Famulatur in Namibia – Innere Medizin, Gynäkologie-Geburtsstation, Orthopädie-Notaufnahme

14. Oktober 2017

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Namibia, Windhoek, Katutura State Hospital (17.02.-19.03.2017)

Zum ersten Mal nach Afrika! Genauer gesagt zu einer Famulatur ans Katutura State Hospital in Windhoek, der Hauptstadt Namibias. Es sollte eine sehr spannende und vor allem lehrreiche Famulatur werden, bei der wir in ganz unterschiedlichen Gebieten einen Einblick gewinnen konnten. Und es erwartete uns ein weites Land voll interessanter Eindrücke.

Unser Ziel – eine Famulatur in Afrika

Altes Amtsgericht in Swakopmund - Namibia
Altes Amtsgericht in Swakopmund – Namibia

Ich hatte schon lange den Wunsch, eine Auslandsfamulatur in Afrika zu absolvieren. Nach zwei Famulaturen sowohl in Deutschland als auch in Kanada entwickelte ich den Gedanken, eine ganz andere „Ecke“ der Welt kennenzulernen. Am Anfang des 6. Semesters starteten daher eine Freundin und ich die Planung für eine Auslandsfamulatur in Afrika.

Doch wohin genau in Afrika sollte die Reise überhaupt gehen? Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sowohl meine Freundin als auch ich kein afrikanisches Land bereist. Wir lasen viele Erfahrungsberichte, sprachen mit Freunden und Bekannten, die schon Erfahrungen in unterschiedlichsten Ländern Afrikas gemacht hatten, und entschieden uns letztendlich für Namibia. Dies war im Nachhinein eine sehr gute Wahl, da wir dort eines der für mich bisher interessantesten und vielfältigsten Länder der Welt kennen gelernt haben.

Unser Bewerbungsweg

Das Katutura State Hospital in Windhoek - Namibia
Das Katutura State Hospital in Windhoek – Namibia

Wir begannen mit der Planung unserer Famulatur in Namibia ungefähr ein dreiviertel Jahr, bevor unsere Famulatur beginnen sollte. Wir entschieden uns für das Katutura State Hospital, einem akademischen Lehrkrankenhaus der University of Namibia (UNAM) – School of Medicine, da wir gern in der Hauptstadt Windhoek bleiben wollten. Da wir keinerlei Kontakte nach Windhoek pflegten, begannen wir anfangs damit, uns per E-Mail zu bewerben. Es wurde uns mitgeteilt, dass keine ausländischen Medizinstudenten mehr angenommen würden, da die Anzahl der eigenen Studenten, seit 2011 kann man Medizin in Windhoek studieren, ausreiche.

Mit dieser Antwort wollten wir uns nicht zufriedengeben und riefen am nächsten Tag im Sekretariat des Krankenhauses an. Nach vielen Gesprächen mit diversen Sekretärinnen wurden wir glücklicherweise zu der Chefsekretärin für organisatorische Angelegenheiten durchgestellt, die uns mündlich sofort einen Famulatur Platz zusagte. Leider notierte sie sich die falsche E-Mail-Adresse, weswegen wir keine schriftliche Bestätigung erhielten. Es brauchte viel Kraft und Mühe, genau diese Person wieder zu erreichen und nach ungefähr zwei Wochen erhielten wir endlich unsere schriftliche Bestätigung, dass wir für den Zeitraum Februar/März eine Famulatur im Katutura State Hospital in Windhoek absolvieren durften. Bis zu unserer Abreise erhielten wir auch keine weiteren Informationen, wo und wann wir uns melden könnten. Im Nachhinein war das aber überhaupt gar kein Problem.

Die konkreten Vorbereitungen konnten beginnen

  • Auf Safari im Erindi Private Game Reserve in Namibia
    Auf Safari im Erindi Private Game Reserve in Namibia

    Visum

Bis zu 90 Tage kann man sich in Namibia ohne Visum aufhalten. Für die Tätigkeit im Krankenhaus kann man ein Arbeitsvisum beantragen. Wir wurden bis zum Ende der Famulatur nie nach diesem Visum gefragt, aber da wir auf Nummer sicher gehen wollten, haben wir es ein halbes Jahr eher beantragt.

