PJ in Vietnam – Chirurgie

9. Februar 2018

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Fachgebiet, Land, Praktisches Jahr im Ausland, Vietnam

Vietnam, Ho Chi Minh City, Cho Ray Hospital (04.09.-24.12.2017)

Mein PJ-Tertial in Vietnam habe ich sehr genossen und unglaublich tolle Eindrücke gesammelt! Ich würde es für Medizinstudierende weiterempfehlen, die schon etwas Erfahrung im chirurgischen Bereich haben und sich bzgl. der Abläufe und Regeln in einem Operationssaal halbwegs sicher bewegen können. Auf Grund der vielfältigen Operationen, der z.T. weit fortgeschrittenen Erkrankungsstadien, in Europa selten vorkommenden Krankheitsbildern und dem großen Interesse an der Erprobung neuartiger Operationsmethoden ist die Chirurgie des Cho Ray Hospitals eine besondere Erfahrung!

Meine Entscheidung für Vietnam

Wie viele meiner Kommilitonen wollte ich im „Praktischen Jahr“ noch einmal die Gelegenheit nutzen, Auslandserfahrungen bzgl. anderer Gesundheitssysteme zu sammeln. Dabei rückte Vietnam in meinen Fokus, da ich in Berlin bereits mit Forschungsprojekten in deutsch-vietnamesischer Kooperation in Kontakt gekommen war und die kulturellen Unterschiede, auch bzgl. der Krankheitsverarbeitung, mich interessierten.

Das Cho Ray Hospital in Ho Chi Minh City wurde zu diesem Zeitpunkt bereits vom Landesprüfungsamt (LPA) anerkannt, sodass ich dieses Krankenhaus wegen der geringeren bürokratischen Hürden auswählte. Gleichzeitig ist es als großes Universitätsklinikum auch eines der bekanntesten und besten Krankenhäuser Vietnams. Das chirurgische Tertial erschien mir geeignet, da es weniger Kurven- und Stationsarbeit beinhaltet und daher die möglichen Probleme einer Sprachbarriere reduziert.

Der Bewerbungsprozess

Mögliche Departments am Cho Ray Hospital in Ho Chi Minh City
Mögliche Departments am Cho Ray Hospital in Ho Chi Minh City

Nach einer Online-Recherche konnte ich einen Ansprechpartner für das „Training Department“ des Cho Ray Hospitals, dem Lehrkrankenhaus der „University of Medicine and Pharmacy of Ho Chi Minh City“, identifizieren und schrieb dem Leiter dieses Departments eine E-Mail. Seine Antwort mit der Bitte um die benötigten Bewerbungsunterlagen inkl. des auszufüllenden Bewerbungsformulars ließ nicht lange auf sich warten. Die Unterlagen sollten offiziell drei Monate vor Beginn des Praktikums eingehen, man kann sich aber auch noch bis zu einen Monat vor Beginn des geplanten Zeitraums bewerben.

Nachdem ich diese Unterlagen auf Englisch zusammengestellt hatte, schickte ich das ausgefüllte Bewerbungsformular, meinen Lebenslauf, ein Empfehlungsschreiben meiner Universität, die Kopie des Reisepasses und den Scan eines Passfotos an den entsprechenden Ansprechpartner und erhielt kurze Zeit später eine Bestätigung sowie einen Informations-Flyer bzgl. der weiteren Organisation. Falls der E-Mail-Kontakt zwischenzeitlich abbrechen sollte, lohnt sich ein kurzer Anruf bei dem entsprechenden Ansprechpartner, denn ab und zu geht auch mal eine E-Mail in seinem vollen Postfach unter.

Wichtige Schritte bei der Vorbereitung

Unterwegs im Norden Vietnams
Unterwegs im Norden Vietnams

Man sollte sich zunächst über die mit einem Auslands-Tertial verbundenen Kosten im Klaren sein. Zwar sind die Lebenshaltungskosten in Asien aus unserer Perspektive gering, allerdings muss man Flüge, Unterkunft, aufgrund des kurzen Aufenthalts meist etwas teurer als der übliche Durchschnitt, und ggf. Praktikums-Gebühren einkalkulieren.

