Famulatur in Ghana – Gynäkologie und Geburtshilfe

8. Dezember 2016

in Famulatur im Ausland, Ghana, Gynäkologie und Geburtshilfe

Ghana, Nsawam, Nsawam Government Hospital (21.08.-08.09.2016)

Meine Famulatur in der Gynäkologie und Geburtshilfe führte mich nach Ghana an das Nsawam Government Hospital. Ich traf auf Ärzte, die mir wirklich viel beibringen wollten. Die ghanaischen Ärzte, Schwestern und Hebammen waren sehr aufgeschlossen und versuchten einen stets mit einzubinden. Die Offenheit der Ghanaer hat mich immer wieder begeistert und ich denke, mich hat diese Reise dadurch auch zu einem offeneren Menschen gemacht.

Entscheidung für Ghana

Während meines 5. Semesters packte mich mal wieder die Reiselust und so beschäftigte ich mich zwischen den ganzen Prüfungsvorbereitungen viel lieber mit den Planungen für eine Auslandsfamulatur. Die Suche danach begann ganz einfach ca. zwei Monate vorher mit der bekannten Suchmaschine „Google“. Ich habe damals selbst viele tolle Erfahrungsberichte über die verschiedensten Länder gelesen. Eins begeisterte mich mehr als das nächste und so schrieb ich insgesamt bestimmt mindestens fünf Kontakte an.

Ghana wurde es letztendlich, weil mein späterer Organisator Sefa damals so schnell und trotzdem ausgesprochen informativ, freundlich und gründlich antwortete. Ich fühlte mich sogleich  total aufgehoben und hatte einfach das Gefühl, dass ich gefunden hatte, wonach ich suchte.

Die Vorbereitungen begannen

 

Der Eingang zum Nsawam Government Hospital in Ghana
Der Eingang zum Nsawam Government Hospital in Ghana

Als dann mit Sefa, meinem Ansprechpartner und Organisator, alles soweit geklärt war – ich  bekam von ihm ein für das Visum benötigtes Einladungsschreiben und Kontaktadressen von der Krankenhaus-Administration – kümmerte ich mich um die üblichen Reisevorbereitungen. Dazu gehören für Ghana vor allem das Visum, was man in der Botschaft in Berlin mindestens zwei Wochen vor Abreise gegen eine Gebühr von 110 Euro beantragen muss, sowie mehrere Impfungen.

Um nach Ghana einzureisen, ist es zwingend notwendig und auch nachzuweisen, gegen Gelbfieber geimpft zu sein. Aufgrund der Empfehlungen durch das Tropeninstitut ließ ich mich außerdem noch gegen Meningokokken und Typhus impfen, bekam die Cholera-Schluckimpfung und Malaria-Prophylaxe Malarone verschrieben. Letztere oder eine andere Art der Prophylaxe ist auf jeden Fall nur zu empfehlen, da Ghana zu einem Malaria-Hochrisikogebiet zählt. Auch während meines Praktikums bin ich dieser Krankheit oft begegnet. Den Besuch beim Tropeninstitut sollte man wegen bestimmter Einnahmeregelungen, z.B. der Choleraschluckimpfung, auch etwa vier bis mindestens zwei Wochen vor Abreise unternehmen.

Auch ein Mückennetz sowie Spray  sollte man sich vor der Reise besorgen, es sind bei Dämmerung tatsächlich sehr viele, scheinbar unsichtbare, Moskitos unterwegs.

Kosten der Famulatur

Das Studenten-Häuschen auf dem Krankenhausgelände des Nsawam Government Hospital in Ghana
Das Studenten-Häuschen auf dem Krankenhausgelände des Nsawam Government Hospital in Ghana

Die Kosten für die Famulatur in Ghana setzten sich zusammen aus einer Gebühr an die Organisation „Elective Ghana“ von 180 Dollar, eine Administrationsgebühr ans Krankenhaus von 150 Dollar und die Kosten für die Unterkunft von 180 Dollar. Insgesamt kommt man also auf 510 Dollar und damit circa 460 Euro.

