Famulatur in Kolumbien – Gynäkologie und Geburtshilfe

13. April 2018

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Kolumbien, Medellín, Hospital General de Medellín (01.02.-28.02.2018)

Das Ziel meiner Famulatur: Die Gynäkologie und Geburtshilfe am Hospital General Medellín in Kolumbien. Es war eine sehr interessante Famulatur, ich habe viel gelernt, bin sehr froh, dass ich es gemacht habe, würde es jedem empfehlen und will auch mindestens die Hälfte meines PJs in Lateinamerika absolvieren!

Meine Wahl – Kolumbien!

Nachdem ich bereits eine Famulatur in einer chirurgischen Praxis in Jamaika gemacht hatte, wollte ich die Möglichkeit, eine Famulatur im Ausland zu absolvieren, auf jeden Fall noch einmal nutzen, dieses Mal allerdings in einem Krankenhaus. Zudem wollte ich meine Spanisch-Kenntnisse verbessern und eine spanischsprachige Famulatur machen, um es dann bei der PJ-Bewerbung in einem spanischsprachigen Land leichter zu haben. Zudem hatte ich die Erwartung, dass man in Lateinamerika mehr praktisches Wissen erwirbt, also mehr „machen darf“.

Entscheidung getroffen – die Bewerbung konnte beginnen

Auf dem Cerro de las Tres Cruzes mit Blick auf den Ort meiner Famulatur - Medellin in Kolumbien
Auf dem Cerro de las Tres Cruzes mit Blick auf den Ort meiner Famulatur – Medellin in Kolumbien

Auf der Suche nach Famulatur-Berichten im Internet war mir besonders ein Bericht eines Medizinstudenten aus Graz ins Auge gefallen, der sein Praktikum in Medellín, Kolumbien absolviert hatte. Da ich von Freunden, die dort gereist sind, nur Gutes über Kolumbien und insbesondere über Medellín gehört hatte und ich begeisterte Salsa-Tänzerin bin, war die Wahl eigentlich schon gefällt.

Es gibt mehrere Universitäten in Medellín, eine staatliche und ich glaube vier private. Ich hatte mich über die Universidad CES beworben, welche privat ist. Der Bewerbungsprozess war relativ einfach und gut erklärt auf der Website. Bei Fragen stand mir der für meine Bewerbung zuständige Ansprechpartner der Universität immer helfend via Mail zur Seite.

Benötigte Dokumente für den Bewerbungsprozess waren z.B. Empfehlungsschreiben, Motivationsschreiben, Impfbestätigungen, Passbild,…

Bis zur Zusage hat es etwa zwei Monate gedauert. Nach der Zusage muss man, zumindest wenn man so wie ich in der Gynäkologie und Geburtshilfe famuliert, noch einen Antikörper-Nachweis von Anti-HbS und Varizellen erbringen. Dies bekommt man erst nach der Zusage gesagt.

Erste Eindrücke und wichtige Infos zur Universidad CES

Blick vom Campus der Universidad CES auf Medellín
Blick vom Campus der Universidad CES auf Medellín

Der Anfang meiner Famulatur am Hospital General de Medellín verlief ein wenig chaotisch. Der Plan meines ersten Tages wurde am Tag zuvor komplett umgestellt und ich kam mir ein bisschen verloren vor, da ich keinen richtigen Ablaufplan hatte. Jeder probierte aber, mir so gut wie möglich zu helfen, weshalb ich im Endeffekt schon zurechtkam. Ich musste die Einführung mit den anderen Medizinstudenten mitmachen sowie die Hygienevorlesung. Danach fand noch eine Schulung des SAP-Systems statt, welches im Krankenhaus verwendet wird, und die man eigentlich nicht mitmachen muss. Da ich es aber nicht wusste, hatte ich mir diese noch angehört.

In der Bestätigungsmail für meine Famulatur stand als kleine Notiz dabei, dass ich einen Online-Test machen müsse, um das Praktikum zu starten. Dabei geht es um Vision, Mission, etc. des Hospitals. Man bekommt Material zum Durchlesen, alles online, und nach jedem Paket gibt es einen Test. Diesen darf man nur dreimal wiederholen, die Fragen ändern sich, und man muss 75 Prozent richtig haben. Bei drei Fragen bedeutet dies: Kein Fehler! Man sollte dies am besten nicht am letzten Abend machen, denn dieser Test kann nämlich schon ein bisschen länger dauern. Macht man dreimal einen Fehler, muss man eine Mail schreiben, damit der Test neu frei geschaltet wird.

