Famulatur in Irland – Notfallmedizin

19. Dezember 2018

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Irland, Land, Notfallmedizin

Irland, Dublin, St. Vincent’s University Hospital (27.08.-25.09.2018)

Famulatur in Dublin! Eine Famulatur in einem der landschaftlich schönsten Länder, die ich kenne. Umgeben von Klippen, Meeresrauschen und der wahnsinnig offenherzigen Mentalität der Iren. Es war eine sehr lehrreiche Zeit in der Notaufnahme des St. Vincent’s University Hospital in Dublin und ein spannender Einblick in das Gesundheitssystem Irlands.

Warum Dublin? Warum das St. Vincent’s University Hospital?

Meiner Meinung nach bietet die Famulatur die perfekte Möglichkeit, einen Einblick in die Gesundheitssysteme anderer Länder zu gewinnen und seine Sprachkenntnisse ein bisschen aufzubessern. Nach meiner letzten Famulatur in einem französischsprachigen Krankenhaus wollte ich nun den englischsprachigen Raum erkunden. Irland bzw. Dublin hatte ich dabei gar nicht unbedingt im Sinn, sondern hatte vielmehr an Großbritannien gedacht.

Da London bekanntermaßen aber recht teuer und Großbritannien an sich laut einiger Erfahrungsberichte, die im Internet kursieren, wohl auch mit relativ großem bürokratischen Aufwand verbunden ist, hatte ich mich dann doch anderweitig umgeschaut. Dabei bin ich auf den Bericht einer meiner Vorgängerinnen gestoßen, die sehr angetan von ihrer Zeit in Dublin, ebenfalls am St. Vincent’s University Hospital, berichtet hatte. Da es sich um meine letzte Famulatur gehandelt hat, die ich in der Ambulanz absolvieren musste, ist die Wahl schnell auf die Notaufnahme gefallen.

Bewerbung, Vorbereitung, sonstige Empfehlungen

In der berühmten Old Library am Trinity College in Dublin
In der berühmten Old Library am Trinity College in Dublin

Der Bewerbungsablauf und die Vorbereitung an sich liefen glücklicherweise sehr unkompliziert und schnell ab. Ich hatte ca. 3-4 Monate vor Antritt meiner Famulatur eine Mail an die Sekretärin des Emergency Departments am St. Vincent’s University Hospital, einem akademischen Lehrkrankenhaus der „UCD“, University College Dublin, geschickt. Noch am selben Tag erhielt ich die Rückmeldung, dass es kein Problem sei, in der von mir gewünschten Zeit zu kommen. Mehr musste ich im Vorfeld dann auch gar nicht organisieren.

Das Ganze lief so unkompliziert ab, dass ich schon Angst hatte, dass es doch irgendwo einen Haken an der Sache geben könnte. Gab es aber nicht! Die zuständige Sekretärin ist eine super liebenswerte Person, die uns Famulanten vor Ort sehr herzlich empfangen hat. Anders als man es oft in Deutschland erlebt, wusste man vor Ort, dass wir kommen. An meinem ersten Tag wurde ich von anderen Famulanten, die bereits eine Woche vor mir angekommen waren, herumgeführt und hatte mir dann mein „Badge“ abgeholt, mit dem man Zutritt zu allen Räumlichkeiten erhält. Mit dem „Badge“ könnt Ihr im Übrigen auch aus einem dafür vorgesehenen Automaten Eure Kleidung bekommen. Einen Kittel oder sonstige Arbeitskleidung müsst Ihr folglich nicht mitbringen, ein Stethoskop sollte aber auf jeden Fall dabei sein.

Bezüglich Dublins als Touristenziel hatte ich mich bereits in Deutschland über das Internet über Land und Leute als auch das Gesundheitssystem informiert. Außerdem kann ich an dieser Stelle den Reiseführer von „Lonely Planet“ empfehlen.

Als Mitgliedsstaat der EU reicht es vollkommen aus, mit dem Personalausweis in Irland einzureisen. Besondere Impfungen sind nicht erforderlich und es mussten auch keine sonstigen Unterlagen vorgelegt werden.