Ich hatte mir aufgrund der spontanen Planung die komplette Famulatur selbst finanziert und es nicht mehr geschafft, mich um ein Stipendium, zum Beispiel um eines der auf Medizinernachwuchs.de ausgeschriebenen Auslandsstipendien (Aktuelle Ausschreibung der Auslandsstipendien), zu bemühen. Da ich auch geplant hatte, neben der Arbeit im Krankenhaus an den Wochenenden das Land zu erkunden, hatte ich auch dafür genügend Geld eingeplant. An sich ist Ghana aber ein sehr günstiges Land zum Reisen.

Erste Eindrücke in Ghana

Buntes Treiben mit Reis, Linsen und vielem mehr auf dem Makola Market in Accra
Buntes Treiben mit Reis, Linsen und vielem mehr auf dem Makola Market in Accra

Am 16.08.2016 angekommen in Accra, der Hauptstadt Ghanas, wurde ich sogleich von Sefa pünktlich am Flughafen abgeholt und er fuhr mich und zwei andere Studenten in unsere Unterkünfte. Da ich geplant hatte, die ersten fünf Tage schon mal ein wenig herumzureisen, blieb ich nicht in der von Sefa organisierten Unterkunft, sondern hatte im Voraus ein Bett in einem Hostel reserviert. Am nächsten Tag nahm sich mein Betreuer Zeit, uns ein wenig die Hauptstadt zu zeigen und besorgte auch eine ghanaische Simcard mit uns.

Im Endeffekt verbrachte ich dann die ersten Tage komplett in Accra und schaute mir unter anderem den Leuchtturm in „Jamestown“, den „Independence Square“ und den „Black Star Arch“ an, sowie typische afrikanische Märkte und weitere Gedenkstätten, welche hauptsächlich an Ghanas Unabhängigkeit 1957 erinnern.

Das Nsawam Government Hospital und die Unterkunft

Ghanaische OP-Ausstattung inkl. überdimensioniertem Sauerstofftank
Ghanaische OP-Ausstattung inkl. überdimensioniertem Sauerstofftank

Erst am 21.08.2016 ging es für mich letztendlich nach Nsawam, einem 44.000 Einwohner-Ort, circa 40 Minuten von der Hauptstadt entfernt. Das Government Hospital ist vor allem für die Geburtsstation bekannt, es gibt dafür also eine eigene Station, die „Maternity Ward“. Des Weiteren bestand das Krankenhaus aus einer „Female Ward“, einer „Male Ward“ und einer „Childs Ward“, sowie aus einem kleinen Röntgen, zwei Operationssälen und einem Labor.

Als Unterkunft diente ein kleines Häuschen auf dem Krankenhausgelände, welches eigentlich zum Grundstück eines Arztes gehörte. Ich teilte mir die ersten zwei Wochen die zwei Zimmer, eine kleine Küchenzeile, eine Dusche und eine Toilette mit einem anderen Medizinstudenten aus Hamburg. Wir hatten oft mit dem Fehlen von Wasser zu kämpfen und so kam es nicht selten dazu, dass wir von draußen mit Eimern Wasser holen mussten – Afrika halt. Trotzdem waren unsere vier Wände dort sauber und gemütlich und ich habe mich echt wohl und durch die Wachtmeister auf dem Gelände auch immer sicher gefühlt.

Meine Famulatur in Ghana

Bereit für den nächsten Kaiserschnitt im OP-Saal des Nsawam Government Hospital in Ghana
Bereit für den nächsten Kaiserschnitt im OP-Saal des Nsawam Government Hospital in Ghana

Mein erster Tag am Hospital begann um 8:30 Uhr auf der „Female Ward“, wo wir erst einmal nach einem Arzt Ausschau hielten. Tatsächlich waren die Tage meiner Famulatur oft ein wenig unorganisiert und ich wusste nie, was mich erwartete – was es allerdings auch wieder sehr aufregend machte. Mal war ein Arzt gerade dabei, die Visite zu beginnen, wenn wir kamen und ein anderes Mal fanden wir die Ärzte nur im OP und zogen uns schnell um, um entweder bei einem Kaiserschnitt oder einer laparoskopischen Leistenbruch-OP zuzuschauen. Es gab tatsächlich auch Tage, an denen keiner der vier Ärzte aufzufinden war. Allerdings fand man trotz allem immer etwas Spannendes zu sehen oder zu tun.

