Famulatur in Uganda – Innere Medizin, Chirurgie, Pädiatrie, Neonatologie, Gynäkologie und Geburtshilfe

23. August 2018

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Uganda, Kiwoko, Kiwoko Hospital (10.08.-03.11.2017)

Zweieinhalb Monate Famulatur in Uganda, eine intensive Zeit voller neuer Einblicke, Erfahrungen und Freundschaften. All das Erlebte kann ich sicher nicht in ein paar Seiten zusammenfassen, aber ich hoffe, es reicht, um zu zeigen, dass sich die Reise nach Kiwoko mehr als gelohnt hat und dass mein Bericht anderen so weiterhilft, wie meine Suche durch Erfahrungen anderer erleichtert wurde.

Mein Ziel – eine Famulatur in Afrika!

Lange schon denke ich darüber nach, mich später als Ärztin an Projekten in Entwicklungsländern zu engagieren und somit einen Beitrag für mehr Menschlichkeit und soziales Engagement zu leisten. Mit einer Famulatur in Afrika wollte ich kulturelle und tropenmedizinische Erfahrungen sammeln als auch mich selbst im Umgang mit diesen realistisch einschätzen lernen. Ich wollte herausfinden, ob ich mich überhaupt in einem so anderen, armen Land zurechtfinde, was mich an meine Grenzen bringen würde, was ich dringend noch lernen müsse und wie ich mich am besten darauf vorbereite.

Ein Monat erschien mir zu kurz, um diese entscheidenden Fragen für mich zu beantworten. So entschied ich mich nach dem 8. Semester für ein Freisemester und setzte mir einen Zeitraum von 2-3 Monaten für meine Famulatur.

Doch wohin in Afrika sollte es gehen? Entscheidend für mich waren die drei Punkte Sprache, Sicherheit und Schönheit/Kultur des Landes. Ich suchte ein Land, in dem ich mich auf Englisch gut verständigen kann, in dem ich mich bei angemessener Vorsicht als Frau tagsüber frei bewegen kann und welches auch reisetechnisch etwas zu bieten hat. In Uganda sind die Amtssprachen „Swahili“, Englisch und regional „Luganda“. Die Sicherheitslage ist recht gut – solange man sich nicht zu nah am Südsudan aufhält und nachts nicht alleine umherwandert.

Mit oder ohne Organisation? – Mein Bewerbungsweg!

Der Kreißsaal im Kiwoko Hospital in Uganda
Der Kreißsaal im Kiwoko Hospital in Uganda

Ich hatte die Inanspruchnahme einer Organisation theoretisch nicht ausgeschlossen, wollte aber erstmal sehen, ob es auch ohne klappen würde. Ich hatte dann sehr viele Famulatur Berichte im Internet gelesen, ganz besonders auch auf der Homepage von Medizinernachwuchs.de, die mir orientierend halfen.

Letztendlich habe ich nur drei Kliniken angeschrieben, weil das Kiwoko Hospital in Uganda mir direkt am nächsten Tag mit einer lieben Mail antwortete, die sehr vielversprechende Informationen enthielt. Mit der dortigen Ansprechpartnerin habe ich dann mehrfach gemailt und innerhalb einer Woche meinen Famulatur Platz für zweieinhalb Monate sicher gehabt. Ich glaube, für Afrika sind diese so zuverlässigen schnellen Antworten sehr besonders, sodass ich gar nicht weiter zögerte, sondern mich glücklich und gut aufgehoben fühlte. Meine Ansprechpartnerin am Kiwoko Hospital schickte mir einen mehrseitigen Hilfsbogen, in dem wirklich alles stand, was ich brauchte, sowohl für Uganda, als auch konkret für Kiwoko.

Beim Lesen der Famulatur Berichte im Internet war ich auf das von Medizinernachwuchs.de ausgeschriebene Auslandsstipendium aufmerksam geworden, hatte mich dafür beworben und war sehr glücklich, als ich ein paar Monate später erfuhr, dass sich das Bewerbungsschreiben gelohnt hatte und ich als eine der Stipendiaten/Stipendiatinnen ausgewählt worden war.

