Famulatur in Ghana – Gynäkologie und Geburtshilfe

21. September 2018

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Ghana, Techiman, Holy Family Hospital (23.07.-27.08.2018)

Famulatur in Ghana. Eine wirklich tolle Zeit in einem wunderschönen Land, voller beeindruckender Erfahrungen und Erlebnisse. Es war unglaublich interessant, authentische Einblicke in ein anderes Gesundheitssystem, den Umgang mit den Patienten, in die Organisation und Planung von Behandlungen, OP-Abläufe, die Sta­tionsarbeit etc. an einem Hospital in Ghana zu gewinnen und ich möchte diese Erfahrung auf keinen Fall mehr missen.

Warum gerade nach Afrika?

Afrika pur - die weite Landschaft rund um Techiman in Ghana
Afrika pur – die weite Landschaft rund um Techiman in Ghana

Schon seit Beginn meines Medizinstudiums war es mein Wunsch, einen Teil meiner Famulaturen im Ausland, wenn irgendwie möglich in Afrika, zu absolvieren. Meine Begeisterung für den afrikanischen Konti­nent entstand, denke ich, bereits einige Jahre zuvor, als ich mit der „Tansania-AG“ meiner Schule un­sere Partnerschule in „Marangu“, einem Dorf am Fuße des Kilimanjaro in Tansania, für drei Wochen besuchte. Die Zeit dort führte mir vor Au­gen, welchen Unterschied es macht, ob man ein Land in Anführungsstrichen „nur“ als Tourist bereist, oder ob man wirklich in Kontakt tritt mit den Einheimischen, ihr Alltagsleben für einige Zeit mit ihnen teilt und so einmalige Einblicke erhält – in ihre Kultur, gesellschaftliche Normen oder den Glauben der Menschen.

Damals besuchten wir einige Schüler bei sich zuhause, lernten ihre Familien kennen, gin­gen mit ihnen zur Schule, besuchten gemeinsam den Markt, Kneipen und in einem so christlichen Ort wie „Marangu“ natürlich auch die Kirche. Seitdem wollte ich eine solche Erfahrung gerne noch einmal machen und sie diesmal um authentische Einblicke in ein fremdes Gesundheits- und Versorgungs-Sys­tem im Rahmen meines Medizinstudiums erweitern. Meine Hoffnung war es außerdem, eventuell auch viele praktische Erfahrungen sammeln zu können, da beispielsweise eine gründliche körperliche Untersuchung einen ganz anderen Stellenwert einnimmt, wenn nicht im Nebenraum MRT/CT, Sono­grafie oder andere bildgebende Verfahren schon darauf warten, uns zu verraten, was sich im Inneren des Patienten abspielt.

Bei meinen Überlegungen zu einer Auslandsfamulatur war mir außerdem sehr wichtig, diese Erfahrungen möglichst direkt vor Ort mit einem vertrauten Menschen teilen zu können. Deshalb plante ich die Famulatur in Ghana gemeinsam mit meinem Freund, der ebenfalls in Kiel Medizin studiert. Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er die Gesellschaft einer bekannten Person im Ausland schätzt oder als eher störend empfindet, aber ich wusste aus meinen letzten „Afrika-Erfahrungen“, dass es für mich die richtige Entscheidung ist, nicht alleine dorthin zu reisen. Es geschieht durchaus ab und an, dass man an seine persönlichen Grenzen stößt und auch mal kleine Krisen durchlebt, in einem Land, was dem eigenen so fremd ist, und unter Umständen, die man einfach nicht gewohnt ist. In solchen Situationen kann es dann helfen, sich darüber auszutauschen und Erlebtes, sowohl Positives als auch Negatives, mit jemandem zu teilen.

Die Bewerbung

Auf die konkrete Idee, meine Famulatur in Ghana abzuleisten, bin ich eher zufällig gekommen. Eines Abends erzählte ein Gynäkologe und ehemaliger Kollege meines Vaters von seiner Arbeit beim „GRVD“ (German Rotary Volunteer Doctors e.V.). Nach seiner Pensionierung arbeitete er über diese Organisation für zehn Jahre ehrenamtlich je drei Monate pro Jahr in verschiedenen Krankenhäusern in Ghana. Er berichtete auch viel über seine Arbeit in der gynäkologischen und geburtshilflichen Abteilung des Holy Family Hospitals (HFH) in „Techiman“, eine Stadt in der „Brong-Ahafo“ Region in Ghana.

