Auslandssemester in Dänemark – Erasmus

6. Juli 2018

in Chancen im Ausland, Dänemark, Fachgebiet, Gynäkologie und Geburtshilfe, Land, Pädiatrie, Studium im Ausland

Dänemark, Aarhus, Aarhus University (15.08.2017-30.01.2018)

Meine beiden Famulaturen in Kanada und in Namibia hatten mich bestärkt, weitere Auslandserfahrungen zu sammeln. Und so ging es schließlich zu einem Erasmus Auslandssemester an die Universität Aarhus in Dänemark. Mein Auslandssemester in Aarhus und der erlebte Krankenhausalltag in Dänemark haben mich noch einmal mehr menschlich reifen lassen. Ich habe mich nach kurzer Zeit so wohl gefühlt, dass ich nach einem halben Jahr behaupten kann, eine zweite Heimat gefunden zu haben.

Motivation für ein Auslandssemester 

In den letzten zwei Jahren erhielt ich die Möglichkeit, zwei Famulaturen im Ausland zu absolvieren. Ich lernte die Allgemeinchirurgie in Toronto (Kanada) kennen und als Kontrast verbrachte ich vier Wochen in der Gynäkologie/Geburtshilfe/Notaufnahme in Namibia. Beide Erfahrungen waren großartig und haben mich in Bezug auf meine medizinische Ausbildung geprägt, aber vor allem auch meinen zwischenmenschlichen Erfahrungsschatz erweitert. 

Mein Wunsch, zusätzliche Auslandserfahrungen zu sammeln, wurde dadurch noch weiter bestärkt. Ich kontaktierte den Auslandsaufenthaltsbeauftragten unserer Universität und wog die unterschiedlichen Optionen der Aufenthalte, die auch finanziell unterstützt werden, ab. Dabei wollte ich die Chance nutzen, einen mehrmonatigen Aufenthalt zu verbringen und damit mehr als nur vier Wochen im Ausland zu erleben.

Da ich schon an einer Doktorarbeit in Dresden arbeitete, entschied ich mich für ein Erasmussemester und nicht für einen Studienaufenthalt im Rahmen einer Doktorarbeit. Leider hat die Universität Dresden keine Partneruniversitäten im englischsprachigen Raum. Aus diesem Grund entschied ich mich für eine Bewerbung in Norwegen und Dänemark, da diese Universitäten ein internationales Semester auf Englisch anbieten. Viele meiner Kommilitonen verschlägt es eher in südlichere Gefilde, wie beispielsweise Spanien, Frankreich oder Portugal. Das Wetter, die entspannte Lebenseinstellung und das doch eher entspannte Leben als Erasmusstudent spielen da sicher keine untergeordnete Rolle. 

Da ich, wie anfangs schon beschrieben, das Glück hatte, in anderen Gesundheitssystemen Erfahrungen sammeln zu dürfen, wollte ich nun darüber hinaus auch den skandinavischen Krankenhausalltag kennenlernen. Dieser sei, nachdem was ich bis dahin gehört hatte, bestimmt durch flache Hierarchien, einen guten Studentenunterricht und geregelte Arbeitszeiten. Für mich klang dies, zu im Vergleich teilweise unbefriedigenden Arbeitsbedingungen in deutschen Krankenhäusern, sehr attraktiv.  All dies motivierte mich zusätzlich für eine Bewerbung für ein Erasmussemester im skandinavischen Raum.

Planung für ein Erasmus-Auslandssemester

Ich entschied mich dafür, ein Semester und nicht ein ganzes Jahr im Ausland zu verbringen. Dies lag daran, dass nur ein internationales Semester in Englisch angeboten wird und ich außerdem bedingt durch meine Doktorarbeit kein ganzes Jahr aussetzen wollte. Die Frist für die Bewerbung für das Wintersemester 2017/2018 endete im Januar 2017. Die Planung sollte dementsprechend ein dreiviertel Jahr vor Start des Auslandssemesters beginnen.

