Famulatur im Sudan – Notfallmedizin und Chirurgie

2. Februar 2018

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Land, Notfallmedizin, Sudan

Sudan, Khartoum, Omdurman Teaching Hospital (01.03.-01.04.2017)

Schon während der Vorbereitung war ich aufgeregt und gespannt, in so ein anderes, exotisches Land zu fahren. Obwohl die Hitze und die sehr unterschiedliche Kultur mir Anfangs einiges abverlangt haben, wurden meine Erwartungen bei Weitem übertroffen. Besonders beeindruckt haben mich die Menschen und ihre Gastfreundschaft! Und was ich in der Notfallmedizin und in der Chirurgie am Omdurman Teaching Hospital in Khartoum erlebt habe, lässt sich schwer in ein paar Zeilen beschreiben.

Entscheidung für eine Famulatur im Sudan und Bewerbung

Das Omdurman Teaching Hospital in Khartoum - Sudan
Das Omdurman Teaching Hospital in Khartoum – Sudan

Der Entschluss in den Sudan zu fahren, kam für mich eher aus einer spontanen Idee heraus statt aus einer fundierten Überlegung. Den letzten Sommer hatte ich als Rucksackreisender in Peru verbracht und viel Armut, mangelnde Hygiene und Infektionskrankheiten gesehen, die wir sonst nur aus dem Lehrbuch kennen. Kurzerhand entschloss ich mich zu recherchieren, ob es die Möglichkeit gibt, eine Famulatur in der Tropenmedizin eines Dritte Welt Landes zu absolvieren. Nach kurzer Recherche stieß ich auf die Vergabe der Restplätze des bvmd, der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V., und siehe da, ein Restplatz für eine Famulatur im Sudan war noch zu vergeben.

Nach der Kontaktaufnahme und Einreichung der notwendigen Dokumente bekam ich auch innerhalb weniger Tage eine vorläufige Zusage für den Restplatz. Von da an, sollte ich acht Wochen warten, bis die endgültige Zusage eintrifft und ich sowohl das Visum beantragen als auch die Flüge buchen kann. Leider kam es durch bürokratische Schwierigkeiten zu einer Verzögerung, sodass ich die finale Zusage erst drei Wochen vor der eigentlichen Abreise erhielt. Dies führte leider zu etwas zusätzlichem Stress, da sowohl die Beantragung des Visums als auch die Vorbereitung etwas Zeit in Anspruch nahm und ich zu diesem Zeitpunkt nach den Prüfungen für zwei Wochen in Israel bei Freunden zu Besuch war, was mich später vor unerwartete Probleme stellte.

Als ich meinen Freunden und meiner Familie von meinen Plänen erzählte, war die Reaktion sehr gespalten. Die einen freuten sich für mich, bei den allermeisten jedoch überwogen Zweifel und Bedenken bezüglich der Sicherheitsfrage und der kriegerischen Konflikte. Dazu möchte ich gerne sagen, dass diese Bedenken unbegründet waren. Ich habe mich zu jedem Zeitpunkt der Famulatur sicher gefühlt und die Menschen haben mich mit einer Herzlichkeit und Freude aufgenommen, die ich sonst noch nicht erlebt habe.

Visum

Um ein Visum für einen Aufenthalt im Sudan zu erhalten, benötigt man ein Einladungsschreiben aus eben diesem Land. Die Gebühr beträgt 45 Euro und dauert in der Regel 2-3 Wochen. Die Dokumente, welche einzureichen sind, können zwar auf der Internetseite der Botschaft eingesehen werden, decken sich aber nicht immer mit dem, was auch wirklich benötigt wird. Ich empfehle, mit der Sudanesischen Botschaft telefonisch in Kontakt zu bleiben und zur Abholung persönlich vorbei zu kommen…. – weil mein Visum z.B. in einen falschen Reisepass geklebt wurde.