Die Visiten auf der Frauen- und Männerstation, die ich mitgemacht habe, dauerten oft sehr lange, weil der Arzt sich wirklich viel Zeit nahm, Fragen an uns stellte, unsere beantwortete und uns wirklich etwas beibringen wollte. Die Patienten sprachen oft kein Englisch, sondern „Twi“, eine Volkssprache Ghanas, und so übersetzte der Arzt, soviel er konnte, für uns. Oft durften wir die Lunge und das Herz auskultieren, das Abdomen palpieren und auch die Bildgebung wurde uns immer gezeigt – sofern der Patient sie sich überhaupt hatte leisten können.

Leider ist dies in Ghana nur selten der Fall. Ich bin vielen Patienten begegnet, die sich ein CT nach einem Autounfall einfach nicht leisten konnten. Nur wenige hatten eine Versicherung und selbst diese übernahm keinen großen Anteil der Kosten. Lediglich die Behandlung von Malaria, Tuberkulose und HIV wurden in Ghana durch die WHO übernommen.

Was mich auch zum Nachdenken angeregt hat, war der starke Glaube der Ghanaer und damit auftretende Konflikte in Bezug auf die schulmedizinischen Therapien. Ich bin zum Beispiel einem Patienten begegnet, der einige Wochen lang mit einer offenen Tibia-Fraktur in einem sogenannten „Prayer-Camp“ war, um für seine Heilung zu beten. Der Glaube hat ihm zwar viel Kraft gegeben, doch durch die verzögerte Behandlung seines Bruchs hatte er danach noch eine Infektion bekommen. Erst dadurch kam er letztendlich in unser Krankenhaus. Das „Prayer-Camp“ verlangte viel Geld von den Menschen und unser Patient hatte alles ausgegeben und konnte sich nun nicht mehr alle Medikamente zur Behandlung seiner Infektion leisten. Diese und viele andere Erlebnisse werde ich wohl nicht so schnell vergessen. Oft wurde mir bewusst, wie gut und sicher unser Gesundheitssystem dagegen ist.

Meine Erfahrungen in der Gynäkologie und Geburtshilfe

OP-Saal am Nsawam Government Hospital in Ghana - hier finden hauptsächlich Kaiserschnitte statt
OP-Saal am Nsawam Government Hospital in Ghana – hier finden hauptsächlich Kaiserschnitte statt

Schönere Erfahrungen durfte ich vor allem auf der „Maternity-Ward“ machen, auf der alle Hebammen wirklich super freundlich und aufgeschlossen waren. Sie haben sich immer bemüht, uns Medizinstudenten mit einzubinden und so durfte ich oft den Muttermund der Schwangeren tasten, die Neugeborenen waschen als auch anziehen und in meiner letzten Woche der Famulatur sogar eine Geburt selbst begleiten.

Auch im normalen OP konnte ich viel Neues sehen. Es werden hauptsächlich Kaiserschnitte und andere gynäkologische Operationen durchgeführt. Zum Beispiel konnte ich einmal bei einer offenen Hysterektomie dabei sein, die bei uns ja schon länger nicht mehr offen gemacht wird. In meiner letzten Woche durfte ich dann sogar bei einem Kaiserschnitt selbst Hand anlegen und dem Arzt helfen.

Die ghanaischen Ärzte und Schwestern  waren stets offen für unsere Anfragen und ließen uns wirklich sehr viel selbst machen. Auch bei der Schwangerschaftsvorsorge beim Ultraschall hatte ich die Möglichkeit, selbst zu schallen, das Baby auszumessen und das Geschlecht zu bestimmen sowie den Herzschlag abzubilden. Das waren tolle Erfahrungen, die ich nicht mehr missen möchte.