Achtung: Nicht zu spät beantragen, da es eine Weile dauert, bis man das Arbeitsvisum erhält.

  • Impfungen

Da wir im Katutura State Hospital einen anderen Impfschutz als „normale“ Touristen brauchten, hatten wir uns gegen Typhus, Cholera (Schluckimpfung), Gelbfieber und Meningokokken ACWY impfen lassen. Ein ausreichender Impfschutz für Hepatitis A/B sollte ebenfalls vorhanden sein. Da die Region um Windhoek kein Malariagebiet ist, haben wir keine Prophylaxe eingenommen.

Achtung: Auch hier darauf achten, dass man nicht zu spät beginnt, sich impfen zu lassen, um den benötigten Impfschutz zu erreichen.

  • Flug

Wir buchten unsere Flüge ungefähr ein halbes Jahr vor Reisebeginn und zahlten 630 Euro. Es gibt Direktverbindungen von Frankfurt am Main nach Windhoek. Da wir zu diesem Zeitpunkt kein günstigeres Angebot gefunden hatten, flogen wir mit Qatar Airways von Frankfurt am Main – über Doha – nach Windhoek. Für die nächste Namibiareise, die bestimmt kommen wird, würde ich aber einen Direktflug wählen, da die von uns gewählte Verbindung etwas langwierig ist.

  • Sprache/Literatur

Es lohnt sich, im Vorfeld einen Sprachkurs „Medical English“ zu absolvieren oder sich zumindest ein englischsprachiges Lehrbuch zu kaufen. Ich habe das „Medizinisches Englisch Pocket“ vom Börm Bruckmeier Verlag genutzt und bin damit sehr gut zurechtgekommen. Im Hospital spricht das Personal Englisch und die meisten Patienten verstehen ebenfalls etwas Englisch. Ansonsten findet man immer jemanden, der in die gesprochene Stammessprache übersetzen kann.

  • Versicherungen

Wir schlossen eine private Auslandskrankenversicherung und eine Haftpflichtversicherung ab, die wir aber nie im Krankenhaus vorzeigen mussten.

Die Unterkunft in Windhoek

Es wurde keine Unterkunft vom Krankenhaus zur Verfügung gestellt. Wir wohnten in einem Haus einer gemeinnützigen Organisation mit anderen Volontären z.B. aus Norwegen, Kanada und Deutschland. Wir teilten uns ein Zimmer, pro Person ca. 300 Euro für sechs Wochen, und es gab eine Gemeinschaftsküche. Das Haus hatte einen Pool und es war immer jemand vom Personal erreichbar. Besonders an dieser Unterkunft ist, dass wir direkt in „Katutura“ lebten.

„Katutura“ ist ein Vorort von Windhoek. Es entstand in den 1950er Jahren zur Rassentrennung während der Apartheidspolitik und bedeutet so viel wie „der Ort, an dem wir nicht leben möchten“. Somit erlebten wir die schlechter situierten Menschen hautnah. Oft wurden wir komisch angeschaut, wenn wir erzählten, dass wir in „Katutura“ wohnen. Wir haben uns nie unsicher gefühlt oder unsere Wohngegend als gefährlich empfunden, wenn man sich an bestimmte Regeln hält, so z.B. nachts nicht alleine hinausgehen und keine wertvollen Gegenstände, z.B. Spiegelreflexkamera, offen herumtragen.

