Famulatur China – Anästhesie

15. Dezember 2017

in Anästhesie, Chancen im Ausland, China, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Land

China, Hong Kong, United Christian Hospital (15.09.-15.10.2017)

Das Ziel meiner Famulatur war Asien, genauer gesagt das United Christian Hospital in Hong Kong! Es sollte dank sehr engagierter Ärzte als auch OP-Personal eine tolle Erfahrung werden und eine Zeit, in der ich unglaublich viel medizinisches Wissen sammeln konnte und gleichzeitig eine interessante Kultur und ein mir fremdes Gesundheitssystem kennenlernen durfte!

Warum gerade Hong Kong?

Ich war noch nie in Hong Kong gewesen und hatte sehr große Lust, eine Famulatur in Asien zu absolvieren. Dass Englisch dort eine offizielle Sprache ist, war ein bedeutender Faktor. Noch interessanter fand ich die Mischung aus westlicher und östlicher Kultur, die in Hong Kong auf eine einzigartige Weise verbunden sind. Hinzu kam zudem, dass Hong Kong hohe Standards in der medizinischen Versorgung hat und sehr gut angebunden ist. Außerdem hatte ich mich natürlich darauf gefreut, einen neuen Ort zu erkunden.

Die Bewerbung…

In Hong Kong unterstehen alle öffentlichen Krankenhäuser der „Hospital Authority“. Nachdem ich bei dieser angefragt hatte, wurde mir gesagt, ich müsse mich bei den Krankenhäusern direkt bewerben und dies habe ich dann auch getan. Ich habe die üblichen Unterlagen wie ein Anschreiben, einen Lebenslauf und meine Immatrikulationsbescheinigung an die allgemeinen Emailadressen der Krankenhäuser geschickt. Das United Christian Hospital hatte mir daraufhin innerhalb einer Woche geantwortet. Ich hatte zunächst angestrebt, meine Famulatur in der Rettungsstelle zu absolvieren. Da ich aber kein Kantonesisch kann, hatten wir uns auf meinen Zweitwunsch, die Anästhesie, geeinigt.

Ich hatte mich im November für diese Famulatur beworben, also gute 10 Monate im Voraus. Da das Department die finale Entscheidung bezüglich der Bewerbung trifft, kam die Zusage dann etwa einen Monat, nachdem ich mich beworben hatte. Mir wurde oft gesagt, dass es sehr viele deutsche Famulanten gebe. Daher würde ich empfehlen, sich so früh wie möglich zu bewerben.

… und wichtige Vorbereitungen!

  • Ausblick auf den Victoria Harbour in Hong Kong
    Ausblick auf den Victoria Harbour in Hong Kong

    Visum

Für die Famulatur benötigte ich ein sogenanntes „Training Visa“. Ich hatte meine Unterlagen an die Ansprechpartner im United Christian Hospital geschickt, die diese dann an das „Immigration Department“ in Hong Kong weitergeleitet haben. Da die Unterlagen im Original vorliegen mussten (nicht der Pass), hatte ich sie per Post geschickt, was etwa fünf Tage gedauert hat. Im Mai begann die Bewerbung für das Visum, dauerte etwa acht Wochen und hat 190 Hong Kong Dollar, also etwa 20€, gekostet. Als das Visum dann ausgestellt worden war, wurde es mir vom Krankenhaus mit DHL zugeschickt. Die Kosten hierfür lagen bei etwa 350 Hong Kong Dollar, also 35-40€. Die Bewerbung für das Visum verlief insgesamt sehr angenehm und unkompliziert, da das United Christian Hospital mich sehr unterstützt hat. Das Visum selbst ist ein Stück Papier, das man in den Pass kleben muss.

  • Impfungen

Es empfiehlt sich, auf der Seite des Auswärtigen Amtes nach Impfempfehlungen zu schauen. Die Krankenkassen übernehmen zum Teil die Kosten für Impfungen aufgrund eines Auslandsaufenthaltes, wobei 10 Prozent Eigenanteil anfallen. Untersuchungen oder Impfnachweise musste ich für das Krankenhaus nicht erbringen.
Hong Kong hat immer eine starke Grippe-Saison, wobei ich davon im September/Oktober in der Zeit meines Aufenthaltes selbst nichts mitbekommen habe.

  • Versicherungen

Eine Auslandsreisekrankenversicherung sollte man immer abschließen! Tatsächlich musste ich während meines Auslandsaufenthaltes auch von meiner Gebrauch machen. Ich hatte mich über die Agenturen Sobe & Partner in Berlin versichern lassen und bin Herrn Sobe, der auch Mitbegründer von Medizinernachwuchs.de ist, für seine konstante Ansprechbarkeit und Hilfsbereitschaft sehr dankbar! Ich konnte unbesorgt im fernen Asien zum Arzt gehen in dem Wissen, dass sich um die Rechnung gekümmert werden wird.

