PJ in Japan – Innere Medizin, Pneumologie, Gastroenterologie

11. Juli 2019

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Gastroenterologie, Innere Medizin, Japan, Land, Pneumologie, Praktisches Jahr im Ausland

Japan, Okinawa, Ryukyu University Hospital (14.01.-10.03.2019)

Nach meinem PJ-Abschnitt in der Chirurgie in Tokyo, habe ich einen weiteren, dieses Mal in der Inneren Medizin, auf Okinawa in Japan absolviert. Die Erfahrungen, die ich in diesem Auslandstertial an der „Ryudai“, der University of the Ryukyus, Faculty of Medicine, machen durfte, sind unbezahlbar! Würde ich im Nachhinein noch einmal vor die Wahl gestellt werden, würde ich mich jederzeit wieder für die „Ryudai“ entscheiden. Die akademische Betreuung war sehr gut. Ich konnte mich fachlich weiterentwickeln und vor allem auch menschlich sehr viel dazugewinnen!

Mein Ziel: Japan!

 Ryukyu Tanz in okinawanischem Kimono bei einem Straßenfestival auf Okinawa

Ryukyu Tanz in okinawanischem Kimono bei einem Straßenfestival auf Okinawa

Schon immer zieht es mich in die Ferne, besonders in den fernen Osten.

Wenn man an Japan denkt, gehen die ersten Gedanken meist Richtung der großen Städte Tokyo, Osaka oder Kyoto auf der Hauptinsel Japans. Viele wissen gar nicht um die Existenz des kleinen Inselreiches Okinawa ganz im Süden, welches näher an Taiwan liegt als an der Hauptinsel selbst. Auch mir war Okinawa vor meiner Recherche, wo ich am liebsten das PJ absolvieren möchte, unbekannt. Deshalb wollte ich besonders dieses Gebiet erkunden.

Bei der Entscheidung für ein Krankenhaus hatte ich die „PJ-Liste NRW“ herangezogen, da diese alle von den Landesprüfungsämtern anerkannten Kliniken auflistet. Da es in Okinawa nur ein einziges laut dieser Liste anerkanntes Universitätsklinikum gibt, fiel die Wahl leicht. Zudem habe ich Erfahrungsberichte anderer Medizinstudierender in meine Entscheidung miteinfließen lassen.

Bewerbung und Vorbereitung

Neun Monate im Voraus hatte ich mich an der University of the Ryukyus, Faculty of Medicine, für einen achtwöchigen Tertialabschnitt in der Inneren Medizin mit dem Zusenden der Bewerbungsunterlagen an die zuständige Ansprechpartnerin beworben. Einzureichen waren das ausgefüllte Bewerbungsformular, ein Empfehlungsschreiben vom Dekan meiner Heimatuniversität, Lebenslauf, Passfoto, Nachweise über Haftpflicht- und Krankenversicherung sowie ein Immunization Record mit Impfnachweisen.

Für die Innere Medizin hat das Ryukyu University Hospital in Okinawa drei Unterbereiche. Bei der Bewerbung konnte man auch Präferenzen angeben. So war ich froh, dass  ich nach ca. einem Monat die Zusage für meinen Wunschbereich „Internal Medicine 1“ (Pneumologie, Gastroenterologie) erhielt. Damit hatte ich Glück, da die University of the Ryukyus in der Regel laut Website nur vierwöchige Praktika anbietet. Zukünftigen interessierten Studierenden würde ich raten, sich so früh wie möglich für ein Tertial zu bewerben, am besten mindestens ein Jahr vor Beginn, da diese Universität in einem ganzen Jahr maximal sechs Studierende von Nicht-Partner-Universitäten aufnehmen kann.

Zur sprachlichen Vorbereitung hatte ich bis zum PJ-Beginn drei Semester lang die Japanisch-Kurse an meiner Heimatuniversität besucht.

Unterstützung vor Ort

Die zuständige Ansprechpartnerin an der University of the Ryukyus, Faculty of Medicine, ist eine sehr freundliche Person, an die ich mich jederzeit wenden konnte und die mir immer bei organisatorischen Fragestellungen half. Sie riet mir auch zum Mieten eines Autos und zur Wohnungssuche über Airbnb.

Außerdem wird ein studentischer Tutor gestellt. Dieser nimmt vorab Kontakt auf und unterstützt einen bei der Organisation, führt einen am ersten Tag durch die Klinik und Umgebung, zeigt einem seinen Spind und hilft beim Abholen von Unterlagen als auch de Namensschildes. Da meine Tutorin erst im zweiten Studienjahr war, habe ich sie allerdings leider nicht oft gesehen.

