Famulatur im Sudan – Tropenmedizin, Gynäkologie & Geburtshilfe, Infektiologie und Gastroenterologie

18. Mai 2018

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Gastroenterologie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Infektiologie, Land, Sudan, Tropenmedizin

Sudan, Khartoum, University of Khartoum (21.08.-01.10.2017)

Schon seit dem Beginn meines Medizinstudiums hatte mich das Thema Tropenkrankheiten sehr fasziniert. Als dann ein Erfahrungsbericht auf Medizinernachwuchs.de erschien über das „STEP“-Programm („Sudan Tropical Exchange Project“), einer Summerschool ausschließlich zur Tropenmedizin, wusste ich sofort, das muss ich machen! 

Sudan – One STEP ahead?!

Gemeinsame Clinical Rounds im Sudan
Gemeinsame Clinical Rounds im Sudan

Der Sudan, das bedeutet für viele, Hunger, Not, Krieg und Terror. Jedenfalls waren dies die ersten Wörter, die ich von jedem vernahm, dem ich erzählte, dass ich vorhatte, für eine Summerschool in genau dieses Land zu gehen. Wenn man mich nun heute fragt, was ich mit dem Sudan verbinde, dann sage ich Tanzen, Musik, Essen von einem Teller und Freundschaft. Freundschaft, die über Religion und Landesgrenzen hinausgeht.

Im medizinischen Kontext würden mir zwar eher die Wörter Ungerechtigkeit, Klassenversorgung und Tropenkrankheiten einfallen, doch darauf komme ich gleich zurück.

Mein Interesse an Tropenkrankheiten!

Das Labor auf der Medical Mission im Sudan
Das Labor auf der Medical Mission im Sudan

Begonnen hatte alles zunächst einmal mit letzterem: Den Tropenkrankheiten. Exotisch, interessant und von der Forschung vernachlässigt, hat mich dieser Bereich der Medizin schon seit Anfang meines Medizinstudiums fasziniert. An den deutschen Universitäten lernen wir leider nur sehr wenig darüber, obwohl sich das aus Gründen des Klimawandels, es gab bereits einen Todesfall an Malaria in Norditalien ohne positive Reiseanamnese, und der Völkerwanderung in Zukunft ändern muss und hoffentlich auch wird.

Als dann aber ein Erfahrungsbericht auf Medizinernachwuchs.de erschien über das „STEP“-Programm („Sudan Tropical Exchange Project“), wusste ich sofort, das muss ich machen! Es hörte sich zu verlockend an: Eine Summerschool ausschließlich zur Tropenmedizin in einem Land, das man sonst ohne immensen visatechnischen Aufwand eigentlich nur schwer bereisen kann. Zudem sollte das gesamte Programm auf Englisch sein mit Teilnehmern aus 8-10 unterschiedlichen Ländern. Die Bewerbung war einfach. Ein Lebenslauf mit Motivationsschreiben genügte und da Deutschland bisher sehr spärlich vertreten war, standen die Chancen auch von Anfang an sehr gut, einen Platz zu ergattern.

Die Vorbereitungen konnten beginnen!

Die Apotheke während der Medical Mission von STEP im Sudan
Die Apotheke während der Medical Mission von STEP im Sudan

Ca. drei Monate vor dem geplanten Beginn der Summerschool in Khartoum kam dann auch endlich die Zusage. Ich durfte in den Sudan fliegen. Das Visum wurde von dem „Organizing Commitee“ vor Ort organisiert. Ich musste nur noch einen Flug buchen. Das ist leichter gesagt, als getan. Es gibt nicht allzu viele Flüge in den Sudan, einem Land ohne Tourismus. Direkt fliegen geht nicht. Man muss entweder in Istanbul, Abu Dhabi oder Kairo umsteigen. Zum Glück aber gab mir das Auslandsstipendium von Medizinernachwuchs.de den nötigen finanziellen Anschwung und so konnte ich auch noch kurzfristig einen Flug buchen.

Weiterhin hieß es dann noch in den drei Monaten vor dem Abflug sich alle notwendigen Impfungen zu holen (Meningitis, Typhus, Hep A und B) und sich um eine Malariaprophylaxe zu kümmern. Ich entschied mich für Malarone, da ich mit dieser bereits gute Erfahrungen gemacht hatte. Es ist nur immer wieder erschreckend festzustellen, wie einfach wir in Deutschland an Medikamente kommen, die es in Ländern wie dem Sudan, wo Malaria wirklich ein Problem für die Bevölkerung darstellt und nicht nur für wagemutige Reisende, einfach gar nicht gibt. Aber dies ist ein anderes Thema. Ich konnte mir jedenfalls noch alles pünktlich besorgen und auch die nötigen Versicherungen wie eine Auslandskrankenversicherung waren dank Medizinernachwuchs.de schnell geklärt.