Das United Christian Hospital in Hong Kong

Das United Christian Hospital befindet sich in „Kwun Tong“, einem der 18 Distrikte von Hong Kong. Von der Haltestelle des „MTR“ (Mass Transit Railway), dem U-Bahn-System von Hong Kong, musste ich immer noch ca. 10 Minuten mit dem Minibus fahren. Morgens gibt es sehr lange Schlangen, aber der Bus fährt sehr oft, sodass man doch schnell dort war. Im Moment werden große Bauarbeiten am United Christian Hospital durchgeführt, die meinem Wissen nach noch mindestens ein paar Jahre andauern sollen.

Das Krankenhaus liegt nicht ganz zentral im Herzen Hong Kongs, ist aber trotzdem sehr gefragt und hat immer gut gefüllte Tageslisten für die Operationen. Eine Thorax- und Neurochirurgie werden nach meinem Wissen nicht angeboten, weshalb solche Notfälle an andere Krankenhäuser dirigiert werden.

Meine Famulatur in der Anästhesie

Am ersten Tag meiner Famulatur am United Christian Hospital in Hong Kong hatte ich mich bei der Sekretärin der „Anesthesia & Pain Medicine“ gemeldet, die mir dann die Umkleideräume gezeigt hatte und auch sonst immer für Fragen ansprechbar war. Ich wurde dann jeden Tag einem anderen „Senior“ (Facharzt) zugeteilt. Jeder „Senior“ betreute für den ganzen Tag einen OP-Saal oder war „on call“ oder für „pain rounds“ zuständig. Zum Teil waren den „Seniors“ die „Juniors“ (Ärzte in Facharztweiterbildung) unterstellt.

Anästhesie war für mich 90 Prozent Beobachten des Patienten und 10 Prozent Arbeit am Patienten. Nachdem die Narkose eingeleitet worden ist, geschieht hoffentlich nicht zu viel, was aktives Einschreiten erfordert. Zwei Säle sind für „Emergencies“ reserviert, wobei dieser Begriff eigentlich alles umfasst, was nicht geplant ist, also z.B. von einem gebrochenen Finger über Fehlgeburten bis hin zu Polytraumen.

Wie gesagt, habe ich den Großteil der Zeit observierend verbracht. Je nach „Senior“ durfte ich selbst ab und zu Ultraschallen für regionale Anästhesien, Zugänge legen oder sogar intubieren versuchen. Dabei muss ich sagen, dass ich nicht aktiv danach gefragt habe und ich denke, sollte man solch ein Interesse zeigen, würden die Ärzte versuchen, einen so praktisch wie möglich einzubinden. Erschwert wird dies jedoch dadurch, dass man durch das Krankenhaus nicht versichert ist.

Nach Beginn der Narkose haben mir die „Seniors“ und „Juniors“ immer sehr, sehr viel erklärt. Sie sind mit mir alle gängigen Medikamente durchgegangen als auch warum und wann sie welches wie benutzen. Auch die Instrumente mit ihren Anwendungsgebieten wurden mir alle dargelegt sowie die einzelnen Parameter, die auf den Monitoren angezeigt werden. Natürlich habe ich auch gelernt, worauf man bei der Einleitung einer Narkose achten muss und welche Arten von Anästhesie es gibt. Insgesamt habe ich sehr viel Input, vor allem in den Fächern Physiologie, Pharmakologie und Anatomie, bekommen.

Alle Ärzte sprechen tadelloses Englisch, da sie auf Englisch studieren. Sowohl die Ärzte als auch das OP-Personal haben sich sehr engagiert um einen gekümmert und sich bemüht, dass man so viel wie möglich mitnimmt und lernt. Ich durfte auch durch die verschiedenen Säle laufen, um mir die verschiedenen Prozeduren anzuschauen. Auch die Chirurgen waren für Fragen immer offen.

Ein Saal ist immer den ganzen Tag für eine Fachrichtung vorgesehen. Sollte man dort Wünsche haben, ich mochte „Obstetrics“ – vor allem Kaiserschnitte – sehr gern, kommt Sharon, die Sekretärin des Departments, einem sehr entgegen.

Ein typischer Tag am United Christian Hospital

Der Tag begann für mich um 08:15 Uhr, nachdem ich die OP-Kleidung angezogen hatte. Ich hatte einen eigenen Spind, in dem ich meine Sachen abschließen konnte. Je nach OP-Saal sind unterschiedlich viele Operationen geplant. Der Patient wird narkotisiert und dann die Narkose aufrechterhalten. Je nachdem, wie viele Operationen am Tag geplant sind, sieht man dies unterschiedlich oft. Gegen 12:00 Uhr durfte ich zum Mittagessen runter in die Kantine, wo man mit seinem Namensschild den Preis für Mitarbeiter zahlt, was sich zwischen 2-4€ beläuft.

Dann geht es wieder hoch zu den OP-Sälen, wo man bis meistens 17:00 Uhr bleibt. Dabei besteht eine gewisse Flexibilität und so durfte ich z.B. am Tag des „Mid Autumn Festivals“ auch mal früher gehen.

