PJ in Südafrika – Allgemeinchirurgie, Unfallchirurgie, Orthopädie

9. Juni 2018

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Südafrika, Kapstadt, New Somerset Hospital (21.11.2017 – 11.03.2018)

Schon seit meiner Famulatur im Jahr 2014 in Kapstadt wusste ich, dass ich spätestens zum PJ nach Südafrika zurückkommen werde. Meine Rückkehr und mein PJ-Tertial in Kapstadt wurden nun eine der besten Erfahrungen, die ich je gemacht habe. Die vielen Eindrücke, Lehren und Erlebnisse werden mich mein Leben lang begleiten.

Erneute Entscheidung für Südafrika

Blick auf die Notaufnahme des New Somerset Hospitals in Kapstadt und auf den Signal Hill
Blick auf die Notaufnahme des New Somerset Hospitals in Kapstadt und auf den Signal Hill

Spätestens seit meiner Famulatur am Groote Schuur Hospital in Kapstadt im Jahr 2014 übt Südafrika eine ganz besondere Anziehung auf mich aus. Seitdem ich damals ins Flugzeug gestiegen bin, wusste ich bereits, dass ich nach Kapstadt spätestens zum PJ zurückkommen werde. Die Eindrücke, die ich 2014 sammeln konnte, waren diesmal meine Motivation nach Kapstadt zurück zu kehren. Vor allem die Eindrücke im Krankenhaus hatten mich geprägt und ich wollte auch einen PJ-Abschnitt in der Trauma-Abteilung im Groote Schuur Hospital absolvieren.

Vor allem die sehr praxisnahe Lehre hatte mich fasziniert und das breite Feld an traumatischen Verletzungen – vom Sturz aus einem fahrendenden Zug bis hin zur Schussverletzung. Als ich mich dann zweieinhalb Jahre vorher auf einen Platz bewarb, wurde mir mitgeteilt, dass bereits alle Plätze in der Abteilung für den Zeitraum vergeben seien. Daraufhin bewarb ich mich am New Somerset Hospital in Kapstadt, das gerade für das PJ einen sehr guten Ruf genießt und wurde dort für die vier Monate meines Chirurgie-Tertials angenommen.

Da ich chirurgisch sehr interessiert bin und man gerade in der Chirurgie in Südafrika viele praktische Fähigkeiten erlernen kann, hatte ich dieses Tertial für meinen Auslandsaufenthalt ausgewählt. Da das New Somerset Hospital auch sehr bekannt für seine orthopädische Abteilung ist, war ich sehr froh, dass das Krankenhaus auch einige Wochen Rotation in die Orthopädie und Unfallchirurgie anbot.

Natürlich kann ich nicht verschweigen, dass ich neben dem großen fachlichen Interesse auch unbedingt zurück nach Kapstadt wollte. Die Stadt zwischen Tafelberg und atlantischem Ozean ist einfach faszinierend und die Herzlichkeit der Menschen weltbekannt. Auch deshalb war ich unglaublich glücklich, dass es wieder nach Kapstadt gehen würde.

Eine nicht ganz einfache Bewerbung

Bettenhaus und Notaufnahme des New Somerset Hospitals in Kapstadt, Südafrika
Bettenhaus und Notaufnahme des New Somerset Hospitals in Kapstadt, Südafrika

Meinem PJ-Tertial in Südafrika voraus ging aber der nicht ganz einfache Bewerbungsprozess, den ich Euch nun nochmal eingängig erläutern möchte. Aufgrund der hohen Beliebtheit Kapstadts, vor allem bei deutschen Medizinstudenten, aber auch bei unseren Kommilitonen aus Österreich und der Schweiz sowie einigen Australiern, ist es bekanntlich nicht sehr leicht, einen Platz in Kapstadt zu bekommen. Es gibt zwei große Universitätskliniken und mehrere Lehrkrankenhäuser, an denen man sein PJ in Kapstadt ableisten kann (vergleiche Liste des Landesprüfungsamtes NRW mit den zugelassenen Kliniken: https://www.brd.nrw.de/gesundheit_soziales/LPA-PJ/pdf-PJ/PJ-Ausland-Gesamtliste.pdf).