Mein Arbeitsalltag am St. Vincent’s University Hospital in Dublin

Das Emergency Department des St. Vincent's University Hospital in Dublin
Das Emergency Department des St. Vincent’s University Hospital in Dublin

Das Team der Notaufnahme am St. Vincent’s University Hospital ist insgesamt recht jung, motiviert, sehr offen und freundlich. Ich denke, ich kann für uns alle sprechen, wenn ich sage, dass wir uns als Famulanten dort sehr gut aufgehoben gefühlt haben.

Die Notaufnahme selbst war grob in drei Stationen gegliedert. Hinzu kamen das „RAT“ („Rapid Assessment and Treatment“) und der „Resus“-Bereich („Resuscitation“). Im „RAT“ wurden die Patienten zunächst einmal von Schwestern aufgenommen und eingeschätzt. Je nach Schweregrad und Dringlichkeit wurden sie dann weiter verteilt oder auch direkt wieder mit einer Medikamentenverordnung nach Hause geschickt. Das „RAT“ bot eine super Gelegenheit, sich die Anamnese der jeweiligen Patienten anzuhören. Wer außerdem gerne noch einmal das Blutabnehmen oder Zugänge legen üben möchte, ist hier auch genau richtig.

Grundsätzlich konnten wir Famulanten recht eigenständig entscheiden, was wir gerne machen wollten bzw. was uns interessierte. Es gab zwar immer wieder jemanden, der einen an die Hand nahm und einem etwas auftrug, grundsätzlich war aber viel von der Eigeninitiative abhängig. Dessen sollte man sich im Vorhinein bewusst sein.

Morgens um 8:00 Uhr wurden an der Central Station in der Notaufnahme zunächst einmal die Patienten vorgestellt und kurz besprochen. Danach oblag der Tag eigentlich der freien Gestaltung. Meistens haben wir uns einen der Assistenzärzte geschnappt, der uns dann einen gerade für uns „spannenden“ Patienten vorschlug. Nach ausführlicher Anamnese und körperlicher Untersuchung haben wir diesen dann vorgestellt und mit dem Assistenzarzt gemeinsam unsere Verdachtsdiagnose als auch das weitere Vorgehen diskutiert. Wenn irgendwo etwas besonders Interessantes anfiel, wurde man zudem oft von dem jeweiligen behandelnden Arzt dazu geholt.

Ein wenig anders als die übrigen Tage verlief der Montag. Dieser begann immer im Simulationsraum. Der Simulationsraum war wie ein Schockraum aufgebaut und bot mithilfe einer Puppe und simuliertem Monitoring die Möglichkeit, Probefälle durchzuspielen. Danach ging es für 2-3 Vorträge in den Seminarraum. Hier stellte meist einer der Assistenzärzte eine interessante Studie vor und anschließend folgte ein Vortrag aus der Radiologie. Ein Highlight war es immer, wenn Pharmavertreter, Finanzberater oder Ähnliches eingeladen wurden, da diese gerne frischen Kaffee und ein paar süße Teilchen mitbrachten. Apropos Kaffee: Tee und Kaffee konnte man sich immer im Aufenthaltsraum der Schwestern oder dem der Medizinstudenten holen und dort auch gerne mal ein Päuschen einlegen.

Mittags bot es sich an, in der Mensa des Krankenhauses zu essen. Dort bekam man recht günstig eine warme Mahlzeit.

Der einzig negative Aspekt Irlands: die finanzielle Seite

Das Trinity College in Dublin bei Nacht
Das Trinity College in Dublin bei Nacht

Was das Finanzielle angeht, ist Dublin zwar angenehmer als London, aber immer noch eine recht teure Stadt. Daher war das erhaltene Auslandsstipendium seitens Medizinernachwuchs.de für mich in jedem Fall eine willkommene Unterstützung!

