Famulatur in Irland – Notfallmedizin

7. März 2018

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Irland, Land, Notfallmedizin

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Irland, Dublin, St. Vincent’s University Hospital (06.09.-06.10.2017)

„Zwischen Husten und Hirnblutung“. Das Ziel meiner Auslandsfamulatur war das St. Vincent’s University Hospital in Dublin, genauer gesagt das Emergency Department an dieser Klinik. Dieses Universitätsklinikum des University College Dublin ist für seine gute Lehre bekannt, was sich in den vier Wochen meiner Famulatur für mich wirklich auch bestätigte.

Meine lehrreiche Famulatur in der Notaufnahme

Das Emergency Department am St. Vincent's University Hospital in Dublin
Das Emergency Department am St. Vincent’s University Hospital in Dublin

Die Patientin saß da auf ihrer Liege, die mitten in der überfüllten Notaufnahme des St. Vincent’s University Hospital in Dublin stand. Sie hatte ihre Beine etwas angezogen, ihre Hände verkrampften sich in dem schwarzen Anorak und ihr Blick war starr nach vorne gerichtet. Unter ihrer Jacke lugte ein buntes Shirt hervor, wahrscheinlich hatte sie es passend zu der gestreiften Strumpfhose herausgesucht. Mit dem Make-Up und dem Glitzer im Gesicht hätte sie gerade von einem Festival heimkommen können, aber nein. „Attempted suicide“, erklärte mir der Arzt und unterschrieb der Patientin eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Für die Notaufnahme am St. Vincent’s University Hospital, Universitätsklinikum des University College Dublin (UCD), in der ich im September 2017 meine ambulante Famulatur absolvierte, sind solche Fälle nichts Ungewöhnliches. Hier landen Menschen mit Problemen, von denen man ansonsten im besten Falle nur aus Arztserien erfährt.

Die große Analoguhr in der Zentrale des University Hospitals zeigte 10:15 Uhr an. Ich führte ein Anamnesegespräch bei einem Patienten, der offensichtlich unter Nierensteinen litt. „Sir, on a scale from zero to ten, how would you rate your pain right now”, fragte ich. „It’s definitely twenty“, presste der Patient zwischen zusammengekniffenen Zähnen hervor. Er brauchte Schmerzmittel, seine Frau starrte mich ungeduldig an und ich eilte, um einer Ärztin von dem Patienten zu berichten.

Während meines ganzen bisherigen Medizinstudiums hatte ich noch nie so viele Patienten mit verschiedenen Krankheitsbildern gesehen wie hier in meiner Famulatur in Dublin. Die Ärzte waren super nett, nahmen sich Zeit, um uns Studenten Dinge zu erklären und ließen uns viel machen. In meinen vier Wochen am St. Vincent’s University Hospital führte ich ein Anamnesegespräch nach dem anderen, stellte die Patienten anschließend dem Arzt vor und diskutierte mit ihm über meine Verdachtsdiagnose. Ich nahm Blut ab und legte Zugänge, durfte Wunden tackern, Katheter legen und bei allen interessanten Maßnahmen zuschauen. So lernte ich in dieser Zeit das ganze Patientenspektrum einer Notaufnahme kennen. Manche Menschen kamen wegen Kleinigkeiten zu uns und wollten lediglich Hustensaft oder Antibiotikum verschrieben bekommen, andere wurden vom Rettungsdienst in komatösen Zustand eingeliefert und hatten einen Herzinfarkt oder eine Hirnblutung.

Die Universitätsklinik des University College Dublin ist für ihre gute Lehre bekannt, was sich in dem Monat meiner Famulatur für mich bestätigte. Jeden Montag gab es drei Stunden „teaching“ für die Senior House Officer, die den deutschen Assistenzärzten entsprechen. An diesen Teachings durften Famulanten ebenfalls teilnehmen und so lernten wir im Simulationsraum die richtige Technik der Intubation, das Vorgehen bei einem akuten Asthmaanfall und das sterile Legen eines ZVKs. Mittwochs und donnerstags konnte man sich im Hörsaal theoretische Teachings in Vorlesungsform anhören. Der Arbeitstag eines Arztes im St. Vincent’s University Hospital begann um 8:00 Uhr und endete nicht vor 18:00 Uhr. Die Famulanten durften auch früher gehen, wenn sie wollten. Meistens blieb ich bis 16:00 Uhr, wenn viel los war, machte ich auch mal erst gegen 18:30 Uhr Feierabend.