Was Verkehrsmittel betrifft, so sind wir tagsüber immer mit den öffentlichen Taxis gefahren. Das funktioniert so, dass man am Straßenrand steht und die Taxifahrer durch Hupen auf sich aufmerksam machen. Wenn der Taxifahrer „ungefähr“ in die gleiche Richtung fährt, in welche man auch möchte, kann man einsteigen. „Ungefähr“, weil man das Taxi nicht als einziger Fahrgast nutzen kann, sondern immer versucht wird, alle vier Plätze zu belegen. Dementsprechend werden immer wieder Leute während der Fahrt eingesammelt oder sie steigen aus. Die Fahrt dauert dadurch oft viel länger, aber wir entdeckten immer wieder neue Ecken von „Katutura“ und kamen mit unterschiedlichen Menschen ins Gespräch. Eine Fahrt kostet 10 ND (Namibische Dollar). Das sollte man vorher wissen, weil die Taxifahrer auch manchmal versuchten, mehr zu verlangen.

Letzte Vorbereitungen kurz vor der Abreise

Auf jeden Fall sind weiße Kittel und Scrubs für die Arbeit im Hospital mitzunehmen. Da wir auf unterschiedlichen Stationen gearbeitet haben, gab es unterschiedliche Kleidungsordnungen. Im OP haben wir unsere Scrubs und unsere OP-Schuhe getragen. Auf Station tragen die einheimischen Medizinstudenten schicke Straßenkleidung und weiße kurze Kittel.

Des Weiteren hatten wir reichlich Desinfektionsmittel, diese sind im Krankenhaus kaum zu finden, Gummihandschuhe und unser Stethoskop mitgenommen. Es ist außerdem empfehlenswert, Atemschutzmasken speziell auf Tuberkulose ausgelegt, mitzunehmen, da diese selbst auf der Tuberkulosestation kaum zu finden sind.

Außerdem haben wir Steckdosenadapter benötigt. Als Insektenabwehrmittel haben wir „Peaceful Sleep“ direkt vor Ort gekauft, das in fast allen Supermarktsortimenten zu finden ist.

Meine Famulatur im Katutura State Hospital – Innere Medizin

Ein Krankenzimmer auf einer Inneren Station am Katutura State Hospital in Windhoek
Ein Krankenzimmer auf einer Inneren Station am Katutura State Hospital in Windhoek

Wir entschieden uns dafür, die vier Wochen unserer Famulatur am Katutura State Hospital in Windhoek in unterschiedlichen Fachgebieten zu absolvieren, da wir einen breiten Einblick in mehrere Fachrichtungen erhalten wollten.

  • In der Inneren Medizin

Es gibt zwei Krankenhäuser in Windhoek, das Katutura State Hospital und das Central Hospital Windhoek. Beide sind durch eine Teerstraße miteinander verbunden. Die Medizinische Fakultät befindet sich genau in der Mitte der beiden Krankenhäuser. Es findet sich immer eine Mitfahrgelegenheit, um hin-und herzufahren.

Den ersten Tag unserer Famulatur begannen wir im Central Hospital Windhoek. Nach einer kurzen Erläuterung der Blutabnahmesysteme, Geräte und Abläufe starteten wir direkt in den Klinikalltag auf einer der Inneren Stationen. Da seit 2011 Medizin an der UNAM (University of Namibia – School of Medicine) in Windhoek studiert werden kann, gab es ziemlich viele Medizinstudenten und anfangs standen wir uns etwas im Weg rum. Aber schon am ersten Tag wurden wir gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, eine Nachtschicht im Katutura State Hospital zu absolvieren.

Wir sagten sofort zu und ein paar Stunden später befanden wir uns in der Inneren Notaufnahme, auch „Big Room“ genannt. Auch die weiteren vier Wochen haben wir nur im Katutura State Hospital verbracht. Gerade für den ersten Tag war es eine ziemliche Reizüberflutung. Wir sahen neben offener Tbc, viele HIV und Malaria Patienten. Mit Eigeninitiative ist es möglich, eine Vielzahl an Aufgaben zu übernehmen. Neben Blutabnahmen und Aufnahmegesprächen konnten wir bei Knochenmarkpunktionen, Liquor Punktionen und bei dem Legen von Magensonden assistieren. Dabei gilt aber nicht der gleiche hygienische Standard wie in Deutschland. Das war doch etwas gewöhnungsbedürftig für uns am Anfang.