Zusätzliche Probleme hatte ich leider, da ich mich zu der Zeit in Israel befand und die Sudanesen kein Visum erteilen, falls sich ein israelischer Stempel im Pass befindet. Dies ist normalerweise kein Problem, da die Israelis keine Stempel mehr eintragen, sondern nur Visa auf extra Papier vergeben. Leider bekam der Botschafter meinen Aufenthalt mit, weshalb ich extra zur Botschaft kommen musste, um meinen Reisepass zu zeigen. Als er keinen israelischen Stempel fand und ich sagte, dass es sich um ein Missverständnis handelte, wurde mir, allerdings erst zwei Tage vor meinem Abflug, das Visum noch ausgestellt.

Gesundheit

Nähbesteck
Nähbesteck

Die Hygiene des Landes ist weit unter dem Durchschnitt von dem, was wir in Deutschland gewohnt sind. Kein Klopapier, Essen mit Händen, im Krankenhaus kein Sterilium (stattdessen Seife), ein Wasserbecher für sehr viele Personen. Offene Tbc Patienten ohne Masken und Auswurf machen einem manchmal mental zu schaffen. Aus Deutschland hatte ich nur etwas Ibuprofen und Mittel gegen Reisedurchfall mitgenommen, da ich davon ausging, im Notfall hier alles in den Apotheken zu bekommen. Dies ist auch der Fall, allerdings sind die Sachen sehr teuer und oft schlecht gelagert. Ich habe mich komplett dem Lebensstil der Sudanesen angepasst und keine Probleme gehabt; wobei ich mich manchmal frage, wie das eigentlich sein kann…

Wer hier unterwegs ist, braucht, was Hygiene angeht, ein dickes Fell, oder ich empfehle, Sachen aus Deutschland mitzunehmen.

Khartoum gilt als Malaria frei, weswegen ich mir nur Stand-by Medikamente mitgenommen hatte. Allerdings empfehle ich ein Moskitonetz für das Bett und auf jeden Fall Sonnenschutz. Ich habe Hauttyp 2 und definitiv mit der Sonne und Hitze am meisten Probleme gehabt.

Sicherheitsaspekte

Obwohl man als Europäer bestimmt am meisten Bedenken in puncto Sicherheit hat, habe ich definitiv keine negativen Erfahrungen gemacht. Am Anfang fühlt man sich etwas unwohl, wenn man die Straße entlang läuft, da viele Ortsteile so aussehen wie Stadtteile in Deutschland, die wir mit „Kriminalität“ assoziieren. Wenn man sich daran gewöhnt, die Menschen akzeptiert und respektiert, ihnen zuhört und nicht als „arroganter Weißer“ auftritt, hat man nichts zu befürchten. Im Gegenteil, die Menschen helfen einem, so gut sie können und ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich spontan angesprochen und eingeladen wurde…

Da der Sudan ein muslimisches Land ist, ist es wichtig, sich angemessen zu kleiden. Eine lange Hose, T-Shirt und normale Sportschuhe sind allerdings ausreichend. Nur vor den Polizisten sollte man eine gesunde Skepsis wahren. Lasst sie nicht mit Euren Pässen weglaufen!

Finanzielle Aspekte

Außer meiner Kreditkarte, v-Pay Geldkarte und 50 Euro in der Tasche bin ich ohne Geld nach Khartoum gekommen. Auf der Internetseite der IFMSA (International Federation of Medical Students‘ Associations) konnte ich sehen, dass ich ein Taschengeld von ca. 450 Euro erhalten werde. In einem so günstigen Land wie dem Sudan, dachte ich mir, sollte dies reichen.

Nach meiner Ankunft habe ich dieses Geld allerdings nicht in einer Zahlung erhalten. Meine Kontaktpersonen haben sich um alles gekümmert, meinen Einkauf, Essen und Fortbewegung für mich bezahlt und mir ein Taschengeld von umgerechnet 7-10 Euro am Tag ausgezahlt. Das hat fast immer gereicht, da man auch ständig eingeladen wird. Allerdings habe ich im späteren Verlauf meiner Famulatur noch einmal Geld umgetauscht, um Souvenirs etc. zu bezahlen. Ich empfehle, dies mit einem Studenten auf dem „Schwarzmarkt“ zu machen. Der offizielle Kurs ist 1 zu 7, der reale 1 zu 18.