Visum

Da es ein unbezahltes Praktikum war und eine bestimmte Dauer nicht überschritt, brauchte man als deutscher Staatsbürger kein extra Visum zu beantragen. Als ich ganz zu Beginn mir ein Studentenvisum ausstellen lassen wollte und dafür das „Centre for International Affairs“ um ein dafür benötigtes „Certificate of Eligibility“ gebeten hatte, wurde mir nur geantwortet, dass man ein solches Zertifikat nicht ausstellen könne und ein Touristenvisum ausreiche. Daraufhin hatte ich extra von Deutschland aus das „Tokyo Immigration Bureau“ angerufen, welches mir bestätigte, dass ein Touristenvisum ausreiche. Nichtsdestotrotz habe ich bei der Einreise das Praktikum sicherheitshalber nicht erwähnt.

(Anm.d.Red. Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Wohnen in Okinawa

Für Studenten von Partneruniversitäten besteht die Möglichkeit, günstig im Wohnheim der Universität unterzukommen. Da meine Heimatuniversität leider kein Partner ist, habe ich mir über die Website www.roomshare.jp ein Zimmer in Universitätsnähe gesucht, da selbst auf Airbnb die Preise in der Gegend recht hoch waren. Auf „roomshare.jp“ inserieren private Vermieter, die Kontaktaufnahme war recht unkompliziert. Pro Monat habe ich 35.000Yen (280€) bezahlt. Da ich mir kein Auto mieten wollte und die Verkehrsanbindung recht schlecht war, bin ich täglich 25min zum Universitätsklinikum gelaufen.

Die University of the Ryukyus – Faculty of Medicine

 Eingangsbereich im Universitätsklinikum auf Okinawa

Eingangsbereich im Universitätsklinikum auf Okinawa

Die „Ryudai“, Kurzform von „Ryukyu Daigaku“, japanisch für Ryukyus University, hat die einzige medizinische Fakultät auf der Insel Okinawa. Leider ist der Campus in „Nishihara“ etwas abgelegen und mit den öffentlichen Buslinien schlecht zu erreichen. Wenn man nicht gerade in Laufdistanz wohnt, ist eine Automietung sinnvoll. Hierfür benötigt man eine Übersetzung des deutschen Führerscheines, welche ca. 3.000Yen (ca. 25€) kostet.

Der Campus ist gut ausgestattet und verfügt über eine Bibliothek mit Seminarräumen, welche man reservieren kann, eine Lobby mit WLAN und Steckdosen, in welcher sich die Studenten die meiste Zeit zwischen den Lehrveranstaltungen aufhalten, „Konbini“ Läden (Supermarkt), Restaurants und Kopierer. Leider erkannte dieser meinen herkömmlichen USB-Stick nicht, jedoch besteht die Möglichkeit, bei der genannten Ansprechpartnerin der Universität zu drucken bzw. zu kopieren.

Mein PJ-Abschnitt in der Inneren Medizin

 Auf der Station - Ryukyu University Hospital auf Okinawa

Auf der Station – Ryukyu University Hospital auf Okinawa

Vier Wochen habe ich auf der Pneumologie verbracht und vier Wochen auf der Gastroenterologie, bei letzterem jeweils zwei Wochen in zwei verschiedenen Teams. Die Pneumologie und Gastroenterologie zählen zusammen mit der Infektiologie zum Bereich „Innere Medizin 1“ am Ryukyu University Hospital.

Ich war glücklich, dass ich auch am Unterricht der japanischen Medizinstudierenden teilnehmen durfte, mit Studenten aus dem 4. oder 5. Studienjahr. Der Unterricht für die japanischen Studenten auf der Abteilung der „Inneren Medizin 1“ ist auf zwei Wochen ausgelegt, nach dieser Zeit rotieren die Studierenden weiter und das Programm wiederholt sich. Von daher habe ich den Seminaren nur in den ersten beiden Wochen beigewohnt. Der Unterricht findet interaktiv in Seminarform in Kleingruppen, mit ca. sieben Studenten pro Gruppe, natürlich auf Japanisch statt. Auch ein Endoskopie- und Bronchoskopie-Simulationstraining gab es, was durch die hoch entwickelte Software sehr realitätsnah war und viel Spaß gemacht hat. Die Dauer einer Lehrveranstaltung betrug 90 Minuten.

Die japanischen Studenten hatten meist vorher schon die Vorlesungsfolien für die kommende Lehrveranstaltung ausgedruckt und mir vor Lehrveranstaltungsbeginn sogar einen Großteil der Folien mit handschriftlichen Notizen mühsam mit Online-Wörterbuch ins Englische übersetzt, was mich extrem gerührt hat. So viel Hilfsbereitschaft und Engagement für quasi Fremde habe ich selten erlebt!

In den anderen Wochen bestand der Tagesablauf aus der Teilnahme an der Morgen- und Nachmittagsvisite mit Patientenvorstellung des eigenen Patienten, Konferenzen mit Fallvorstellungen und der Hospitation in der Funktionsdiagnostik (Bronchoskopie, Koloskopie). In der Freizeit dazwischen habe ich meist in der Bibliothek oder Lobby mit WLAN gelernt.

