Ausgleichstag bekommen hat.

Was des Weiteren sehr positiv ist, sind die regelmäßigen Fortbildungen für die Ärzte am Donnerstagmorgen, denen wir uns bei Interesse anschließen konnten. Die hausinternen Fortbildungen werden interdisziplinär gehalten und sind eine tolle Möglichkeit, sich nicht nur zum Thema Herzchirurgie weiterzubilden, sondern z.B. auch im Rahmen der Inneren Medizin zum Thema Niereninsuffizienz. Nebenbei gibt es noch ein leckeres Frühstück und ich habe ebenfalls die Gelegenheit genutzt, mir die Fortbildungen „quittieren“ zu lassen. Natürlich bekommen wir als Famuli noch keine Punkte gut geschrieben, wie es für die Ärzte bei Besuch einer Fortbildung gilt, jedoch macht sich sowas immer gut in seinem Curriculum Vitae.

Was ebenfalls als sehr positiv hervorzuheben ist, war das Engagement einiger Ärzte, uns neben dem Stationsalltag und den Operationen noch andere Einblicke zu ermöglichen. Dazu gehörte z.B. ein Termin mit einem Techniker, welcher zu uns auf Station kam und uns über sämtliche Kunstherzen und Assistsysteme aufgeklärte. Zusätzlich waren wir dann noch in der „Herztechnik“ und auf der Intensivstation, wo uns einige Patienten mit echten Kunstherzen vorgestellt wurden.

Aber auch sonst war selbst der Stationsalltag oft sehr spannend und abwechslungsreich. Wichtig ist nur, dass man bereit ist, etwas zu tun und natürlich Interesse zeigt. Dann kommen einem die Ärzte oft mit tollen Angeboten entgegen.

Arbeit auf der Station

Deutsches Herzzentrum Berlin

Der Stationsalltag beginnt, wie bereits erwähnt, um 6:30 Uhr mit der Übergabe und den anschließenden Blutentnahmen. Danach beginnt man entweder mit den Patientenneuaufnahmen, den dazugehörigen körperlichen Untersuchungen und dem Erheben der Anamnesen,
oder man begleitet die Visite, diskutiert mit den Ärzten neu gewonnene Befunde wie z.B. Echo, EKG, Röntgen etc., Differentialdiagnosen sowie Behandlungsschemata und führt im Anschluss neue Anordnungen durch.

Des Weiteren warten auf der Station Arbeiten wie Blutentnahmen, das Legen von Zugängen, das Wechseln von Verbänden, ziehen von Drainagen und temporär liegenden Schrittmachern.
Gen Feierabend sind meist noch einige Arztbriefe zu schreiben und mit der Übergabe an den Spätdienst endete der Dienst meist zw. 15:00 Uhr und 15:30 Uhr.

Tage im OP wurden am besten schon im Voraus geplant und mit allen Famuli abgesprochen, damit immer jemand die Möglichkeit hatte, in den OP zu gehen, aber auch noch welche auf Station waren. Wenn man es dann noch hinbekam, auch das operierende Ärzteteam mit einzubeziehen, gab es auch die Möglichkeit, dass man als Assistenz eingeplant wurde. Das reine Zugucken bei einer OP war fast immer möglich, man sollte dies aber immer vor Ort nochmal mit dem Anästhesisten, auf dessen Seite man oft steht, absprechen und wenn möglich den Operateur vor dem jeweiligen Eingriff fragen.

Auch hier gibt es natürlich Unterschiede. Zu bedenken ist, dass es oft Operationen von 4-6 Stunden Dauer sind, der Operateur maximal konzentriert sein muss und nicht abgelenkt werden darf bzw. werden will. Da kann es dann schon vorkommen, dass bei dem einen Professor kein einziges Wort gesprochen werden darf und ein anderer Dich in das OP-Gesehen mit einbezieht, erklärt und einen evtl. sogar abfragt.

Auf jeden Fall sieht man unglaublich viele spannende und zum Teil sehr seltene Krankheitsbilder und Operationen. Von einer vier bis fünffachen aortokoronaren Bypass-Operation, sämtlichen Klappenersatzoperationen, bis zum Beheben von Herzfehlern im Neugeborenen-/Kindesalter sieht man alles und durchaus häufig.

Mit viel Glück, etwas Geschick, Erfahrung z.B. aus vorangegangenen Famulaturen in der Chirurgie und etwas Wissen, welches man dem Operateur entgegnen kann, darf man dann auch selbst Assistenz leisten. Hier sind gerade bei den langen Operationen ein gutes Frühstück, Ausdauer und Stehvermögen gefragt. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass einen solche Erinnerungen, wie z.B. bei einer fünffachen aortokoronaren Bypass-Operation zu assistieren bzw. nähen zu dürfen, erst einmal nicht mehr loslassen und sämtliche körperlichen Anstrengungen vergessen lassen.

Ebenfalls in Erinnerung bleiben Operationen, die man nicht ganz so häufig sieht, wie die Operation einer Fallot’schen Tetralogie und der „Einbau“ eines Assistsystems. Mein persönliches Highlight war neben dem Assistieren dürfen, das Dabeisein bei einer Herztransplantation. Hierzu sei noch gesagt, dass es für Medizinstudenten die Möglichkeit gibt, sich auf einer Liste einzutragen und man mit Daumendrücken informiert wird, wenn eine Transplantation ansteht. Dann kann man evtl. schon bei der Entnahme dabei sein und verfolgt diesen Weg vom Anfang bis zum Ende.

Mein Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass meine Famulatur im Deutschen Herzzentrum Berlin unglaublich beeindruckend und lehrreich zugleich war.

Da die Herzchirurgie jedoch schon sehr speziell ist, sollte man eine solche Famulatur nicht allzu früh machen und am besten schon vorher Erfahrungen in der Allgemeinchirurgie sammeln.
Ich für meinen Teil habe vorher schon während einer einmonatigen Famulatur, welche ich ausschließlich im OP verbracht habe, viele Fertigkeiten erlernt und konnte diese dann auch in Berlin anwenden.

Mein Interesse an der Herzchirurgie ist mit der Famulatur noch mehr gewachsen und hat mich darin bestärkt, mir auch die Herzchirurgie im Ausland „anzusehen“.

P., M.
Rostock, Mai 2012

Kontakt

Deutsches Herzzentrum Berlin
Augustenburger Platz 1
D – 13353 Berlin
Tel. 049-30-45931000
Fax. 049-30-45931003

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