Meine Unterkunft in Kiwoko

Unser Esstisch im Guesthouse mit Blick auf die Küche
Unser Esstisch im Guesthouse mit Blick auf die Küche

Bei meiner Bewerbung am Kiwoko Hospital in Uganda wurde mir direkt erklärt, dass alle ausländischen Medizinstudenten zusammen in einem Guesthouse untergebracht würden, wobei jeder ein eigenes Zimmer hätte und man sich eine Küche als auch ein Wohnzimmer teile. Das Guesthouse stellte sich dann als ein gemütliches 2-stöckiges Haus heraus mit einer riesigen Küche und zwei unglaublich netten Haushaltshilfen (Scovia und Rose), die das Mittagessen vorbereiteten, putzten, einkauften und Wäsche wuschen. Man hatte es also wirklich sehr bequem. Der einzige „Haken“ war, dass das Ganze auch seinen Preis hatte – eine Nacht kostete etwa 22 Euro. Da die Lebenshaltungskosten deutlich niedriger sind, werden Teile des Geldes auch für die Instandhaltung und Reparaturen der Klinik verwendet.

Meine Vorbereitungen

Nachdem ich nun sicher wusste, wohin es für mich ging, standen erstmal die großen Punkte Flug buchen, Visum beantragen, Versicherung und Impfungen an, wofür ich etwa ein halbes Jahr Zeit hatte. Ich zähle allgemein eher zu den Menschen, die sich nicht zu viel Stress machen, keine fünf Bücher vorab lesen und die Dinge eher auf sich zukommen lassen. Dies hat auch dieses Mal gut geklappt.

  • Flug

Ich buchte die Flüge etwa sechs Monate im Voraus und zahlte für Hin-und Rückflug von München über Dubai nach „Entebbe“ zusammen etwa 700 Euro.

  • Visum

Am besten ist es, wenn man das Visum vorab online beantragt, nachdem man bereits geimpft ist, da man einen Gelbfiebernachweis benötigt. Es ist aber auch möglich, den Impfnachweis später nachzutragen. Dazu bin ich einfach auf die offizielle Immigrations-Seite von Uganda gegangen, habe das  90-Tages-Touristen Visum für 50 USD ausgewählt und dann kann man die benötigten Dokumente wie Reisepass, Gelbfiebernachweis, Passfoto online hochladen und bezahlen.

(Anm.d.Red. Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

  • Impfungen

Die Ansprechpartnerin am Kiwoko Hospital hatte mir netterweise eine genaue Liste geschrieben mit Impfungen, die benötigt wurden. Diese beinhaltete Gelbfieber, Typhus, Meningokokken, Tollwut, Tetanus, Hep A/B und zusätzlich wurde eine Malariaprophylaxe empfohlen. Die AOK-Bayern übernehmen leider nur 100 Euro pro Jahr an Impfkosten, sodass ich für weitere 300 Euro selbst aufkommen musste.

Als Malariaprophylaxe hatte ich das günstigere Doxycyclin genommen, Malarone ist die Alternative, und bin damit sehr gut und komplett beschwerdefrei zurechtgekommen, ist aber natürlich bei jedem anders.

  • Versicherung

Um die Versicherung kümmerte ich mich recht spät und war dann sehr dankbar, als mir die Agenturen Sobe und Partner ein sehr gutes Angebot bezüglich einer Auslandsreisekrankenversicherung machten.

Das Kiwoko Hospital in Uganda

Beim Rundgang auf der Neonatologie am Kiwoko Hospital in Uganda
Beim Rundgang auf der Neonatologie am Kiwoko Hospital in Uganda

Das Kiwoko Hospital ist ein recht großes Krankenhaus 70 km nördlich von Kampala, was einer ca. 3-stündigen Fahrt mit einem „Matatu“, öffentlicher Kleinbus, entspricht. Kiwoko selbst ist ein Dorf mit etwa 4.000 Einwohnern, sodass man zwar das Nötigste auf Märkten und in kleinen Shops bekommt, jedoch insgesamt keine zu großen Erwartungen an das Dorf selbst stellen sollte.

Das Krankenhaus ist aber zuständig für ein Einzugsgebiet von etwa 500.000 Menschen, verfügt über 250 Betten und 400 Mitarbeiter, und hat zusätzlich eine Schule, in der Schwestern, Hebammen und Laboranten ausgebildet werden.