Auch während der Visiten waren Studenten und Ärzte immer sehr bemüht, von sich aus viel zu übersetzen und zu erklären, auch wenn es manchen schwer fiel, englisch zu sprechen. Die Englisch-Kenntnisse unter den Ärzten waren sehr inhomogen. In den ersten vier Wochen auf der Pulmologie hatte ich diesbezüglich großes Glück. Als ich danach in die Gastroenterologie rotiert bin, war ich beim „Darm-Team“ eingeteilt. Leider konnte ich hier aufgrund mangelnder Erklärungen durch fehlende Englisch-Kenntnisse auf Seiten der Ärzte nicht viel dazulernen. Durch meine Eigeninitiative war es jedoch möglich, in das „Leber-Team“ zu wechseln, was mich fachlich mehr vorangebracht hat.

Nicht nur über das Gesundheitssystem auf Okinawa habe ich während meines PJ-Abschnittes dazugelernt, sondern auch über die Kultur und das Essen. Das unglaublich nette Team der Pneumologie hat mich sogar zu einer Willkommensparty in ein für Okinawa typisches Lokal zum Probieren lokaler Speisen und Getränke eingeladen.

Verpflegung in der Klinik

Im Krankenhaus gab es zwei Restaurants. Ein Essen, meist Set mit Reis und Miso-Suppe sowie etwas eingelegtem Gemüse, kostete ca. 600Yen (knapp 5€). Einen Studenten- oder Mitarbeiterrabatt gab es leider nicht. Alternativ existierte ein kleiner Supermarkt („Konbini“). Eine Lunch-Box kostete hier ca. 400Yen (etwas über 3€). Das Praktische an den „Konbinis“ war, dass das Essen gleich vor Ort von den Mitarbeitern in einer Mikrowelle warm gemacht werden konnte.

Leben auf Okinawa

 Traumhafter Strand auf der Insel Ishigaki der Inselgruppe Okinawa

Traumhafter Strand auf der Insel Ishigaki der Inselgruppe Okinawa

Generell unterscheidet sich die Mentalität auf Okinawa von der auf der Hauptinsel Japans, denn diese kleine Inselgruppe war früher bis zum 19. Jahrhundert ein eigenständiges Königreich „Ryukyu“.  Die Menschen hier sind offener, herzlicher, gelassener und sehr hilfsbereit. Ich wurde sehr freundlich aufgenommen und habe mich extrem gut integriert gefühlt. So konnte ich schnell viele gute Freunde gewinnen, sowohl auf der Studenten- als auch Ärzteseite.

Die meiste Zeit habe ich mit Mitgliedern des Kendo-Clubs verbracht, dem ich in der ersten Woche beigetreten bin. Kendo ist der japanische Fechtsport. Das Training fand dreimal wöchentlich statt und wenn nicht gerade eine Konferenz anstand, bin ich auch immer zum Training gegangen. Der Sport stärkte ungemein den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe und auch nach dem Training hat man die Zeit stets gemeinsam verbracht und ist meist immer noch in ein Restaurant essen gegangen. Ich würde allen Studierenden empfehlen, sich ebenfalls einem Club anzuschließen! Alle Clubaktivitäten finden meist dreimal wöchentlich statt und sind von Studenten selbst organisiert. Die Sporthalle liegt direkt neben der Klinik, was sehr bequem ist. Viele Sportarten werden angeboten, auch traditionelle wie zum Beispiel der „Ryukyu Tanz“ oder „Eisa“, ein Trommeltanz auf Okinawa. Besonders populär in Okinawa ist z.B. auch Karate.

Okinawa ist sowohl der Name der südlichen Inselgruppe als auch der Hauptinsel innerhalb dieses Inselverbandes. Neben der Hauptinsel, auf welcher die Universität gelegen war, sind die anderen Inseln mindestens genauso sehenswert. Besonders ein Wochenendtrip nach „Ishigaki“ ist unbedingt zu empfehlen. Ab der Hauptstadt „Naha“ verkehren Billigflieger nach „Ishigaki“. Von dort aus kann man mit der Fähre nach „Taketomi“ übersetzen. Einen Besuch auf dieser ländlichen Inselidylle sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Ansonsten kann man auf Okinawa selbst am meisten unternehmen, wenn man sich ein Auto mietet, da, mit Ausnahme einer kurzen Monorail-Strecke um „Naha“, nur Buslinien verkehren, welche nur selten und öfters auch unpünktlich fahren.

Mein Fazit

Die Erfahrungen, die ich in diesem Auslandstertial an der „Ryudai“, der University of the Ryukyus, Faculty of Medicine, machen durfte, sind unbezahlbar! Würde ich im Nachhinein noch einmal vor die Wahl gestellt werden, würde ich mich jederzeit wieder für die „Ryudai“ entscheiden.

Die akademische Betreuung war sehr gut. Ich konnte mich fachlich weiterentwickeln und vor allem auch menschlich sehr viel dazugewinnen!

M., A.-S.

Nishihara, Okinawa, März 2019

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