Neben einem Motivationsschreiben wurde noch ein Lebenslauf verlangt. Der zeitliche und organisatorische Aufwand für die Bewerbung auf ein Erasmussemester ist im Vergleich zur Planung anderer Auslandsaufenthalte, z.B. bei Famulaturen, gering. Da ein Ranking der gewünschten Universitäten angegeben werden musste, entschied ich mich für die Bewerbung in Bergen (Norwegen), Aarhus (Dänemark) und Riga (Lettland). Es standen ein Platz in Norwegen, zwei Plätze für Dänemark und fünf Plätze für Riga zur Verfügung. Alle drei Universitäten boten aus meiner Sicht Vor- und Nachteile. Anfangs zog mich vor allem Norwegen in seinen Bann. Ein Komimilitone hatte im Jahr zuvor ein Semester in Bergen studiert und von der gut strukturierten Lehre der Universität und zahlreichen sportlichen Freizeitaktivitäten in der Umgebung geschwärmt. Alleinig der finanzielle Aufwand, der gerade in Norwegen bei einem längeren Aufenthalt als Student eine entscheidende Rolle spielt, stimmte mich kritisch. 

Die Vorbereitung auf mein Semester in Aarhus

Ausblick über Aarhus
Ausblick über Aarhus

Nach nur kurzer Wartezeit erhielt ich Mitte Februar den Bescheid, dass ich einen der Plätze in Aarhus (Dänemark) erhalten hätte. Für einen kurzen Moment war ich doch traurig darüber, nicht in Norwegen angenommen worden zu sein. Ich hatte mich, um ehrlich zu sein, bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich mit der Option auseinandergesetzt, dass ich mein Auslandssemester nicht in Norwegen, sondern in Dänemark verbringen würde. Noch hatte ich keinen wesentlichen Bezug zu Dänemark, vor allem nicht zu Aarhus. 

Als Kind hatte ich einen Sommer an der Westküste Dänemarks verbracht, aber ansonsten hatte ich wenige Kenntnisse über Land und Leute. Die Urlaube verbrachte ich als Kind eher mit Sonne, Eis und Meer im Süden von Europa und nicht mit grauem Regenwetter und „Lego Land“ in Dänemark. Schnell registrierte ich, dass ich erschreckend wenig über unseren Nachbarn im Norden, vor allem über dessen Gesundheitssystem, wusste.

Also recherchierte ich. Aarhus befindet sich in der Region „Midtjylland“ und ist mit knapp 275.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Dänemarks. Sie liegt im Osten Jütlands an der Aarhus Bucht. Des Weiteren erfuhr ich, dass Aarhus als Universitätsstadt bekannt sei und sogar als eine der beiden Kulturhauptstädte 2017 benannt wurde. Dies alles stimmte mich sehr positiv und ich freundete mich immer mehr mit dem Gedanken an, ein Semester in Aarhus zu studieren.

Zudem entdeckte ich bei „Medizinernachwuchs.de“ einen sehr interessanten Artikel einer jungen Ärztin, die sich während ihres Praktischen Jahres dafür entschieden hatte, ihren Berufseinstieg als Assistenzärztin in Kopenhagen zu wagen. Beflügelt durch ihre sehr positiven Argumente, die für das dänische Gesundheitssystem sprechen, stieg die Vorfreude auf Dänemark um ein erhebliches Maß an.

Wohnungssuche und Finanzierung meines Auslandssemesters

Wohnheim im Norden von Aarhus (Skejby)
Wohnheim im Norden von Aarhus (Skejby)

Die weitere Planung meines Auslandssemesters beinhaltete unter anderem die Registrierung auf verschiedenen Onlineplattformen, um an der Universität Aarhus eingeschrieben zu sein, und vor allem die Suche nach einer Wohnung. In verschiedenen Portalen las ich, dass es nicht einfach sei, eine bezahlbare Wohnung in Aarhus zu finden. Ausländischen Studenten wird es angeboten, sich zentral über das Studentenwerk für eine Wohnung zu bewerben. Die einzigen auswählbaren Kriterien hierbei sind, ob man alleine oder in einer Wohngemeinschaft oder in einem Raucher- bzw. Nichtraucherappartement wohnen möchte. Aber auch über die zentrale Vergabe wurde angemerkt, dass es keine Garantie gäbe, als ausländischer Student eine Wohnung zugewiesen zu bekommen. 

