Famulatur in den Vereinigten Arabischen Emiraten – HNO und Allgemeinchirurgie

5. Januar 2018

in Allgemeinchirurgie, Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, HNO, Land, Vereinigte Arabische Emirate

Vereinigte Arabische Emirate, Dubai, BR Medical Suites (01.-31.08.2016)

Jederzeit eine zweite Reise wert! Meine Famulatur in Dubai war für mich eine sehr bereichernde Erfahrung, mit tollen Eindrücken und wertvollen neuen Kontakten. Man trifft auf sehr motivierte Ärzte und Schwestern und wird freundlich als auch respektvoll begrüßt. Die Möglichkeit, andere Krankenhäuser und medizinische Arbeitsweisen zu sehen, sollte einen immer motivieren, seinen Horizont zu erweitern und die Reise in fremde Länder zu wagen, weswegen ich mich nicht für ein klassisches Mediziner-Reiseziel entschieden hatte. 

Mein Ziel: Dubai!

Wieso gerade eine Famulatur in Dubai? Mit dieser Frage wurde ich während meines Auslandsvorhabens mehrfach konfrontiert und meine Antwort darauf ist vielfältig. Auch wenn ich die Arabischen Emirate bis zum Beginn meiner Famulatur noch nie besucht hatte, so hatte mich dieses Land schon immer fasziniert. Vielen ist der  „Burj Khalifa“, der mit über 800 Metern das  höchste Gebäude der Welt darstellt, ein Begriff, wobei ich mit meinem Interesse an Kunst und Architektur ein besonderes Augenmerk auf die weiteren unzähligen Bauprojekte am Golf lege.

Sicherlich wurde ich auch mit der einen oder anderen negativen Anmerkung konfrontiert. Dubai sei „oberflächlich“ und „künstlich“, aber was genau steckt hinter solchen Aussagen? Sicherlich ist Dubai eine prachtvolle Stadt und zählt nicht ohne Grund zu den meist besuchten Städten der Welt. Jedoch sollte man sich vergegenwärtigen, welch eine Entwicklung in den letzten 40 Jahren stattgefunden hat. Dubai ist eine der am meisten aufstrebenden Städte des 21. Jahrhunderts mit einer mittlerweile hochentwickelten Infrastruktur und internationalen Anbindungen. Was mich persönlich an dieser Stadt fasziniert, ist, Dubai bietet eine Kombination aus modernem westlichem Einfluss und gleichzeitig traditionell arabischem Lebensstil. Eine Mischung aus unterschiedlichen Nationalitäten vereint in einer Millionenstadt.

Und auch aus medizinischer Sicht bietet Dubai zahlreiche interessante Aspekte. Die gesamte medizinische Struktur orientiert sich am britischen System, was für mich eine gute Basis für eine international geprägte Famulatur bietet. Des Weiteren existieren in den United Arab Emirates (UAE) eigenständige Fachdisziplinen wie „Emergency Medicine“ oder „Critical Care“.

Englisch als anerkannte Sprache hat mir meinen Auslandsaufenthalt sehr erleichtert. In Dubai leben ca. 2 Prozent Einheimische, die sogenannten „Locals“ oder auch „Emirati“. Die restliche Bevölkerung Dubais setzt sich aus vielen Kulturen aus der ganzen Welt zusammen, wobei die englische Sprache allgegenwärtig ist. Als einer der sichersten Städte weltweit mit einer Kriminalitätsrate nahe an der Null Grenze kann man sich sorgenfrei auch noch in den Abendstunden draußen bewegen. In der Metro ist ein gesamtes Abteil  Frauen und Kindern vorbehalten. Als Frau darf man sich überall frei bewegen, als Mann ist einem das Betreten dieses Abteils nicht gestattet. Ich ließ auch oft meine Tasche mal unbeaufsichtigt – in Dubai kein Problem.

Bewerbung für eine Famulatur

Willkommen in der Dubai Healthcare City in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Willkommen in der Dubai Healthcare City in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Ich informierte mich im Voraus über die Einrichtungen und das Gesundheitssystem in den UAE. In Dubai gibt es, von der „Dubai Health Authority“ überwacht, vier hoch moderne staatliche Krankenhäuser. Dank des öffentlichen Gesundheitssystems ist es möglich, allen Einheimischen und Ausländern eine kostenlose oder sehr günstige Behandlung zu bieten. Daher muss man sich auch als Tourist keine finanziellen Gedanken um seine Notfallversorgung machen. Durch die verhältnismäßig geringe Bevölkerungszahl und gleichzeitig hohe Dichte an medizinischen Einrichtungen ist eine Behandlung aller gewährleistet. Daneben gibt es zahlreiche private Kliniken und Ärzte. Die Mehrzahl des medizinischen Personals kommt aus dem Ausland und wurde auch dort ausgebildet.