Dazu zählt das Groote Schuur Hospital, das Tygerberg Academic Hospital und das New Somerset Hospital (NSH). Sowohl das Groote Schuur als auch das Tygerberg nimmt sehr viele PJler und ist daher auch zum Teil etwas überlaufen. Das NSH nimmt gleichzeitig max. 8-10 PJler in den Abteilungen Gynaecology and Obstetrics, Trauma/Emergency, General Surgery, Orthopaedics, ENT und Internal Medicine. Dadurch ist das New Somerset Hospital nicht so überlaufen wie andere Lehrkrankenhäuser und die Betreuung während des PJ-Abschnittes ist sehr viel direkter. Des Weiteren, ist die Bewerbung über die zuständige Ansprechpartnerin sehr direkt und man bekommt schneller eine Auskunft als bei der Bewerbung z.B. am Groote Schuur Hospital.

Falls in Eurer Lieblingsabteilung laut dieser Ansprechpartnerin einmal kein Platz mehr frei sein sollte, ruft Ihr sie einfach direkt an und besprecht die Belegung der einzelnen Abteilungen mit ihr. Meistens ist es dann doch noch möglich, einen Platz zu organisieren. Auch was den Zeitraum des PJ-Tertials angeht sowie die Bezahlung der Studiengebühren, die im Voraus bezahlt werden müssen, ist sie äußerst kulant und erlaubt auf Anfrage auch eine spätere Überweisung. Gründe hierfür waren bei mir, dass ich mir aufgrund von noch ausstehenden Prüfungen zum Beispiel nicht sicher war, ob ich am M2 Examen und damit auch am PJ-Tertial teilnehmen kann. Die Studiengebühren beliefen sich im Jahr 2017 noch auf R20.500 für zwei Monate, sollen sich aber leider auf 36.000R bis 60.000R im Laufe des Jahres 2018 erhöhen.

Wichtige Punkte bei der Vorbereitung: Das Visum…

Das Thema Visum ist der nächste Schritt im Bewerbungsprozess für ein Auslandstertial in Südafrika, solange man für mehr als 90 Tage in Kapstadt bleiben will. Alle die nur acht Wochen in Südafrika verbringen, sind somit fein raus und können sich den bürokratischen Aufwand des Visums sparen. Alle anderen müssen sich entweder auf ein Studentenvisum bewerben, der umfangreiche Bewerbungsprozess wurde bereits von vielen anderen Stipendiaten der Auslandsstipendien auf Medizinernachwuchs.de sehr ausführlich beschrieben, über Weihnachten zurück nach Deutschland fliegen oder sich um eine Verlängerung des Touristenvisums beim „Visa Center VFS“ bewerben.

Von letzterer Möglichkeit muss ich aber ausdrücklich abraten, da ich mich über dieses Thema informiert und auch in Kapstadt mit einigen Deutschen geredet habe, die diesen Weg einschlagen wollten. Leider ist der Bewerbungsprozess für eine Verlängerung des Touristenvisums sehr langwierig, das Personal bei „VFS“ das Gegenteil von hilfsbereit und die Bewerbung um Verlängerung kann, trotz hoher Gebühren für den Antrag, leicht abgelehnt werden. Ein alter Trick, den viele Deutsche ohne permanenten Aufenthaltsstatus in Südafrika lange genutzt haben, war die Ausreise in Nachbarländer und die Wiedereinreise mit einem neuen Touristenvisum. Dies ist leider bereits seit einigen Jahren (offiziell) nicht mehr möglich. Ich habe aber auch hier von Personen gehört, die nach einer Woche in Namibia ein neues Visum bekommen haben. Für das PJ-Tertial ist dieser Weg aber auf jeden Fall der Falsche!

(Anm.d.Red. Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

…und die Wahl der Unterkunft

Nachdem die ersten administrativen Hürden gemeistert waren, ging es an die Wohnungssuche in Kapstadt. Das New Somerset Hospital und das Tygerberg Academic Hospital sind die einzigen Einrichtungen, die auch Studentenwohnheime für ausländische Medizinstudenten anbieten. Das Wohnheim des New Somerset Hospitals liegt direkt hinter dem Krankenhaus auf dem Gelände des Zentrallabors und grenzt and ein Cricket-Stadion an. Vom Balkon aus kann man außerdem das Cape Town Stadium der WM 2010 sehen. Die Zimmer sind mit Schrank, Schreibtisch, altes Bett mit Federkernmatratze und Kühlschrank sowie Waschbecken im Zimmer einfach gehalten, aber sehr zentral gelegen und mit 4.500R/Monat auch relativ preiswert im Gegensatz zu vielen anderen Unterkünften.