Nach ca. einem Monat erhielt ich glücklicherweise aber doch Bescheid, dass eine „passende“ Wohnung für mich gefunden worden sei. Sie befände sich im Stadtteil „Skejby“ im Norden von Aarhus und ich würde mir die Wohnung mit einem weiteren Mädchen teilen. Ich kontaktierte die Studentin, die dieses Zimmer untervermietete und fand heraus, dass der Zeitraum nicht genau auf den meines Aufenthaltes passte. Sie erklärte mir, dass, wenn ich den Platz verfallen lassen würde, ich keine zweite Möglichkeit bekommen würde, einen Wohnheimplatz über das zentrale Register zu erhalten. Ich akzeptierte daher die Bedingungen und wir fanden zu einem späteren Zeitpunkt die gute Möglichkeit, das Zimmer in den Monaten, in denen ich es nicht nutzen konnte, nochmals unter zu vermieten. Somit hatte ich eine große Hürde überwunden und schon vor dem Beginn meines Aufenthaltes eine feste Zusage für eine Wohnung in der Tasche.

Später habe ich erfahren, dass es doch einige Studenten gegeben hat, die erst zu Beginn ihres Semesters vor Ort eine Wohnung gefunden haben. Zusätzlich ist es einen Versuch wert, über verschiedene Portale, vor allem Facebook Gruppen, eine Wohnung zu suchen. Empfehlen kann ich vor allem „Housing in Aarhus“. Doch Vorsicht – es gibt auch dort Angebote, die mit geringen Mieten locken, aber dann eine hohe Kaution verlangen, die nicht zurückgezahlt wird.

Für die monatliche Miete sollte man zwischen 350-550 Euro einplanen. Es ist am Ende doch ein Stück weit eine Frage des Glücks, ob und wo man eine Wohnung findet. Da Aarhus flächenmäßig nicht sehr groß ist und alle Stadtteile mit dem Rad erreichbar sind, kann man auch in den äußeren Stadtteilen von Aarhus wohnen.  

Einen wichtigen Punkt möchte ich in diesem Zusammenhang erwähnen. Das alltägliche Leben in Dänemark, wie zum Beispiel Lebensmittelpreise oder Eintrittspreise für kulturelle oder sportliche Veranstaltungen, sind erheblich teurer als in Deutschland. Obwohl der finanzielle Erasmuszuschuss für einen Aufenthalt in Dänemark den finanziellen Höchstsatz (350 Euro monatlich) vorsieht, muss man mit erheblich höheren Ausgaben rechnen. Mit einem monatlichen Budget von 700-800 Euro sollte gerechnet werden. 

Da die dänischen Verkehrsmittel teuer sind, lohnt es sich außerdem, ein Fahrrad in Aarhus zu besitzen. Entweder man entscheidet sich dafür, das eigene Fahrrad aus Deutschland mitzubringen oder es gibt auch hier wieder einige Optionen, günstige Räder vor Ort zu erwerben. Dabei empfehle ich „dba.dk“, die dänische Version von Ebay. Ich habe über die Gruppe „Aarhus Internationals“ ein Fahrrad gefunden, das mich das halbe Jahr in Aarhus begleitet hat. Nur selten habe ich die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt. Wenn man sich doch dafür entscheidet, diese zu nutzen, stehen zahlreiche Buslinien, die das ganze Stadtgebiet von Aarhus abdecken, zur Verfügung. Im Januar 2018 wurde zusätzlich die Straßenbahn „letbanen“ eröffnet, die den Stadtkern und das Universitätskrankenhaus in Skejby verbindet.

Start in das Auslandssemester in Aarhus

Gemütliches Beisammensein am Fluss Aarhus A? inmitten des Kneipenviertels
Gemütliches Beisammensein am Fluss Aarhus Å inmitten des Kneipenviertels

Außer den oben beschriebenen organisatorischen Punkten war die Vorbereitung für das Semester in Aarhus relativ unkompliziert. Der Vorteil der Planung für das Auslandssemester über Erasmus ist, dass man Unterstützung von der eigenen Universität erhält, immer einen Ansprechpartner hat, der Kontakte zur Universität im entsprechenden Land pflegt und dadurch nicht auf sich alleine gestellt ist. Zufälligerweise erhielt eine Freundin von mir den anderen Erasmusplatz in Aarhus und somit konnten wir uns bei vielen organisatorischen Fragen absprechen.