Wie ich dem Informations-Flyer entnehmen konnte, müssen ausländische Praktikanten aktuell eine Gebühr von 2.000.000 VND (ca. 73€) pro Woche zahlen – und dies vor Ort bei Ankunft; per Kreditkarte oder bar. Einen Hin- und Rückflug nach Vietnam kann man für 500-700€ finden, bzgl. der Unterkunft muss man sich je nach den eigenen Ansprüchen auf 200-300€ pro Monat einstellen. Aufgrund dieser für einen Studenten nicht unerheblichen Kosten informierte ich mich über mögliche Stipendien und stieß auf das Auslandsstipendium von Medizinernachwuchs.de, welches eine einmalige Förderung von 500€ beinhaltet. Erfreulicherweise war meine Bewerbung erfolgreich und ich konnte somit die finanzielle Belastung etwas reduzieren.

Ich würde im Allgemeinen dringend dazu raten, zumindest eine Haftpflicht- und eine Auslandskrankenversicherung für einen PJ-Aufenthalt in Vietnam abzuschließen und auch wirklich auf die Qualität der Auslandskrankenversicherung zu achten, z.B. Rücktransport nach Deutschland, da die Unfallrate in Vietnam einfach sehr hoch ist und man auch keine europäischen Sicherheitsstandards erwarten kann. Hier kann ich die in Kooperation von Medizinernachwuchs.de mit den Agenturen Sobe & Partner angebotenen Versicherungen aufrichtig empfehlen, denn sie sind günstig und qualitativ hochwertig.

Man sollte sich im Vorhinein auch über empfohlene Reiseimpfungen und ggf. eine Malaria-Reisemedikation informieren, z.B. beim Robert-Koch-Institut, sowie mit Mückenschutz,  Dengue-Fieber ist in Ho Chi Minh City verbreitet, und Sonnenschutz eindecken. Sonnencreme wird meist nur mit Hautbleichmitteln und zu hohen Preisen in Vietnam verkauft. „Damenhygieneartikel“ sollten aufgrund mangelnder Verfügbarkeit, kulturelle Unterschiede, mitgebracht werden. Ansonsten kann man in großen Supermärkten eigentlich die meisten Dinge zu günstigen, adäquaten Preisen kaufen.

Die aktuellen Bestimmungen für das benötigte Visum kann man auf der Seite der Vietnamesischen Botschaft in Berlin nachlesen und dieses persönlich oder postalisch beantragen. Die Bearbeitungszeit beträgt ca. eine Woche und man kann es für maximal für drei Monate (ca. 90€) mit „single entry“ oder „multiple entry“, falls man zwischendurch das Land verlässt, beantragen. Wenn man aufgrund eines ganzen Tertials ein 4-monatiges Visum benötigt, kann man vor Ort unkompliziert eine Verlängerung um weitere 30 Tage in einem Reisebüro beantragen (kostet bis zu 80 USD).

(Anm.d.Red. Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Leben und Wohnen in Ho Chi Minh City

Besuch einer der berühmten Pagoden in Vietnam
Besuch einer der berühmten Pagoden in Vietnam

Die Stadt Ho Chi Minh City, von Einheimischen meist immer noch „Saigon“ genannt, ist zentral in nummerierte Districts („Ph??ng“) und peripher in Stadtteile gegliedert. Das Cho Ray Hospital liegt z.B. im District 5. Für die Wohnungssuche bieten sich die an das Krankenhaus angrenzenden Districts 1 und 3 an, welche auch relativ modern und eher touristisch sind. Man kann sich hierfür bei Airbnb, in entsprechenden Facebook-Gruppen für „Expats“, nach einem Guest House, bieten meist Frühstück, Wäsche-Service, etc., umsehen. Wer sich bei einer „blinden“ Buchung aus Deutschland unwohl fühlt, kann natürlich auch zunächst ein Hotel beziehen und sich vor Ort persönlich auf die Suche begeben.

Airbnb: z.B. in District 3, Nguyen Dinh Chieu, Vermieter Ninh und Tan. Guest House: z.B. Ngoc Lan Hotel (191 C Nguyen Chi Thanh Str, District 5, Tel: 84 839573576) oder Phuong Ha Hotel (195 A Nguyen Chi Thanh Str, District 5, Tel: 84 838571522).

