Famulatur in den USA – HNO

7. August 2018

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, HNO, Land, USA

USA, Boston, Massachusetts General Hospital / Eye and Ear Infirmary (01.04.-30.04.2018)

Meine Famulatur am Massachusetts General Hospital in Boston hat mich sowohl fachlich als auch persönlich sehr weitergebracht und mir einen sehr guten Einblick in das Gesundheitssystem der USA ermöglicht. Als besonders herausragend empfand ich die durchdachte und effiziente Organisation im Krankenhaus. So gibt es in den USA beispielsweise Physician Assistants, welche das ärztliche Personal entlasten. Und zudem hat mich der hohe Stellenwert der Lehre begeistert. Es gab jede Woche mehrere Fortbildungen („Teaching Lectures“) für die Assistenzärzte und die Medizinstudierenden, die durchweg sehr lehrreich waren.

Motivation USA!

Blick auf den Boston Public Market
Blick auf den Boston Public Market

Nach meinem Physikum hatte ich mich entschlossen, für eine Famulatur in die USA zu gehen, um das dortige Gesundheitssystem kennenzulernen. Mich interessierte enorm, wie die medizinische Lehre und Weiterbildung gestaltet wird und was die wesentlichen Unterschiede zu deutschen Krankenhäusern sind. Da es für ausländische Medizinstudierende sehr schwierig ist, einen Famulatur Platz in den Universitätskrankenhäusern der USA zu bekommen, informierte ich mich an meiner Universität, ob es Kontakte zu Ärzten in den USA gibt. Der Betreuer meiner Doktorarbeit war früher in den USA und konnte mir glücklicherweise einen Platz für eine Famulatur am Massachusetts General Hospital in Boston, einem Lehrkrankenhaus der berühmten Harvard Medical School,  in der HNO vermitteln.

Die Vorbereitung

Blick auf Downtown Boston
Blick auf Downtown Boston

Als Vorbereitung auf den Auslandsaufenthalt nahm ich an einer englischsprachigen „Case Discussion Summer School“ meiner Universität teil, welche jedes Jahr mit zwei Professoren aus den USA stattfindet. Diese englischsprachigen Workshops und Diskussionen von Patientenfällen aus dem klinischen Alltag unterstützten mich dabei, die Fachausdrücke und vor allem die im englischen Klinikalltag sehr weit verbreiteten Abkürzungen zu verinnerlichen. Durch die Teilnahme an der Summer School war ich sprachlich und fachlich sehr gut auf meinen Auslandsaufenthalt vorbereitet.

Vonseiten des Krankenhauses in den USA erhielt ich eine Check-Liste mit den benötigten Impfungen, Titern und durchzuführenden TBC Tests. Ich musste nur die TBC Tests noch machen, da ich alle anderen Impfungen bereits hatte.

Circa ein Jahr vor seinem Auslandsaufenthalt sollte man sich um Visum, Wohnung und Flug kümmern. Mieten sind allgemein hoch in Boston. Ich zahlte pro Monat 950$. Die Wohnung war in Geh Weite des Krankenhauses und damit sehr zentrumsnah. Zudem musste man sich bei seinem nächsten amerikanischen Konsulat um das passende Visum kümmern und um eine geeignete Haftpflichtversicherung – plus ggf. eine Auslandskrankenversicherung. Für die Flüge hatte ich etwa 600€ gezahlt, die laufenden Kosten vor Ort sind natürlich stark davon abhängig, wie oft man z.B. Ausflüge unternimmt.

Der Dresscode in Krankenhäusern ist in den USA allgemein etwas formeller als in Deutschland, also Stoffhose, Bluse bzw. Hemd, eventuell Krawatte, und passende Schuhe. Zudem trägt jeder im OP seine eigenen Schuhe, daher sollte man OP-Schuhe mitbringen. In den USA tragen die Medizinstudierenden in der Regel einen etwas kürzeren Kittel im Vergleich zum typischen deutschen Kittel. Ich musste mir aber keinen amerikanischen Kittel kaufen und konnte meinen normalen Kittel tragen. Eine Kreditkarte mit kaum bzw. keinen Auslandsgebühren ist ebenfalls definitiv empfehlenswert.