Für die Famulatur muss man sich einen „Pyjama“, die Berufskleidung sind Kasack und Hose, der Universidad CES kaufen sowie einen Kittel. Dies geht an der Hauptuniversität im Viertel „Altos del Poblado“ und kostet umgerechnet etwa 40€. Den Kittel habe ich persönlich nicht gebraucht, aber das variiert von Station zu Station. Am besten orientiert man sich einfach an den anderen Studenten.

Die Universidad CES in Medellín verfügt über sehr viele Möglichkeiten: eine große Bibliothek, Lernräume, tolle Sportangebote, und gegen Bezahlung auch über ein Fitnessstudio. Ich persönlich hatte kaum Zeit, die Angebote zu nutzen; einmal habe ich es zum Yoga, einmal zum Volleyball geschafft. Die oben beschriebenen Angebote sind alle beim Hauptcampus der Universidad CES.

Ein weiterer wichtiger Punkt: über die Universidad CES kann man Famulaturen und sogar PJ Tertiale ohne „Convenio“ (Abkommen) zwischen den Universitäten machen, was relativ selten ist. Und zudem muss man nichts zahlen, obwohl es eigentlich eine private Universität ist.

Meine Famulatur in der Gynäkologie und Geburtshilfe in Medellín

Ausblick vom Hospital General de Medellín auf die Stadt
Ausblick vom Hospital General de Medellín auf die Stadt

Der Tag am Hospital General de Medellín startete morgens um 7:00 Uhr mit einer Stunde Weiterbildung. Hierbei wurden entweder Studien besprochen oder Präsentationen über gynäkologische Themen gehalten, teils mit Gruppenarbeiten. Manchmal gab es auch Vorträge von anderen Fachdisziplinen mit Bezug zur Gynäkologie und Geburtshilfe. Die „Residentes“, wie Assistenzärzte in Deutschland, werden dabei auch gerne abgefragt.

Um 8:00 Uhr geht es mit den anderen Medizinstudenten, die dort eine Art „Blockpraktikum“ machen, auf Station, wo die Patienten aufgeteilt werden. Man führt eine Anamnese durch, bestimmt RR-Werte, Puls, … Und dann sucht man sich einen freien PC, um die Laborparameter einzusehen und eventuelle Lücken in der Anamnese zu schließen. Im Anschluss stellt man die Patienten bei der Visite vor. Als ausländische Medizinstudentin hatte ich anfangs noch den Bonus, dass ich die ersten Male noch zuhören konnte, später habe ich auch selbst Patienten alleine vorgestellt.

Nach der Visite gab es manchmal Studentenkurse, bei denen man auch mitunter abgefragt wurde, aber alles ziemlich locker. Wenn man etwas nicht wusste, war es auch nicht schlimm. Alle waren sehr interessiert, offen und freundlich! Wenn es keinen Kurs gab, bin ich in einen der Räume der Universität gegangen, um dort für mich etwas zu lernen. Ich hatte mir ein Gynäkologie und Geburtshilfe Buch aufs Handy geladen und habe damit gelernt. Später im Verlauf meiner Famulatur war ich dann schon im Kreißsaal, um nichts Spannendes zu verpassen. Einige Male bin ich auch zum Ultraschall gegangen, was sehr spannend war und viel erklärt wurde.

Gegen 12:00 Uhr ging es dann zum Mittagessen, wofür man sich jeden Tag aufs Neue einen Coupon im Sekretariat der Universidad CES abholen konnte, das Mittagessen wurde also gestellt. Es gab neben der normalen Option auch immer eine „Opción saludable“, bei der man mehr Salat wählen konnte statt einer Portion Kohlenhydrate. Dies galt für Montag bis Donnerstag, am Freitag gab es diese Option nicht.

Nachmittags bin ich dann in den Kreißsaal gegangen und dort hat man oft gewartet, bis etwas passierte. In der Zeit dazwischen unterhielt man sich entweder mit den Ärzten, Schwestern und den anderen Medizinstudenten. Meistens war ein „Interno“, ein kolumbianischer PJler, schon vor Ort. Ich habe beigebracht bekommen, die Tastuntersuchungen der Schwangeren durchzuführen. Anfangs war ich passiv und später auch aktiv bei Geburten dabei. Man lernt das, was In Deutschland normalerweise das Hoheitsgebiet der Hebammen ist. Das Teaching war sehr gut und ich habe mich nie alleine gelassen oder überfordert gefühlt. Bei der etwa 8. Geburt, es war eine schlanke Frau Mitte dreißig, die ihr viertes Kind erwartete, war ich bei der Geburt alleine mit der Schwester. Die Ärztin kam erst zur Nachgeburt, aber selbst da fühlte ich mich gut angeleitet durch die Schwester und hatte die Schritte zuvor auch schon unter Aufsicht von Ärzten durchgeführt. Die Geburt verlief ohne jegliche Probleme, es musste noch nicht einmal etwas genäht werden.