Morgens gegen 10:00 Uhr und nachmittags gegen 15:00 Uhr wird jeder Arzt einmal für 15 Minuten zu seiner Tee Pause abgelöst. An Wochenenden und Feiertagen muss man nicht arbeiten, wobei Sharon einem auch sehr entgegen kommt, sollte man Ausflüge oder Ähnliches geplant haben. Ich würde sagen, dass zwei Wochen in der Anästhesie ausreichend sind und man sich die Famulatur gut auf zwei Fachgebiete aufteilen könnte.

Die Unterkunft!

Im Viertel Causeway Bay in Hong Kong - einer beliebten Shopping Meile
Im Viertel Causeway Bay in Hong Kong – einer beliebten Shopping Meile

Unterkünfte in Hong Kong sind deutlich teurer als in Deutschland. Ich würde für einen Monat mindestens 550€ einplanen. Ich hatte im Voraus mehrere Unterkünfte gebucht, da ich Angst hatte, für den ganzen Monat zu buchen. Eine Unterkunft hatte ich über airbnb.de gebucht, die anderen über booking.com. In der Nähe des United Christian Hospital hatte ich nichts gefunden, sodass ich einmal in „Tsim Sha Tsui“ und einmal in „Causeway Bay“ gewohnt habe.

In beiden Gegenden war immer sehr viel los und es gab super viele Essensmöglichkeiten, da meine Unterkünfte keine Küchen hatten. Ich brauchte immer etwa 50 Minuten zum Krankenhaus. Man sollte sich bewusst sein, dass die Dimensionen in Hong Kong ganz anders sind. Zimmer sind deutlich kleiner. Zum Wäschewaschen geht man in der Regal in Waschsalons.

Finanzierung

Hong Kong ist keine günstige Stadt. Ich hatte einen Gabelflug gebucht, Flüge nach Hong Kong selbst liegen schon bei 400€+. Die Unterkunft macht, wie gesagt, den größten Teil der Ausgaben aus. In der Regel isst man mittags in der Kantine, abends und am Wochenende draußen. Die „MTR“, was unserer U-Bahn entspricht, kostet je nach Distanz unterschiedlich. Insgesamt habe ich in dem Monat meiner Famulatur bestimmt auch 1.000 HKD, ca. 110€, für den Transport ausgegeben. Dies beinhaltet auch z.B. Bootsfahrten zu „outlying islands“.

Insgesamt sollte man für alles zusammen schon 2.000€ einplanen, um auf der sicheren Seite zu sein. Das Auslandsstipendium von Medizinernachwuchs.de, das ich erhalten hatte, war eine entlastende Stütze für die Finanzierung und dafür möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken!

Das Leben in Hong Kong

Faszinierende Aussicht auf die Skyline Hong Kongs bei Nacht vom Victoria Peak aus
Faszinierende Aussicht auf die Skyline Hong Kongs bei Nacht vom Victoria Peak aus

Die Menschen in Hong Kong sind sehr hilfsbereit und die jüngere Generation spricht super Englisch. Außerdem ist alles ausgeschildert und sehr gut organisiert, sodass Ausflüge sehr angenehm sind. Es herrscht eine faszinierende Mischung aus westlicher und östlicher Kultur, die es sich zu erfahren lohnt. Den englischen Einfluss merkt man auch noch an manchen Stellen. Es sammeln sich Menschen aus aller Welt mit den unterschiedlichsten Hintergründen in Hong Kong. Es ist immer etwas los und abends wird es vor lauter Lichtern gar nicht richtig dunkel.

Für die „MTR“ gibt es die „Octopus Card“, die sich jeder holen sollte. Damit kann man nicht nur die „MTR“ bezahlen, sondern auch die Fähren und in zahlreichen Shops und Restaurants.

Hong Kong hat so vieles zu bieten! Es sind dies nicht nur „Skyscraper“ und „Citylife“, sondern auch viele Strände und wunderschöne Wanderwege. Ich liebe es, wie man diese beiden Seiten innerhalb weniger Stunden finden kann. Innerhalb von zwei Stunden kann man alles in Hong Kong erreichen. Ebenso kann man einen Tagesausflug zum chinesischen Festland unternehmen. Das „Tourismboard“ von Hong Kong ist sehr gut aufgebaut und man findet alle Informationen auf deren Website (discoverhongkong.com), die ich jedem nur sehr ans Herz legen kann.

Und mein Fazit!

Sonnenuntergang auf Lamma Island - eine Insel im Südwesten vor Hong Kong
Sonnenuntergang auf Lamma Island – eine Insel im Südwesten vor Hong Kong

Sowohl Hong Kong als auch das United Christian Hospital waren eine tolle Erfahrung! Ich habe unglaublich viel medizinisches Wissen gesammelt, während ich gleichzeitig die Kultur und das Gesundheitssystem kennenlernen durfte. Die Famulatur war akademisch und persönlich mehr als nur lehrreich und ich kann jedem nur empfehlen, die Magie dieses Ortes selbst zu erfahren!

Die Organisation meiner Famulatur war dank der Hilfe des United Christian Hospital sehr unkompliziert und das Team der Agenturen Sobe & Partner war immer für alle Eventualitäten bezüglich der Versicherung ansprechbar.

C., L.

Berlin, November 2017

Stipendiatin der Auslandsstipendien 2017

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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