Ich war ein paar Wochen vor meiner Ankunft in Dublin bei Facebook einer Gruppe mit dem Namen „Dublin Rent a Room/House/Apartment/Flat/Accommodation“ beigetreten. Dort werden immer wieder Zimmer zur Untermiete reingestellt. Andere haben über diverse Wohnungsseiten im Internet eine Bleibe gefunden und wieder andere sind bei „Airbnb“ fündig geworden – das bietet sich vor allem zu zweit an.

Südwestlich des St. Vincent’s University Hospital befindet sich der Campus der „UCD“ (University College Dublin), eine der beiden großen Universitäten Dublins – neben dem Trinity College. Daher wohnen dort auch viele Studenten. Ich hatte in der Nähe des Campus und somit auch in der Nähe des Krankenhauses in einer WG ein Zimmer gefunden und 700.- Euro für einen Monat gezahlt. Viel günstiger findet man, denke ich, kaum etwas. Durch die Lage war ich zwar schnell im Hospital, habe aber mit dem Fahrrad immerhin ca. 25 min. in die Stadt gebraucht. Da muss man selbst abwägen, was einem wichtiger ist – in der Nähe des Krankenhauses oder im Stadtzentrum zu wohnen.

Sollte man viel mit dem Bus unterwegs sein, lohnte es sich, die sogenannte „Leap Card“ anzuschaffen. Hiermit erhielt man gewisse Vergünstigungen. Ich selbst hatte mich aber dagegen entschieden und stattdessen das Fahrrad genutzt. Ihr könnt Euch entweder ebenfalls über Facebook Gruppen ein Fahrrad für den Zeitraum kaufen oder aber Euch bei der App „Bleeper Bike“ registrieren. Hier zahlt Ihr 10.- Euro im Monat und könnt für jeweils eine Stunde viermal am Tag das Fahrrad nutzen. Jede weitere Stunde kostet 80 Cent. Die Stationen findet Ihr überall in der Stadt. Meiner Meinung nach ist dies eine super Alternative zum Busfahren – und vor allem deutlich günstiger!

Einkaufsmöglichkeiten gab es genügend. Einen „Lidl“, „Aldi“ oder „Tesco“ findet man beinahe überall. Dies sind auch mit die günstigsten Supermärkte. Ein „Spar“ ist gefühlt an jeder Straßenecke vertreten, hier müsst Ihr aber teilweise auch etwas tiefer in die Tasche greifen.

Dienstags bot sich ein Kinobesuch im „Savoy Cinema“ an. Dort zahlte man als Student nur 4,50 Euro für eine Vorstellung.

Leute, Stadt und Land

Entlang des Ring of Kerry - der berühmten Panoramastraße in Irland
Entlang des Ring of Kerry – der berühmten Panoramastraße in Irland

Bereits in Deutschland hatte ich von vielen Freunden gehört, was für eine schöne Stadt Dublin sei und dass man sich überhaupt keine Sorgen machen müsse, nette Leute kennen zu lernen. Dies hat sich für mich definitiv bestätigt.

Für mich war es der erste Besuch in der Hauptstadt Irlands und ich habe mich vom ersten Tag an sehr wohl gefühlt. Die Menschen in Irland sind sehr offene und freundliche Leute. Wenn man auf der Straße jemanden um Rat fragt, trifft man eigentlich immer auf offene Ohren.

Dublin selbst ist eine sehr schöne Stadt im überwiegend gregorianischen Stil, die von dem Fluss „Liffey“ in Nord und Süd getrennt wird. Der Großteil, gerade touristische Attraktionen, spielt sich südlich der „Liffey“ ab. Der Norden ist von der Geschichte her sehr interessant, allerdings sollte man sich gerade nachts im Dunkeln nicht allzu weit nördlich aufhalten.

Um einen Überblick über die Stadt zu bekommen, kann ich sehr die „Free Walking Tours“ empfehlen, die sowohl für den Süd- als auch für den Nordteil der Stadt angeboten werden. Die gängigen Touristenziele „Trinity College“, „Guinness Storehouse“, „St. Stephens Green“ usw. findet Ihr in jedem Reiseführer. Sehr zu empfehlen ist außerdem der „Cliff Walk“ in „Howth“, einem Fischerort, etwas östlich von Dublin gelegen, den Ihr mit der „DART“ („Dublin Area Rapid Transit“) innerhalb von ca. einer halben Stunde erreichen könnt.

