Famulatur in den USA – Dermatologie

28. März 2018

in Chancen im Ausland, Dermatologie, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Land, USA

USA, Bay Area Kalifornien, Praxis für Dermatologie (01.09.-30.09.2017)

Es ist schwierig, eine Praxis in den USA zu finden, die Praktikanten aus dem Ausland annimmt, aber es war mein Ziel, eine Famulatur in der medizinischen und kosmetischen Dermatologie in einer Praxis in der Bay Area in Kalifornien zu absolvieren. Und es klappte! Die Famulatur war sehr bereichernd. Das amerikanische Gesundheitssystem ist in vielen Punkten fortschrittlich – hier werde ich mir viele Dinge für meine spätere Tätigkeit als Ärztin abschauen.

Mein Ziel – Kalifornien!

Die berühmte Stanford University in Kalifornien, eine der besten Universitäten der Welt
Die berühmte Stanford University in Kalifornien, eine der besten Universitäten der Welt

Seit ich denken kann, liebe ich fremde Sprachen, fremde Kulturen und das große Abenteuer einer Reise. Im Silicon Valley in Kalifornien sind die Firmensitze von Apple, Netflix, Google und Facebook. In Los Angeles ist die Wiege der modernen westlichen Filmindustrie. Stanford ist eine der besten Universitäten der Welt.

All diese Dinge haben mich überzeugt, diese Region unbedingt kennenlernen zu wollen – und zwar aus der Sicht eines US-Amerikaners, der sowohl mit den alltäglichen Problemen einer durch Sonne geschädigten Haut, als auch mit dem Wunsch nach ästhetischer Optimierung des eigenen Körpers in eine medizinische Praxis kommt. Ich wollte wissen, welche Ethik hinter einer rein kosmetischen Behandlung steckt, und wollte versuchen, diesen Wunsch nachvollziehen zu können.

Organisatorische Schritte

  • Ein Leuchtturm im Surfer Paradies Santa Cruz in Kalifornien
    Ein Leuchtturm im Surfer Paradies Santa Cruz in Kalifornien

    Bewerbung

Ich hatte ein halbes Jahr vor Beginn meiner Famulatur meine Bewerbungen losgeschickt. Es ist schwierig, eine Praxis in den USA zu finden, die Praktikanten aus dem Ausland annimmt. Man sollte für die Suche also etwas Geduld mitbringen.

  • Literaturempfehlungen

Reiseliteratur hatte ich keine dabei – Informationen bekommt man problemlos im Internet. Kostenloses WLAN gibt es an jeder Straßenecke in Kalifornien und die Beschilderung im Silicon Valley ist sehr gut. Um an meinem medizinischen Wortschatz zu arbeiten, hatte ich mich für das Taschenbuch „Englisch im klinischen Alltag“ von Müllauer und Hohenester entschieden. Für das Erstellen einer Bewerbung war es sehr hilfreich – vor Ort hat es mir nicht wirklich weitergeholfen, da für die einzelnen Fachdisziplinen jeweils nur etwa 30 Wörter aufgeführt sind. Als Fachliteratur empfehle ich den „Color Atlas and Synopsis of Clinical Dermatology“ von Fitzpatrick. Hier findet man für ca. 80$ alle relevanten Krankheitsbilder sehr gut erklärt und mit farbigen Bildern unterlegt.

  • Visum

Weil es ein unbezahltes Praktikum ohne Patientenverantwortung war, hat das Visa Waiver genügt.

(Anm.d.Red. Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

  • Versicherung

Es wurden keine Versicherungen gefordert. Für die USA sind aber sowohl eine Auslandskrankenversicherung als auch eine Berufshaftpflichtversicherung sehr zu empfehlen. Hierfür eignet sich das Auslandspaket „Easy Med Student Set“ der Agenturen Sobe und Partner, welches für einen sorglosen Auslandsaufenthalt einen sehr guten Rundum-Versicherungsschutz bietet.

  • Arbeitskleidung

In meiner Praxis in den USA wurde Businesskleidung getragen. Ich bin mit einem knielangen, schwarzen Rock und einer weißen Bluse zur Arbeit gegangen, und habe meinen Haaren und meinem Make-Up ein wenig mehr Aufmerksamkeit geschenkt als sonst, da darauf dort sehr geachtet wurde. Arztkittel wurden mir gestellt.