Meine Famulatur in der HNO in Boston

Massachusetts General Hospital und Museum of Medical History and Innovation
Massachusetts General Hospital und Museum of Medical History and Innovation

Da das Massachusetts General Hospital (MGH) in Boston ein sehr renommiertes und landesweit bekanntes Krankenhaus und zudem ein Lehrkrankenhaus der Harvard Medical School ist, sieht man hier wirklich alles, auch sonst nicht so häufige Erkrankungen. So gibt es beispielsweise aufwendige Tumoroperationen von Kopf-Hals-Tumoren mit Flap-Techniken und regelmäßig innovative und bahnbrechende Forschungsergebnisse.

Am ersten Tag gab es für mich eine kleine Einführung, zudem bekam ich mein Namensschild. Die Organisation meines Aufenthalts war von Anfang an sehr gut geplant. Ich erhielt für jede Woche meiner Famulatur einen Stundenplan mit dem Bereich, in welchem ich für diese Woche eingeteilt war, wobei ich Wünsche äußern konnte, was ich mir z.B. gerne ansehen möchte. Die möglichen Bereiche waren der HNO-OP, die HNO-Ambulanzen und diagnostische Abteilungen wie beispielsweise Audiologie. Etwa die eine Hälfte meiner Famulatur war ich schwerpunktmäßig im OP, in der anderen Hälfte in den anderen Bereichen.

Die HNO-Ambulanzen (engl. „Clinics“) sind quasi wie Sprechstunden, die Patienten kommen also nur ambulant mit vorher vereinbartem Termin. Es gibt verschiedene Ambulanzen und jede hat eine Spezialisierung, z.B. Larynx, Schlafapnoe oder HNO-Onkologie. Viele Patienten sind hier für ihre Follow-up Termine nach einer OP und besprechen das weitere Vorgehen mit dem Oberarzt („Attending“), der sie operiert hatte.

Ich war jeweils einem Oberarzt zugeteilt und begleitete ihn während der Patientengespräche. Die Patiententermine sind in der Regel etwa 15 Minuten lang. Der Patient wird zu Beginn kurz untersucht, anschließend werden seine Fragen beantwortet und das weitere Vorgehen besprochen, z.B. ob ein MRT/CT zur Kontrolle nötig ist oder zu einer Operation geraten wird. Vor allem bei den onkologischen Patienten, die seit mehreren Jahren zu ihren Routine-Check-ups kommen, konnte ich eine sehr persönliche Beziehung zwischen Patient und Arzt feststellen.

Durch die Rotationen in die unterschiedlichen Ambulanzen sah ich viele verschiedene Sachen, da jeder Fachbereich nochmal sehr spezialisiert ist. Hier stellt man auch fest, dass die Krankenhaushierarchie in den USA viel flacher ist als in Deutschland. Vor allem durch fachliche Fragen der Oberärzte habe ich sehr viel gelernt und es war zum Glück auch nicht schlimm, wenn ich mal etwas nicht wusste. Dadurch habe ich zum einen sowohl fachlich als auch sprachlich sehr viel mitgenommen. Ein großer Unterschied zu Deutschland ist, dass bei vielen Patienten bei der Krankenkasse nachgefragt werden muss, ob diese oder jene Untersuchung übernommen wird. Je nach Krankenkasse gibt es sehr starke Unterschiede, welche Diagnostik übernommen wird und ob und auch wie viel man selbst zuzahlen muss.

Meine OP-Tage haben um etwa 6:00 Uhr mit der Morgenvisite auf Station angefangen, anschließend gab es kurz Frühstück und ab 7:30 Uhr haben die ersten Operationen begonnen. Oft war ich einem bestimmten Arzt zugeteilt und manchmal auch sein einziger Assistent. Gerade bei großen oder vielen OPs konnte es sein, dass ich bis abends um 19:00 Uhr im Krankenhaus war. Ich habe aber dafür auch eine ganze Menge gesehen, z.B. aufwendige Flap-OPs, und sehr viel erklärt bekommen.

