Famulatur in Frankreich – Notfallmedizin

5. Oktober 2018

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Frankreich, Land, Notfallmedizin

Frankreich, Grenoble, Centre Hospitalier Universitaire de Grenoble-Alpes (01.03.-30.03.2018)

Zu meiner letzten Famulatur, der im ambulanten Bereich, zog es mich erneut nach Grenoble, genauer gesagt in die Notaufnahme des Centre Hospitalier Universitaire de Grenoble-Alpes. Ich habe einiges Neues gelernt und konnte auch viel selber machen. Zudem waren der Umgang miteinander und die Hierarchien im Krankenhaus angenehm. Es war eine gute Entscheidung, nach meinem bereits in Grenoble absolvierten Erasmusjahr dorthin wieder zurück zu kehren!

Auf nach Grenoble!

Meine Motivation, eine Famulatur in Grenoble zu absolvieren, war, dass ich an der Université Grenoble-Alpes bereits ein Erasmusjahr verbracht und es mir sehr gut gefallen hatte. Mir fehlte noch eine Famulatur im ambulanten Bereich und ich hatte von anderen Medizinstudenten, die ein Praktikum in der Notaufnahme gemacht hatten, nur Gutes gehört.

Zudem liegt Grenoble mitten in den Bergen, genauer gesagt in den französischen Alpen, was für mich einfach ein Traum ist, und ich kannte schon Leute dort, sodass ich nicht ganz von vorne anfangen musste.

Bewerbung, Vorbereitung & Co.

Blick vom Moucherotte auf Grenoble
Blick vom Moucherotte auf Grenoble

Für meine Famulatur beworben, hatte ich mich ca. vier Monate im Voraus. Ich hatte einfach im Centre Hospitalier Universitaire Grenoble-Alpes (CHU) angerufen und gefragt, wer denn zuständig für Praktika in der Notaufnahme („Urgences“) sei. Man brauchte ein wenig Geduld, ich wurde ca. viermal weitergeleitet, kam dann aber an die richtige Person. Zudem hatte ich E-Mail Kontakt mit drei Leuten gleichzeitig, was ein bisschen verwirrend war, aber schließlich hatte ich eine Zusage bekommen. Man sollte hier im Zweifel nochmal nach einem gesonderten Dokument fragen, denn dies braucht Ihr, um Euch zusätzlich für das Wohnheim zu bewerben.

An Unterlagen hatte ich dann, glaube ich, nur eine Immatrikulationsbescheinigung, eine Kopie meines Personalausweises und einen Lebenslauf zuschicken müssen. Es kann aber durchaus sein, dass man weitere Unterlagen zusenden muss, wenn man dort vorher keinen Aufenthalt über Erasmus absolviert hat. Nach Sprachkenntnissen hatte mich übrigens bei meiner Bewerbung keiner gefragt. Ansonsten musste ich meinen Impfpass und ein paar andere Unterlagen vor Ort vorlegen, wenn man nur für einen Monat bleibt, sind die zuständigen Ansprechpartner allerdings sehr entspannt.

Sobald man einen Termin für die Famulatur hat, sollte man so früh wie möglich Zugtickets buchen, wenn man denn Zug fahren möchte, was meiner Meinung nach die beste Alternative zum Auto ist. Zum Europa-Sparpreis erhält man Tickets nach Lyon oder Genf für 50-60 €, von dort kann man dann mit einem Fern-Bus oder „Blablacar“ weiterreisen.

An Versicherungen braucht Ihr nur Eure Auslandskrankenversicherung, das reicht. Für den klinischen Alltag kann ich das Buch „Französisch für Mediziner“ von Elsevier empfehlen.

Finanziert hatte ich meine Famulatur in Grenoble durch Ersparnisse sowie durch das Auslandsstipendium von Medizinernachwuchs.de, mit dem ich immerhin fast meine Unterkunft finanzieren konnte.