Die Praxis für Dermatologie

Der Patientenstamm in meiner Praxis für Dermatologie entsprach der unteren Oberschicht. Die Praxis selbst war aufgeteilt in drei Bereiche. Der erste Bereich beinhaltete drei Behandlungszimmer für Fragestellungen im Bereich „General Derm“. Hier fand die normale dermatologische Sprechstunde statt, und es wurden kleinere Eingriffe vorgenommen.

Der gemischte Bereich für weiterführende medizinische oder kosmetische Behandlungen war relativ groß und lag etwas versteckt. Es gab unterschiedlichste Laser für verschiedenste Anwendungsbereiche, außerdem Gerätschaften für Microneedling und non-invasive Kryolipolyse. Zudem gab es Räume für Behandlungen des inneren weiblichen Genitales, einen Raum für chirurgische Therapien maligner Hauttumoren sowie ein zugehöriges kleines Labor.

Der Flur für rein kosmetische Behandlungen war mit vier Zimmern und einem separaten Wartezimmer ausgestattet. Hier wurden Lippen aufgespritzt, Augenringe aufgefüllt, Stirnrunzeln mit Botox geglättet oder Kinne verlängert. Auch gab es hier die Möglichkeit, sich einer der möglichen Behandlungen gegen Haarausfall zu unterziehen.

Als Deutsche in einer amerikanischen Privatpraxis durfte ich leider nur wenig machen – ich habe also hauptsächlich assistiert. Oft entstanden kurze Pausen, in denen ich mit den Patienten allein im Behandlungsraum war und mich so im amerikanischen „Chit-Chat“ üben konnte. Glücklicherweise sind viele Krankheiten in der Dermatologie Blickdiagnosen, sodass ich mich immer ganz gut eingebunden gefühlt habe. Langweilig wurde mir selten. Ich durfte bei jedem der drei Mediziner der Praxis völlig unabhängig mitlaufen und mir die spannendsten Behandlungen aus dem Terminplan aussuchen. Ebenfalls konnte ich so viele Fragen stellen, wie ich wollte, und oft wurde ich auch zu spannenden Behandlungen dazu gerufen, damit ich nichts verpasste.

Die Praxis – ein Arbeitstag

Der Arbeitstag begann zwischen 9:00 Uhr und 11:00 Uhr mit dem Eintreffen der ersten Patienten. Morgens waren das zu gleichen Teilen Derma Patienten und Kosmetikpatienten, sodass ich beide Felder gut mitbekommen habe. In meiner Praxis wurde ein Patient als erstes einer Sprechstundenhilfe zugeteilt. Diese machte dann eine erste Anamnese und fotografierte die entsprechenden Hautauffälligkeiten. Mit diesen Informationen ging sie dann zu den Ärzten. Diese stellten dann hauptsächlich Diagnosen oder führten praktische Maßnahmen aus.

Um 12:00 Uhr gab es eine einstündige Mittagspause. Das Mittagessen wurde jeden Tag von einem anderen Pharmavertreter gesponsert, der uns neue Medikamente oder eine neue Behandlungsmethode angepriesen hat. Das Ganze lief trotz meiner anfänglichen Skepsis in sehr ungezwungener und angenehmer Atmosphäre ab. Wenn niemand angemeldet war, dann redeten wir in der Mittagspause über neue Marketingstrategien. Die Praxis war in diesem Bereich sehr aktiv – jede Woche wurde ein neues Video über neueste Behandlungsmöglichkeiten auf die Homepage geladen und auf den Fernsehbildschirmen, die überall hingen, liefen immer die selbstgedrehten hochprofessionellen Werbeshows. Der Nachmittag in der Praxis war geprägt von „General Derm“ Patienten. Um 17:00 Uhr bin ich dann wieder nach Hause gefahren.

Die Praxis – Fazit

Diese Praxis für Dermatologie hat ein riesiges Spektrum an Behandlungen angeboten. Ich bekam einen guten Einblick in die allgemeine Dermatologie und habe auch den Hauptteil meiner Famulatur in diesem Bereich abgeleistet. Zudem wurde ich in die kosmetische Dermatologie eingeführt, habe mein medizinisches Englisch verbessert und zudem viel über die amerikanische Kultur gelernt. Leider durfte ich nur wenige praktische Tätigkeiten ausführen.