An einigen Tagen gab es auch einen Journal Club, bei dem ein Paper vorgestellt und anschließend in der Gruppe besprochen wurde. Besonders lehrreich waren zudem die „Grand Rounds“, für die auch teilweise Ärzte von externen Forschungseinrichtungen eingeladen wurden.

Das Mittagessen in der Cafeteria war teurer als in Deutschland, für amerikanische Verhältnisse aber preiswert. Lebensmittel sind in den USA sowieso sehr teuer im Vergleich zu Deutschland. Allgemein gibt es in den USA an vielen Stellen kostenloses Wlan, auch im Krankenhaus.

Boston als Stadt

Blick auf den Charles River in Boston
Blick auf den Charles River in Boston

Ansonsten ist Boston auch eine sehr schöne Stadt, die alles hat, was man braucht. Besonders gefallen hat mir das „Museum of Fine Arts“ und der Stadtpark „Boston Common“. Definitiv einmal besuchen sollte man auch den „Harvard Yard“ und das „MIT“ – das „Massachusetts Institute of Technology“. Wer mehr Action möchte, ist mit dem Bus in ca. 5 Stunden in New York.

Auch außerhalb des Krankenhauses ist Boston und Umgebung definitiv eine Region mit hoher Lebensqualität. Aufgrund der renommierten Universitäten und Forschungseinrichtungen lernt man dort sehr viele faszinierende Menschen kennen!

Mein Fazit

Der Hauptcampus der berühmten Harvard Medical School in Boston, Massachusetts, USA
Der Hauptcampus der berühmten Harvard Medical School in Boston, Massachusetts, USA

Zusammengefasst kann ich sagen, dass mir meine Famulatur in Boston sehr viel Spaß bereitet hat! Es waren zwar teilweise schon lange Arbeitstage und viel Arbeit im Krankenhaus, insbesondere im OP, aber ich habe auch total viel gelernt und mitgenommen.

Bei Vorträgen und Konferenzen am Massachusetts General Hospital konnte ich sehr viel miterleben und so auch über die Famulatur hinaus mein Wissen erweitern und einen Einblick in angrenzende Fachgebiete bekommen.

Der Einblick in das Gesundheitswesen und zu erfahren, wie die Weiterbildung der Assistenzärzte in den USA abläuft, war definitiv eine super Erfahrung. Zwar gibt es mehr Personal im Krankenhaus, wie Krankenschwestern und „Physician Assistants“ („PA“), wodurch die Assistenzärzte zum Beispiel nicht für Blutentnahmen zuständig sind und auch einige kleinere Untersuchungen von den „PAs“ durchgeführt werden, alles in allem arbeiten die dortigen Assistenzärzte aber um einiges länger als in Deutschland. Von eigentlich allen wird dies aber nicht als negativ bewertet, sondern gewissermaßen als Teil der Ausbildung, vielleicht auch um eine größere Stressresistenz zu bekommen und mehr während der Weiterbildungszeit zu lernen.

Auch ist die Digitalisierung dort schon etwas weiter als bei uns. So kann man mit einer speziellen App und seinen Zugangsdaten auf die Krankenhaussoftware zugreifen und somit beispielsweise den aktuellen OP-Plan während seiner Mittagspause in der Cafeteria sehr einfach überprüfen.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Auswahlkomitee von Medizinernachwuchs.de für die finanzielle Unterstützung meines Auslandsaufenthaltes!

Daniel Pichler

München, Juni 2018

Stipendiat im Rahmen der Auslandsstipendien 2017-2018

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

An dieser Stelle noch ein besonderer Hinweis der Redaktion von Medizinernachwuchs.de: IPOKRaTES Students Munich veranstaltet im Oktober 2018 wieder ein Pädiatrie Bedside Teaching Seminar vom 8.10- 12.10.2018 mit Prof. Clifford Lo, MD von der Harvard Medical School, Boston, USA. Das einwöchige Seminar findet am Dr. von Haunerschen Kinderspital in München statt. Eine großartige Bereicherung des Medizinstudiums mit einem exzellenten Dozenten!

Weitere Infos zum IPOKRaTES Students Munich Seminar als auch die Bewerbung hierfür finden Interessierte hier.

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