Sprache und Literatur

Traditionelle Kaffee Runde im Sudan
Traditionelle Kaffee Runde im Sudan

Die jungen Studenten und meine Kontaktpersonen konnten ausnahmslos sehr gutes Englisch sprechen. Auch im Krankenhaus wurde, zu meiner Verwunderung, in den Seminaren, am Krankenbett und in den Vorlesungen hauptsächlich Englisch gesprochen, obwohl die Amtssprache Arabisch ist.

Bei der Kommunikation mit den Patienten und im Alltag bietet es sich auf jeden Fall an, etwas arabisch zu lernen. Aus Deutschland hatte ich mir ein Arabisch Lehrbuch aus der Bibliothek mitgenommen und in einem kleinen Notizbuch die wichtigsten Redewendungen, Wörter und Anweisungen notiert. Dies hat mir die Möglichkeit gegeben, nach einiger Zeit durchaus selbstständig die Verkehrsmittel zu nutzen, einzukaufen, Essen zu bestellen und mit Patienten zu kommunizieren.

Außerdem freuen sich die Sudanesen riesig, wenn man versucht, sich in gebrochenem Arabisch zu unterhalten, oder man auf Arabisch einen Kaffee bestellt. Nach meiner Erfahrung ist das Lernen der Landessprache eine Form von Respekt und die Sudanesen danken es einem mit Geschenken, Einladungen und tollen Gesprächen. Außerdem ist es ziemlich cool, ein wenig von dieser fremden Sprache lesen oder verstehen zu können.

Von den einschlägigen Verlagen sind keine Reiseführer für den Sudan erschienen, allerdings gibt es ein kleines Buch vom Bradt-Verlag, welches ich sehr empfehlen kann. Es beschreibt in groben Zügen die Geschichte und Kultur des Landes, Sehenswürdigkeiten und man kann die letzten Seiten mit nützlichen Vokabeln zum Einstieg in die Sprache nutzen. Für Politikinteressierte gibt es noch das Buch „Krieg im Land des Mahadi“ über den Zerfall des Sudan. Ein sehr zu empfehlendes Buch.

Des Weiteren hatte ich mir aus der Uni Bibliothek ein Buch zum Arabisch lernen ausgeliehen, welches ich, mehr oder weniger erfolgreich, in meiner Zeit versucht habe, durchzuarbeiten.

Festes Schuhwerk, Wasserfilter (Lifestraw), Handtuch, Ohrstöpsel, Besteck, Taschenmesser, Schlafsack, Laptop, Schreibzeug, Notizbuch, Pupillenleuchte, Reflexhammer, Desinfektionsmittel, Hut und ein Tuch für die Sonne sind die Sachen, die mit am meisten genützt haben.

Wohnen in Khartoum

Typische Verkehrssituation im Sudan
Typische Verkehrssituation im Sudan

Außer am ersten Tag, wurde für mich eine sehr schöne Unterkunft in einer guten Wohngegend bereitgestellt. Es gab einen Kühlschrank, Wohnzimmer, einen kleinen Vorhof, Bad und Küche. An und für sich sehr einfach gehalten, aber ich hatte wesentlich mehr Platz zur Verfügung als in meiner Wohnung in Deutschland. Hin und wieder war zu meiner Verblüffung die Elektrizität „alle“ und man musste zum Laden nebenan, um wie bei einer Prepaid-Karte Strom zu kaufen. Oder das Wasser fehlte für ein paar Tage. Da musste man dann improvisieren. Außerdem empfehle ich, einen dünnen Schlafsack mitzunehmen.

Der Straßenverkehr im Sudan ist ein reinstes Abenteuer. Von einem berittenen Esel bis zum „Tuk-Tuk“ (Dreirad), über total gedrängte und schmutzige Minibusse bis zu modernen Überlandbussen kann man alles finden. Die erste Zeit wurde ich noch regelmäßig von meinen Kontaktpersonen morgens abgeholt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Universität gebracht und nachmittags/abends nach einem „social program“ nach Hause begleitet.

Später war es möglich, auch alleine zur Universität zu fahren, allerdings war ich immer froh, wenn mich abends jemand begleitete, da die Busse in Khartoum an verschiedenen, nicht ausgeschilderten Stellen abfahren und die Fahrer fast nur arabisch sprechen.

