PJ in Neuwied – Innere Medizin

9. Juli 2010

in Chancen in Deutschland, Deutschland, Innere Medizin, Praktisches Jahr in Deutschland

Rheinland-Pfalz, Neuwied, Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Neuwied (06.04.-24.07.2010)

Alle reden vom Ausland. Wie toll es da ist, in Australien zum Beispiel; vormittags im Krankenhaus und nachmittags am Strand. Aber dass man in seinem Heimatland eine gute, lehrreiche Zeit haben kann, hört man selten. Oder doch mal?

Den richtigen Platz suchen und finden

Ja, auch ein Tertial des Praktischen Jahres in Deutschland zu bleiben, kann eine durchaus sinnvolle Entscheidung sein. Wenn es Spaß macht und die Rahmenbedingungen stimmen. Im St. Elisabeth Klinikum Neuwied war dies definitiv der Fall. Wir, zusammen neun PJ-Studenten, rotierten gemeinsam durch die verschiedenen Abteilungen Innere, Chirurgie und das jeweilige Wahlfach.

Mögliche Wahlfächer sind: Gynäkologie, Anästhesie, Pädiatrie, Urologie, Psychiatrie (im Nachbarort Waldbreitbach, zum Krankenhaus gehörend), Orthopädie (im Nachbarort Bendorf, zum Krankenhaus gehörend).

Bewerben konnten wir uns von unserer Heimatuniversität aus, in diesem Falle der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Man konnte drei Prioritäten mit Wahlfach angeben für verschiedene Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz und wurde ausgelost. Da ich bereits von Kommilitonen viel Gutes gehört hatte, bewarb ich mich mit Wahlfach Pädiatrie und bekam mit viel Glück gemeinsam mit meiner Partnerin die Stelle.

Herzlich Willkommen!

Marienhaus Klinikum St. Elisabeth - der Umbau läuft
Marienhaus Klinikum St. Elisabeth – der Umbau läuft

Über mein Innere-Tertial in Neuwied, das man in jeder Hinsicht empfehlen kann, möchte ich diesmal ausführlich berichten. Das St. Elisabeth Krankenhaus, welches zum großen Konzern der „Marienhaus GmbH“ gehört, ist ein Haus der Schwerpunktversorgung, und ist mit dem Auto ca. 20 min. von Koblenz und ca. eine Stunde von meiner Uni-Stadt Mainz entfernt.

Alles, was ein gutes PJ-Tertial im Inland auszeichnen sollte, hat dieses Haus zu bieten. Da war zum Einen die gute Einführung. Von kaltem Wasser keine Spur! Und wesentlich daran beteiligt war der Schatz aller PJler in Neuwied – Jürgen Lichtenthäler, seines Zeichens Personalentwickler am Klinikum und allseits bekanntes Urgestein am Krankenhaus, der uns mit seiner fürsorglichen und engagierten Natur bei allen Nöten und Sorgen zur Seite stand.

Unseren ersten Abend begann Herr Lichtenthäler mit einem sehr leckeren gemeinsamen Essen mit sämtlichen Chefärzten des Krankenhauses. Man glaubt gar nicht, wie gut es der zwischenmenschlichen Ebene tut, den Chefs einmal privat zu begegnen, und dies vor der eigentlichen Chefvisite oder auf Besprechung. Neben einer Führung durch die teilweise recht verwinkelte Klinik, deckte uns Herr Lichtenthäler mit allem ein, was ein ordentlicher PJ-Student braucht: Einer Kollektion Kittel/Hosen/Polohemden für unsere Zeit dort, extra mit unserem Namen bedruckt. Diese konnte man jederzeit und unkompliziert in der Wäscherei abgeben.

Am Ende erhielt jeder noch eine Dauerparkkarte für den Personalparkplatz, einen Türöffner für die Intensivstation und – vielleicht das Wichtigste – ein eigenes Haustelefon. Man darf nicht unterschätzen, wie selten und wertvoll dies für einen PJ-Studenten ist. Wie viele interessante (Not-)Fälle hätte ich verpasst, hätte mich ein Assistenzarzt nicht angerufen und Bescheid gesagt!