Innerhalb von Ho Chi Minh City empfiehlt es sich, die Handy-Apps „Uber“ und/oder „Grab“ zu nutzen und möglichst schon in Deutschland zu installieren, sonst ist „Grab“ auf Vietnamesisch. Sie bieten die Möglichkeit, Taxis oder Roller, mit Fahrer und immer ein kleines Abenteuer, zu günstigen und festgelegten Preisen zu buchen. Tagsüber sind die öffentlichen Busse, meist 05:00-22:00 Uhr, eine gute Alternative, um zum Cho Ray Hospital oder durch die Stadt zu kommen. Mit dem Studentenausweis vom Cho Ray Hospital zahlt man für eine Fahrt nur 2.000 VND (ca. 7 Cent), ohne den Ausweis 6.000-10.000 VND.

Hier empfiehlt sich zudem „Google Maps“ als Bus-Reiseplaner, sowohl um die Route zu planen, als auch die richtige Station zum Ausstieg zu finden. Anzeigen gibt es i.d.R. nicht und die Durchsagen sind nur auf Vietnamesisch. Es ist zwar auch möglich, selbst einen Motorroller zu erwerben, man sollte die eigenen Fahrkünste allerdings nicht überschätzen. Generell ist der Verkehr extrem chaotisch, unsere gewohnten Verkehrsregeln existieren schlichtweg nicht. Vor allem im Berufsverkehr platzen die Straßen aus allen Nähten und (schwere) Unfälle sind an der Tagesordnung.

Wie bereits erwähnt, kann man die Lebenshaltungskosten, abhängig von den eigenen Ansprüchen, vergleichsweise niedrig halten. „Street Food“ ist günstig und es wird eine gute Qualität angeboten – trotz des manchmal gewöhnungsbedürftigen Aussehens. Europäisches Essen und Importware, z.B. Käse, sind eher teuer. SIM-Karten sind günstig und leicht zu bekommen und die meisten Steckdosen sind kompatibel für europäische Stecker, man benötigt keinen Adapter.

Ho Chi Minh City ist eine sich rasant entwickelnde Stadt mit vielen Kontrasten und in dem kommunistischen Land eher eine „kapitalistische Insel“. Die Menschen in Vietnam sind sehr freundlich und zuvorkommend, aber auch höflich-distanziert, was man vor allem in den ländlicheren Gebieten spürt. Auch in einer solchen Millionen-Metropole wie Ho Chi Minh City muss man sich daran gewöhnen, als Europäer viel angeschaut zu werden und eine kleine „Attraktion“ zu sein. Dieses Interesse ist aber selten aufdringlich oder unangenehm und wenn man seinem Gegenüber ein Lächeln schenkt, bekommt man meist ein noch größeres Lächeln zurück.

Mein erster Tag am Cho Ray Hospital

Hygiene - Plakat einer europaweiten Kampagne für Händedesinfektion auch in Vietnam
Hygiene – Plakat einer europaweiten Kampagne für Händedesinfektion auch in Vietnam

Am ersten Tag soll man sich im Training Department (Hochhaus = Haus D, Etage 11) des „B?nh vi?n (= Krankenhaus) Ch? R?y“ vorstellen und die erforderlichen Unterlagen wie den Reisepass inkl. Visum und Pass-Kopien, die Zusage des Krankenhauses sowie die Originale der Empfehlung seiner Universität, den Lebenslauf und das eingesandte Passfoto sowie die Praktikums-Gebühr bzw. eine Kreditkarte mitbringen.

Aus einer Liste, mindestens zwei Wochen pro „Department“, erfahrungsgemäß sind je vier Wochen empfehlenswert, erfolgt danach die Auswahl der Abteilungen, welche man im Praktikumszeitraum sehen möchte. Man bekommt einen Kittel gestellt. Darunter trägt man eigene Kleidung, wobei man auf lange Hosen, Schultern-bedeckende Oberteile, Männer vorzugsweise mit Kragen, z.B. Hemd oder Polo, und geschlossene Schuhe achten sollte. Nach der Bezahlung der Praktikums-Gebühr wird man in seinem ersten Department vorgestellt.