Entgegen meinen Erwartungen war Internet, Telefon und Kommunikation überhaupt gar kein Problem. Kurz nach meiner Ankunft gaben mir meine Kontaktpersonen eine Sim-Karte, ich von da an alle notwendigen Nummern einspeicherte und regelmäßig mit den Leuten und Ärzten, die ich traf, in Kontakt bleiben konnte. Regelmäßige Rücksprachen und Telefonate sind notwendig, da sich viele Ereignisse und Vorgänge erst kurzfristig spontan ergeben oder sich im Vorhinein geplante nicht ergeben. Internet Guthaben konnte man regelmäßig aufladen und dann hatte man pro Tag 25 MB zur Verfügung, was für WhatsApp und Facebook ausreichte.

Reise und Ankunft

Meine Flüge nach Khartoum gingen, sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückflug, über Istanbul. Diese Möglichkeit nahm ich war, um die Flüge so zu buchen, dass ich auf meiner Hinreise einen extra Tag in Istanbul hatte, um die Stadt zu besichtigen und alte Freunde zu treffen, die hier gerade  Erasmus machen.

Bei meiner Ankunft um halb vier nachts in Khartoum wurde ich gleich von einer Person angesprochen, ob ich Johannes sei. Als ich dies bejahte, stellten sich mir sogleich fünf junge Männer vor, die gleich alle Selfies mit mir machen wollten und mir dutzende Fragen stellten. Wir fuhren zu meiner Unterkunft, wo ich Hygieneartikel, Sim-Karte, Essen usw. bekam und verbrachten den ersten Tag mit der Besichtigung des Krankenhauses, der Universität und einem Bootstrip auf dem Nil. Ich war total überwältigt von der sudanesischen Willkommenskultur und freute mich auf die kommende Zeit.

Meine Famulatur im Sudan

Überwachung in der Notaufnahme
Überwachung in der Notaufnahme

Obwohl ich mich für eine Famulatur in der Tropenmedizin beworben hatte, stellte sich heraus, dass  dies leider nur teilweise möglich sein wird. Auf Grund einer Umstrukturierung wurde just in diesem Monat die Tropenklinik zur Dermatologie und kümmerte sich von nun an nur noch um bekannte tropenmedizinische Fälle, welche ein „Follow up“ benötigten und solche, die an die Klinik überwiesen wurden. Nichts desto trotz hatte ich meistens zwei Tage die Woche, an denen ich mit anderen Medizinstudenten zusammen Patienten untersuchen konnte, welche an tropischen Krankheiten litten. Von Elephantiasis, Bilharziose über Leishmaniose bis zur Tbc in allen Stadien und Formen habe ich auch dort viel gesehen und meine Fähigkeiten in der körperlichen Untersuchung verbessern können.

Des Weiteren war eine „Medical Mission“ in die ländlichen Gebiete des Sudans geplant. Diese Missionen bestehen aus mikroskopischen Diagnosen mit Uralt-Mikroskopen im Zelt, Kinder wiegen, impfen, untersuchen und Wunden verarzten. Leider wurde dieser Einsatz ein paar Stunden vor der Abfahrt aus finanziellen Gründen abgesagt, aber bei einer Famulatur im Sudan empfehle ich dringend, nach einer dieser „Medical Missions“ zu fragen.

Alternativ zur Tropenmedizin hatte ich bei meiner Bewerbung „Notaufnahme“ angegeben, in der ich auch den Großteil meiner Zeit am Omdurman Teaching Hospital in Khartoum verbringen sollte. In der Notaufnahme finden sich meistens junge Ärzte, die gutes Englisch sprechen und bei denen man auch sehr viel machen darf. So konnte ich mit Ihnen Patienten besprechen, Patienten untersuchen, alle möglichen Verletzungen chirurgisch versorgen bis hin zur Versorgung von Verbrennungen, Luxationen und Knochenbrüchen.