Wohnen in Grenoble

Wohnen kann man in Grenoble im Studentenwohnheim des Studentenwerks („Crous“). Hier werden auch Zimmer für kurze Aufenthalte angeboten: http://www.crous-grenoble.fr/demanderunlogement/logement-ponctuel/

Hierfür reicht es, wenn man sich einen Monat vorher bewirbt, mit Immatrikulationsbescheinigung und Praktikumszusage, da Zimmer für Kurzaufenthalte ausschließlich spontan vergeben werden. Ihr könnt zwischen verschiedenen Varianten wählen, von Zimmer mit Etagenküche und Bad auf der Etage, eigenes Bad und eigenes Bad und Küche, was natürlich am teuersten ist. Je nachdem wo man landet, ist alles ein bisschen alt und die Gemeinschaftsküche nicht so toll, aber für einen Monat reicht es vollkommen. Nachteil war, dass keine Küchenutensilien vorhanden waren. Ich hatte mir das alles bei Freunden geliehen. Bettwäsche gab es allerdings.

Achtung: Wenn Ihr länger als einen Monat im Wohnheim bleiben wollt, braucht Ihr viel mehr Dokumente, so z.B. eine Hausratversicherung, einen Bürgen etc. Falls Ihr also länger bleiben wollt, empfiehlt es sich, etwas anderes zum Wohnen zu suchen – zum Beispiel Airbnb, Hostel, Couchsurfing oder so. Ansonsten könnt Ihr im Internet nach WGs oder Apartments schauen, z.B auf „Le Bon Coin“. Das wird aber wahrscheinlich teurer.

Meine Famulatur in der Notaufnahme

Rundblick auf die Belledonne, einen Teil der französischen Alpen, und das CHU Grenoble-Alpes
Rundblick auf die Belledonne, einen Teil der französischen Alpen, und das CHU Grenoble-Alpes

Meine Famulatur absolviert, habe ich dann im Centre Hospitalier Universitaire Grenoble-Alpes, „Urgences“ Nord. Es gibt noch „Urgences“ im Hôpital Sud, aber nur in Traumatologie. Die Klinik hat ein großes Einzugsgebiet und die Patienten kommen teilweise von relativ weit her. Da ich in der Skisaison da war, gab es auch viele Sportunfälle.

Als Famulant macht man die Arbeit eines „Externes“ – so wie auch die Erasmusstudenten. Da die „Externes“ ja auch noch studieren müssen, arbeiten sie nur halbtags auf allen anderen Stationen bzw. 2-3mal die Woche in den „Urgences“, dafür dann von 8:00-18:00 Uhr. Man konnte aber auch mal früher gehen, wenn man etwas vorhatte oder nicht viel los war. Am Wochenende hatte man frei, man durfte aber natürlich gerne kommen, wenn man mochte. Bestimmt darf man auch nachts kommen.

Übrigens dachten alle immer, ich sei ein Erasmusstudent. Irgendwann habe ich dann aufgegeben zu erklären, dass ich keiner bin.

Aufgeteilt ist das Ganze in drei Bereiche: „Courte“, hier sind vor allem Sportverletzungen und andere kurze Sachen wie Zysten etc. „Intermediär“, hier gibt es alles von A-Z, und „Chaud“, hier sind die Patienten, bei denen es evtl. schnell gehen muss, z.B. V.a. Apoplex oder Herzinfarkt.

In Absprache mit den Erasmusstudenten konnte man durch alle drei Bereiche durchrotieren. Am Anfang lief man noch mit den französischen Medizinstudenten mit, konnte aber dann auch alleine Patienten übernehmen. Hierfür waren allerdings gute Französischkenntnisse nötig!

  • „Courte“:

Hier konnte man neue Aufnahmen untersuchen, schrieb anschließend einen kurzen Kommentar am Computer und stellte den Patienten dem „Interne“ (Assistenzarzt) oder dem Arzt vor, je nachdem, wer gerade da war. Wenn man Lust hatte, konnte man auch mal nähen, wenn es etwas zu nähen gab.

  • „Intermediaire“:

Auch hier konnte man selbständig Patienten untersuchen und den Ärzten vorstellen, dann nach Absprache auch Untersuchungen anfordern. Zudem bekam fast jeder Patient ein EKG.

  • Chaud:

Hier konnte ich eigentlich am wenigsten selbst machen, zudem, weil es eben oft relativ schnell gehen musste. Ansonsten galt auch hier: Untersuchen, EKG, Dokumentieren.

