Für die Doktorarbeit ins Ausland?

15. September 2017

in Chancen im Ausland, Doktorarbeit, Forschung im Ausland, Ratgeber

Der Gedanke, einen Teil seines Medizinstudiums außerhalb von Deutschland zu absolvieren, kommt wohl jedem Studenten irgendwann im Laufe seines Studiums einmal. Während das Ableisten von ganzen Semestern im Rahmen von Erasmus oder von Famulaturen und PJ-Tertialen im Ausland mittlerweile weit verbreitet ist, sehen sich die meisten Medizinstudenten bei der Suche nach einer Doktorarbeit vor allem an ihrer Heimatuniversität um.

Das Thema „Doktorarbeit im Ausland?!“

International bekannt und eine beliebte Adresse für Forscher aus der ganzen Welt - Die Stanford University in Kalifornien, USA
International bekannt und eine beliebte Adresse für Forscher aus der ganzen Welt – Die Stanford University in Kalifornien, USA

Die Argumente für eine „heimatnahe Promotion“ sind zahlreich. Man kann sich die Abteilung vor Beginn der Promotion anschauen und vielleicht sogar mal Probearbeiten. Falls man bei den Experimenten in Zeitnot gerät, ist es kein Problem einfach weiter zu studieren und in Teilzeit zu forschen. Es gibt keine Probleme mit Visabestimmungen, Wohnungssuche und anderen bürokratischen Details. Häufig gibt es zudem hilfreiche Mundpropaganda von Kommilitonen, in welchen Laboren man gut aufgehoben ist und wo man vor allem für die Habilitation seines Betreuers „knechten“ muss.

Es stellt sich folgerichtig die Frage: „Warum machen sich einige Medizinstudenten dann doch auf den Weg ins Ausland?“ Auch hier ist das Spektrum unterschiedlicher Beweggründe weit. Manchen reizt das Renommee ausländischer – vor allem englischer oder amerikanischer –  Universitäten und man freut sich über einen großen Namen im Lebenslauf. Andere sind interessiert an der Forschungs- und Diskussionskultur in anderen Ländern, die durchaus stark von der deutschen abweichen kann. Und wieder andere haben sich schon intensiv mit einem Thema beschäftigt und wollen einfach in eine Forschungsgruppe, die kontinuierlich interessante Arbeiten auf diesem Gebiet publiziert.

Egal welche Gründe einen nun bewegen, für eine Doktorarbeit ins Ausland zu gehen, ein paar Dinge gelten für alle Studenten:

  • Je mehr man über die Abteilung vorher in Erfahrung bringt, desto besser: Eigentlich logisch. Wenn man weiß, worauf man sich einlässt, kann man besser planen. Idealerweise knüpft man bei einer Auslandsfamulatur Kontakte und weiß so vielleicht sogar schon, wer einen betreut.
  • Frühzeitig einen festen Ansprechpartner definieren: Jeder weiß, wie nervig es sein kann, bei einer Famulatur von Arzt zu Arzt „rumgereicht“ zu werden. Wenn man versucht, sich im Labor zurechtzufinden und jeder eine Methode etwas anders macht, ist Verwirrung vorprogrammiert.
  • Frühzeitig nach Stipendien suchen: Wer für ein Forschungsvorhaben ins Ausland will und sich umschaut, wird sehen, dass die Menge an möglichen Förderern enorm ist. Da die einzelnen Ausschreibungen aber teilweise sehr spezifisch sind und die Fristen für die Anträge oftmals deutlich vor Beginn der Förderung liegen, lohnt sich langfristige Planung definitiv.
  • Rechtliche Bestimmungen klären: Visum, Krankenversicherung usw. Unbeliebt aber notwendig.
  • Realistischen Arbeitsplan aufstellen: Neben der Planung der Experimente sollte man sich auch explizit überlegen, wie man verfährt, wenn die Experimente nicht in der anvisierten Zeit bewältigt werden können, da es vielleicht, z.B. aufgrund von Visabestimmungen, nicht möglich ist, einfach ein Freisemester dranzuhängen.

Neben der wissenschaftlichen Thematik sollte man sich aber auf jeden Fall auch Gedanken darüber machen, was man von seinem Auslandsaufenthalt noch mitnehmen möchte. Denn wer für längere Zeit an einem neuen, spannenden Ort lebt und am Ende nur im Labor, der Wohnung und dem Supermarkt um die Ecke war, wird es mit Sicherheit bereuen.

Paul Windisch

Heidelberg, August 2017

Anmerkung von Medizinernachwuchs.de zum Autor

Survival-Kit Biochemie - Autor Paul Windisch
Survival-Kit Biochemie – Autor Paul Windisch

„Paul Windisch ist seit 2012 Medizinstudent an der Medizinischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und promoviert zurzeit am Deutschen Krebsforschungszentrum.

Sein neuestes Lehrbuch, das „Survival-Kit Biochemie“ (siehe Abbildung), erscheint im September.“

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