Assistenzärztin in Eitorf – Innere Medizin

9. Juli 2010

in Assistenzarzt in Deutschland, Chancen in Deutschland, Deutschland, Innere Medizin

Nordrhein-Westfalen, Eitorf, St. Franziskus-Krankenhaus Eitorf (Juli 2010)

Wer sehnt nicht nach einem langen, teilweise harten und steinigen Studium das Ende des Lernens herbei? Endlich die freudige Nachricht, bestanden zu haben! Dennoch ist dann plötzlich alles vorbei – und es heißt: “Herzlichen Glückwunsch, Sie sind jetzt Ärztin!“

Endlich Ärztin!

Und nun? Wo fange ich nun an? Wo möchte ich mal hin? Das PJ konnte vielleicht ja schon mal etwas Licht in die Dunkelheit der Unentschlossenen bringen. Entscheide ich mich für eine Fachrichtung Innere Medizin oder doch besser für eine spätere Niederlassung als Allgemeinmedizinerin? Möchte ich lehren, forschen oder lieber nah am Patienten sein? Karriere machen oder versuchen, Familie und Beruf zu vereinbaren?

Wenn dann diese Fragen für einen selber mal beantwortet sind, sollte man in einer Bewerbung ein möglichst positives Bild seiner Persönlichkeit schaffen. Gar nicht so einfach! Als Berufsanfänger versiert und souverän rüberzukommen, ohne überheblich zu klingen. Sich selber klar machen, wo die eigenen Stärken und auch Neigungen liegen.

Ziele und Wünsche

Marienhaus GmbH Waldbreitbach

Endlich dann ist das Werk fertig. Gefühlte tausend Leute haben gegengelesen und das gute Stück wird an sorgfältig ausgewählte Krankenhäuser versendet. Ich hatte schon ziemlich genaue Vorstellungen von meiner ersten Arbeitsstelle. Kurzer Anfahrtsweg, kein allzu großes Haus für den Anfang, keine Forschung, netter Chef, liebe Kollegen, familienfreundliche und regelmäßige Arbeitszeiten. In meiner Bewerbung stand dann auch als Schlusssatz: „Bin an einem Teilzeitmodell interessiert.“ Ich wollte beides – eine gute Mutter, aber auch eine gute Ärztin sein.

Ich wusste nicht, dass dies einer Mutter heute noch so schwer gemacht wird. Es hagelte Absagen – ohne Termin, ohne Vorstellungsgespräch. Ich hatte einen guten Abschluss gemacht, daran konnte es also nicht gelegen haben. In einigen Vorstellungsgesprächen wurde mir dann aber auch deutlich gemacht, dass ich entweder eine volle oder gar keine Stelle bekommen könne. Doch das kam einfach nicht in Frage! Bis ich bei einem Nachwuchsmediziner Kongress in Berlin ein interessantes Gespräch mit einem Vertreter der Marienhaus GmbH hatte.

Die Marienhaus GmbH ist eine Trägergesellschaft der Waldbreitbacher Franziskanerinnen und hat 27 Kliniken in Westdeutschland. Ich beschrieb ihm meine familiäre Situation und meine Pläne. Und er berichtete mir vom St. Franziskus Krankenhaus in Eitorf, was ja auch nicht weit weg von meinem Wohnort liegt. Hier würde man wirklich eine ganze Menge tun, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Praxis zu realisieren.

Und tatsächlich: Schon nach kurzer Zeit kam von dort ein Anruf. Das Vorstellungsgespräch mit dem Ärztlichen Direktor, Herrn Dr. Dreßen, war sehr entspannt. Er zeigte Interesse an mir, an meinen Fähigkeiten, Vorstellungen und Wünschen. Welches Arbeitszeitmodell ich mir vorstellen würde? 50 Prozent oder 75 Prozent? Lieber fünf Tage die Woche und dann täglich kürzer arbeiten oder einen Tag in der Woche frei und die restlichen vier Tage voll?

Das Richtige finden

Das Team der Inneren Medizin mit Chefarzt Dr. Peter Dreßen
Das Team der Inneren Medizin mit Chefarzt Dr. Peter Dreßen

Das St. Franziskus Krankenhaus in Eitorf ist ein kleines Landkrankenhaus mit 55 Betten in der Inneren Medizin und mit einer interdisziplinären Intensivstation mit drei Beatmungsplätzen. Dr. Dreßen führte mich im Haus herum, zeigte mir die Stationen, die radiologische Abteilung, die Funktionen. Rasch war meine Entscheidung gefallen. So hatte ich es mir vorgestellt.

Ich wurde gut von einer lieben Kollegin eingearbeitet und anfangs intensiv unterstützt. Schnell kannte ich nahezu alle Mitarbeiter beim Namen. Die freundlichen Damen von der Pforte, die mir auch in den kompliziertesten Fällen helfend zur Seite stehen. Den hilfsbereiten Hausmeister, der bei technischen Problemen rasch zu Hilfe eilt. Die „grünen“ Damen, die den Patienten aufwändige und schwere Wege abnehmen oder einfach nur ein offenes Ohr für die Probleme der Patienten haben. Die fleißigen Damen vom Controlling, die mir immer wieder mit Rat und Tat zur Seite stehen. Hier schlug mir von Anfang an Offenherzigkeit und Freundlichkeit entgegen. Ich fühlte mich schnell zugehörig, geschätzt.

Die Anzahl meiner assistenzärztlichen Kollegen ist überschaubar. Alle sind weiblich und nahezu alle sind auch Mütter. Sieht eine in einer Oberbauchsonografie einen interessanten Befund, verständigt sie die anderen Kolleginnen, um sie teilhaben zu lassen. Durch die nur relativ geringe Anzahl an Kollegen besteht die Möglichkeit, rasch selber die „Funktionen“ zu übernehmen bzw. auf die Intensivstation zu rotieren. Kurze, unkomplizierte auch interdisziplinäre Wege erleichtern vieles. Rasch ein Anruf beim chirurgischen Kollegen, der sich den „akuten Bauch“ auch sofort ansieht. Hier steht der Patient im Vordergrund, mutiert nicht zu einer Nummer. Ich habe die Möglichkeit, mir die Zeit für ein Patientengespräch zu nehmen. Zeit und Geduld für demente oder an Krebs erkrankte Patienten. Zeit, den Patienten Ängste zu nehmen, die sie quälen.

Das kostet Kraft. Manchmal ist man emotional erschöpft. Doch dann fahre ich nachmittags nach Hause, hole die Kinder aus dem Kindergarten und der Schule ab, tobe, spiele und lache mit ihnen. Habe Zeit für ihre Gefühle und Geschichten. Ich tanke auf und bin wieder stark für den nächsten Tag.

Und genau dies hat mein Chef verstanden und umgesetzt. Er hat verstanden, dass nur ein ausgeglichener und zufriedener Arzt/Ärztin in der Lage ist, seine ganze Kraft und Liebe in den Beruf zu geben. Dass eine gute Mutter auch sehr wohl eine gute Ärztin sein kann.

Kontakt

Dr. Peter Dreßen
Chefarzt Innere Medizin
St. Franziskus-Krankenhaus
Hospitalstraße 7
53783 Eitorf
Tel.: 02243.881-1027

Dr. Stefanie Junglas
Eitorf, Juli 2010

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