Doch je näher sich die Zeit dem Abflugtermin neigte, desto nervöser wurde ich. Von vielen meiner Freunde und meiner Familie wurde mir abgeraten, in den Sudan zu reisen. Sie erinnerten sich an Nachrichten, die von Bomben, Hungersnöten und Krieg handelten und verwechselten dabei meist den Süd Sudan mit dem Sudan. Mein Entschluss war aber gefasst und so stieg ich Mitte August in Berlin in den Flieger und stieg acht Stunden später in einer vollkommen anderen Welt auf einem anderen Kontinent wieder aus.

Ankunft in Khartoum und erste Eindrücke

Khartoum, die Hauptstadt des Sudans, ist eine von diesen neuen, sich gerade noch entwickelnden afrikanischen Metropolen mit frischen glitzernden Hochhäusern aus Glas und Finanzvierteln, gespickt mit alten Basaren und dreckigen Armenvierteln. Der Flughafen erinnerte mich eher an einen geschäftigen Fernbahnhof in Indien, als an einen Hauptstadtflughafen – aber dies denken wahrscheinlich auch ein paar Menschen über die Berliner Flughäfen. Überall saßen Menschen auf Decken oder ihrem zu festen Paketen geschnürten Gepäck. Überwiegend sah man Männer in weißen Umhängen oder Tuniken, wie man sie vielleicht aus Ägypten kennt, rumlaufen.

Und als wir, das heißt ich und noch vier sudanesische Medizinstudenten vom „Organizing Commitee“, das Flughafengebäude verließen, strömte mir eine derart heiße und trockene Luft entgegen, dass ich kurzzeitig Angst hatte, mir die Nasenflügel zu verbrennen. Dabei war es 3:00 Uhr nachts! Der rot-sandige Parkplatz war gespickt mit weißen Autos und in eines dieser setzten wir uns und fuhren in die Dunkelheit zum „STEP-House“. Dort sollten wir die nächsten fünf Wochen zusammen mit 24 anderen Medizinstudenten und einer liebenswürdigen Gruppe von Sudanesen verbringen.

Gebühren für das Programm und eine weiße Villa!

Eine weiße Villa - unsere im Rahmen von STEP zur Verfügung gestellte Unterkunft in Khartoum
Eine weiße Villa – unsere im Rahmen von STEP zur Verfügung gestellte Unterkunft in Khartoum

„STEP“, das Sudan Tropical Exchange Project, wird fast ausschließlich von Studenten organisiert. Die Teilnehmer müssen vorab eine Gebühr von 150€ zahlen und dann vor Ort nochmal 450€. Damit ist dann aber auch für alles gesorgt: Essen, Freizeitaktivitäten, Transport, Unterricht und die Unterkunft. Und was für eine Unterkunft das war. Vom Flughafen in Khartoum fuhren wir in kompletter Dunkelheit auf nicht geteerten, vom Regen vollkommen ausgewaschenen Straßen, mit Pfützen so groß wie Swimmingpools, durch die Stadt und als wir schließlich um eine Ecke bogen, konnte ich meinen Augen nicht trauen.

Vor uns reihte sich eine weiße Villa neben der anderen. Und genau eine dieser Villen sollte unsere sein. Falscher Film? Jedenfalls dachte ich das. Hinter den großen Betonmauern mit dem perfekt gewässerten und zurückgeschnittenen Rasen in unserer glänzenden als auch klimatisierten Villa mit Pool und Billardtisch kam ich mir vor wie in Beverly Hills. Draußen wartete dann die richtige heiße, staubige und in ihren Farben so intensive Welt auf uns.

Doch schnell zeigte sich auch unsere Villa als gar nicht so luxuriös. Wir teilten uns ein 20m2 Zimmer zu fünft. Manche der Teilnehmer schliefen im Flur. Die Klimaanlage fiel regelmäßig aus und die Duschabflüsse verstopften der Reihe nach. So fühlten wir uns etwas versöhnt mit dem, was wir eigentlich erwartet hatten. Doch was war das überhaupt? Was hatten wir denn erwartet?