An den Wochenenden haben wir Famulanten gerne den übrigen Teil Irlands erkundet. Die Städte sind in der Regel nicht wahnsinnig spannend, dafür ist die Natur umso beeindruckender! Gerade wenn Ihr 25 Jahre oder älter seid, würde ich Euch empfehlen, ein Auto zu mieten. Unter 25 Jahren ist dies leider erheblich teurer, weshalb wir uns öfter für organisierte Bus Tagestouren entschieden haben. Diese sind zwar super einfach zu organisieren, im Internet nach „Day Trip“ und dem gewünschten Ziel suchen, das Ganze läuft allerdings sehr touristisch ab. Dennoch bekommt man viel zu sehen!

Wenn man weiter entferntere Orte besuchen möchte, bietet es sich an, ein ganzes Wochenende mit Übernachtung einzuplanen. So haben wir beispielsweise ein Wochenende in „Killarney“ am „Ring of Kerry“ verbracht oder sind nach Belfast, in die Hauptstadt Nordirlands, gereist. In Belfast würde ich jedem empfehlen, sich ein wenig mit der Geschichte Irlands bzw. dem Nordirland Konflikt auseinanderzusetzen. Wir haben dies im Rahmen einer sehr spannenden „Free Walking Tour“ gemacht.

Fazit meiner Auslands-Famulatur in Dublin

Ein Pint Guinness im Storehouse mit Blick über Dublin
Ein Pint Guinness im Storehouse mit Blick über Dublin

Alles in allem hatte ich eine sehr lehrreiche und spannende Zeit in Irland, in der ich tolle Leute kennen gelernt habe, mit denen ich zusammen einen Einblick in das Gesundheitssystem und die Mentalität der Iren erlangen durfte.

Auch zum Reisen ist Irland ein wunderschönes Land, vor allem Naturliebhaber kommen hier sicherlich auf ihre Kosten!

Ich kann eine Famulatur in der Notaufnahme des St. Vincent’s University Hospital in Dublin definitiv weiterempfehlen.

F. Dreyling

München, Oktober 2018

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2018

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

Ähnliche Artikel:

  • Famulatur in Irland – NotfallmedizinFamulatur in Irland – Notfallmedizin Irland, Dublin, St. Vincent's University Hospital (06.09.-06.10.2017) „Zwischen Husten und Hirnblutung“. Das Ziel meiner Auslandsfamulatur war das St. Vincent's University Hospital in […]
  • Famulatur in Irland – AnästhesieFamulatur in Irland – Anästhesie Irland, Dublin, Adelaide and Meath Hospital - National Children’s Hospital (15.08.-26.09.2011) Auf die „grüne“ Insel. Bei meiner Famulatur in Irland, genauer gesagt in Dublin, erwartete […]
  • Famulatur in Südafrika – ChirurgieFamulatur in Südafrika – Chirurgie Südafrika, Kapstadt, Groote Schuur Hospital (03.03.-04.04.2014) Famulatur am Groote Schuur Hospital der University of Cape Town in Südafrika – und dies in der Chirurgie! Eine der besten […]
  • Famulatur in Thailand – NotfallmedizinFamulatur in Thailand – Notfallmedizin Thailand, Koh Samui, Bangkok Hospital Samui (18.08.-17.09.2014) Nach einem Auslandssemester in Frankreich sollte es unbedingt ein weiteres Mal im Rahmen meines Medizinstudiums ins […]
  • Famulatur in Australien – NotfallmedizinFamulatur in Australien – Notfallmedizin Australien, Cooloongup/Rockingham, Rockingham General Hospital (17.02.-18.03.2014) In der Nähe von Perth, an der Westküste Australiens erwartete mich eine sehr interessante Famulatur, bei […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.