Nähen dürfte ich unter Aufsicht bei meiner Famulatur übrigens auch. Zudem hilft man bei bürokratischen Angelegenheiten wie das „DANE“ ausfüllen, welches zur Registrierung der Neugeborenen dient.

Offiziell wurde mir gesagt, dass ich von 7:00-17:00 Uhr arbeiten würde und dies von Montag bis Freitag. Einige wenige Male, als gar nichts im Kreißsaal zu tun war, durfte ich auch etwas früher gehen. Normalerweise bin ich aber länger geblieben, wenn es etwas zu tun gab. Ich habe zudem auch eine Nachtschicht mitgemacht. Hierbei arbeitete man einen Tag bis 13:00 Uhr bzw. 14:00 Uhr mittags, dann hatte man etwas Freizeit und kam dann um 19:00 Uhr wieder ins Hospital. Um 7:00 Uhr morgens war dann die Schicht zu Ende. Dafür hat man diesen Tag dann frei bekommen. Es empfiehlt sich also, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag die Nachtschicht zu machen. Einfach ansprechen.

Der Leitspruch der Klinik ist: „con calidad y calidez“ – „mit Qualität und Herzlichkeit/Wärme“! Dies hat mir besonders gut gefallen! Das Arbeitsklima ist wirklich sehr angenehm: jeder hat Interesse daran, einem möglichst viel beizubringen, vom Blockpraktikanten, über „Internos“, Krankenschwestern, „Residentes“ bis zu den Chefärzten! Auch der Umgang untereinander von „Residentes“ zu Ober- und Chefärzten ist sehr angenehm.

Was mich manchmal innerlich zum wahnsinnig Werden gebracht hat, war die lateinamerikanische Ineffizienz und Langsamkeit. Außerdem einige Gegebenheiten rund um die Geburt. Es durfte die Frauen niemand bei der Geburt begleiten und nach der Geburt waren die Mütter nach wenigen Minuten Hautkontakt erst einmal teils mehr als eine Stunde von ihren Kindern getrennt, da in einem anderen Raum die Parameter bestimmt wurden etc. Daran wird aber auch gearbeitet. Ich war z.B. bei einer Diskussion zur humanisierten Geburt dabei. Wie überall im Land und im Krankenhaus merkte man, dass viel in Bewegung ist und verbessert wird.

Was mich ebenfalls etwas gestört hat, gerade aus Hygiene-Gründen, war, dass die Medizinstudenten die ganze Zeit ihre Arbeitskleidung anhaben, auch auf der Straße etc. Da dies aber ein gewisses Statussymbol ist, neben der Zeitersparnis des nicht umziehen Müssens, kriegt man das wohl eher nicht so schnell geändert.

Das Medizinstudium in Kolumbien

Das Medizinstudium in Kolumbien ist wie folgt aufgebaut: fünf Jahre Studium, dann ein Jahr PJ, daraufhin ein „Año Rural“, in dem man in einem Krankenhaus auf dem Land arbeitet. Wenn man es nicht schafft, bei einem Eingangstest für die staatlichen Universitäten unter die Besten zu kommen, kann man über eine private Universität Medizin studieren. Diese sind unterschiedlich teuer. Die Universidad CES kostet im Semester etwa 4.000€. Die staatlichen Universitäten sind meist besser als die privaten.

Das PJ ist unbezahlt. Das „Año Rural“ wird bezahlt. In Kolumbien kann man ohne Spezialisierung weiter als „Médico“ General arbeiten. Wenn man eine Facharztweiterbildung machen will, so dauert diese meist drei Jahre, diese muss aber meistens bezahlt werden, da man sie normalerweise über eine Universität macht. Zudem muss man eine Prüfung ähnlich unserem 2. StEx schreiben, in der man sehr gut abschneiden muss, um die Facharztweiterbildung antreten zu können.

In Kolumbien ist es so, dass die einzelnen Krankenhäuser unterschiedliche Spezialgebiete haben. Das Hospital General de Medellín ist ein Krankenhaus „del tercer nivel“, was bedeutet, dass dort auch schwierigere Fälle hinkommen. Auf meiner Station waren viele Patientinnen mit Präeklampsie, einige Zwillingsschwangerschaften und so gut wie keine gynäkologischen Fälle. Gynäkologische OPs werden auch kaum durchgeführt.