Wer gerne etwas mehr Luxus genießen möchte, kann sich in einer der zahlreichen Studenten-Lodges einmieten. Sehr nah zum New Somerset Hospital ist z.B. „Blencathra“ (http://www.blencathra.co.za/), eine Lodge, die von einem alten Ehepaar betrieben wird und Zimmer ab ca. 200R/Tag anbietet. Wer im Groote Schuur Hospital sein PJ absolviert, der kann sich über die oft sehr stark schwankenden Preise bei der „Makulu Lodge“ Informieren (http://www.makululodge.com/), in der einige Kommilitonen von mir untergekommen sind. Preise für ein eigenes Zimmer schwanken um ca. 600€/Monat, wer sich ein Zimmer teilt, kann schon für ca. 300€/Monat ein Zimmer bekommen, in dem er mit etwas Glück auch zweitweise alleine wohnt.

Generell ist der freie Wohnungsmarkt in Kapstadt keine einfache Sache und es lohnt sich meist nicht, dort nach einer Unterkunft für kurze Zeit zu suchen. Einige Häuser im Stadtteil „Observatory“ werden zum Teil privat und nur an Studenten vermietet. Darüber kann man sich gut in der Facebook Gruppe „PJ in Kapstadt“ (https://www.facebook.com/groups/1401394106782666/?ref=br_rs) informieren.

Mobil sein in Kapstadt! Aufgepasst!

Wer das Glück hat, am New Somerset Hospital zu wohnen, für den ist zumindest beim Arbeitsweg der „Cape Town Traffic“ ein Fremdwort. Ansonsten muss man sich bewusst sein, dass jeden Morgen stadteinwärts und jeden Nachmittag stadtauswärts ewige Autoschlangen die sehr limitierten großen Verkehrsverbindungen verstopfen. Dies sollte bei der Wohnungssuche auf jeden Fall bedacht werden. Der Weg nach „Observatory“ am Nachmittag kann statt sonst 10min, dann schon mal leicht ein bis eineinhalb Stunden dauern. Um sich in der Innenstadt von Kapstadt vom New Somerset Hospital aus zu bewegen, ist der „MyCiti Bus“ und „Uber/Taxify“ völlig ausreichend.

Für alle Strecken darüber hinaus und für alle Freizeitaktivitäten wie Sightseeing, Hiken, Surfen und Camping ist ein Auto aber dringend erforderlich. Neben den großen Autovermietungen, die für Kurzzeitmieten ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten, auf Dauer aber etwas teuer werden, gibt es zahlreiche lokale Autovermietungen wie z.B. „Rent-a-Cheapie“, „FunCar Hire“ oder „AutoRent SA“. Von diesen Anbietern möchte ich aber ausdrücklich abraten, da ich selber Opfer von Betrug bei „AutoRent SA“ wurde. Diese Firma ist keineswegs vertrauenswürdig und hat sowohl meine Kreditkarte mit falschen Beträgen belastet als auch die Kaution mit fadenscheinigen Gründen nicht zurückerstattet. Auch „Rent-a-Cheapie“ versucht mit Zusatzkosten und überzogenen Reparaturkosten im Falle eines Unfalls zusätzliches Geld zu verdienen.

Nach anfänglicher Enttäuschung mit den Autovermietungen hatte ich dann den Ehemann einer Ärztin am New Somerset Hospital kennen gelernt, der seine eigenen Autos günstig und mit guten Konditionen ausschließlich an Deutsche/Österreichische/Schweizer PJler und Praktikanten vermietet. Informationen über diese Autos, die ab ca. 10€/Tag zu haben sind, gibt es bei Francois Calitz (). Hier hatte ich daraufhin glücklicherweise keine Probleme mehr.

Mein PJ-Abschnitt am New Somerset Hospital in der Orthopädie und Unfallchirurgie

Academic Wardround am New Somerset Hospital in Kapstadt, Südafrika
Academic Wardround am New Somerset Hospital in Kapstadt, Südafrika

Nach der bereits etwas holprigen Planungsphase für mein PJ-Tertial in Südafrika ging es dann eine Woche vor dem offiziellen Beginn des Tertials nach Kapstadt. Der Einzug ins Wohnheim gestaltete sich problemlos und die Anmeldung bei der Medizinischen Fakultät der University of Cape Town als auch die Erstellung eines Studentenausweises gingen ebenfalls schnell vonstatten.