Unsere Arbeit in der Klinik

Auf der Station
Auf der Station

Aber sind dies denn alles die Gründe, warum ich mich für ein Innere-Tertial hierzulande und gegen die heiße Sonne Australiens entschieden hatte? Nein, es war auch die fachliche Ausbildung. Gegen das Ausland hatte ich mich unter anderem deshalb entschieden, weil ich mir sicher sein wollte, gerade im allumfassenden und wichtigen Bereich der Inneren Medizin etwas mitzunehmen. Speziell vor Beginn meines klinischen Alltags als Arzt ist mir eine fundierte praktische Betreuung und Ausbildung lieb und auch gerade deshalb, weil das Lehrsystem an der Universität sich leider nicht immer als vorbereitend für meinen späteren Beruf darstellte.

Und hier in Neuwied war eben nicht nur die tägliche praktische Arbeit, sondern regelmäßig stattfindender PJ-Unterricht eine gute Sache. Und noch mehr. Jeden Dienstag und Donnerstag gab es einen interessanten medizinischen Vortrag von einem der Fach- bzw. Chefärzte. Der Unterricht fiel so gut wie nie aus, ganz im Gegenteil. Es kam zum Beispiel einmal vor, dass mittags unser Telefon klingelte und Dr. De Mas, Chefarzt der Gastroenterologie, uns zu einer spontanen Fallbesprechung zum Thema Rhabdomyolyse einberief, weil gerade ein Patient mit diesem Krankheitsbild auf die Intensivstation gebracht wurde. Genauso spannend war es, mit Dr. Hügl, dem Chefarzt der Kardiologie und Rhythmologie zusammen auf dem Boden im Herzkatheter Labor zu sitzen und gemeinsam EKGs auszuwerten. Ein EKG-Lineal für jeden gab es noch gratis dazu! Der Unterricht war außergewöhnlich und von hoher Qualität, das vergisst man nicht so leicht.

Und auch der praktische Arbeitsalltag hat einiges zu bieten. Laut PD. Dr. Schneider, Chefarzt der Nephrologie, animieren den Studenten nur eigens zugeteilte Zimmer zum selbständigen Arbeiten. Und er hat Recht. Eigene Gedanken zum Patienten, eigene Patientengespräche auf Visite sowie eigene Anordnungen in Rücksprache wurden hier gern gesehen und gefördert. Trotzdem war man nie überfordert, da einem Fach- bzw. Oberärzte stets zur Seite standen. Invasive Methoden, wie z.B. Aszites- oder Pleurapunktion, durfte man unter Aufsicht selbständig durchführen. Wenn außerdem Ultraschalluntersuchungen anstanden, wurde man gefragt, ob man mitmachen möchte – in anderen Ländern, wie z.B. der Schweiz, ist diese Untersuchung dagegen oft den Radiologen vorbehalten. Man hatte insgesamt das gute Gefühl, zu lernen und dazu zu gehören und nicht nur für die Blutabnahmen zuständig zu sein.

Zuletzt hatten wir die Möglichkeit, an Nacht- und Wochenenddiensten teilzunehmen. Gerade auf der Inneren ist hier in den Bereichen Aufnahme und Intensiv immer was los. Wie führe ich Angehörigen Gespräche über Verstorbene nachts um 4:00 Uhr, und wann muss ich Patienten auf Intensiv verlegen?

Da der Notarzt-Dienst in Neuwied von Anästhesisten und Internisten geteilt wird, besteht für PJ-Studenten die einzigartige Möglichkeit, sich bei der Sekretärin einen zweiten Notarztfunk auszuleihen und bei den Einsätzen mitzufahren, was mir wirklich großen Spaß gemacht hat. Und sollte man doch mal das Gefühl haben, von der einen oder anderen Abteilung im Studium nicht genug gesehen zu haben, kann man in Absprache mit den Chefärzten problemlos in Bereichen, wie z.B. der Anästhesie bzw. der Radiologie ein bis zwei Wochen hospitieren.