Sehr inspiriert hat mich der Umgang mit den Patienten in meiner Praxis. Eine ruhige und freundliche Atmosphäre während der Sprechstunden war immer garantiert, sodass der Besuch für die Patienten so angenehm wie möglich gestaltet war. Das amerikanische Gesundheitssystem ist vor allem im Bereich der Arbeitsorganisation dem deutschen etwas voraus, was interessant zu sehen war.

Unterkunft und anfallende Kosten

Auf einem amerikanischen Jahrmarkt
Auf einem amerikanischen Jahrmarkt

Ich konnte bei meiner Schwägerin unterkommen, die mir lieberweise sogar ihr Auto zur Verfügung gestellt hatte. Der Normpreis für ein Appartement liegt pro Monat sicher bei 1.800€, die Kosten für ein Auto liegen bei etwa 500€.

Die Bay Area in Kalifornien ist sehr teuer. In Amerika braucht man unbedingt ein eigenes Auto, denn die Distanzen sind größer und der öffentliche Nahverkehr ist schlecht ausgebaut. Für den Flug hatte ich ca. 600€ gezahlt, dazu kamen ca. 600€ an laufenden Kosten. Hätte ich das Appartement und das Auto zahlen müssen, wäre ich auf etwa 3500€ für einen Monat Famulatur gekommen. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich für das Auslandsstipendium der Agenturen Sobe und Partner bedanken, die mich für mein Praktikum in den USA unterstützt haben!

Leben in Kalifornien

Die wunderschöne Halfmoon-Bay im US-Bundesstaat Kalifornien
Die wunderschöne Halfmoon-Bay im US-Bundesstaat Kalifornien

Die meisten Amerikaner, die ich während meiner Famulatur in den USA kennengelernt habe, hatten eine sehr positive und freundliche Ausstrahlung. Ich habe mich sofort sehr wohlgefühlt.

Auch was die Sicherheit betrifft, habe ich mich in der Bay Area sehr sicher gefühlt. Ein paar Dinge sollte man aber dennoch beachten. Gerade in den Sommermonaten herrscht eine hohe Waldbrandgefahr. Allein bei meiner An- und Abreise bin ich über insgesamt drei Waldbrände geflogen. Zudem besteht ein gewisses Erdbebenrisiko. Die meisten Einheimischen besitzen eine Notfalltasche und es gibt bestimmte Verhaltensregeln für den Notfall, mit denen man sich kurz auseinandergesetzt haben sollte.

Die Natur schien mir sehr viel wilder zu sein als in Europa. Ohne großes Suchen konnte ich während meines Aufenthalts Delfine, Wale, Kojoten, Eulen, Waschbären und eine schwarze Witwe sehen. In den nahegelegenen Bergen gibt es tausende Braunbären und auch der Berglöwe ist dort heimisch. Wenn man mit offenen Augen und mit ein wenig Vorsicht durchs Leben geht, sollte man aber keine Probleme haben.

Fazit

Blick auf die Golden Gate Bridge in San Francisco
Blick auf die Golden Gate Bridge in San Francisco

Meine Famulatur in der medizinischen und kosmetischen Dermatologie in der Bay Area in Kalifornien hat mir einen sehr spannenden Einblick in die Welt von reichen US-Amerikanern ermöglicht. Als Deutsche habe ich mich in den USA so willkommen gefühlt, als wäre ich keine Ausländerin, sondern gleichwertiger Teil der arbeitenden Bevölkerung.

Das amerikanische Gesundheitssystem ist in vielen Punkten fortschrittlich – hier werde ich mir viele Dinge für meine spätere Tätigkeit als Ärztin abschauen. Die Famulatur war sehr bereichernd und ich konnte nebenher noch mein medizinisches Vokabular erweitern. Diese Erfahrung möchte ich nicht missen und ich werde sicher irgendwann in die USA zurückkehren.

K., E.

Tübingen, Oktober 2017

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2017

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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1 Kommentar

  • Hallo liebe K.E.,
    wie du bin ich auch aus Tübingen und habe ebenfalls schon lange vor, in den USA zu famulieren!! Dieses Jahr kann ich kurzfristig für einen Urlaub hinreisen weswegen es sich sehr anbieten würde, das gleich mit einer Famulatur vor Ort zu verbinden! Hättest du denn noch connections od Tipps?? Wäre sehr dankbar?
    LG
    V.Kerber

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