Nun stellte sich die Frage: „Welches Transportmittel nutzen wir nach Aarhus?“ Es gibt gute Verbindungen der „Deutschen Bahn“, die über Hamburg nach Aarhus führen. Für eine Fahrt zahlt man hierbei, wenn man früh genug bucht, ab Berlin ca. 50 Euro. Eine weitere preiswerte Option ab Berlin ist der „Flixbus“. Es gibt eine direkte Verbindung von Berlin über Flensburg nach Aarhus, Fahrtzeit hierbei sind 8 Stunden. Unsere Wahl fiel auf die Busvariante und Mitte August 2017 starteten wir für ein halbes Jahr in Richtung Aarhus.

Wir erreichten Aarhus am späten Nachmittag. Die Universität Aarhus betreibt ein Mentoren Programm, bei dem einer Gruppe von 4-5 ausländischen Studenten ein dänischer Student zugeteilt ist. Unsere Mentorin empfing uns herzlich und erleichterte uns die ersten Tage in Aarhus enorm, indem sie uns bei unserem Einzug in die neuen Wohnungen half und die Stadt ein wenig näherbrachte. Da sich unser dänischer Wortschatz bis zu diesem Zeitpunkt auf ein paar Wörter beschränkte, kommunizierten wir in Englisch. Der Großteil der Dänen spricht sehr gut Englisch und sowohl im Krankenhaus als auch im Alltag konnten wir uns so gut verständigen. 

Viele kleine Gassen mit gemütlichen Cafés, freundlich lächelnde Menschen, die uns bei Orientierungsproblemen immer hilfsbereit zur Seite standen und entspannte Familien, die schon am frühen Nachmittag mit ihren Kindern nach Hause radelten, prägten das Stadtbild. Das waren meine Eindrücke, die die ersten Tage sehr gut zusammenfassen. Ich freute mich darauf, nun auch endlich die Universität und die anderen Erasmusstudenten kennenzulernen.

Einführungswochen an der Universität Aarhus

Die Universität Aarhus organisiert Einführungswochen für die Erasmusstudenten der unterschiedlichen Studienrichtungen, wobei wir an dem naturwissenschaftlichen Part teilnahmen. Dabei wurden unter anderem ausführlich allgemeine Informationen über Dänemark, insbesondere Aarhus, vermittelt. Uns wurde erklärt, dass Dänemark nach Norwegen im „World Happiness Report 2017“ das glücklichste Land weltweit sei. Mein erster Eindruck konnte dies absolut bestätigen. 

Außerdem bot das „Immigration Office“, das dänische Korrelat für das deutsche Bürgeramt, direkt vor Ort (!) an, die gelbe Gesundheitskarte und damit unsere „CPR-Nummer“ zu beantragen. Mit dieser persönlichen Identifikationsnummer ist man, ohne jemals Beiträge in Dänemark bezahlt zu haben, krankenversichert. Außerdem muss diese Nummer bei jedem Vertragsabschluss angegeben werden und ist dementsprechend unerlässlich für den Einstieg in Dänemark. Dank der gut strukturierten Organisation der Universität vor Ort hatte ich wenig bürokratischen Aufwand. Der Einstieg als internationaler Student wurde uns dadurch sehr viel einfacher gemacht.

Des Weiteren bestand die Möglichkeit, sich für einen kostenlosen Sprachkurs über das Institut „Lærdansk“ (http://laerdansk.dk/) anzumelden. Es gibt Intensivkurse, Wochenendkurse und Kurse, die 2-3 Mal in der Woche stattfinden. Dabei wird eine Kaution verlangt, der Kurs aber ist komplett kostenlos.