Das Leben in Medellín

Atemberaubender Blick vom Campus der Universidad CES bei Nacht auf Medellín
Atemberaubender Blick vom Campus der Universidad CES bei Nacht auf Medellín

Es gibt zwei mehr touristischere und sehr sichere Viertel in Medellín – „Laureles-Estadio“ und „El Poblado“. Ich habe in „El Poblado“ gewohnt bei einer Freundin, in der Nähe der „Avenida el Poblado“ (Carrera 43A). Dieses war ein super Ausgangspunkt, da ich, um zum Hospital General de Medellín zu kommen, so ziemlich jeden Bus nehmen konnte. Der Bus kostet 2.000 Pesos (etwa 70 Cent). Medellín hat außerdem ein Metro System. Die zwei nächsten Haltestellen zum Hospital sind „Industriales“ und „Exposiciones“.

Im „El Poblado“ gibt es viele schöne Cafés und Bars, am Wochenende außerdem viele Möglichkeiten, um auszugehen. Wer Salsa tanzen will, muss meistens woanders suchen, denn da gibt es mehr im Zentrum und in „Laureles-Estadio“. Die Taxis sind jedoch sehr günstig, außerdem wird viel „Uber“ benutzt, was nochmal günstiger ist. Ich habe beim Ausgehen immer nur Geld und eine Passkopie mitgenommen und mein Handy zu Hause gelassen. Ich hatte nie Probleme, was Sicherheit angeht, noch wurde mir etwas geklaut.

Mittwochs kann man gut ins Café „Zorba“ gehen, da gibt es stets leckere Pizza und mittwochs zudem Livemusik („El Poblado“). Donnerstags gibt es Salsa mit Live-Band im „Bolivar“ („El Poblado“) oder man fährt ins „Son Havana“ in „Laureles-Estadio“. Dort ist fast jeden Tag etwas los, es gibt öfter Live-Bands und die Atmosphäre ist sehr angenehm.

Freitags gibt es Salsa im „Cuchitril“ („El Poblado“), man kann wieder gut ins „Bolivar“, dort ist an diesem Wochentag aber dann eher „Reggaetonmusik“ und Latino-Pop, aber auch wieder „Son Havana“ für Salsa oder man sucht sich eine der vielen anderen Clubs in „El Poblado“ aus. Samstags gibt es auch eigentlich überall etwas. Ich war einmal im Zentrum im „El Eslablon Prendido“ mit Live-Band, sehr empfehlenswert.

Ausflüge, die ich von Medellín aus gemacht habe, waren nach „Guatapé“, „San Gerónimo“, „Santa Fé“ und nach „San Felix“ zum Fallschirmspringen mit Blick auf die Stadt. Zudem kann man schöne Ausflüge in der Stadt machen. So zum Beispiel auf den „Cerro de las Tres Cruces“, mit einer der Gondeln fahren, die schönste führt zum „Parque Arví“, zum „Parque Explora“, dem „Jardín Botánico“ oder zum „Museo el Castillo“.

Ein Fazit

Ausflug in die Natur nach Guatapé im Zentrum Kolumbiens
Ausflug in die Natur nach Guatapé im Zentrum Kolumbiens

Um meine Famulatur in der Gynäkologie und Geburtshilfe am Hospital General Medellín in Kolumbien zusammen zu fassen: Es war sehr interessant, ich habe viel gelernt, bin sehr froh, dass ich es gemacht habe, würde es jedem empfehlen und will auch mindestens die Hälfte meines PJs in Lateinamerika absolvieren! Arbeiten will ich aber später eindeutig in Europa.

Vor und nach der Famulatur bin ich noch durch Kolumbien gereist, insgesamt neun Wochen. Trotzdem habe ich viel von diesem Land immer noch nicht gesehen und muss auf jeden Fall wieder zurück.

Marie Barthel

Medellín/Kolumbien, März 2018

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2 Kommentare

  • Hallo Marie,

    Dein Bericht klingt echt super und ich bin auch grade dabei eine Famulatur in Medellin zu planen, stehe auch schon in Kontakt mit der Uni CES. Für die Bewerbung muss man ja Kontaktdaten der Leute die in der eigenen deutschen Uni für Austausch und so was zuständig sind angeben, jetzt gibt es aber bei mir eigentlich niemanden. Entweder die Leute organisieren sowas über den BVMD oder in Europa über Erasmus, doch ich plane das ja jetzt selbstständig. Wie hast du das gemacht und in wiefern war deine Uni in den Prozess eingebunden?

    Liebe Grüße
    Nicola

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