Das Cho Ray Hospital in Ho Chi Minh City

Das überfüllte Wartezimmer außen des Cho Ray Hospitals in Ho Chi Minh City in Vietnam
Das überfüllte Wartezimmer außen des Cho Ray Hospitals in Ho Chi Minh City in Vietnam

In Ho Chi Minh City gibt es viele kleinere Bezirkskrankenhäuser und eben das Cho Ray Hospital, das öffentliche Universitätsklinikum, das zur „University of Medicine and Pharmacy of Ho Chi Minh City“ gehört und welches aber auch die südlichen Provinzen Vietnams abdeckt. Die vietnamesischen Patienten warten oft sehr lange, bis sie mit einer Erkrankung tatsächlich das Krankenhaus aufsuchen und möchten dann aber oft die „beste“ Behandlung (Cho Ray Hospital) haben. Daher ist es generell sehr voll und die Eingangshallen quellen morgens über.

Es kommt noch hinzu, dass im Allgemeinen die ganze Familie mit ins Krankenhaus und nach Aufnahme auch mit auf die Station kommt, um eine Versorgung des Verwandten mit allem Nötigen sicherzustellen. Auf den Stationen sieht man häufig Betten auf dem Gang, da die Patientenzimmer nicht ausreichen und vereinzelt müssen sich Patienten auch Betten teilen. Abhängig von der Station werden bis zu 150 Patienten von ca. 15 Ärzten versorgt. Desinfektionsmittel sind nicht in der uns bekannten Weise zugänglich und daher sollte man sich einen kleinen Vorrat für die Kitteltasche zulegen. All diese Umstände sind zu Beginn ziemlich gewöhnungsbedürftig.

Tagesablauf und Erfahrungen beim PJ in der Chirurgie

Eine der Stationen am Cho Ray Hospital in Ho Chi Minh City
Eine der Stationen am Cho Ray Hospital in Ho Chi Minh City

In den jeweiligen „Departments“ wird man als ausländischer Medizinstudent einem Betreuer zugeteilt und trifft diesen meist morgens bei der Frühbesprechung, abhängig von der Abteilung um ca. 7:00 Uhr bzw. 7:30 Uhr, welche manchmal auch stellenweise von einem bemühten Arzt auf Englisch übersetzt wird.

Nach einer Frühstückpause mit dem Nationalgericht „Pho“ starteten die ersten Operationen gegen 8:30 Uhr. Grundsätzlich fokussiert sich das Arbeitsgebiet als ausländischer Medizinstudent wegen der Sprachbarriere, v.a. bzgl. Pflegepersonal und Patienten, auf den OP-Bereich. Die Englisch-Kenntnisse und der Kommunikationswille der Ärzte sind heterogen. Einige sprechen gutes Englisch, z.T. aber mit gewöhnungsbedürftiger Aussprache, und freuen sich über eine Möglichkeit, die Sprache zu üben, Studenten etwas zu erklären und sich auszutauschen. Hierbei ist erwähnenswert, dass das Bildungssystem in Vietnam stark unterfinanziert ist, auch wenn sich aktuell eine Tendenz zum Wandel abzeichnet, und die Sprache in den Schulen bisher eher gelesen und geschrieben und weniger gesprochen wurde, da sie hauptsächlich von Einheimischen mit ebenfalls begrenzten sprachlichen Fähigkeiten unterrichtet wurde.

Im OP-Trakt des Cho Ray Hospitals muss man sich erst zurechtfinden. Am Eingang trägt man sich für einen Schließfach-Schlüssel der jeweiligen Umkleide ein, die OP-Kleidung wird gestellt. Es ist übrigens keine Seltenheit, dass man in der Dusche der OP-Umkleide auch Personal entdeckt, dass hier den Salat für die Kantine wäscht. Dann holt man sich, wie gewohnt, Mundschutz und Haube und muss ein Stück weiter noch die eigenen Schuhe mit Stoff-Überziehern bedecken.