Leben in Dänemark

Ein Ziel für Wassersportbegeisterte - Den Permanente im Norden von Aarhus
Ein Ziel für Wassersportbegeisterte – Den Permanente im Norden von Aarhus

An einem Tag der Einführungswoche wurde die Gruppe der Erasmusstudenten in ihre einzelnen Fachrichtungen aufgeteilt und wir hatten Zeit, die anderen Medizinstudenten kennenzulernen. Für mich überraschend – von den 45 internationalen Medizinstudenten war die Hälfte deutsch. Außerdem waren Medizinstudenten aus Norwegen, Italien, Spanien, Tschechien und der Slowakei anwesend. Dieser Tag klang im „Studenterhus“, einer kleinen Kneipe im Universitätsgelände, aus. Dieses Studentenhaus bot über das Semester verteilt zusätzlich zahlreiche Freizeitaktivitäten an, unter anderem organsierte Ausflüge, Partys, Konzerte und Flohmärkte.

Es gibt um Aarhus eine Vielzahl schöner Strände, wie beispielsweise „Den Permanente“ im Norden von Aarhus. Alle sind gut mit dem Rad erreichbar und bieten zahlreiche Möglichkeiten für Wassersportbegeisterte an. Ein weiteres Highlight für mich – der „Vikingeklubben Jomsberg“, eine Sauna direkt am Meer. Der „vinterbadning klub“ besteht seit 1910 und nur eingetragene Mitglieder dürfen ihn nutzen. Ich hatte das Glück, eine Mitgliedschaft für eine Saison abschließen zu können und damit den ganzen Winter dieses Angebot zu genießen. Wassertemperaturen zwischen 2-8 Grad Celsius sind dabei keine Seltenheit und es ist ein einzigartiges Erlebnis, mit Einheimischen zwischen Schwitzen und kühlem Nass zu wechseln. 

Es besteht natürlich noch eine Vielzahl weiterer sportlicher und kultureller Freizeitangebote in Aarhus. Hervorheben möchte ich dabei gerne die „Aarhus Festuge“, eine Festwoche Ende August/Anfang September, die jedes Jahr unter einem anderen Motto steht und Konzerte, Diskussionsrunden und andere kulturelle Angebote zusammenfasst.

Neben den zahlreichen Aktivitäten in Aarhus und Umgebung nahmen wir uns auch die Zeit, mit den anderen internationalen Studenten Dänemark zu erkunden. Dabei verbrachten wir unter anderem ein Wochenende entlang der Westküste Dänemarks über „Hvide Sande“ und „Skagen“ nach Aalborg. Und auch Kopenhagen ist mit dem „Flixbus“ gut zu erreichen und somit erkundeten wir die Hauptstadt Dänemarks an einem weiteren Wochenende.

Das Medizinstudium in Dänemark

Das Medizinstudium in Dänemark dauert wie in Deutschland sechs Jahre und wird an vier Universitätsstandorten (Aarhus, Kopenhagen, Aalborg, Odense) angeboten. Alle Semester werden auf Dänisch abgehalten, nur ein Semester, das dänische 10. Semester, wird in Aarhus als internationales Semester komplett auf Englisch abgeleistet. Die Kriterien zur Aufnahme in das Medizinstudium sind, wie in Deutschland, sehr streng. Viele Medizinstudenten absolvieren im Vorfeld eine Krankenpflegeausbildung, ein Soziales Jahr oder wirken an Forschungsthemen mit. Daher sind die Medizinstudenten in Dänemark im Durchschnitt zwei bis drei Jahre älter als die Deutschen, wenn sie mit dem Medizinstudium beginnen. 

Vergleichsweise anspruchsvoll wie in Deutschland sind die Notendurchschnitte, die erreicht werden müssen, um für das Medizinstudium angenommen zu werden. In Dänemark gibt es ein anderes Notensystem als in Deutschland. Einem deutschen Abitur von 1,0 entspricht ungefähr die dänische Abiturnote 10-12. Das dänische Notensystem wird in Punkten gerechnet und reicht von -3 bis 12 und ist nicht wirklich mit dem Deutschen zu vergleichen.