Meine Bewerbungsvorbereitungen liefen sehr kurzfristig ab. Ich fing an, mich über die Krankenhäuser und mögliche Anlaufstellen zu informieren und schrieb einige Einrichtungen an. Sehr schnell kam eine freundliche Zusage für die „BR Medical Suites“, ein ambulantes Gesundheitszentrum in „Dubai Healthcare City“. Ich hatte mich vier Monate im Voraus konkret beworben. Dass diese Bewerbung kurzfristig erfolgreich abläuft, ist nicht immer gewährleistet, weswegen ich eine längere Laufzeit empfehlen würde und über die staatlichen Krankenhäuser läuft die Bewerbung meist bürokratischer ab, da diese Bewerbungsfristen haben. Zu erwähnen wäre, dass viele private Kliniken keine ausländischen Medizinstudenten annehmen und das System sehr strukturiert als auch strikt ist.

Unterkunft und weitere organisatorische Aspekte

Das Metro System Dubai
Das Metro System Dubai

Nun hatte ich also kurzfristig eine Zusage und fing an mit der Planung der Unterkunft und Reise. Da ich im August, also Off-Season, gereist bin, konnte ich verhältnismäßig preiswert in einem Stadt Hotel in Downtown Dubai eine Unterkunft finden. In der Zeit von Oktober bis April, also in den milderen Monaten, steigen die Preise in Dubai stark an, meist auf das Dreifache. Ich hatte über klassische Hotel Reiseportale gebucht, da ich festgestellt hatte, dass private Apartments keine günstigere Alternative darstellten.

Die Unterkunft befand sich in „Burjman“ in der Mitte von zwei Metro Haltestellen, was eine ideale Anbindung an die Klinik bot. In Dubai gibt es drei Linien, mit denen man sich sehr flexibel bewegen kann. Auch preislich fährt man sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln, als auch mit Taxen sehr viel günstiger als in Deutschland.  So kosten 15 Minuten Fahrt mit dem Taxi ca. 10 Euro – je nachdem, in welchem Stadtteil man einsteigt. Angereist bin ich mit einem Direktflug mit der Fluggesellschaft Emirates. Die Preise hierfür liegen bei ca. 500 Euro Off-Season, danach zwischen 800-1.000 Euro.

Ein Touristenvisum, welches 30 Tage gültig ist, reichte für meinen Aufenthalt aus. Ich nahm eine betriebsärztliche Untersuchung und meinen Impfausweis mit, beides wurde nicht gebraucht und alles lief sehr unkompliziert ab.

(Anm.d.Red. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Meine Famulatur in Dubai

Die Dubai Healthcare City
Die Dubai Healthcare City

„BR Medical Suites“ befindet sich neben anderen Versorgungszentren, Praxen, Klinken und privaten Krankenhäusern in dem weitläufigem Komplex „Dubai Healthcare City“, wonach eine eigene Metrostation benannt ist. Meine Arbeitszeiten im „BR Medical Suites“ waren sehr flexibel und gingen meistens von 8:00 Uhr bzw. 9:00 Uhr bis 16:00 Uhr. Es war mir zwar freigestellt, nach 16:00 Uhr zu gehen, jedoch ist man manchmal doch länger geblieben, vor allem, wenn man teilweise den Arbeitstag erst um 10:00 Uhr begonnen hatte, falls morgens keine OPs anstanden. So waren die Arbeitszeiten von früh bis spät immer sehr angenehm und abwechslungsreich gestaltet.

Ich durfte beliebig zwischen mehreren Fachrichtungen wechseln. Größtenteils war ich in den Praxis Räumen meiner direkten Ansprechpartner anwesend und hatte Einblicke in die HNO und die Allgemeinchirurgie. Meistens durfte ich am Morgen bei ambulanten Eingriffen der HNO mit assistieren, so z.B. bei Septum Deviationen, Kieferhöhlen-OPs oder auch größeren Operationen wie Rino Plastiken, sowohl rein ästhetische als auch beispielsweise bei Patienten mit Zustand nach schwerem Trauma.

Die OP Räumlichkeiten wurden mir von einer Schwester und der zuständigen Anästhesistin vertraut gemacht und ich wurde direkt freundlich aufgenommen. In Dubai herrscht ein sehr respektvoller Umgang zwischen den Schwestern und Ärzten. Jeder, der einen weißen Kittel trägt, wird mit „Doctor“ angesprochen – egal, wie weit man im Medizinstudium ist. Generell fiel mir auf, dass der Respekt der Schwestern gegenüber den Ärzten sehr hoch ist und trotzdem bestand kein distanziertes Verhältnis. Die Hierarchien sind zwar klar definiert, der Umgang jedoch – sowohl zwischen Ärzten und Schwestern als auch bei den Schwestern untereinander – wirkte auf mich sehr gelassen und angenehm, was das Arbeitsklima sehr auflockerte.

Die Chirurgen im „BR Medical Suites“ haben, zusätzlich zu ihren Sprechstunden, OP-Tage in den umliegenden Krankenhäusern. So habe ich einen Tag lang bei einem freundlichen Herzchirurgen hospitieren dürfen. Dass die Patientin der offenen Herz-Operation weiblich und Mitte 30 war, begründete der Operateur mit dem Satz: „Nimm das Alter eines klassischen Herzkranken und ziehe 15 Jahre ab, dann hast du das Alter der Menschen hier, wenn sie herzkrank werden.“ Nicht zuletzt ursächlich hierfür wäre der Lebensstil in den arabischen Staaten. Der westliche Einfluss in Dubai begegnet einem täglich.