Das Kiwoko Hospital ist zwar ein privates, allerdings ein Non-Profit-orientiertes Krankenhaus. Es wird zum größten Teil über Spendengelder finanziert, sodass die Patienten nur ein Viertel der eigentlichen Behandlungskosten übernehmen müssen. Mir hat das sehr gut gefallen, denn so konnte ein für das Land sehr hoher Standard gewährleiste werden, bei dem die Kosten auch für den Normalbürger Ugandas bezahlbar bleiben.

Es gibt insgesamt fünf Stationen: Pädiatrie, Neonatologie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Innere Medizin und Chirurgie mit getrennten Stationen für Frauen und Männer. Zusätzlich gibt es eine große Ambulanz, ein HIV-Department, eine radiologische Abteilung, zwei OP-Säle, ein Ante Natal-Department und ein Labor. Neben fünf einheimischen Assistenzärzten und zwei sehr erfahrenen einheimischen Chirurgen arbeiten dort aktuell eine Neonatologin, eine Gynäkologin, eine Allgemeinmedizinerin und ein Pädiater.

Die offizielle Kliniksprache ist Englisch, sodass die Visite, Arztbesprechungen, Gottesdienst etc. auch immer auf Englisch abgehalten wurden. Im Personal untereinander wurde aber zudem oft „Luganda“, die für diese Zentralregion typische Sprache, gesprochen. Da aber auch einige der einheimischen Ärzte in anderen Regionen aufgewachsen sind und es ferner einige ausländische Ärzte in Kiwoko gibt, stellte „Luganda“ an sich keine große Barriere dar. Für mich eher problematisch war in den ersten ein bis zwei Wochen der deutliche afrikanische Akzent des Englischen, sodass ich nach meiner ersten Visite nicht viel klüger war. Ich habe mich dann aber, entgegen meiner Vorstellung, doch recht schnell an den Akzent und das Englisch gewöhnt.

Wichtig für das Kiwoko Hospital ist zudem definitiv der christliche Glaube (Evangelisch), insofern lautet der Leitspruch der Klinik „We treat – Jesus heals“. Jeden Morgen um 8:00 Uhr beginnt der Morgengottesdienst in der Kapelle des Krankenhauses, an dem auch die Medizinstudenten teilnehmen sollten. Etwa eine halbe Stunde wird zusammen gesungen, anschließend folgt eine weitere halbe Stunde Predigt und auch nach der Arztbesprechung gibt es ein kurzes Gebet. Der Glaube nimmt einen sehr hohen Stellenwert ein und prägt auch den Alltag der Menschen dort entscheidend. Für mich als „Nicht-Bibeltreue“ war es nicht immer einfach, alles zu akzeptieren und zu partizipieren, vieles musste ich auch einfach runterschlucken bzw. mich etwas bei meinen Freunden/meiner Familie am Telefon auslassen. Am Ende – immer noch nicht bibeltreu – fühle ich mich aber bereichert und voll an zwischenmenschlichen Erfahrungen.

Das Kiwoko Hospital ist zwar, soweit ich weiß, kein offizielles Lehrkrankenhaus, die Ärzte sind aber sehr gewillt, einem interessierten Medizinstudenten viel zu erklären und lassen einen auch unter Anleitung vieles selber machen. Das Gute dabei ist, man wird nie alleingelassen und bekommt nur die Verantwortung, die man sich selbst zuschreibt. Während meiner Zeit in Kiwoko waren noch einige weitere ausländische Famulanten zu Besuch, meistens für sechs Wochen, sodass wir zeitweilig zu viert waren. Fast alle von uns wollten nicht mehr nach Hause zurück.

Meine Arbeit und mein Leben am Kiwoko Hospital im fernen Uganda

Bei den Akutbetten auf der Neonatologischen Intensive Care Unit am Kiwoko Hospital in Uganda
Bei den Akutbetten auf der Neonatologischen Intensive Care Unit am Kiwoko Hospital in Uganda

Mein Arbeitstag am Kiwoko Hospital in Uganda begann jeden Tag um 8:00 Uhr zur Morgenandacht in der Kapelle. Anschließend ging es zur Frühbesprechung der Ärzte, die in der Regel etwa eine Stunde dauerte. Der Nachtdienst machte seine Übergabe, akute Fälle und Probleme wurden besprochen, und es gab noch einen 30-minütigen Vortrag zu ausgewählten medizinischen Themen. Anschließend ging ich zur Visite, die abhängig vom Arzt und der Station zwischen eineinhalb und fünf Stunden dauerte. Wie der Tag anschließend weiterging, war stationsabhängig. Ich verbrachte insgesamt drei Wochen auf der Inneren Medizin, zwei Wochen auf der Neonatologie, eine Woche in der Pädiatrie, eine Woche in der Chirurgie und fünf Wochen in der Gynäkologie und Geburtshilfe.