Die ersten zwei Monate meines PJ-Abschnittes verbrachte ich in der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie. Dort waren wir zwei deutsche PJler. Die Früh-Visite begann jeden Morgen um 07:00 Uhr in der Notaufnahme, führte über die Intensivstation rauf auf die Station und nahm täglich ca. eineinhalb Stunden in Anspruch. Jeden Donnerstag fand eine „Academic Ward Round“ statt, bei der meistens alle drei Oberärzte anwesend waren und die „Registrars“ (Ärzte in Facharztausbildung) sowie die „Interns“ (2-jährige Rotation nach Beendigung des Medizinstudiums) mit zahlreichen Fragen zu Patienten und Erkrankungen gelöchert wurden. Nach der bis zu zweieinhalb Stunden dauernden Visite ging dann die ganze Abteilung geschlossen an die „Waterfront“ im Hafen von Kapstadt, um gemeinsam zu frühstücken, während derweil die ca. 50 Patienten, die täglich in der Sprechstunde gesehen und die alle bereits um 6:00 Uhr einbestellt werden, geduldig auf die Ärzte warten mussten. Der übliche Tagesablauf wurde geprägt vom Assistieren im OP, wobei man sich mit den anderen PJlern abwechseln konnte, oder dem Aushelfen in der Sprechstunde, in der man meistens mit Verbänden und Gipsschienen beschäftigt war.

Am meisten gefielen mir die Spät- sowie Nachtdienste, an denen man als PJler auf eigenen Wunsch hin teilnehmen konnte. Man begleitete dann von ca. 20:00 Uhr bis zum nächsten Morgen den diensthabenden „Intern“ der Chirurgie, der sowohl für die Allgemeinchirurgie wie auch für die Unfallchirurgie zuständig ist. Nachts konnte man viele Aufgaben wie Anamnese, Untersuchung, Blutentnahmen, arterielle Blutentnahmen, das Legen von venösen Zugängen und das Assistieren bei Notfalloperationen übernehmen. Dadurch, dass nur jeweils ein „Intern“ und ein „Registrar“ Dienst hatten, war Hilfe gerne gesehen. Meistens wurde bis ca. 24:00 Uhr das operiert, was über den Tag hinweg liegengeblieben war. Nur bei wirklichen Notfällen wurden Operationen auch nach 24:00 Uhr durchgeführt, weil in der Zeit von 24:00-6:00 Uhr nur ein Anästhesist zur Verfügung stand und dieser für gynäkologische Notfälle auf Abruf verfügbar sein musste.

Generell wurde in der Klinik sehr nett mit uns, scherzhaft als „The Germans“ bezeichneten Medizinstudenten, umgegangen. Das OP-Personal sowie vor allem die Pfleger in der Notaufnahme waren stets sehr hilfsbereit. Leider wurden viele Abläufe und Entscheidungen nur auf mehrfaches Nachfragen ausführlich erklärt und wenige Fragen an die Studenten gerichtet. Die Anwesenheit wurde in der Orthopädie sehr streng kontrolliert. Nach einem Nachtdienst bei dem man bis zur morgendlichen Visite geblieben war, bekam man den angebrochenen Tag frei, musste aber den darauffolgenden Tag wieder um 7:00 Uhr zur Visite anwesend sein. Nach Absprache mit den Oberärzten konnte man sich aber problemlos Fehltage nehmen und wenn keine Aufgaben für PJler zur Verfügung standen, wurde man auch bereits am frühen Nachmittag nachhause geschickt.

Mein PJ-Abschnitt am New Somerset Hospital in der Allgemeinchirurgie

Buntes Treiben in der Notaufnahme am New Somerset Hospital in Kapstadt
Buntes Treiben in der Notaufnahme am New Somerset Hospital in Kapstadt

Im zweiten Teil meines Tertials in der Allgemeinchirurgie war die ganze Atmosphäre etwas entspannter. Die Visite begann jeweils erst um ca. 8:00 Uhr bzw. 9:00 Uhr, konnte sich aber schon mal zwei bis drei Stunden hinziehen. Die Chirurgische Abteilung wurde, streng im Gegensatz zur Orthopädie, in der alle Oberärzte Männer waren, nur von Frauen geführt. Die Leitung bestand aus einer Chefärztin sowie drei Oberärztinnen. Der allgemeine Ton war hier zwar etwas freundlicher, aber im Fall von Fehlern nicht weniger tadelnd. Da viele Eingriffe in der Allgemeinchirurgie laparoskopisch durchgeführt wurden, war man nur selten tagsüber, sondern eher nur nachmittags/abends eine echte Hilfe im OP. Dafür war aber auf der chronisch überfüllten Station allerhand zu tun.