Der Krankenhaus Standard entspricht mindestens dem in Deutschland; hoch professionelle Ärzte und hervorragend ausgestattete OP-Säle und Kliniken. Ich hatte keineswegs den Eindruck, dass an Utensilien oder Personal gespart wird.

Nachmittags hospitierte ich größtenteils bei den Sprechstunden. Die Blutentnahmen waren Aufgabe der Schwestern. Die Ärzte waren alle sehr bemüht, Fragen zu beantworten. Wenn apparativ gearbeitet wurde, hat man mir viel erklärt oder ich habe selbst Hand anlegen dürfen. Zu erwähnen ist, dass ich sehr oft mit dem Klinikdirektor zusammen gearbeitet habe, der sehr bemüht war, die Famulatur möglichst interessant zu gestalten. In deutschen Kliniken würde ich als Famulantin den Chefarzt maximal in der Chefvisite flüchtig an mir vorbeilaufen sehen und wenn man sich geschickt anstellt, verpasst man den Augenblick nicht, sich höfflich vorzustellen. Aber wie gesagt, in den Vereinigten Arabischen Emiraten herrscht ein sehr respektvoller und schätzender Umgangston. Eine Tatsache, die ich als sehr angenehm empfunden habe, wobei ich nur von meiner persönlichen Erfahrung sprechen kann.

Die Arbeitszeiten waren, wie bereits erwähnt, relativ flexibel, jedoch muss man bedenken, dass in Dubai eine 6-Tage Arbeitswoche herrscht und der einzige freie Tag der Freitag ist, der freigestellt ist, um sich dem Freitagsgebet zu widmen. Am Samstag beginnt die neue Woche, weshalb ab Donnerstagnachmittag das Wochenende beginnt. Da man aber nach Feierabend viele Möglichkeiten hat, den Arbeitsstress von sich zu lassen, ist schnell neue Energie getankt und die Tatsache, dass ich nur einen Tag in der Woche frei bekam, hatte mir nicht viel ausgemacht. Falls der Arbeitstag mitunter doch länger wurde, reichte es manchmal aus, nach Feierabend die warmen 35 Grad und die letzten Sonnenstrahlen zu genießen, da in den UAE im Sommer die Sonne bereits um 19:00 Uhr untergeht.

Highlights in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Atemberaubender Blick von der Aussichtsplattform des Wolkenkratzers Burj Khalifa auf Dubai
Atemberaubender Blick von der Aussichtsplattform des Wolkenkratzers Burj Khalifa auf Dubai

Highlight für jeden Besucher Dubais ist selbstverständlich die Aussichtsplattform des „Burj Khalifa“. Weitere Attraktionen sind die „Jumeirah Beach“ mit dem „Burj al Arab“, der „Dubai Creek“ und der „Souk“, ein traditioneller Markt,  inmitten von „Downtown“. Für etwas mehr Spannung sorgen eine Wüstentour oder Wassersport am Strand. Auch die gebirgige Landschaft des Omans oder ein Trip nach Abu Dhabi sind eine Reise wert.

Was nichts kostet, aber mit jeder Metro oder dem Taxi schnell zu erreichen ist, ist ein Spaziergang entlang der Dubai Marina „The Walk“. Auch die Wasserspiele vor dem „Burj Khalifa“ sind für jeden Interessierten frei zugänglich. Neben den zahlreichen Privatstränden gibt es große Public Beach Bereiche.

Jederzeit eine zweite Reise wert!

Auf Wüstentour
Auf Wüstentour

Wenn man sich für eine Famulatur in Dubai entscheidet, sollte man damit rechnen, dass es nicht allzu günstig wird, jedoch kann man beispielsweise Off-Season reisen, um Unterkunfts- und Flugkosten zu senken. Nicht zuletzt konnte ich mir viele Aktivitäten durch mein Auslandsstipendium , das ich erhalten hatte, finanzieren und möchte an dieser Stelle einen herzlichen Dank an Peter Karle, Chefredakteur von Medizinernachwuchs.de, und sein großartiges Team aussprechen, die es uns Medizinstudenten ermöglichen, wertvolle Auslandserfahrungen zu sammeln!

Rückblickend kann ich sagen, dass eine Famulatur in Dubai für mich zwar eine kostspielige, aber sehr bereichernde Erfahrung war, mit tollen Eindrücken und wertvollen neuen Kontakten. Man trifft auf sehr motivierte Ärzte und Schwestern und wird freundlich als auch respektvoll begrüßt. Die Möglichkeit, andere Krankenhäuser und medizinische Arbeitsweisen zu sehen, sollte einen immer motivieren, seinen Horizont zu erweitern und die Reise in fremde Länder zu wagen, weswegen ich mich nicht für ein klassisches Mediziner-Reiseziel entschieden hatte. Zusammengefasst: Jederzeit eine zweite Reise wert!

P., Z.

Hamburg, November 2017

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2016

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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