Obwohl morgens noch nicht viel passiert, ist die Notaufnahme am Omdurman Teaching Hospital ab dem frühen Nachmittag komplett überfüllt mit Verkehrsunfällen, Schnittverletzungen, Stichverletzungen, Schusswunden, Hochspannungsunfällen, hochgradigen Verbrennungen, Kopfverletzungen, Polytraumata, gebrochenen Knochen und, und, und. Die Ärzte und Pfleger freuen sich, wenn jemand Nähen und einige Patienten mit kleineren und mittleren Verletzungen eigenständig versorgen kann.

Was ich dort erlebt habe, lässt sich schwer in ein paar Zeilen beschreiben. Die chirurgischen Bedingungen sind soweit von steril entfernt, wie man sich das nur vorstellen kann. Brüche und hochgradige Verbrennungen werden teilweise ohne irgendeine Analgesie versorgt. Jeder Patient bringt mindestens zehn Angehörige mit, Kinder, welche am ganzen Körper verbrannt sind und reanimiert werden müssen, und Männer, die auf gebrochenen Beinen in die Notaufnahme gelaufen kommen. In dieser Zeit konnte ich auf jeden Fall sowohl meine praktischen Fähigkeiten verbessern, als auch lernen, Ruhe zu bewahren. Oft war es frustrierend zu sehen, dass die schwerwiegenderen Fälle sterben, weil in der Notaufnahme weder Intubationsbesteck noch Defibrillator vorhanden sind, aber man lernt auch zu improvisieren und mit möglichst wenigen Ressourcen gute Medizin zu betreiben.

Nach kurzer Zeit hatte ich von vielen verschiedenen Ärzten die persönliche Handynummer bekommen und konnte diese in „Ruhephasen“ anrufen, ob es eine spannende OP gibt, bei der ich assistieren könne. So verbrachte ich auch Zeit in der Unfallchirurgie, Neurochirurgie und Viszeralchirurgie und konnte auch parallel in der Einleitung bei den Anästhesisten Flexülen legen, intubieren und beatmen. Wenn man möchte, kann man ggf. auch eine Spinale legen.

In der letzten Woche habe ich die Möglichkeit bekommen, auf der Geburtenstation zu arbeiten. Dies war besonders interessant, da viele Frauen noch beschnitten sind bzw. noch beschnitten werden. Ich wurde Zeuge einer Zwillingsgeburt in der 30. SSW mit Dammschnitt und anschließender Reanimation, glücklicherweise erfolgreich, der Neugeborenen.

Wenn man fragt, darf man außerordentlich viel machen und die Ärzte bringen den Studenten auch gerne praktische Fähigkeiten bei. Ich kann sehr empfehlen, auch in andere Fachbereiche reinzuschauen; man sieht fast überall sehr interessante Fälle.

Das Land und die Menschen im Sudan

Ausflug zu den Pyramiden von Meroe im Sudan
Ausflug zu den Pyramiden von Meroe im Sudan

Neben meinem „Academic Program“ waren meine Kontaktpersonen bemüht, mir fast jeden Tag ein „Social Program“ zu ermöglichen. So verbrachte ich die Wochenenden und die Nachmittage damit, Khartoum und die Umgebung zu erkunden, die Märkte unsicher zu machen, auf Konzerte zu gehen und mit den Sudanesen bei Kaffee und Tee Politik, Religion, Medizin, Geschichte, Fußball und Kultur zu besprechen. Sehr oft wurde ich von ihnen oder ihren Verwandten auch zum Essen eingeladen, was es mir ermöglichte, die Sudanesische Kultur und das Essen besser kennen zu lernen. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich mich durch die sudanesische Küche durchprobiert und nach anfänglichen Berührungsängsten, durch das Essen mit Händen und vielen Personen von einem Teller, hat mir dies später sogar richtig Spaß gemacht. Am liebsten essen die Sudanesen Brot, Fleisch, Bohnen, Fruchtshakes und Falafel. Eine Einladung zum Essen ist ein Zeichen des Respektes und sollte am besten nicht abgelehnt werden!

Innerhalb von Khartoum gibt es nur wenige, aber lohnenswerte Sehenswürdigkeiten. Meine Favoriten sind der „Omdurman Markt“ direkt neben dem Krankenhaus, der „Hamed al-Nil Gebetstanz“ am Freitag, die Farmen auf „Tutti Island“ und die Bootsfahrten auf dem Nil. Ebenfalls lohnenswert sind das Nationale Museum, „Khalifas Haus“, „Mahadis Tomb“ und der „Black Mans Market“.

