Assistenzarzt in Freiburg – Pädiatrie

15. September 2010

in Assistenzarzt in Deutschland, Chancen in Deutschland, Deutschland, Pädiatrie

Baden-Württemberg, Freiburg, St. Josefs-Krankenhaus Freiburg (August 2010)

Schon zu Beginn meines Medizinstudiums hatte ich den Wunsch, Kinderarzt zu werden. Und da nun einmal viele gute Kinderärzte, Neonatologen, Kinderchirurgen, Kinderkardiologen etc. aus Deutschland kommen, habe ich mich entschieden, meine Weiterbildung zum Facharzt in Deutschland zu absolvieren.

Meine Entscheidung: Weiterbildung in Deutschland

Einen Großteil meiner praktisch-klinischen Ausbildung (Famulaturen, PJ) im Medizinstudium hatte ich im Ausland verbracht. Vieles läuft dort besser als in Deutschland, aber vieles eben auch nicht. Im Prinzip plagt jedes Land die gleichen Probleme: Überaus aufwendige Dokumentation – ob dreimal das Gleiche auf verschiedene Formulare oder dreimal das Gleiche in verschiedene Programme eintippen, ist dann auch egal – und mangelnde Zeit für Patienten. Da ich den deutschen Klinikalltag bisher nur aus Praktika und Famulaturen kannte, entschied ich mich für die Weiterbildung in Deutschland.

Viele gute Kinderärzte, Neonatologen, Kinderchirurgen, Kinderkardiologen etc. kommen aus Deutschland, auch wenn sie inzwischen im Ausland arbeiten. Um irgendwann mal in die großen Fußstapfen dieser Ärzte treten zu können, habe ich mich entschieden, meine Weiterbildung zum Facharzt in Deutschland zu absolvieren.

St. Josefs-Krankenhaus in Freiburg

Das St. Josefs-Krankenhaus in Freiburg habe ich eher per Zufall gefunden – ein sehr glücklicher Zufall, wohlgemerkt! Aus privaten Gründen hatte ich mich nach sieben Monaten an meiner ersten Arbeitsstelle dazu entschlossen, nach Freiburg zu wechseln. Nun stehen dort nicht allzu viele Kinderkliniken zum Bewerben zur Verfügung – die Universitätsklinik und das St. Josefs-Krankenhaus, ehemals externes St. Hedwigs-Krankenhaus.

Das St. Josefs-Krankenhaus kannte ich seit längerem als sehr gute Kinderklinik, von der Patienten und Ärzte nur Gutes berichten. Ich hatte vor der Bewerbung mit einem ehemaligen Assistenten aus St. Hedwig, vielen Freiburger Studenten und sogar einigen Patienten gesprochen, die die Abteilung kannten und mir dringend empfohlen haben, mich bei Prof. Forster zu bewerben. Sogar mein damaliger Chef hatte mir zu der Stellenzusage gratuliert und mir die Arbeit dort nochmals ans Herz gelegt.

Während des Studiums hatte ich keinen Kontakt zum St. Josefs-Krankenhaus, da ich in einer recht weit entfernten Stadt studiert und durch meine Auslandsaufenthalte bei meinen Famulaturen und im Praktischen Jahr sechs Wochen in Namibia, vier Monate in Schweden, acht Monate in der Schweiz und vier Monate an meiner Heimat-Universitätsstadt gearbeitet hatte.

Frühe Ausrichtung im Studium

Schon zu Beginn meines Medizinstudiums hatte ich den Wunsch, Kinderarzt zu werden. Aus diesem Grunde versuchte ich, meine gesamte Ausbildung darauf auszulegen, nach dem Staatsexamen die Weiterbildung zum Facharzt für Pädiatrie zu beginnen. Im Praktischen Jahr hatte ich in Schweden und der Schweiz gearbeitet und durfte das Pädiatrie-Tertial an einer großen Schweizer Universitätsklinik ableisten. Dort hatte ich nach einer Rotation auf die allgemein-pädiatrische Station entsprechend meinem Wunsch auf der Notfallstation und der Neo-Intensiv und Wochenbettstation gearbeitet, da mein besonderes Interesse der Neonatologie und Intensivmedizin gilt.

Schon vor dem Studium lernte ich im Rettungsdienst den Umgang mit Notfallsituationen. Während des Studiums hatte ich mit dem Wahlfach Neonatologie, zahlreichen Reanimationskursen (u.a. Schwieriger Atemweg bei Kindern), Famulaturen in einer Kinderarztpraxis in Deutschland und in einem District Hospital in Namibia meinen Schwerpunkt in der Pädiatrie und Neonatologie gesetzt.

Eine deutliche Ausrichtung des Studiums auf das spätere Fachgebiet ist hilfreich, aber nicht unbedingt notwendig. Eine Spezialisierung auf ein Fachgebiet ergibt natürlich ein großes Vorwissen, engt auf der anderen Seite aber auch ein. Wer natürlich das Wahl-Tertial in Pädiatrie macht, hat einen gewissen Vorteil gegenüber Bewerbern, die sich ausschließlich der Gynäkologie gewidmet haben. Aber auch diese haben natürlich in der Neonatologie als Schnittstelle zwischen Gynäkologie und Pädiatrie wichtiges Wissen mitzubringen.