Das Medizinstudium wird in einen Bachelor- und Masterabschnitt unterteilt und ist zumindest in Aarhus, mit vorklinischem und klinischem Abschnitt, mit dem in Deutschland vergleichbar. Der Unterschied zum deutschen System ist hierbei, dass die Studenten im Masterabschnitt des Medizinstudiums schon während des Semesters Klinikaufenthalte, also nicht in den Semesterferien, absolvieren. Ein Semester besteht aus einem achtwöchigen theoretischen Anteil mit Seminaren und Vorlesungen und einem ebenso achtwöchigen praktischen Abschnitt im Krankenhaus. Der Praxisabschnitt besteht aus jeweils vier Wochen in zwei unterschiedlichen Fachgebieten. Diese Fachbereiche sind gleichzeitig die Hauptfächer des Semesters und werden im Theorieteil, neben anderen kleineren Fächern, gelehrt. Im dänischen 10. Semester verbrachten wir jeweils vier Wochen in der Gynäkologie und Pädiatrie. 

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass Seminare, mit Ausnahme von zwei Pflichtveranstaltungen, während des Semesters freiwillig sind. Da die Vortragenden zum größten Teil sehr viel Mühe in ihre Präsentationen und Unterrichtsgestaltungen investieren, sind die Seminare trotzdem gut besucht und der Lerneffekt groß. Im Vergleich zu Deutschland empfand ich dies als sehr großen Vorteil. Da kein Medizinstudent „gezwungen“ wird, an den Veranstaltungen teilzunehmen, ist der Wille mitzuarbeiten und nicht nur die Zeit des Seminars abzusitzen groß.

Da in diesem Semester mehr internationale Medizinstudenten als in den Jahren zuvor angenommen wurden, verteilte die Universität die Studenten in unterschiedlichen Städten Dänemarks. Wir waren in der ersten Rotation im klinischen Abschnitt und wurden dem „Regionshospitalet Herning“ zugeteilt. Herning ist eine Stadt im mittleren Jütland und 1,5 Stunden von Aarhus entfernt. Die Unterkünfte und Fahrtkosten wurden von der Universität Aarhus organisiert und bezahlt. 

Unser Klinikaufenthalt in der Pädiatrie und in der Gynäkologie und Geburtshilfe

Start in den Klinikalltag in Herning
Start in den Klinikalltag in Herning

Gespannt, ob all die bisher gehörten Beschreibungen über den dänischen Krankenhausalltag stimmen, begannen wir unseren Klinikabschnitt in der Pädiatrie. Die Einführung über Abläufe und Einteilungen in der Klinik hielt eine Frau mittleren Alters, die von Beginn an auf einer eher freundschaftlichen Basis mit uns kommunizierte. Erst am Ende der Veranstaltung registrierte ich, dass sie die Chefärztin der Abteilung ist. Meine Erfahrungen im Studium in Deutschland sind eher mit einer stark verankerten Hierarchie in den Fachgebieten verbunden. In keiner Situation während meines Aufenthaltes hatte ich das Gefühl, als Student nicht gewollt oder auf einem anderen Level als die anderen Ärzte gesehen zu werden. Mir wurde immer mit viel Respekt und Freundlichkeit begegnet. Auch das Verhältnis von Krankenschwestern und Ärzten habe ich als sehr entspannt empfunden.

Um den internationalen Medizinstudenten den Einstieg in den Klinikalltag zu erleichtern, wurde ein „Buddy-System“ entwickelt. Jeder dänische Student erhielt einen internationalen Studenten an seine Seite, wodurch Sprachbarrieren und Verständnisprobleme gut überwunden werden konnten. Ich hatte das Glück, einen sehr engagierten Studenten als „Buddy“ zugeteilt zu bekommen. Durch seine Erklärungen und Übersetzungen konnte ich noch viel mehr aus den Anamnesegesprächen und Erklärungen der Ärzte mitnehmen.

Ein normaler Kliniktag beginnt mit der Morgenbesprechung. In dieser werden die in der Nachtschicht aufgenommen pädiatrischen Patienten, beziehungsweise die Patienten des Vortages, vorgestellt und komplizierte Fälle in großer Runde diskutiert. Dabei werden die Studenten explizit angesprochen und dazu ermutigt, an der Diskussion teilzunehmen. Auch bei falschen Antworten wird nicht das Gefühl vermittelt, versagt zu haben, sondern es wird aktiv aufgefordert weiterhin mitzuwirken.