Das Sudan Tropical Exchange Project

Sudan Tropical Exchange Project - in einem Kreißsaal bei einer Nachtschicht
Sudan Tropical Exchange Project – in einem Kreißsaal bei einer Nachtschicht

Das Science-Programm des Sudan Tropical Exchange Project startete gleich einen Tag nach unserer Ankunft und ging sechs Tage die Woche von 9:00-15:00/16:00 Uhr. Zum Glück litten die Meisten von uns nicht unter einem Jetlag und doch sollten dies nun die Schlaf zehrendsten Wochen unseres Lebens werden. Vormittags verließen wir um 8:00 Uhr das Haus, um von unserem Busfahrer zur University of Khartoum gefahren zu werden, die zwar gar nicht so weit entfernt war, doch weil der Verkehr derart dickflüssig und unkoordiniert sich in die Straßen erbrach, brauchten wir immer mindestens eine Stunde.

Dann startete unser Tag entweder mit Seminaren zu Tropenkrankheiten wie Malaria, Leishmaniose, Bilharziose, Lepra, Tuberkulose, Mycetoma und auch Genitalverstümmelung oder mit Praktika zum Beispiel im Labor zur Malariadiagnostik oder mit „Clinical Rounds“ in spezialisierten Zentren für Lepra, Tuberkulose, Gastrointestinale Blutungen und Leishmaniose. Zudem konnten wir Nachtschichten im Kreißsaal machen und bei Geburten assistieren.

Alles in allem, war es ein überaus vielseitiges und interessantes Programm mit motivierten und inspirierenden Referenten als auch genügend Zeit für Fragen und extra Nachtdienste. Manchmal war zwar der sudanesische Akzent ein wenig schwer zu verstehen oder man schlief in der ersten Stunde immer mal wieder ein, weil sich das Sozialprogramm am Vorabend mal wieder bis in die späten Abendstunden oder besser gesagt, in die frühen Morgenstunden hineingezogen hatte, doch entsprach dies ja nur einem typischen Unialltag sowohl hierzulande als auch im Sudan.

Das Sozialprogramm des „STEP“

Das Sozialprogramm im Rahmen des Sudan Tropical Exchange Project folgte dann immer nach einer kurzen Verschnaufpause und lies keine Wünsche offen. Es war alles dabei: Basarbesuche, sudanesische Hochzeiten, Kino auf einem Dach über der Stadt, Pferdereiten, Touren zum Nil und zu den Pyramiden, Spa-Besuche, selbstveranstaltete Poolpartys, Koch- und Tanzabende und vieles mehr. Wir hatten dadurch genügend Möglichkeiten die sudanesischen Studierenden besser kennenzulernen und mit ihnen Spaß zu haben. Alkohol war natürlich tabu (offiziell) und trotzdem, auch ohne den nur allzu gut bekannten am Wochenende regelmäßig mehr oder weniger angestrebten Konsum, habe ich lange nicht mehr so ausgelassen und lange getanzt wie in diesen Wochen mit diesen Menschen.

Nur eine „Schattenseite“ gab es. Schlug die Uhr 22:00 Uhr abends, waren von einer Minute auf die andere alle sudanesischen Studentinnen verschwunden. Wohin? Sie mussten nach Hause. Es ziemt sich nicht für ein muslimisches oder generell ein Mädchen, in der Dunkelheit noch auf den Straßen oder auch einfach nur außerhalb ihres Familienhauses zu sein. Für die fünf „STEP“-Wochen wurden die Nerven manch sorgender Eltern schon zur Genüge strapaziert. Trotzdem hatten wir einen Abend, an dem durften die meisten jungen Frauen länger bleiben: Unseren Frauenabend. Eines meiner definitiven Highlights. Wir hatten einen ganzen Abend nur für uns ohne Kopftuch und verschleiernde Kleidung. Wir konnten offen einfach tanzen, über Heirat und Jobchancen reden und die Mädchen konnten einfach sie selbst sein. Die Sudanesinnen brachten uns sogar einen ihrer Hochzeitstänze bei.

Die Hochzeit ist immer noch ein unglaublich wichtiges und erstrebenswertes Ereignis für die meisten Frauen im Sudan, wenn nicht sogar das größte Ereignis in ihrem Leben. Dementsprechend freuen sich viele der jungen Mädchen, seitdem sie ganz klein waren, schon darauf, einem selbstausgesuchten, aber auch von ihrer Familie akzeptierten Mann, das Ja-Wort zu geben. Das Fest selbst besteht dann aus drei einzelnen Teilfesten, bei denen die gesamte Familie oder das Dorf eingeladen wird. Möchte man aber bis nach 0:00 Uhr feiern, braucht man eine amtliche Sondererlaubnis, sonst geht um Mitternacht die Musik aus und alle gehen nach Hause.