Meine Bewerbung

Für die Stelle in Freiburg hatte ich mich mittels Initiativbewerbung circa drei Monate im Voraus schriftlich beworben, die Abteilung kannte ich ja bereits. Nach einigen Telefonaten mit Prof. Forster bin ich schließlich nach Freiburg gefahren, habe mir die Klinik zeigen lassen und das Vorstellungsgespräch geführt.

Das Vorstellungsgespräch verlief sehr angenehm – sowohl Prof. Forster als auch zwei der drei Oberärzte sowie die Assistentensprecherin waren dabei. Es gab vorher einen Kaffee und dann berichtete ich zuerst von mir, bevor alle – außer der Assistentensprecherin – mir Fragen zu meiner bisherigen Ausbildung, meinen Wünschen für die Arbeit hier im Haus und meinem Grund für den Ortswechsel stellten. Obwohl ich die Anwesenden noch gar nicht kannte, fühlte ich mich sehr freundlich angenommen und willkommen. Zufällig ergab es sich, dass gleich nach mir ein Bewerber aus Berlin zum Gespräch kam. Statt eines Konkurrenzkampf es um eine freie Stelle waren allerdings auch zwei Stellen frei! Nachdem ich die Klinik verlassen hatte, hatte ich bereits ein gutes Gefühl über den Ausgang meiner Bewerbung, was sich wenig später telefonisch bestätigte!

Weiterbildungsermächtigung

Das St. Josefs-Krankenhaus besitzt die volle Weiterbildungsermächtigung, es wird allerdings angeboten, dass die Assistenzärzte in Absprache mit der Universitätsklinik Freiburg für einige Zeit dorthin rotieren und z.B. die Onkologie kennen lernen.

Der Dienstplan entspricht voll dem Arbeitszeitgesetz und erfordert daher ein doppeltes Schichtsystem. Darin sind Vollzeit- und Bereitschaftsdienstzeiten (alle Stufe D) so verteilt, dass eine Vollstelle (mit dem entsprechenden Gehalt) resultiert.

„Kleinere Stellen“, also z.B. 35 Prozent Stellen, gibt es auch. Jedoch empfiehlt es sich, bei entsprechendem Interesse einen Teil der Weiterbildungszeit an einem anderen Haus zu leisten, um z.B. ein Spezialgebiet zu vertiefen. Die Neonatologie-Weiterbildungsermächtigung besteht für eines von drei notwendigen Jahren.

Unser Arbeitsalltag

Eingang St. Josefs-Krankenhaus Pädiatrie

Auf der Internetseite des St. Josefs-Krankenhauses Freiburg können sich Interessenten ausführlich über die Abteilung Kinderheilkunde informieren. Worüber dort nicht berichtet wird, ist unser Arbeitsalltag. Die beiden Stationen für Groß- und Kleinkinder werden mit mindestens einem Arzt am Vormittag (08:00-12:30 Uhr) besetzt, bei großem Arbeitsaufkommen auch mit einer zusätzlichen Halbtagskraft (08:00-13:00 Uhr). Nach der Mittags- und der Röntgenbesprechung (12:30-13:00 Uhr) übernimmt einer der beiden Stationsärzte beide Stationen, versorgt Notfallpatienten in der Ambulanz, spritzt Antibiosen (diese werden, sofern sie i.v. gespritzt und nicht per Kurzinfusion gegeben werden, vom Stationsarzt gespritzt), nimmt Kinder auf, etc.

Am Nachmittag (16:00 Uhr) übergibt er an den anderen Stationsarzt, der im geteilten Dienst arbeitet, also von 13:00-16:00 Uhr nach Hause geht, um dann von 16:00-20:30 Uhr zu arbeiten. Er hat die gleichen Aufgaben wie sein Kollege vorher, allerdings ohne Antibiosen. Diese übernimmt der Nachtdienstarzt um 23:00 und 07:00 Uhr, der auch möglichst viele Arztbriefe tippen sollte, und ab 23:00 Uhr zum Aushelfen in der Kindernotfallpraxis ist, die von 20:00-23:00 Uhr von den Freiburger Kinderärzten unten im St. Josefs-Krankenhaus vorgehalten wird. Der Dienstarzt trägt immer den Dienstfunk bei sich, über den telefonisch Patienten von einweisenden Ärzten angenommen werden und abends ab 23:00 Uhr auch Fragen von Eltern, die Rat zu ihrem kranken Kind suchen, beantworten. Generell ist zu sagen, dass man als Dienstarzt nie alleine im Haus ist, es ist immer ein zweiter Dienstarzt auf Intensivstation, der dort im Früh-, Spät- und Nachtdienst die Neugeborenen versorgt, zu Sectios geht, etc. Die Arbeit auf der Intensivstation ist sehr abwechslungsreich und Sono-Techniken wie Schädel- und Hüftultraschall werden rasch erlernt!