Über ihn erhielt ich letztendlich den Email-Kontakt des Leiters der Gynäkologie und Geburtshilfe und kontaktierte ihn bezüglich meines Anliegens, eine vierwöchige Famulatur in seiner Abteilung zu absolvieren. Er antwortete sehr schnell und herzlich und schrieb, es sei kein Problem, für vier Wochen in seiner Klinik zu famulieren. Auch im weiteren Verlauf war er unglaublich freundlich, hilfsbereit und zuverlässig und half uns bei allen Bewerbungsmodalitäten und der Beantragung des Visums. Da es sich bei unserer Bewerbung, wie gesagt, um eine private Organisation handelte, würde ich mich für weitere Bewerbungen allerdings eher an den Administrator des Krankenhauses wenden. Uns wurde von allen Mitarbeitern versichert, sie würden sich auch in Zukunft sehr über Medizinstudenten aus Deutschland freuen.

Finanziert habe ich den größten Teil der Famulatur Kosten inklusive Flügen, Visum, Verpflegung vor Ort, Freizeitaktivitäten usw. selbst, wurde aber mit einem Betrag von 250€ durch die Auslandsstipendien von „Medizinernachwuchs.de“ unterstützt, was mir sehr geholfen hat und wofür ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken möchte.

Für die Famulatur in Ghana beworben, hatten wir uns circa ein Jahr im Voraus. Wir mussten ein offizielles Bewerbungsschreiben an den Administrator senden und haben im Gegenzug ein Einladungsschreiben erhalten, was wichtig für die Beantragung des Visums bei der Ghanaischen Botschaft in Berlin war. Die Beantragung an sich ging recht reibungslos vonstatten, man musste allerdings sehr viele Unterlagen dorthin senden und zusätzlich einscannen. Eine Liste aller notwendigen Unterlagen findet man auf der Internetseite der Botschaft. Das Visum kostete für fünf Wochen 120€ und nachdem alle Unterlagen eingegangen waren, wurde uns unser Pass innerhalb einer Woche zurückgesendet.

Weitere wichtige Vorbereitungen!

Auch das ist Accra - die Hauptstadt von Ghana
Auch das ist Accra – die Hauptstadt von Ghana

Auf alle Fälle wird eine gültige Gelbfieberimpfung benötigt, um nach Ghana einreisen zu dürfen. Neben Gelbfieber hatte ich mich außerdem impfen lassen gegen Tollwut, Cholera und Typhus und hatte noch einmal meinen Hepatitis B Titer überprüfen lassen. Während unserer Zeit in Ghana haben wir außerdem eine Malaria-Prophylaxe eingenommen, da Malaria in Ghana eine sehr große Rolle spielt.

Vor unserer Abreise hatten wir außerdem noch eine Auslandskrankenversicherung inklusive Kranken-Rücktransport sowie eine Berufshaftpflichtversicherung fürs Ausland abgeschlossen, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein.

Bei der Vorbereitung auf Land und Leute haben uns zwei kleine Taschen-Reiseführer geholfen: „Culture Smart!“ von Kuperard und „Ghana entdecken“ von Beatrice Sonntag. Leider ist die Auswahl an Reiseführern über Ghana, vor allem in deutscher Sprache, sehr begrenzt. Auf Englisch gibt es ein paar mehr, wodurch einem einmal mehr bewusst wird, dass Ghana einfach nicht zu den klassischen „Touristen-Reiseländern“ zählt. Wir hatten uns zudem über einige Formalitäten wie Begrüßung, Kleidung, Religion, Rolle der Familie etc. informiert, um nicht ganz unwissend in „Techiman“ anzukommen.

Nach einigen Tagen zur Akklimatisation und Eingewöhnung in der Hauptstadt Accra sind wir mit dem VIP-Bus weiter nach „Techiman“ gereist. Das Ganze kostete zwar gute acht Stunden Sitzfleisch und einige Nerven, weil ununterbrochen irgendeine afrikanische Soap lief, war aber dennoch alles in allem eine sehr angenehme und komfortable Möglichkeit, sich im Land fortzubewegen, und dazu noch deutlich kostengünstiger, als es ein Inlandsflug gewesen wäre – umgerechnet 14€ vs. 100€ pro Strecke.