An diesem einen Abend entschied ich mich auch, das Kopftuch, welches ich vorher regelmäßig als Ausdruck meines, so dachte ich, Kulturbewusstseins getragen hatte, endgültig abzusetzen. In der University of Khartoum war es Pflicht für die Sudanesinnen, ein Kopftuch zu tragen. Wie diese Pflicht allerdings ausgelegt wurde, war sehr individuell und man konnte von Burkas bis zu durchsichtigen Tüchern, die gerade mal so das Hinterhaupt bedeckten, alles sehen. Jedoch, so sagten die Studierenden es selbst, sollte man in den Seminaren und v.a. während der Prüfungen seine gesamten Haare lieber komplett bedecken, um keine unangenehme Aufmerksamkeit der v.a. männlichen Prüfer und damit eine schlechtere Benotung zu riskieren.

Viele der sudanesischen Studierenden können sich das Studium nur durch ein Stipendium leisten und sind damit auf eine gute Benotung angewiesen. Wir hatten dieses Problem nicht. Bei mir war es egal, ob ich ein Kopftuch trug oder nicht. Allein weiße Haut und blonde Haare waren Legitimation genug, dies nicht zu tun. Ich tat es trotzdem am Anfang und wollte damit meinen Respekt vor der Religion und der Kultur ausdrücken. Als nun allerdings während des besagten Frauenabends eine junge, meist mit einem Kopftuch, manchmal auch mit einer Burka verschleierte junge Studentin zu mir kam und mich fragte, warum ich meine Haare nicht zeige und, dass sie an meiner Stelle kein Kopftuch tragen würde aus Stolz und weil ich es einfach nicht müsse, da kein familiärer und gesellschaftlicher Zwang auf mir läge, änderte ich meine Meinung und ließ in der Stadt als auch in der Universität das Kopftuch weg. Ich erregte damit zwar ein paar unangenehme Blicke, aber ich sympathisierte damit mit all den emanzipierten und starken Frauen, die in diesem gebildeten Kreis sich unter ihren Tüchern und Tuniken verstecken mussten. Weite Kleidung und Oberteile, die die Arme immer mindestens bis zum Ellenbogen bedeckten, trug ich natürlich weiter. Ich sollte und wollte meinen Körper nicht zeigen und damit sexuell provozieren, doch meine Haare und mein Gesicht versteckte ich ab diesem Tag nicht mehr.

Ich schreibe dies hier in der Hoffnung, dass, solltet Ihr Euch auch entscheiden, am „STEP“-Programm teilzunehmen, Ihr, v.a. wenn Ihr Frauen seid, mit hoffentlich etwas weniger Befürchtungen in diese Kultur und vielleicht auch in andere muslimische Kulturen eintaucht. Wenn Ihr lest, man sollte ein Kopftuch tragen, dann tut dies am Anfang auch und schaut Euch dann um und seht, wie Ihr Euch fühlt und entscheidet dann noch einmal von neuem, ob Ihr ein Kopftuch tragen wollt oder nicht. Dies geht natürlich nur in Ländern, in denen es keine generelle Kopftuchpflicht gibt.

„Medical Mission“ – ein weiterer, wichtiger Teil des „STEP“

Medical Mission - die Warteschlange zum Arzt
Medical Mission – die Warteschlange zum Arzt

Als wir dann zum vorletzten Teil des Programms des Sudan Tropical Exchange Project aufbrachen, der „Medical Mission“, war die Kopftuchfreie Zeit auch schon wieder vorbei. Wir sollten in einer großen Gruppe, bestehend aus ca. 200 Studierenden aus zwei Universitäten in die ländlichen Gebiete an die Grenze zu Äthiopien fahren und dort in einzelnen Tagesmissionen abgelegene Dörfer ohne Elektrizität oder medizinische Versorgung besuchen und gemeinsam mit Ärzten, Ärztinnen, Laboranten und Laborantinnen eine kleine medizinische Station aufbauen. In den Fokusgruppen ärztliche Diagnostik und Behandlung, Aufklärung über Hygiene, Schwangerschaft und Ernährung und der wissenschaftlichen Begleitung behandelten wir hier die Dorfbewohner bzw. nahmen Blutproben ab, nahmen Vermessungen der Kinder vor, um ihren Grad der Unterernährung einzuschätzen und dies wissenschaftlich zu dokumentieren und dann an das Institut für Public Health weiterzuleiten.