Auf der Kinderstation habe ich viele Kinder gesehen, die an Malaria erkrankt waren und wirklich die stärksten Symptome bis zum Fieberkrampf aufwiesen. In diesen extremen Ausmaßen wäre ich dieser tropischen Krankheit in europäischen Ländern wahrscheinlich außerhalb des Lehrbuches nie begegnet. Auch stark unterernährte Kinder wurden oft behandelt. Die zuständige Ärztin war total gut informiert und erklärte uns wirklich alles super gründlich, sodass ich echt viel über die Pädiatrie  in Afrika lernen konnte.

Auch im Labor habe ich zwei halbe Tage verbracht und mir vor allem die Malaria-Testung angeschaut.

Ghana – ein interessantes Land und seine freundlichen Menschen

Auf der Suche nach Elefanten - Jeep-Safari durch den Mole Nationalpark in Ghana
Auf der Suche nach Elefanten – Jeep-Safari durch den Mole Nationalpark in Ghana

An den Wochenenden durfte ich freitags oft früher gehen, um mich auf meine Reisen durchs Land aufzumachen. Der Transport von A nach B erfolgt in Ghana hauptsächlich durch „Trotros“. Dies sind Mini-Vans, in die gut mal 30 Leute gequetscht werden und in denen man bei Regen nicht unbedingt trocken bleibt. Trotzdem hat es einfach einen Charme, mit diesen Verkehrsmitteln zu reisen, weil man mit Einheimischen unterwegs ist und dazu noch sehr viel Geld spart, da eine Fahrt von ca. 4h nur um die 4 Euro kostet.

Ich habe ein Wochenende mit einer Gruppe anderer europäischer Medizinstudenten im Norden Ghanas in „Tamale“ und „Mole“ verbracht. Bekannt ist die Region vor allem für den größten Nationalpark Westafrikas in „Mole“. Dort haben wir eine Jeep-Safari gemacht und sind dann irgendwann abgestiegen, weil unser Ranger von weitem schon die drei riesengroßen afrikanischen Elefanten erblickt hat, denen wir dann eine Stunde ganz leise und vorsichtig durch die Wildnis gefolgt sind.

An den anderen beiden Wochenenden habe ich Trips an die Küste des Landes unternommen und war in „Cape Coast“ bei einem traditionellen Festival Ghanas, auf dem die Sauberkeit und das Fernbleiben von Krankheiten „betanzt“ wird. Außerdem gibt es in „Cape Coast“ das bekannte, historische „Cape Coast Castle“, eine Burg, die früher erst für den Handelsverkehr von Gold und später für Sklaven genutzt wurde. Diese Führung war sehr spannend und hat einen Einblick in Ghanas düstere Vergangenheit ermöglicht.

Mein anderer Küstentrip ging nach „Busua“, einen Ort, der vor allem für die perfekten Wellen zum Surfen bekannt ist. Ich habe dort das erste Mal auf dem Brett gestanden und für sehr günstige 10 Euro tolle Lehrstunden bekommen.

Mein Fazit

Die Kanonen des Cape Coast Castle in Ghana
Die Kanonen des Cape Coast Castle in Ghana

Obwohl ich alleine gereist bin, hatte ich nie wirklich Angst und war nie in brenzligen Situationen. Die Menschen waren immer total hilfsbereit und freundlich. So oft wurde ich einfach zum nächsten Verkehrsmittel gebracht, wenn ich nicht weiter wusste und fast nie hat jemand Geld für seine Hilfe verlangt.

Die Offenheit der Ghanaer hat mich immer wieder begeistert und ich denke, mich hat die Reise dadurch auch zu einem offeneren Menschen gemacht. Gleichzeitig ist es unglaublich für mich, dass ich so schöne Teile des Landes gesehen habe, die selbst manche Einheimische noch nicht kannten.

Ich kann Ghana und meine Organisation für eine Famulatur wirklich wärmstens jedem ans Herz legen. Sowohl die Mitarbeiter des Krankenhauses als auch alle anderen Menschen, die mir begegnet sind, haben sich stets bemüht, dass ich das Land und ihren Lebensrhythmus kennenlerne.

A., C.

Berlin, Oktober 2016

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