Wenn man mochte, konnte man auch morgens in der Visite der Patienten der Nacht mitgehen, das fand ich aber eher langweilig.

Am besten hat es mir in „Court“ und „Intermediaire“ gefallen, allerdings hing das auch immer von den gerade anwesenden Ärzten ab. Genauso konnte es vor allem in „Court“ und „Intermediär“ passieren, dass mal ein paar Stunden lang sehr wenig los war und man sich ein wenig langweilte. Oder aber es nahm kein Ende, sodass man kaum zum Mittagessen kam. Aber das ist wohl auf jeder Notaufnahme so. Ansonsten durfte man eigentlich überall zuschauen, wenn man nett gefragt hat.

Je nachdem, was für Patienten da waren, konnte man übrigens auch eine Liquor Punktion oder eine Abszess Spaltung durchführen, wenn man fragte. Fragen ist sowieso immer gut, sonst werdet Ihr eventuell, je nach Arzt, übersehen. Wenn die Ärzte Zeit hatten, erklärten sie einem auch meist alles, was man wissen wollte. Einmal in der Woche gab es einen Kurs für Medizinstudenten, diese waren, je nach Dozent, mehr oder weniger gut. Im Großen und Ganzen habe ich einiges Neues gelernt und konnte auch viel selber machen.

Die Stimmung in den „Urgences“ war eigentlich gut. Ich empfehle, sich vor allem an die französischen Medizinstudenten zu halten, denn diese sind sehr offen und auch oft an internationalen Studenten interessiert. Vor allem, wenn man einigermaßen Französisch spricht, wird man gut aufgenommen. Das Mittagessen musste man übrigens selber mitbringen.

Im März 2018 war übrigens gerade eine große Baustelle am Centre Hospitalier Universitaire in Grenoble. Die „Urgences“ waren noch im alten Gebäude untergebracht, das eigentlich viel zu eng war. Ich denke aber, dass der Neubau im Jahr 2019 fertig sein sollte.

Und in der Freizeit?

Schneeschuhwandern auf Chamrousse in den französischen Alpen
Schneeschuhwandern auf Chamrousse in den französischen Alpen

Grenoble ist eine sehr junge, internationale Studentenstadt, die Leute sind sehr offen und es gibt viele Kultur- und Freizeitangebote. In der Stadt gibt es viele kleine Bars, in denen man abends gut etwas trinken gehen kann, und es gibt mehrere Kinos.

Naturliebhaber kommen ganz besonders auf ihre Kosten und Grenoble ist zudem eine der sportlichsten Städte Frankreichs. Von Skifahren, Schneeschuhwandern, Langlaufen im Winter über Trailrunning, Wandern, Klettern als auch Radfahren im Sommer ist alles möglich. Der März ist da ein bisschen kritisch, je nachdem wieviel Schnee es im Winter gab, aber bei mir hatte es noch zum Langlaufen gereicht und man konnte erste schneefreie Wanderungen machen, wenn man nicht allzu hoch ging.

Für die meisten dieser Aktivitäten ist ein Auto nützlich, allerdings kommt man in die großen Skigebiete und an Wanderstartpunkte auch mit Bussen oder „Blablacar“. Zudem gibt es diverse Lauf-, Wander- und andere Sportgruppen, hierzu könnt Ihr einfach mal auf Facebook nachschauen.

Grenoble hat übrigens einen „grünen“ Bürgermeister. Ein Monatsticket für den öffentlichen Verkehr für unter 25jährige kostet 15 € und zudem gibt es überall tolle Radwege. Es empfiehlt sich, ein Fahrrad bei „Metrovelo“ zu leihen (15 €/Monat) und diese werden auch nicht geklaut.

Fazit

Ich würde sofort wieder zu einer Famulatur nach Grenoble gehen. Der Umgang miteinander und die Hierarchien im Krankenhaus waren angenehm, man war (meistens) nicht der „Depp vom Dienst“ und durfte auch mal selber Hand anlegen.

Und vor allem sind Grenoble und die französischen Alpen für Berge-Liebhaber wärmstens zu empfehlen.

Christiane Muhr

Würzburg, August 2018

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2017-2018

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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