  • Auf der Inneren Medizin

Ich begann zunächst in der Inneren Medizin, was ich im Nachhinein als guten Einstieg betrachte, um mich erstmal an die Tropenmedizin zu gewöhnen und mich im Krankenhaus zurechtzufinden. Die meisten Ärzte beantworteten mir bereitwillig und gerne meine Fragen und ließen mich immer mit untersuchen und befunden. Ich kultierte in zwei Wochen so viele pathologische Lungen aus, wie in zwei Jahren in Deutschland nicht. Insgesamt sah ich so einige für mich neue Krankheitsbilder, die wir in Deutschland deutlich seltener mitbekommen.

  • In der Chirurgie

In der Chirurgie war ich nur recht kurz, da die beiden Chirurgen auch gleichzeitig die Klinikleitung inne hatten, sehr beschäftigt waren und man nie genau wusste, wann die Visite eigentlich stattfand. Dennoch konnte ich unabhängig davon, welcher Station ich eigentlich zugeteilt war, jederzeit in den OP und dort auch assistieren. Ich war positiv überrascht, wie fortschrittlich der OP ausgestattet war und wie sauber die Operationen durchgeführt wurden, was meiner Meinung nach mitunter den beiden hoch qualifizierten Chirurgen zu verdanken war. Interessant für mich, die noch nicht so Chirurgie erfahren ist, waren die vielen akuten Abdomen, die immer laparoskopisch versorgt wurden.

  • In der Pädiatrie

Da die Pädiatrie in meinen ersten zwei Monaten zufällig sehr leer war, bin ich erst in meiner letzten Famulatur Woche Visite mit dem sehr erklärungsfreudigen und wahnsinnig netten Pädiater gegangen. Auf der Pädiatrie liegen nur Kinder im Alter von einem halben Jahr bis zu sechs Jahren, alle älteren sind auf Normalstation. Die Hälfte der Fälle waren Kinder mit Malaria, einige Pneumonien, viele Kinder hatten etwas verschluckt und leider gab es aber auch sehr viele Verbrennungen.

  • Auf der Neonatologie

Die Neonatologische Intensive Care Unit („NICU“) im Kiwoko Hospital zählt mit 60 Plätzen, etwa 20 Inkubatoren, automatischen Temperaturanpassungen durch Hautsensoren, Sauerstoffgeräten und gut geschultem Personal zu den drei fortschrittlichsten in Uganda. Die Visite dauerte oft fünf Stunden, was bei kontinuierlichen 29° Raumtemperatur durchaus ermüdend war. Man konnte auch zu jeder anderen Zeit die Station besuchen und sich zum Beispiel nach der Visite den Pflegern anschließen oder bei neuen Aufnahmen mithelfen.

Frühchen mit 1kg haben in Kiwoko eine Überlebenschance von ca. 80 Prozent und ich habe auch mehrere Kleine mit einem Geburtsgewicht von 800g über Wochen beobachtet – und dies ohne Surfactant oder Intubationsmöglichkeit. Insgesamt kam mir die „NICU“ sehr fortschrittlich vor, auch wenn ich den deutschen Vergleich bislang nicht hatte.

  • Auf der Gynäkologie und Geburtshilfe

Auf der Gynäkologie und Geburtshilfe verbrachte ich mit Abstand den größten Teil meiner Famulatur am Kiwoko Hospital, was zum einen daran lag, dass ich bislang noch keinerlei Erfahrungen auf diesem Gebiet hatte und gemerkt habe, dass es mir wahnsinnig gut gefiel. Zum anderen lag es aber auch an den super netten Hebammen, die mich so herzlich in ihr Team eingeschlossen hatten.