Eine richtige Patientenschleuse gibt es nicht. Es finden im Durchschnitt zwei Operationen gleichzeitig pro Saal statt und es ist durchaus üblich, dass sich die Ärzte und Medizinstudenten in Zweierreihen um den OP-Tisch tummeln. Je nach Betreuer bzw. Operateur wird man zum Assistieren aufgefordert oder muss sich selbst vorsichtig versuchen einzubringen. Es lohnt sich, möglichst früh vor OP-Beginn im Saal zu sein und sich vorzustellen. Da sich vormittags meist mehr Studenten und Assistenten im OP aufhalten, kann man nach Absprache auch an ein paar Tagen nachmittags kommen. Aber auch durch das Beobachten, viele Operationen finden minimalinvasiv statt, und die Erklärungen der Ärzte kann man Vieles lernen. Die Zuständigkeiten der Abteilungen sind für Außenstehende nicht immer ganz nachvollziehbar, so ist z.B. die „Digestive Surgery“ auch für Brustkrebs-OPs und die „Hepato-Biliary-Surgery“ auch für Schilddrüsen-OPs zuständig, aber man gewöhnt sich schnell daran.

Die Verbrennungs- bzw. Plastische Chirurgie liegt in einem anderen Gebäude des Cho Ray Hospital und hat somit auch einen eigenen, kleinen OP-Trakt, der räumlich direkt an die Station angeschlossen ist. Fast alle Ärzte sprechen in diesem Department gutes Englisch, man hat häufig die Möglichkeit zu assistieren und es wird viel erklärt, des Öfteren auch im Rahmen von Bedside-Teaching. Einmal wöchentlich findet eine große Visite der gesamten Station und der dazugehörigen Intensiv-Station statt. Von den insgesamt ca. 50 – oft jungen – Patienten auf der Station sind die meisten Verbrennungsopfer, die einen Starkstrom- oder Arbeitsunfall erlitten haben. Es gibt auch viele Missbrauchsfälle und häufig ist der Grund für die Verletzungen auch schlichtweg unbekannt. Die einzelnen Schicksale der Patienten sind z.T. schwer zu ertragen und man sieht Vieles, das man glücklicher Weise in Deutschland nie bzw. nur sehr selten zu sehen bekommt.

Da die Verbrennungschirurgie oder auch die Neurochirurgie eher kleine Abteilungen sind und man sich schnell gegenseitig auf den Füßen steht, sollte man sich bzgl. der Rotationen mit den anderen Praktikanten, die man im Verlauf kennenlernt, möglichst frühzeitig absprechen, um bei Bedarf ggf. noch die Zeiträume in Absprache mit dem „Training Department“ anzupassen.

Nach den ersten Operationen gibt es meist eine Mittagspause, bei der man sich in einer der Kantinen, inkl. etwas Rätselratens über die vietnamesisch benannten Gerichte, stärken kann. Generell ist es eher ratsam, sich an versiegelte Getränke zu halten, aber man kann, je nach persönlicher Konstitution, auch  die angebotenen Getränkespender oder Eiswürfel nutzen, da in den Städten auch Einheimische nur abgekochtes Wasser trinken. Manche Ärzte machen auch einen kurzen Mittagsschlaf, es scheint allerdings nur Betten für männliche Ärzte zu geben.

Nach der Mittagspause kann man sich je nach Programm wieder im OP einfinden oder wird auch manchmal etwas früher nach Hause geschickt. Es besteht nach Absprache die Möglichkeit, auch Dienste mitzumachen und damit auch die akuten Fälle zu sehen, so z.B. in der Orthopädie. Es ist allerdings in diesem Fall eher ratsam, dann nur bis Mitternacht o.ä. zu bleiben und zu Hause zu schlafen.

Während jeder Rotation sollte man auf einem vom „Training Department“ zur Verfügung gestellten Vordruck stichpunktartig notieren, welche Operationen und Tätigkeiten Inhalt der eigenen Rotation waren und diesen Zettel am Schluss von seinem Betreuer, der auch ein kleines Feedback hinzufügen muss, unterschreiben lassen! Diese Zettel sind obligatorisch und letztendlich Grundlage für das Praktikumszeugnis!

Für den PJ-Nachweis des Landesprüfungsamtes (LPA) muss man, je nach lokalen Vorgaben, einen Stempel der „University of Medicine and Pharmacy of Ho Chi Minh City“, Abteilung für ausländische Medizinstudierende, zu der das Cho Ray Hospital gehört, vorweisen, welche sich fußläufig vom Krankenhaus befindet. Das „Training Department“ hat hierfür auch eine Wegbeschreibung parat. Den meist ebenfalls benötigten Stempel des Hospitals erhält man am Schluss des Praktikums. Man sollte beachten, dass beispielsweise für das LPA in Berlin eine beglaubigte Übersetzung der Stempel zur Anerkennung nötig ist.