Die Ausbildung der Assistenzärzte läuft groborientiert in einem Curriculum, das vom Haus ausgegeben wird und das die wichtigsten Krankheitsbilder und Arbeitstechniken dokumentieren soll. Die drei Oberärzte sind überaus freundlich und kompetent, zeigen und erklären gerne und viel – manchmal muss man jedoch nachfragen, wie wahrscheinlich in jedem Haus. Die für den Facharzt notwendigen Abdomen-Sonos sind allerdings oft schwer zu realisieren, da man bei Vollbetrieb auf Station häufig kaum Zeit dafür hat und dann der Oberarzt übernimmt. Wenn man aber effizient „multi-tasken“ kann, kann man einige Kinder auch selbst zum Ultraschall rekrutieren.

Fortbildung, Dienste und Verdienst

Dienstarztzimmer

Fortbildungen werden vom Haus in der Regel – außerhalb der Schulferien – zwei Mal die Woche angeboten. Es gibt eine sehr gute Dienstagsfortbildung in der Universitäts-Kinderklinik und im St. Josefs-Krankenhaus eine regelmäßige Fortbildung am Donnerstag, deren Besuch Pflicht ist. Im Krankenhaus-Verbund gibt es darüber hinaus weitere Fortbildungsangebote und Freiburg als Universitätsstadt bietet hierzu natürlich auch einiges an!

Die Dienstbelastung ist nicht gering. In anstrengenden Nächten bewegt man sich nur zwischen Patientenaufnahmen, Telefonanrufen, Antibiosen, Briefen und kleinen Stationsnotfällen. Gerade im Sommer ist es aber ruhiger und man kann häufig ein paar Stunden schlafen. Ein Dienstblock von fünf Nächten am Stück, wie er zum Teil vorkommt, benötigt jedoch eine gute Erholungsphase danach.

Der Verdienst orientiert sich an den AVR Caritas: www.schiering.org Vergütungsgruppe 2, 2. Neu eingestellte Mitarbeiter sollen ab dem 01.01.2011 nach den Richtlinien des TVÄ-VKA bezahlt werden, eine entsprechende Regelung für bestehende Mitarbeiter wird wohl zur Zeit verhandelt.

Bezauberndes Freiburg im wunderschönen Badener Land

Freiburg – Ausblick vom Lorettoberg, © FWTM/Raach

Zur Stadt, zum Land und seinen Bewohnern braucht man nicht viel zu sagen – Freiburg und der Schwarzwald werden von jedem, dem man von seinem Arbeitsort erzählt, hochgelobt. Da spart man sich jede blumenreiche Beschreibung – die Lebensqualität in Freiburg ist hinlänglich bekannt.

Vorsicht allerdings bei der Wohnungssuche: in Freiburg gibt es die meisten guten Wohnungen nur über Makler. Und das zu horrenden Preisen! Warum die Kunst, eine Anzeige in die Zeitung zu setzen, sich anrufen zu lassen, eine Wohnungstür aufzuschließen und schließlich einen Standard-Mietvertrag von Haus & Grund auszuhändigen ein halbes ärztliches Monats-Nettogehalt wert sein soll, weiß selbst der Makler nicht. Mit etwas Glück findet man jedoch einen netten Vermieter. Der Ort spielte bei meiner Stellensuche ursprünglich nur eine logistische Rolle, die Lebensqualität ist aber trotzdem sehr hoch!

Mein Fazit

Das St. Josefs-Krankenhaus würde ich uneingeschränkt weiterempfehlen an alle, die eine fundierte und breit gefächerte Ausbildung suchen mit einer guten Neonatologie und dem Reinschnuppern in alle Fachgebiete außer Onkologie, die es am Haus nicht gibt. Ins Haus kommen auch viele Patienten mit speziellen Krankheitsbildern; diese sind im Haus gut bekannt und werden regelmäßig von uns versorgt. Auch das St. Josefs-Krankenhaus erlebt einiges an exotischen Fällen, wenn gleich die Universitätsklinik sowohl Partner wie auch größter Konkurrent ist – der Partnerfaktor überwiegt jedoch deutlich!

Durch die Offenheit und Lehrfreude des ärztlichen Teams ist eine fachlich und menschlich gute Ausbildung sichergestellt! Der spezielle Stellenschlüssel bietet darüber hinaus sehr gute Chancen für junge Ärzte/-innen mit Kindern, die auf diese Weise Teilzeit arbeiten können.

Es bleibt nur zu sagen: Die Arbeit als Assistenzarzt im St. Josefs-Krankenhaus in Freiburg ist uneingeschränkt zu empfehlen!

Kontakt

St. Josefs-Krankenhaus
Sautierstr.1
79104 Freiburg
Tel. 0761-2711-0
Fax 0761- 2711-2302
Email:
Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Freiburg

Ansprechpartner für Bewerbung:
Prof. Dr. med. Johannes Forster,
Chefarzt
Fachabteilung für Kinderheilkunde und
Jugendmedizin St. Hedwig
St. Josefs-Krankenhaus
Sautierstraße 1
79104 Freiburg

R., A.
Freiburg, August 2010

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