Unsere Unterkunft

In „Techiman“ angekommen, wurden wir vom Leiter der Gynäkologie und Geburtshilfe am Busbahnhof sehr herzlich begrüßt und in Empfang genommen. Unsere Unterkunft befand sich auf dem riesigen Gelände des Krankenhauses. Das sogenannte Guest-House beinhaltete vier einfache Zimmer, die aber alles enthielten, was man benötigte – Betten, Schrank, Tisch und zwei Stühle. Küche, WC und Dusche waren einmal über den Hof und wurden mit einem jungen Arzt des Hospitals geteilt, der ebenfalls im Guest-House untergebracht war.  In den ersten zwei Wochen unseres Aufenthaltes lebten dort unter anderem noch zwei deutsche OP-Schwestern, mit denen wir immer zusammen Abend gegessen und uns viel unterhalten haben.

Bekocht wurden wir für umgerechnet ca. 2€ pro Person pro Tag von der lieben „Abu“, die wirklich gute, afrikanische und für unsere europäischen Mägen dennoch völlig unbedenkliche Köstlichkeiten zubereitete. Die Möglichkeit auf dem Gelände des Krankenhauses zu wohnen, war wirklich optimal, weil uns somit lange Fußwege zur Arbeit erspart blieben, die Umgebung für afrikanische Verhältnisse wirklich einigermaßen ruhig war, und wir uns, dank der Mauer, die das gesamte Gelände umgab, auch nachts immer sicher gefühlt haben.

Die Famulatur auf der Gynäkologie und Geburtshilfe…

Auf der Station der Gynäkologie und Geburtshilfe am Holy Family Hospital in Techiman – Ghana
Auf der Station der Gynäkologie und Geburtshilfe am Holy Family Hospital in Techiman – Ghana

Ein typischer Arbeitstag im Holy Family Hospital begann theoretisch um 07:45 Uhr mit der Frühbesprechung, obwohl der größte Teil der Ärzte eher eine halbe bis dreiviertel Stunde später eintraf. Man gewöhnte sich sehr schnell an die „afrikanischen Zeiten“ und konnte in der Regel bei Verabredungen locker eine halbe Stunde draufschlagen.

In der Frühbesprechung wurden dann verschiedene Fälle der letzten Tage besprochen und diskutiert. Besonders zu Beginn war das Ganze für uns ziemlich anstrengend, da in der Regel sehr leise und mit starkem afrikanischem Akzent Englisch gesprochen wurde. Nach einiger Zeit hörte man sich aber ein und es fiel einem leichter zu folgen. Ab und zu war für 07:00 Uhr ein Vortrag zu einem spezifischen gynäkologischen Thema angesetzt, allerdings sind von sieben angesetzten Terminen sechs  grundlos ausgefallen, was uns in unserer deutschen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit irgendwann, zugegeben, etwas frustriert hat.

Anschließend folgte an zwei Tagen in der Woche eine große Visite mit den Oberärzten der Stationen. Im Bereich der Gynäkologie gab es die „Maternity Ward“,  die „Labour Ward“ und die postoperative bzw. „Post-Natal-Care Ward“. Außerdem gab es noch die „ANC“ (Ante-Natal Care), was in etwa unserer Schwangeren-Ambulanz entsprach. Durch die langjährige, unter anderem auch finanzielle Unterstützung des Holy Family Hospitals durch den „GRVD“ gehört die Gynäkologie und Geburtshilfe mittlerweile zu den größten Abteilungen des ganzen Krankenhauses. Ein Flügel des Gebäudes, in dem die schwangeren Patientinnen untergebracht sind, wurde erst im Jahr 2015 neu eröffnet.

Die Visite lief etwas anders ab als bei uns, da auch viele Medizinstudenten teilnahmen. Der Nachteil war, dass teilweise bis zu 15 Leute um ein Bett herumstanden, was es noch schwerer machte, zu verstehen, was der verantwortliche Arzt vorstellte. Der Vorteil war allerdings, dass viel mehr Zwischenfragen gestellt wurden und es wirklich eine Art „Bedside-Teaching“ gab. Was uns eher negativ aufgefallen ist, war die Tatsache, dass es bei den Fragen häufig darum ging, Antworten lehrbuchgetreu wiederzugeben. Wenn etwas nicht hundertprozentig der Vorstellung des Dozenten entsprach, wurde einfach der nächste Student gefragt, aber nicht der Versuch unternommen, gemeinsam mit dem Studenten die richtige Antwort zu erarbeiten oder ihn zu der korrekten Antwort hinzulenken.