Und wo wohnen?

Unser Aufenthaltsraum im Wohnheim
Unser Aufenthaltsraum im Wohnheim

Doch wo wohnt man, wenn man in Neuwied arbeitet? Gott sei Dank befindet sich das Wohnheim auf dem Klinikgelände, und man kann dadurch sogar – falls der Nachtdienst denn mal ruhiger ausfällt – in seinem eigenen Bett schlafen. Zu den eigenen Zimmern gibt es einen sehr hellen, gemütlichen Aufenthaltsraum mit Fernseher und Tischfußball. Dort durfte schon die eine oder andere Flasche Wein das Zeitliche segnen…

Die Küche, der Aufenthaltsraum sowie der Flur werden täglich vom Reinigungspersonal in Stand gehalten. Neben einer Münzwaschmaschine gibt es eine Tiefkühltruhe sowie einen gratis zu benutzenden Wäschetrockner auf dem Stockwerk. Ein Zimmer ist über Frau Weiland schnell organisiert und ich durfte sogar am Tag oder besser gesagt der späten Nacht meiner Anreise den Schlüssel jederzeit an der Pforte abholen. Für 150.- EUR im Monat inklusive gratis Internetbenutzung konnte man also im Wohnheim nichts falsch machen.

Die Gegend um Neuwied zwischen Eifel und Westerwald ist für Naturbegeisterte einzigartig. Im Sommer warten Kräuterwanderungen, Floh- und Mittelalter-Märkte in historischen Dörfern und, man glaubt es kaum, sogar ein paar kleine Schlepplifte in ca. zwanzigminütiger Entfernung von Neuwied waren im langen Winter 2009/2010 in Betrieb.

Mein Fazit: Wirklich eine Empfehlung wert!

Mit meinen Kommilitonen – viel gelernt und auch viel Spass gehabt
Mit meinen Kommilitonen – viel gelernt und auch viel Spaß gehabt

Das Innere-Tertial am St. Elisabeth Klinikum Neuwied und das Praktische Jahr allgemein dort sind wirklich eine Empfehlung wert, für die ich, ohne mit der Wimper zu zucken, auf einen Auslandsaufenthalt verzichten würde.

Wenn die Wahl der Klinik nicht auch von meiner Partnerin abhinge, könnte ich mir definitiv vorstellen, mich in Neuwied auf der Inneren Medizin zu bewerben. Das Rotationssystem zwischen den Abteilungen ist attraktiv, und man wird von einem netten Team erwartet, egal auf welcher Hierarchieebene.

Denn was sich als Mundpropaganda bereits unter künftigen PJlern an der Uni rumsprach – „Neuwied ist super fürs PJ, da musst du hin“ – verhält sich unter zukünftigen Assistenten nicht anders. Für Ärzte in spe am Marienhausklinikum hat die GmbH schon ein breites Fortbildungsprogramm in Aussicht, was wir als Medizinstudenten im PJ bereits im Vollsten genießen durften (siehe Artikel zum Famulantencamp 2010 bzw. Ethikseminar 2010).

Jetzt, kurz vor dem Ende eines ganzen Jahres, gehen wir mit einer kleinen Träne im Auge. Wir vergessen Euch nicht – und Herrn Lichtenthäler schon gar nicht. Ich nehme meinen Resturlaub und verbringe einige Tage davon mit meiner Partnerin in Portugal, bevor die Lernerei für das große Hammerexamen beginnt.

Das Krankenhaus bedeckt derzeit noch ein Baugerüst. Voraussichtlich 2011 dürfen zukünftige PJ-Studenten die Hallen der Klinik in vollster neuer Renovierung betreten. Sie dürfen sich freuen.

Nicolai Deresz
Neuwied, Juni 2010

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