Die erste Woche auf der Inneren Station ging rasch vorüber und wir erfuhren sehr viel über Krankheitsbilder, die man in Deutschland entweder nie oder nicht in einem so fortgeschrittenen Stadium zu sehen bekommt.

Wir machten Bekanntschaft mit Medizinstudenten des 6. Semesters der Medizinischen Fakultät in Windhoek. Die Ausbildung der Studenten der „UNAM“ ist sehr praxisorientiert. Am Vormittag übernehmen die Medizinstudenten die gesamte Station, so werden z.B. die Visiten, Anordnungen und Behandlungspläne zum größten Teil von ihnen übernommen. Nur bei schwierigen Patienten wird ein Oberarzt befragt. Somit konnten wir uns viel von ihnen abschauen. Durch einen Mangel an bildgebender Diagnostik (Röntgen/MRT/CT) können die Medizinstudierenden sehr gut körperlich untersuchen und das versuchten wir uns abzuschauen. Außerdem konnten wir am Nachmittag, an dem der theoretische Teil des Medizinstudiums in Form von Seminaren durchgeführt wurde, teilnehmen. Somit bekamen wir, neben einem sehr ausführlichen Einblick in die Abläufe im Krankenhaus, einen ebenso guten Einblick in die universitäre Ausbildung.

Auf der Gynäkologie/Geburtsstation …

Auf der Frühgeborenen-Station im Katutura State Hospital in Windhoek
Auf der Frühgeborenen-Station im Katutura State Hospital in Windhoek

Für mich war dieser Abschnitt der Famulatur der intensivste und prägendste Teil meiner Zeit am Katutura State Hospital in Namibia. Wir verbrachten eine Woche direkt auf der gynäkologischen Station und eine Woche im Geburtshaus. Es war oftmals nicht leicht zu akzeptieren, wie die Frauen vor und während der Geburt behandelt wurden. Es war ihnen nicht erlaubt zu schreien und nicht selten wurden sie körperlich hart angepackt, damit sie den Aufforderungen der Ärzte sofort nachkamen.

Wir waren in alle Abschnitte sowohl vor, während und nach der Geburt integriert und haben dadurch alles sehen und auch selber durchführen können. Leider waren bei dem medizinischen Personal oftmals nicht die Möglichkeiten bzw. das Wissen vorhanden, den Babys nach der Geburt, bei beispielsweise Atemproblemen, zu helfen. Es brauchte auf dieser Station unsererseits manchmal starke Nerven, vor einem harten Umgangston durfte man nicht zurückschrecken.

Der unfassbarste Moment für mich war, als eine junge Mutter ihr Kind auf die Welt brachte und schon der Großteil des medizinischen Personals den Raum verlassen hatte. Ein Pfleger und ich versuchten die Plazenta zu entfernen. Das war sehr schwierig und nach ein paar Minuten war plötzlich ein kleiner Fuß zu sehen. Die Mutter gebar also gesunde Zwillinge, dies wurde in den Voruntersuchungen nicht festgestellt. Diese Situationen, die einerseits in Deutschland entweder niemals so entstehen und wenn doch, in jedem Fall im OP behandelt werden würden, sind dort im normalen Krankenbett auszuhalten.

Auch hier absolvierten wir wieder zwei Nachtschichten. In diesen waren nicht so viele Medizinstudenten anwesend, weshalb wir selbstständiger arbeiten konnten. Außerdem war es uns auch möglich, bei Kaiserschnitten zu assistieren. Dabei konnten wir nähen und einfache Schritte innerhalb der OP selbstständig übernehmen.

… und in der Orthopädie/Notaufnahme

In der letzten Woche arbeiteten wir auf der Orthopädischen Station bzw. in der Notaufnahme. Wenn ein Patient akut in die Notaufnahme kommt, wird erst zentral geschaut, welches Problem er genau hat. Es wird entschieden, ob er in die Internistische oder Chirurgische Notaufnahme überwiesen wird. Genau in dieser Chirurgischen Notaufnahme waren wir in unserer letzten Woche.