Die Visite dauerte in der Regel zwei Stunden. Anschließend fand entweder normale Stationsarbeit statt oder wir sind mit in den OP oder die „ANC“ gegangen. Ein normaler Arbeitstag endete gegen 17:00 Uhr. Allerdings waren wir zeitlich insgesamt sehr flexibel, sodass wir uns häufig einfach daran orientiert haben, was es zu tun gab. Meist haben wir den OP vorgezogen, da wir auf Station weniger machen konnten, als ich ursprünglich erwartet hätte. Ein Problem, über das ich vorher nicht so nachgedacht hatte, war, dass die Ärzte zwar untereinander meist Englisch sprachen, aber mit den Patientinnen in „Twi“, der für die Region typischen Sprache, kommuniziert haben. Viele der Stationsaufgaben, die in Deutschland oft Famulanten bzw. PJler übernehmen, wie beispielsweise Blutentnahmen oder Zugänge legen, wurden außerdem vom Pflegepersonal erledigt.

In derIn der Schwangeren-Ambulanz konnten wir lernen, schwangere Abdomen zu untersuchen, die Lage und Stellung des Kindes zu überprüfen oder die Herzaktion zu untersuchen. Wir waren sehr positiv überrascht, wie gründlich die Schwangeren-Vorsorge in Ghana durchgeführt wird. Die Patientinnen erhalten genau wie in Deutschland drei Sonographien im Verlauf der Schwangerschaft und gehen in sehr regelmäßigen Abständen zu den Kontroll-Untersuchungen, bei denen Blutuntersuchungen, Rhesus-Kontrollen etc. durchgeführt und Herzaktion und Lage des Fetus kontrolliert werden. Natürlich nehmen nicht alle Frauen dieses Angebot in Anspruch, aber es existiert immerhin.

Außerdem fahren einmal im Monat einige Schwestern ins sogenannte „Outreach“, zu Frauen und ihren Kindern, die nicht ins Krankenhaus kommen können oder wollen. Dort werden die Kinder regelmäßig gewogen und es werden eventuell notwendige Impfungen verabreicht. Auch wir durften einmal mit ins „Outreach“ fahren und konnten bei den Impfungen assistieren.

…und im OP am Holy Family Hospital in Ghana

Im OP am Holy Family Hospital in Techiman – Ghana
Im OP am Holy Family Hospital in Techiman – Ghana

Im OP konnten wir häufig assistieren, Haken halten und die Hautnähte machen. Man muss sagen, dass es sich bei 90 Prozent der Operationen um Kaiserschnitte handelte, aber wir haben auch Myomektomien, Notfall-OPs bei Uterusruptur oder Extrauteringraviditäten, Abszess Spaltungen im Bereich der Vulva, Ligationen der Tuben zur Verhütung und einige Hysterektomien gesehen. Die laparoskopischen Möglichkeiten sind noch recht eingeschränkt, da die Laparoskopie bislang nur zu diagnostischen Zwecken bei Infertilität genutzt wird. Da die intensivmedizinischen Möglichkeiten gerade für Säuglinge sehr eingeschränkt waren, zum Beispiel war keine Intubation möglich, war die Kaiserschnittrate mit 50 Prozent deutlich höher als in Deutschland, weil man bei Unklarheiten oder Komplikationen verständlicherweise auf Nummer sicher ging und den Kaiserschnitt einer vaginalen Entbindung vorzog.

Die hygienischen Gegebenheiten im OP haben uns wirklich beeindruckt. Es gab wie in Europa einen eigenen OP-Trakt, den man nur in OP-Kleidung und mit Haube betreten durfte und auch das Operationsfeld wurde sehr gründlich abgedeckt und sterilisiert. Einer der Unterschiede zu Deutschland war, dass die sterile Operationskleidung kein Einmal-Material war und man sich die Hände anstatt mit Desinfektionsmittel mit antibakterieller Seife gewaschen hat. Insgesamt haben wir wirklich vieles gesehen und freuen uns, im PJ nun einige operative Vorgehensweisen mit dem Vorgehen in deutschen Krankenhäusern vergleichen zu können.

Jeden Freitag hatten wir das Glück an einem „Teaching“ für die Medizinstudenten teilnehmen zu können, welches von einem der leitenden Gynäkologen angeboten wurde und in etwa unserem PJ-Unterricht entsprach. Diese anderthalb Stunden haben uns wirklich begeistert, da er teilweise zwar sehr detailreich, aber dennoch einfach formuliert und gut verständlich Dinge erklärt und auf den Punkt gebracht hat – jedes Mal zu einem spezifisch ausgewählten Thema. Er hat keine Hilfsmittel wie eine PowerPoint-Präsentation oder ähnliches genutzt, aber ich denke, gerade deshalb konnte man ihm sehr gut folgen und es fiel einem sehr viel leichter, die wesentlichen Fakten abzuspeichern und mit nach Hause zu nehmen.