Eines meiner Highlights war ein Ausflug zu den Pyramiden bei „Meroe“, wo wir auf Kamelen geritten sind und wir diese tolle Touristenattraktion nur für unsere Studentengruppe alleine hatten. Man hätte bestimmt noch mehr Ausflüge außerhalb Khartoums unternehmen können, aber leider braucht dieses einiges an organisatorischer Vorbereitung. Um in die anderen Regionen zu reisen, benötigt man verschiedene „Permits“ und jemanden, der arabisch sprechen kann, da man außerhalb von Khartoum nur noch wenige Menschen mit guten Englischkenntnissen findet. Die Busse und Verkehrsmittel sind nicht ausgeschildert und die Haltestellen sind ebenfalls nicht festgelegt und variieren je nach Tageszeit und Anzahl der Passagiere.

Des Weiteren haben mich die Menschen im Sudan überrascht. Wenn auch selten pünktlich, haben diese eine Gastfreundschaft und Herzlichkeit, welche ich bisher noch nicht erlebt hatte. Die Male, die ich mein Essen selber bezahlt habe, konnte ich an einer Hand abzählen, da die Sudanesen nach der Regel „Guests don’t buy“ handeln. Dies hat mich als wohlhabenden Europäer so manches Mal in Verlegenheit gebracht, wenn die Studenten mir jeden Kaffee, Tee, Transport oder Essen bezahlt haben. Außerdem habe ich auch oft kleine Geschenke und Souvenirs bekommen, mit der Bitte „Don’t forget Sudan!“ Ich hatte den Eindruck, dass den Menschen der Respekt der Europäer und deren Interesse über ihre Tradition, Religion und Situation wesentlich mehr bedeutet, als das Geld. „People before money“.

Ein weiterer Punkt, welcher mich außerordentlich beeindruckt hat, war die Belesenheit der Studenten. Egal ob Geschichte, Literatur, Politik, Ökonomie oder Literatur, die Gespräche waren fast immer sehr gut und fundiert und so mancher deutsche Student oder Abiturient könnte sich vom Wissen über die deutsche Geschichte von den Sudanesen eine Scheibe abschneiden. Die Menschen sind im Allgemeinen sehr an der westlichen Welt interessiert und freuen sich, wenn man Bilder aus Deutschland zeigen oder Fragen zur Arbeit in Deutschland und Europa beantworten kann.

Der Sudan ist ein sehr religiös geprägtes Land. Viele junge Sudanesen sind gläubig und traditionsbewusst, aber auch sehr weltoffen und liberal in Bezug auf andere Religionen und Lebenskonzepte. Andere sind religionsverdrossen und fühlen sich von den Grenzen, Regeln und Traditionen sehr eingeengt. Die Diskussionen sind sehr spannend und man kann eine Menge lernen.

Mein Fazit

Kamelreiter bei den Pyramiden von Meroe im Sudan
Kamelreiter bei den Pyramiden von Meroe im Sudan

Schon während der Vorbereitung auf den Austausch war ich aufgeregt und gespannt, in so ein anderes, exotisches Land zu fahren. Obwohl die Hitze und die sehr unterschiedliche Kultur mir Anfangs einiges abverlangt haben, wurden meine Erwartungen bei Weitem übertroffen. Besonders beeindruckt bin ich von den Menschen und ihrer Gastfreundschaft. Viele der Gespräche und Erfahrungen rücken das Leben in Europa in ein anderes Licht und man lernt ruhiger und gelassener mit den „first world problems“ umzugehen.

Ich kann jedem empfehlen, eine Famulatur im Sudan zu absolvieren, alleine um seine praktischen Fähigkeiten zu verbessern und Krankheiten zu sehen, welche man sonst bloß aus dem Buch kennt. Ich hatte eine wundervolle Zeit und hoffe, dass es mich eines Tages wieder in den Sudan verschlägt.

Johannes Herold

Dresden, August 2017

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