Bei den Dorfbewohnern handelte es sich v.a. um Bauern und Tagearbeiter in einigen Fällen auch um Flüchtlinge aus dem Süd Sudan, die noch nie eine weiße Person geschweige denn eine Frau mit blonden Haaren gesehen hatten. Also hieß es, Haare wieder verdecken, um irgendwie einen Zugang zu den Menschen zu gewinnen, ohne sie von Anfang an zu verschrecken.

Zudem gab es vorab einen kleinen Crashkurs in Arabisch und los ging‘s. So haben wir fünf Tage lang, kleine Babys gewogen und vermessen und wurden dabei zuhauf angepinkelt. Wir haben Fälle von offener Tuberkulose, kindlicher Leishmaniose, extreme Unterernährung (Marasmus) und natürlich viel Malaria gesehen. Es wurden Stuhl-, Blut- und Urinproben direkt vor Ort untersucht und so konnten diverse parasitäre Erkrankungen unmittelbar diagnostiziert und behandelt werden. Für viele Fälle hatten wir nur leider nicht die nötigen Medikamente dabei oder es wäre zu gefährlich gewesen, die Patienten und Patientinnen in solch einem Setting fernab vom nächsten Krankenhaus zu behandeln. Diesen Menschen konnten wir dann nur raten, so schnell wie möglich in die ca. drei Stunden entfernte nächst größere Stadt zu fahren und sich dort behandeln zu lassen.

Ich bezweifle, dass auch nur einer den Tagesmarsch auf sich genommen hat, nachdem wir weg waren. Die Menschen haben gerade mal genug Geld, sich und ihre Kinder zu versorgen und können sich keine medizinische Behandlung leisten. Es gibt zwar verstreut Zentren, die die Behandlung von diversen tropischen Erkrankungen umsonst anbieten, doch findet man diese zumeist in Khartoum oder weit verstreut in einem sehr großen Land ohne funktionierende Infrastruktur. Sehr oft fühlte sich dadurch unsere medizinische Arbeit an wie der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein.

Das wissenschaftliche Projekt wirkte zum Glück vielversprechender. Hierbei wurde das Blut aus der Fingerbeere von Freiwilligen genommen, auf einen Kaffeefilter aufgetragen und später in der Stadt im Labor auf verschiedene Leishmaniose und Malariaformen hin untersucht. Dadurch erhoffte man sich in naher Zukunft, eine bessere Aussage über die Resistenzentwicklung und die Verbreitung dieser beiden parasitären Erkrankungen machen zu können.

Mein Blick zurück

Keine Berührungsängste auch in den abgelegendsten Dörfern im Sudan
Keine Berührungsängste auch in den abgelegendsten Dörfern im Sudan

Nach fünf sehr intensiven, anstrengenden, aber auch sehr bereichernden Tagen, hieß es für uns, Abschied zu nehmen vom „STEP“-House und auch schon von einigen Teilnehmerinnen. Drei von uns traten die Heimreise an. Der Rest packte ein letztes Mal seine Sachen und wir fuhren in einem 10stündigen Gewaltritt ans Rote Meer, um endlich Urlaub zu machen. Wir schliefen viel, gingen Schnorcheln, aßen frisch gefangenen Fisch und schliefen eine Nacht unter freiem Himmel in den Bergen, um morgens den Sonnenaufgang zu sehen.

So endete das Sudan Tropical Exchange Project. Bei meiner Ankunft in Deutschland fühlte ich mich um mindestens zehn Jahre gealtert, aber auch um mindestens zehn Jahre reicher an Erfahrung – nicht nur medizinischer, sondern vor allem menschlicher Art. Ich würde dieses Programm jedem empfehlen, der Spaß am Lernen, Interesse an neuen Kulturen und Offenheit gegenüber anderen Lebensperspektiven hat. Ein starker Magen ist auch zu empfehlen. Obwohl mir selbst nichts passiert ist, lagen ein paar der TeilnehmerInnen für ein paar Tage mit Magen-Darm-Problemen flach. Aber auch dies hat deren Erfahrung sicherlich nicht geschmälert.
Nadja Kutschke

Berlin, Februar 2018

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2017

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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