Ich arbeitete auch zwei Wochen im Nachtdienst mit den Hebammen zusammen, weil man sich dann dort in einem kleineren Team noch besser kennen lernte und mit mehr Aufgaben betraut wurde.

In Anwesenheit einer Hebamme, die ich jederzeit um Hilfe bitte konnte, habe ich nach sechs Wochen dann etwa 20 Babys selbstständig zur Welt gebracht, sogar Zwillinge waren mit dabei. Ansonsten habe ich Patientinnen aufgenommen, Kanülen gelegt, vaginal untersucht, Blasenkatheter gelegt, Partogramme ausgefüllt, die Neugeborenen versorgt, im OP und beim Kaiserschnitt assistiert, bin bei Visite mitgegangen und noch einige weitere Aufgaben übernommen. Insgesamt war diese Zeit wirklich äußerst lehrreich und schön für mich.

Uganda – das Land und seine Bewohner

Eine wunderbare Zeit mit Brenda, Elly und Martha
Eine wunderbare Zeit mit Brenda, Elly und Martha

Uganda ist Teil der ostafrikanischen Gemeinschaft und liegt direkt am Äquator. Ich habe Uganda während der Regenzeit besucht und kann dies nur weiterempfehlen. Regenzeit heißt, dass es in etwa jeden zweiten bis dritten Tag ordentlich schüttet und man auch mal mit Stromausfall rechnen muss, dazwischen scheint aber die Sonne, es ist sehr grün und das Klima sehr angenehm. Mir wurde gesagt, dass es im Sommer sehr trocken, deutlich dunstiger und staubiger sei.

Ich hatte während meiner Zeit keine größeren Reisen in Nationalparks geplant, habe aber immer wieder recht spontan mit anderen Famulanten Wochenendausflüge unternommen. So waren wir mehrmals in Kampala, was immer wieder ein Erlebnis war, waren in Entebbe und haben ein paar Tage auf einer „Rhino-Konservation-Area“ verbracht. Ich habe dabei das Land in seiner Armut als sehr sicher und offenherzig empfunden. Während meines Aufenthaltes habe ich mich nie in Gefahr gefühlt, allerdings sollte man schon immer gut auf seine Gepäck- und Wertgegenstände achten. Die Tasche also immer vorne und keinen wertvollen Schmuck tragen.

Kiwoko selbst ist verschlafen und noch sehr ursprünglich. Viel Kontakt mit den Ortsansässigen hatte ich ehrlich gesagt nicht, dies haben die Klinik-Mitarbeiter aber ebenfalls nicht… – außer beim Volleyball, denn dort wurde immer bunt gemixt gespielt. Sonst sind wir noch recht oft in der Gegend joggen gegangen und haben immer Gesellschaft von einheimischen Kindern bekommen, die uns „Muzungo, Muzungo“ („Weißer, Weißer“) schreiend, ein Stück begleitet haben.

Deutlich mehr Kontakt hatte ich mit den Mitarbeitern der Klinik. Nach ein paar Wochen war ich fast jeden Tag mit Brenda, einer Hebamme und Elly, einem Laboranten, die ich vom Volleyball her kannte, zusammen. Wir haben zusammen Musik gemacht, Tanzabende gehabt, zusammen gegessen und einfach viel geredet. Die Zeit mit Brenda und Elly war eine der schönsten und intensivsten für mich, und ich vermisse sie sehr.

Mein Blick zurück

Tja, also insgesamt muss ich sagen, dass ich gar nicht so recht weiß, ob ich froh bin, zurück in Deutschland zu sein. Meine Zeit in Uganda war eine der prägendsten und glücklichsten in meinem Leben bisher und ich bin sehr traurig, all die neuen Bekanntschaften und auch Freunde zurückgelassen zu haben.

Zu sehen, über welche Belanglosigkeiten wir uns oft ärgern und uns das Leben schwer machen, ist manchmal schwer verständlich, in Anbetracht der Sorgen von Hunger, Krankheit und Überleben dort. Und dennoch sind die Menschen meist so viel fröhlicher. Die Spontanität, die Wärme und das Lachen fehlen mir bereits.

Für mich steht auf jeden Fall fest, dass ich Uganda wieder besuchen werde!

Lynn Boekstegers

Dresden, Februar 2018

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2017

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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