Wir konnten Gipsverbände anlegen, Patienten untersuchen und dann aufnehmen. Der dort leitende Oberarzt am Katutura State Hospital ist sehr kompetent und erklärte uns viel. Auch hier sahen wir wieder Fälle, die wir in Deutschland in dieser Ausprägung nie sehen würden. Auch dieser Abschnitt war sehr spannend. Wir lernten vor allem sehr viel über die Erstversorgung von unterschiedlichen Brüchen.

Was bietet Namibia sonst noch?

Aufstieg zur Düne 45 bei Sossusvlei in der Namib Wüste in Namibia zum Sonnenaufgang
Aufstieg zur Düne 45 bei Sossusvlei in der Namib Wüste in Namibia zum Sonnenaufgang

Namibia generell bietet eine enorme Menge an Aktivitäten und Ausflügen. In den sieben Wochen, die wir in Namibia verbracht haben, erhielten wir einen sehr guten Eindruck, aber konnten bei Weitem nicht alles sehen. Die Menschen sind sehr hilfsbereit und helfen gern bei Fragen oder Problemen. Wir haben während unserer Zeit in Namibia viele Bekanntschaften schließen können, die wir auch nach unserer Ankunft in Deutschland weiter pflegen.

In Windhoek, der Hauptstadt Namibias, sind wir durch die Straßen geschlendert, waren shoppen, haben uns beispielsweise das Nationalmuseum und die Christuskirche angesehen. Sehr empfehlenswert ist das „Craft Café“, an das direkt eine Auswahl an Handwerkskunst aus Namibia angeschlossen ist.

Neben unseren vier Wochen Famulatur füllten wir die Wochenenden immer mit Trips außerhalb von Windhoek. Wenn an den Freitagen weniger zu tun war oder wir eine Nachtschicht im Voraus absolviert hatten, nahmen wir uns den Freitag frei und konnten einen Dreitagestrip planen.

So verbrachten wir die Wochenenden zum Beispiel in Swakopmund, der wohl deutschesten Stadt in Namibia direkt am Atlantik. Wir fühlten uns 100 Jahre zurückversetzt und staunten nicht schlecht über den starken deutschen Einfluss, der sich vor allem in der Auswahl der Speisen in den Restaurants wie z.B. Königsberger Klopse, Rinderroulade etc. zeigte. Ein anderes Wochenende verbrachten wir in „Sossusvlei“, im „Namib-Naukluft-Nationalpark“ – eine Salz-Ton-Pfanne, die von Sanddünen umschlossen ist. Für mich persönlich war das die schönste Tour. Der Moment, nachdem man den steilen Weg zur Spitze des „Big Daddy“, der größten Sanddüne der Welt, erklommen hat, ist unbeschreiblich!

Des Weiteren ist die Tierwelt Namibias einzigartig. Da in den Monaten Februar/März Regenzeit in Namibia ist, blühte alles und es war wohl schwieriger als sonst, Tiere zu sehen. Während der Dürrezeit müssen die Tiere zu den Trinklöchern kommen und es ist einfacher, diese dort zu beobachten. Trotzdem haben wir sehr viele Tiere im „Erindi Private Game Reserve“ als auch im „Etosha Nationalpark“ sehen können. Wir haben immer die Sonnenaufgänge genutzt, da gerade in dieser Zeit die meisten Tiere zu beobachten waren.

Einen besonderen Moment erlebten wir bei der Tierbeobachtung am Wasserloch im „Elephant Camp“ des „Erindi Private Game Reserve“. Es ist nicht selten, deutsche Urlauber in Namibia zu treffen. Aber es war schon sehr überraschend, dass wir gerade dort mit Peter Karle, dem Chefredakteur von „Medizinernachwuchs.de“, ins Gespräch gekommen waren. Wir berichteten über unsere Erfahrungen, die wir bei unserer Famulatur im „Katutura State Hospital“ gesammelt hatten, als auch über die Eindrücke bis zu diesem Zeitpunkt in Namibia. Es war ein tolles Gespräch und ich war sehr gerne bereit, einen Bericht über meine Erfahrungen zu schreiben, damit andere Medizinstudenten, die Interesse an Namibia hegen, davon profitieren können.