Spannende Ausflüge in Vietnam

Blick auf die Verbotene Stadt, Kaiserstadt, in Hue in Vietnam
Blick auf die Verbotene Stadt, Kaiserstadt, in Hue in Vietnam

Vietnam ist ein landschaftlich und kulturell äußerst vielfältiges Land. Tropische Waldgebiete, Strände, kühle Bergregionen, atemberaubende Buchten sowie die Gegensätze der Millionenmetropolen und des Landlebens machen das Reisen sehr spannend. Zusätzlich leben auch viele Minderheiten mit z.T. sehr unterschiedlichen Kulturen in diesem Land.

Da die Arbeitszeiten im Zuge des Praktikums sich i.d.R. auf Montag bis Freitag beziehen, kann man an den Wochenenden die Stadt Ho Chi Minh City, deren Umgebung oder andere Teile des Landes besichtigen. In Absprache mit der jeweiligen Abteilung kann man auch Unternehmungen, die ggf. eines verlängerten Wochenendes bedürfen, planen – z.B. durch vorherige Wochenenddienste. Hier sollte man einfach auf die Betreuer und Abteilungsleiter zugehen und individuelle Absprachen treffen, da diese es meist auch unterstützen, dass man ihr Heimatland auch außerhalb der Stadt kennenlernt.

Zwischen den Städten fahren komfortable Schlafbusse, z.B. das Unternehmen „FUTA“, und Züge bzw. Tickets lassen sich am Bahnhof, aber auch online auf www.baolau.com oder www.12go.asia erwerben.

Bei großen Entfernungen spart man mit dem Flugzeug viel Zeit, „Jetstar Pacific“ ist i.d.R. am günstigsten. Es empfiehlt sich eine möglichst frühe Buchung.

In kleineren Städten in Vietnam gibt es in der Regel kein „Uber“ oder „Grab“. Hier sollte man dann – wenn möglich – auf die großen Taxiunternehmen wie „VinaSun“ oder „Minh“ zurückgreifen und auf ein Taximeter bestehen!

Mein Fazit

Bootstour im Mekong Delta im Süden Vietnams - eine ganz besondere Erfahrung
Bootstour im Mekong Delta im Süden Vietnams – eine ganz besondere Erfahrung

Mein PJ-Tertial in Vietnam habe ich sehr genossen und unglaublich tolle Eindrücke gesammelt!

Ich würde es für Medizinstudierende weiterempfehlen, die schon etwas Erfahrung im chirurgischen Bereich haben und sich bzgl. der Abläufe und Regeln in einem Operationssaal halbwegs sicher bewegen können. Auf Grund der vielfältigen Operationen, der z.T. weit fortgeschrittenen Erkrankungsstadien, in Europa selten vorkommenden Krankheitsbildern und dem großen Interesse an der Erprobung neuartiger Operationsmethoden ist die Chirurgie des Cho Ray Hospitals eine besondere Erfahrung!

Wenn jemand das PJ-Tertial allerdings als Vorbereitung im Hinblick auf eine Bewerbung als chirurgischer Assistenzarzt nutzen möchte, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die Techniken und Vorgehensweisen teilweise stark differieren.

In die Bereiche der Diagnostik und konservativen Behandlung kann man aufgrund der sprachlichen Barriere leider keinen Einblick erhalten. Aus diesen Gründen kann man auch ein halbiertes Tertial in Betracht ziehen, obwohl sich aus meiner Sicht der organisatorische Aufwand eher für einen längeren Zeitraum lohnt und man innerhalb von „nur“ zwei Monaten ggf. weniger tiefgehende Eindrücke gewinnt.

In Vietnam setzt man sich definitiv einer sehr ungewohnten Umgebung aus und sollte daher etwas Abenteuerlust mitbringen und auch extrovertiert sein können. Die unglaublich freundlichen Begegnungen sowie die vielen kleinen Abenteuer des Alltags haben mein PJ-Tertial in Vietnam so besonders und bereichernd gemacht!

J., J.

Berlin, Februar 2018

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2017

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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