Während des Vormittags wurden die Studenten nach einem vorgegebenen Plan auf die unterschiedlichen Stationen, in die Ambulanzen oder den Bereitschaftsärzten der Pädiatrie zugeordnet. Da einem Arzt im Durchschnitt zwei Studenten zugeordnet waren, hatte dieser Zeit zu erklären und es war möglich, den Großteil praktisch umzusetzen. Wir konnten eigenständig Anamnesen erheben, die Kinder körperlich untersuchen und einen Behandlungsplan vorschlagen. Da gerade in der Pädiatrie die Verständigung mit den Kindern und Eltern auf Dänisch erfolgte, war es ein großer Vorteil, mit einem dänischen Studenten eingeteilt zu sein. Jeder Student erhält am Anfang des Semesters ein Logbuch, in dem Aufgaben definiert wurden und mit einer Unterschrift nach Absolvierung bestätigt werden mussten. Dieses Logbuch beinhaltete neben den oben genannten Aufgaben die aktive Mitarbeit in Ambulanzen, die Dokumentation der Teilnahme an der Patientenvorstellung während der Visite und das Verfassen von Aufnahme- und Entlassungsbriefen.

Ähnliche Aufgabengebiete umfasste der gynäkologische Abschnitt, in dem ich zusätzlich noch Einsätze im OP (Assistenz eines Kaiserschnittes), im ambulanten OP und eine Nachtschicht mit einer Hebamme geleistet habe. Auch hier konnten wir selbstständig arbeiten, immer Fragen stellen und vor allem ein breites Spektrum an Aufgabenbereichen kennen lernen. Vor allem die Nachtschicht mit einer der Hebammen wird mir im Gedächtnis bleiben, weil ich den Verlauf einer gesamten Geburt miterleben durfte. Die Hebammen übernehmen den größten Teil der Geburt, erst am Ende der Geburt oder bei Komplikationen werden Ärzte dazu gerufen. 

Jeden Nachmittag nahmen wir an einem einstündigen Seminar über verschiedene Themengebiete der Gynäkologie und Geburtshilfe oder Pädiatrie teil. Die Dozenten bezogen die Studenten aktiv mit ein, in dem jeder Medizinstudent verpflichtet war, einmalig einen Vortrag vorzubereiten. In den Seminaren wurden neben theoretischen Vorträgen, praktische Übungen, wie beispielsweise gynäkologische Untersuchungen am Modell, Nahttechniken oder körperliche Untersuchungen an Puppen, geübt. 

Im Gedächtnis ist mir vor allem geblieben, dass die Ärzte mehr Zeit für die Patienten haben und sie sich auch nehmen. Für uns ungewohnt waren geplante Termine in der Ambulanz, die zwischen 30-45 Minuten in Anspruch nahmen. Dabei waren dies nicht besonders komplizierte Fälle, sondern routinemäßig geplante Termine. Der Arzt nahm sich bei jedem Patienten die Zeit, eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung vorzunehmen und dabei die Erkrankung, deren Verlauf und Therapie zu erklären. Aus meiner Sicht war das Arzt-/Patientenverhältnis dadurch sehr eng und vertraut. 

Da ich meinen klinischen Abschnitt in Herning verbracht habe, konnte ich keine persönlichen Erfahrungen im Universitätsklinikum Aarhus (Skejby) gewinnen. Aufgrund der Erfahrung der anderen Studenten, die ihren achtwöchigen Klinikabschnitt dort verbracht haben, kann ich berichten, dass eine größere Anzahl an Studenten in diese Klinik eingeteilt wurde. Dadurch war es wohl schwieriger, jedem Medizinstudenten ein Aufgabengebiet zuzuteilen. So fielen zu viele Aufgaben für zu wenige Studenten an. Positiv festzuhalten ist, dass schwerwiegendere Fälle in das Universitätsklinikum verlegt werden und damit Erfahrungen über ein breiteres Spektrum an Krankheitsbildern gesammelt werden können.

 Abschlussprüfungen 

Da dänische Medizinstudenten eher in Kleingruppen lernen und Themengebiete/Sachverhalte besprechen, liegt der Fokus mehr auf dem Erkennen von Zusammenhängen, als Fakten auswendig zu lernen. Diesem Lernprinzip kommt zugute, dass die dänischen Ärzte sehr viel mit Guidelines arbeiten und dadurch viele Fakten nachschlagen anstatt sie im Kopf zu speichern.