Motivation und Bewerbungsweg für Irland

Ich wollte am St. Vincent’s University Hospital in Dublin in der Notaufnahme famulieren, um das irische Gesundheitssystem kennenzulernen und mein medizinisches Fachvokabular auf Englisch zu verbessern. Da die Klinik einen guten Ruf besitzt, ich aus anderen Famulatur Berichten viel Positives über die Notaufnahme gehört hatte und Dublin auch sonst einen Besuch wert war, ließ ich es auf einen Versuch ankommen und bewarb mich etwa acht Monate im Voraus direkt beim Leiter des Emergency Departments.

Nachdem ich die Zusage in der Tasche hatte, ging es ans weitere Organisieren.  Den Flug buchte ich günstig über die Airline „Transavia“.

Unterkunft und Finanzielles

Spazieren gehen am Liffey River in Dublin
Spazieren gehen am Liffey River in Dublin

Das Leben in Dublin ist vor allem wegen der Wohnsituation teuer, weshalb man sich frühzeitig darum kümmern sollte. Das St. Vincent’s University Hospital selbst stellte leider keine Zimmer zur Verfügung. Über „Homestay.com“, dem irischen Äquivalent zu „AirBnB“, kam ich schließlich bei einer netten Gastfamilie unter. Die Finanzierung meiner Famulatur wurde unter anderem durch ein Auslandsstipendium von Medizinernachwuchs.de und der Agenturen Sobe & Partner unterstützt.

In Dublin kommt man mit dem Bus so gut wie überall hin. Ich hatte mir dafür ein Studententicket geholt, die sogenannte „student leap card“. Diese Karte, die man mit Geld aufladen kann, hält man vor jeder Busfahrt einfach vor den Kartenleser, damit dieser den entsprechenden Betrag abbucht. Wenn man in Dublin ausschließlich Bus fährt, was für mich vollkommen ausgereicht hat, zahlt man so für den öffentlichen Transport pro Woche 20.- Euro. Zu den Bussen in Dublin ist es noch wichtig zu wissen, dass sie nur anhalten, wenn man am Straßenrand den Bus zu sich heranwinkt. An der Zielhaltestelle steigen die meisten Menschen an der vorderen Tür aus, um sich beim Busfahrer zu bedanken. Es gibt keine richtigen Fahrpläne an den Haltestellen. Wer wissen möchte, wann wo ein Bus kommt und wie man zum Ziel gelangt, sollte sich daher im Vorhinein die App „Dublin Bus“ herunterladen.

Das Leben in Irland

Cliffs of Moher - die berühmten Steilklippen und Drehort für Szenen aus Harry Potter
Cliffs of Moher – die berühmten Steilklippen und Drehort für Szenen aus Harry Potter

Dublin, die Hauptstadt Irlands, ist ein Touristenmagnet, insofern ist in der Stadt immer etwas los und es gibt viel zu sehen. In der Innenstadt tummeln sich Souvenirshops, Straßenmusiker und Essensstände aneinander. Nach Feierabend kann man zum Beispiel in einem Pub einkehren, an einem der Strände spazieren gehen oder eines der meist eintrittsfreien Museen besuchen.

An den Wochenenden habe ich größere Ausflüge unternommen und bin unter anderem nach Belfast gefahren, in die Hauptstadt Nordirlands. Mit dem „Aircoach-Express“ dauert die Busfahrt von der Innenstadt Dublins aus knappe zweieinhalb Stunden und kostet hin und zurück 20.- Euro. In Belfast, der Baustätte der „Titanic“, kann man unter anderem das berühmte „Titanic-Museum“ besichtigen, einen Abstecher in die angeblich schönste Bar der Welt machen und auf dem Gipfel des „Cavehill“ die wunderbare Sicht über Belfast genießen.

Ein weiteres Wochenende habe ich bei den „Cliffs of Moher“ verbracht. Die Steilklippen sind unter anderem als Drehort für Szenen aus „Harry Potter und der Halbblutprinz“ bekannt. Hier tummeln sich viele Touristen, welche die schmalen Pfade abwandern und Selfies über dem Abgrund ins Meer machen. Obwohl die Klippen auf der anderen Seite Irlands liegen, kommt man dort gut mit Zug und Bus hin.

Die Iren stechen durch ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft heraus. Wenn man sich begrüßt, schieben sie stets ein „How are you?“ hinterher und wenn man nach dem Weg fragt, helfen sie einem bereitwillig weiter.

Eine super Erfahrung!

Besuch in einem der typischen Souvenirshops in Dublin
Besuch in einem der typischen Souvenirshops in Dublin

Meine Famulatur in Dublin war rundum eine super Erfahrung, die ich gerne weiterempfehlen kann. Für die tolle Lehre und das Erlernen der praktischen Fertigkeiten am St. Vincent’s University Hospital, für fünf Wochen Leben in einer aufregenden Stadt und für die neu entstandenen Kontakte in dieser Zeit bin ich unendlich dankbar!

J. Wu

München, Oktober 2017

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2017

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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