Alles in allem muss man sagen, dass das Holy Family Hospital in „Techiman“ verglichen mit anderen afrikanischen Krankenhäusern wirklich einen hohen Standard hat und für dortige Verhältnisse eine exzellente medizinische Versorgung anbietet.

Leben in Ghana

Ausflug in den Mole-Nationalpark - den größten Nationalpark Ghanas
Ausflug in den Mole-Nationalpark – den größten Nationalpark Ghanas

Nun noch ein paar Worte zu Ghana. Ich war mit sehr wenigen Vorstellungen über das Land selbst dorthin gereist und wurde wirklich sehr positiv überrascht. Ghana ist unfassbar grün und frucht­bar, die Natur ist wirklich sehr vielfältig und viele Regionen, gerade weiter im Norden, sind bewaldet, so wie beispielsweise der einzige Nationalpark Ghanas, der „Mole-Nationalpark“ mit seinem 4840 km2 großen dichten, grünen Blätterwerk. Unsere Reisezeit im August fiel eigentlich in den Beginn der Regenzeit, allerdings hat es nur recht selten geregnet und wenn dann kurz, aber dafür sehr kräftig. Ansonsten lagen die Temperaturen meist zwischen angenehmen 20-28 °C.

Fortbewegt haben wir uns meist mit einem der tausend Taxis, die gerade in den größeren Städten wie Accra, Kumasi und Techiman zu Genüge unterwegs waren, oder mit Autos der App „UBER“, die meist deutlich besser in Schuss waren als die öffentlichen Taxis, da das Ganze über die Bewertungen der Kunden reguliert wird. Hier konnte man auch immer wieder seine Kunst trainieren, Preise zu verhandeln. Eine andere Möglichkeit boten die öffentlichen Kleinbusse, die sogenannten „Tro-Tros“. Dort gilt allerdings die Regel: „Wenn der Bus voll ist, fährt er los“.

Die Ghanaer als Volk erlebten wir im Großen und Ganzen als sehr freundliche und hilfsbereite Menschen, obwohl es natürlich auch Situationen gab, in denen man als Europäer eher skeptisch beäugt wurde. Unsicher haben wir uns allerdings wirklich nie gefühlt, Überfälle auf Touristen sind sehr selten.

In der Hauptstadt Accra gab es größere Supermärkte, Museen, einen Strand und einige schickere Restaurants, obwohl diese sehr ausgewählt sind und man erst einmal danach suchen musste. Ansonsten kauft man sich das meiste Essen an einem der unzähligen Straßenstände, die eigentlich überall die Straßen säumen. Die unglaubliche Lautstärke, die einen überall umgibt, war einer der Punkte, an den wir uns gerade zu Beginn zunächst nur schwer gewöhnen konnten. Überall dröhnte laute Musik aus Boxen, Hupen und Straßenlärm, Rufe und Geschrei aus Megafonen, die auf Autos befestigt waren, der Gesang verschiedenster Muezzins, der trotz einem sehr geringen Anteil an Muslimen, nur 10 Prozent der Bevölkerung, ab 04:15 Uhr am Morgen die ganze Stadt beschallte, oder der Hahn, der um 05:30 Uhr mit seinem Krähen anfing.

Was außerdem sehr ins Auge fiel, war der Müll, der überall in Massen auf Straßen, Plätzen und in Kanälen zu finden war. Es gibt keine geordnete Müllabfuhr oder Abfallentsorgung, sodass das Meiste, das anfällt, einfach auf die Straße geworfen oder privat verbrannt wird. Ansonsten war das Stadtbild geprägt von einer Mischung aus steinernen Häusern und kleinen Geschäften oder Unterkünften in Containern oder Lehmhütten. Auf dem Land dominierten eher runde Lehmhütten mit den klassischen Blätter- oder Strohdächern.

Mein Fazit

Erfahrungen sammeln im Outreach
Erfahrungen sammeln im Outreach

Zusammenfassend kann man sagen, dass wir eine wirklich tolle Zeit in einem wunderschönen Land hatten, voller beeindruckender Erfahrungen und Erlebnisse, die uns niemand mehr nehmen kann und die wir so schnell nicht verges­sen werden.

Es war unglaublich interessant, authentische Einblicke in ein anderes Gesundheitssystem, den Umgang mit den Patienten, in die Organisation und Planung von Behandlungen, OP-Abläufe, die Sta­tionsarbeit etc. an einem Hospital in Ghana zu gewinnen und ich möchte diese Erfahrung auf keinen Fall mehr missen.

K. Dall

Kiel, September 2018

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2017-2018

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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