Unsere Prüfungen bestanden aus einer MC Klausur mit 50 Fragen aus allen Fachgebieten und einem zweitägigen OSCE Examen (Objective structured clinical examination). Geprüft wurden neben Pädiatrie und Gynäkologie Rechtsmedizin, Genetik und Kommunikationsfähigkeiten. Die OSCE Examen sind aus meiner Sicht eine gute Option, Wissen abzufragen, weil dem Studenten die Möglichkeit geboten wird, Zusammenhänge logisch darzustellen, anstatt nur Detailwissen zu präsentieren. Die Prüfung erstreckte sich über zwei Tage mit insgesamt 12 Stationen. Alle Prüfer waren sehr nett und halfen bei kleineren Wissensausfällen auf die Sprünge. Mit einer gewissenhaften Vorbereitung war es gut möglich, alle Prüfungen zu bestehen.

In Deutschland gab es trotz des Bestehens aller Prüfungen Probleme mit der Anerkennung der Leistungen. Da das OSCE Examen mit einer Gesamtnote bescheinigt wird, hat das Landesprüfungsamt Sachsen nicht wirklich einsehen können, ob auch alle Teilleistungen bestanden wurden. Dies wurde damit begründet, dass es auch möglich sei, ein Fach sehr gut zu bestehen und damit mangelhafte Leistungen in einem anderen Fach auszugleichen. Um diese Hürde zu umgehen, sollte schon vorab eine Vereinbarung getroffen werden. Ein Vordruck für die Universität in Aarhus wäre in meinem Fall von Vorteil gewesen, um die einzelnen Teilleistungen aufgeschlüsselt darzustellen.

Da Aarhus das erste Jahr Erasmus Partneruniversität Dresdens war, müssen natürlich noch einige Absprachen getroffen werden, um alles zu optimieren. Von Vorteil wäre es, sich vor Antritt des Auslandssemesters bei den zuständigen Behörden bezüglich der Anerkennung von Leistungen zu erkundigen.

Die Blockpraktika in der Gynäkologie und Pädiatrie wurden mir, nach Absprache mit den leitenden Ärzten der jeweiligen Abteilungen an der Uniklinik Dresden, dagegen problemlos anerkannt.

Mein Fazit

Møllestien - Zeitreise in eine der gemütlichen Gässchen von Aarhus
Møllestien – Zeitreise in eine der gemütlichen Gässchen von Aarhus

Ich habe die Zeit in Dänemark, aber vor allem Aarhus, sehr genossen und mich nach kurzer Zeit so wohl gefühlt, dass ich nach einem halben Jahr behaupten kann, eine zweite Heimat gefunden zu haben. Der Krankenhausalltag in Dänemark hat mir gezeigt, dass dieser dem Deutschen viel voraushat – in Bezug auf Umgangsformen zwischen den einzelnen Berufsgruppen, Studentenunterricht und vor allem in dem Patientenumgang. Wir in Deutschland können uns von unserem Nachbarn im Norden diesbezüglich noch sehr viel abschauen. 

Mein Auslandssemester in Aarhus hat mich noch einmal mehr menschlich reifen lassen. Ich habe viele inspirierende Menschen getroffen, mit denen ich in Kontakt bleiben werde. Natürlich gab es auch negative Situationen, in denen ich doch, obwohl Dänen und Deutsche sich sehr ähnlich sind, kleine kulturelle Unterschiede gespürt habe. 

Zusammengefasst kann ich feststellen, dass ich in meinen Auslandsaufenthalten erfahren konnte, dass es viele Ansatzpunkte gibt, wie Situationen im Krankenhausalltag besser angegangen werden können – im Vergleich zu dem praktizierten Alltag in deutschen Krankenhäusern.

Ich habe mir vorgenommen, für meine restliche Studienzeit, einige der erlernten Fertigkeiten in meinen Patientenkontakt einzubauen und wer weiß, vielleicht verschlägt es mich nach dem beendeten Medizinstudium wieder nach Dänemark? 

Franziska Möttig

Dresden, Juni 2018

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.