Hier konnten die PJler, auch hier gab es zwei deutsche PJler plus oft einen Gast Arzt, Aufgaben wie Blutentnahmen, Zugänge, arterielle Blutgaskontrollen und das Legen und Ziehen von Thoraxdrainagen sowie stationäre Aufnahmen übernehmen. Die Station war aufgrund der vielen Notfälle und Gewaltverbrechen meist sehr voll belegt. Für Patienten mit Messerstichverletzungen im Brustbereich oder einem Brust-Durchschuss mit Handfeuerwaffen, die stabil waren, gab es meistens nur einen Stuhl zwischen den anderen Patientenbetten. Oft mussten Patienten früh nachhause entlassen werden, um Platz für neue Notfälle zu machen.

Ansonsten war das Niveau der Behandlung ähnlich dem, was wir aus Europa gewöhnt sind. Die Ärzte sind sehr gut ausgebildet und wissen sehr genau, was sie tun. Darüber hinaus sind die praktischen Fähigkeiten der oft jungen Ärzte sehr gut. Dennoch fehlt der Patientenversorgung der „Service-Charakter“, den man überall in deutschen Kliniken findet. Auch gibt es trotz der langen Wartezeiten keine Beschwerden über die Behandlung und viele Patienten zeigen umfassend Verständnis für den belastenden Arztberuf als auch für die oft langwierigen Prozesse in der Klinik und sind sehr dankbar dafür, dass sie versorgt werden.

Zusammenfassend war die Rotation in der Allgemeinchirurgie sehr spannend und hat mein Interesse an der Allgemein- und Gefäßchirurgie erheblich vergrößert. Die „Academic Wardround“ an jedem Montag war ebenfalls sehr lehrreich und band auch oft die Studenten in Fragen mit ein. Sehr beeindruckend und etwas völlig Neues für deutsche Medizinstudenten waren auch die „Morbidity and Mortality“ Besprechungen. Bei diesen wurden Patienten, die im letzten Monat verstorben waren sowie etwaige Fehler bei der Versorgung ausgiebig und offen mit dem gesamten Team besprochen.

Leben in Kapstadt

Gordons Bay - traumhafte Landschaft in der Nähe von Kapstadt
Gordons Bay – traumhafte Landschaft in der Nähe von Kapstadt

Natürlich hat Kapstadt weit mehr zu bieten als nur das Leben im Krankenhaus. All diese Geschichten zu erzählen, würde aber sicherlich den Rahmen sprengen. Es sei nur so viel gesagt: Es gibt immer etwas zu tun, man hat keine Probleme, neue Leute kennen zu lernen, auch wenn man alleine reist und die Zeit geht viel zu schnell vorbei.

Durch die vielen Aktivitäten und das in den letzten Jahren sehr stark gestiegene Preisniveau, vor allem in Kapstadt, ist das Leben keineswegs als günstig zu bezeichnen. Einkaufen in Supermärkten ist durchweg teurer als in Deutschland sowie auch die Kosten für mobiles Internet. Essen gehen, ist ungefähr genauso teuer, wie selbst zu kochen, wenn man in mittel preisige Lokale geht.

Alles in allem gibt man aber sehr viel mehr Geld aus, weil man viel mit dem Auto fährt, auch wenn der Sprit umgerechnet nur etwa 1€ kostet, und einfach viel unterwegs ist. Alles in allem hatte ich für die vier Monate Mehrausgaben von ca. 1.000€ pro Monat plus Flüge sowie die Studiengebühren von damals umgerechnet noch ca. 1.300€ (die Kosten hierfür wurden leider extrem erhöht). Es geht sicher auch günstiger, aber ich weiß auch von vielen, die deutlich teurer gelebt haben. Dies bleibt aber jedem selbst überlassen.

Mein Fazit

Blick vom Devils Peak über Kapstadt
Blick vom Devils Peak über Kapstadt

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mein PJ-Tertial in Kapstadt eine der besten Erfahrungen war, die ich je gemacht habe. Die vielen Eindrücke, Lehren und Erlebnisse werden mich mein Leben lang begleiten. Ich habe viele neue Freunde gefunden und wunderbare Orte sehen können. Dafür bin ich sehr dankbar!

Auch die Unterstützung von Medizinernachwuchs.de in Form eines Auslandsstipendiums hat mir enorm geholfen, die finanziellen Hürden zu meisten. Ich bedanke mich recht herzlich für diese Unterstützung und empfehle jedem, sich für dieses Stipendium zu bewerben.

Paul Georg

Hannover, April 2018

Stipendiat im Rahmen der Auslandsstipendien 2017

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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