Er erzählte uns, dass er gerade einen seiner bundesweiten Vorträge zum Thema „Famulatur und PJ im Ausland“ am Universitätsklinikum in Dresden plane und ein paar Monate später trafen wir uns, nun auf deutschem Boden, wieder. Da ich darüber nachdachte, einen Teil meines PJ im Ausland zu absolvieren, war der Vortrag zu diesem Zeitpunkt sehr wertvoll für mich. In einer sehr spannenden und informativen Art präsentierte Herr Karle uns Krankenhäuser weltweit für Krankenpflegepraktika, Famulaturen oder PJ-Aufenthalte. Ich kann jedem, auch schon im vorklinischen und nicht erst im klinischen Abschnitt, empfehlen, das Angebot zu nutzen, wenn Herr Karle einen Vortrag an der eigenen Fakultät halten sollte.

Weitere interessante Touren

Die Spitzkoppe - ein Inselberg in der Erongo-Region in Namibia
Die Spitzkoppe – ein Inselberg in der Erongo-Region in Namibia

In den letzten zwei Wochen mieteten wir uns ein Auto und erkundeten das Gebiet nördlich von Namibia. Achtung: Gerade während der Regenzeit sollte man ein Auto mit Allradantrieb wählen, da es schnell passieren kann, dass ein kurzer Regenschauer mittelgroße Flüsse entstehen lässt und man mit einem kleineren Auto nicht mehr weiterkommt!

Die erste Tour führte uns von „Okahandja“ über „Otjiwarongo“ zu den „Erongo Mountains“ und der „Spitzkoppe“. Dabei war für mich ein weiteres Highlight unserer Reise die Tour zum „Elephants Head“ in den „Erongo Mountains“. Solch eine Stille, die uns auf der Spitze des Berges umgab, habe ich selten gespürt. Am Auto warteten dann neugierige Giraffen, die uns noch ein Stück begleiteten. Auch die Nacht unter dem klaren Sternenhimmel an der „Spitzkoppe“ wird mir in langer Erinnerung bleiben.

Die Volontäre in unserer Unterkunft arbeiteten in unterschiedlichen sozialen Projekten in „Katutura“. Wir besuchten sie in den Waisenheimen, Kindergärten oder Grundschulen. Auch dadurch bekamen wir einen sehr intensiven Einblick in das alltägliche Leben der Menschen in „Katutura“.

Dies ist nur ein kleiner Einblick in all die Aktivitäten, die wir außerhalb unserer Famulatur erlebt haben. Nach nur sieben Wochen kann ich sagen, dass dieses Land mich so stark beeindruckt hat, dass ich wohl nicht das letzte Mal nach Namibia gereist bin.

Mein Fazit

Sonnenuntergang an der alten Landungsbrücke in Swakopmund in Namibia
Sonnenuntergang an der alten Landungsbrücke in Swakopmund in Namibia

Die Reise nach Namibia hat mich zu einem weltoffeneren Menschen reifen lassen. Außerdem habe ich versucht, ein Stück weit die Entspanntheit der Namibianer anzunehmen und mit in meinen Alltag zu integrieren.

Alles in allem war unsere Famulatur sehr spannend und vor allem lehrreich! Mit genügend Eigeninitiative ist es möglich, viele Patienten eigenständig zu behandeln. Durch unsere Rotationen war es schwierig, sich auf einer Station an die Abläufe zu gewöhnen. Aber wir konnten so in unterschiedliche Gebiete einen Einblick gewinnen.

Der Umgang der Menschen mit Leben und Tod hat mir in meinem studentischen Alltag in Dresden oft eine andere Sicht auf Probleme/Krankengeschichten gegeben, wodurch ich begonnen habe, in meiner Herangehensweise an Patienten in Alternativen zu denken.

Franziska Möttig

Dresden, Oktober 2017

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