Famulatur in Thailand – Kinderchirurgie

29. September 2017

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Thailand, Bangkok, King Chulalongkorn Memorial Hospital (20.02.-31.03.2017)

Auf der Suche nach einer Auslandsfamulatur hatte ich mich für die Kinderchirurgie am King Chulalongkorn Memorial Hospital in Thailand entschieden, einem Krankenhaus der Chulalongkorn University in Bangkok. Man sieht Krankheitsbilder, die man zuhause wohl nie zu Gesicht bekommt und lernt viel über die Kultur und die Menschen Thailands. Im Großen und Ganzen würde ich es immer wieder so machen und bereue meine Entscheidung nicht.  

Mein Ziel – Thailand!

Bereits zu Beginn des Medizinstudiums war für mich klar, dass ich einen Teil davon im Ausland verbringen wollte. Gerade im Rahmen von Famulaturen hat man die einmalige Chance einen Einblick in ein anderes Gesundheitssystem zu bekommen, viel zu lernen, sowohl medizinisch als auch über Land und Leute, und ganz nebenbei die Welt zu bereisen.

Nachdem ich bereits für ein Auslandssemester im englischsprachigen Raum war, wollte ich in meiner Famulatur gerne noch eine ganz andere Kultur kennenlernen. Die Sicherheitslage war mir dabei aber auch sehr wichtig und so fiel meine Wahl auf Thailand. Ich war vorher noch nie in Asien, aber ich hatte viel Gutes gehört. Bangkok selbst ist als Hauptstadt auch das medizinische Zentrum des Landes und so erhoffte ich mir viele spannende Krankheitsbilder. Das King Chulalongkorn Memorial Hospital – umgangssprachlich oft auch einfach nur „Chula“ genannt –  gehört zur Chulalongkorn University in Bangkok und ist eines der größten Krankenhäuser überhaupt in Thailand.

Bewerbung

Ich kann nur empfehlen, vor der Auslandsfamulatur schon mindestens eine Famulatur in Deutschland zu machen. Man hat einfach schon einen Einblick in die Arbeit auf Station/im OP und versteht viel mehr, gerade wenn es eine Sprachbarriere gibt wie in Thailand.

Nun aber zur Bewerbung: Ich hatte meine Famulatur in Thailand über die „bvmd“, die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. organisiert, das machte die Bewerbung einfacher und außerdem bekommt man einen finanziellen Zuschuss. Es ist aber auch möglich, sich privat zu bewerben. Wieviel Vorlaufzeit dafür notwendig ist, weiß ich jedoch leider nicht. Bei der „bvmd“ muss man sich in etwa ein Jahr vor dem geplanten Auslandsaufenthalt bewerben und kann mehrere Länder als Wunsch angeben. Wenn dann feststeht, ob man einen Platz bekommt und in welches Land man kommt, kann man nochmal drei Wunschkrankenhäuser angeben. Bei mir hatte es jedes Mal mit dem Erstwunsch geklappt. Für das Fachgebiet, in das man möchte, muss man noch ein Motivationsschreiben einreichen und dann steht dem Ganzen nichts mehr im Wege.

Die Vorbereitungen

  • Bei der Fütterung von Elefanten im Norden Thailands
    Bei der Fütterung von Elefanten im Norden Thailands

    Literaturempfehlungen

Nehmt Euch unbedingt Bücher zum Fachgebiet mit nach Thailand. Nicht in jedem Bereich des Krankenhauses gibt es WLAN und in der Bibliothek gibt es so gut wie keine Bücher auf Englisch. Es hilft enorm, wenn man mal etwas nachschlagen kann! Für die Wochenenden und die Zeit vor/nach der Famulatur ist der „Lonely Planet“ zu Thailand immer eine gute Wahl!

  • Visum

Um nach Thailand einzureisen, braucht man mit deutschem Pass theoretisch kein Visum, man kann 30 Tage als Tourist einreisen. Für die Arbeit im Krankenhaus gilt das jedoch nicht und bevor Ihr nicht einreisen dürft oder es im schlimmsten Fall Probleme mit der Versicherung gibt, investiert lieber in das richtige Visum!

Das entsprechende Visum für Thailand muss man in Deutschland einige Zeit vorher beantragen und dafür seinen Reisepass nach München bzw. Berlin schicken. Plant also am besten viel Zeit dafür ein. Nichts ist blöder, als kurz vor knapp ohne Visum dazustehen und dann nur zu hoffen, dass alles noch vor Abflug klappt.

  • Impfungen, geforderte ärztliche Untersuchungen

Generell sollte man sich für einen Aufenthalt in Asien gegen gewisse Sachen impfen lassen und am besten lasst Ihr Euch im Tropeninstitut beraten. Plant auch hier am besten viel Zeit ein. Ich war in etwa ein halbes Jahr  vor Abflug bei der Beratung. Wenn Ihr Glück habt, übernimmt die Krankenkasse die Impfungen. Fragt am besten vorher nach, wieviel übernommen wird.

  • Notwendige Versicherungen

Eine Auslandsreisekrankenversicherung ist ja generell immer wichtig. Im Ernstfall ist man froh, wenn man sie hat, da die medizinische Behandlung im Ausland sonst schnell extrem teuer werden kann. Außerdem ist eine Berufshaftpflichtversicherung empfehlenswert.

Die Arbeit am Krankenhaus

Eingang zum Pädiatrie-Gebäude des King Chulalongkorn Memorial Hospitals in Bangkok
Eingang zum Pädiatrie-Gebäude des King Chulalongkorn Memorial Hospitals in Bangkok

Bei meiner Famulatur am King Chulalongkorn Memorial Hospital, das zur Chulalongkorn University in Bangkok gehört, war ich in der Kinderchirurgie. Beginn war jeden Tag um 8:00 Uhr. Am ersten Tag wurde mir direkt eine Assistenzärztin zugeteilt, die sich um mich gekümmert und mir oft Sachen erklärt hat.

Zwei Tage die Woche war ich in der Ambulanz und habe mir die neuen Patienten bzw. die OP Nachsorge angeschaut. Dabei gab es wirklich viel zu sehen, leider versteht man die Dialoge nicht und kann so auch selten etwas selbst machen. Die Ärzte und Medizinstudenten bemühen sich aber immer, relevante Sachen zu übersetzen und die Befunde zu erklären. Da in Thailand die letzten zwei Jahre des Medizinstudiums auf Englisch sind, sind die Thailänder in Fachbegriffen ziemlich fit, nur die Aussprache ist manchmal schwierig zu verstehen.

Die restlichen drei Tage der Woche waren OP-Tage. Ich konnte mir jedes Mal aussuchen, welche Operationen ich sehen wollte und auch zwischen den OP-Sälen wechseln. Meistens waren viele Studenten im Saal und man stand nur in der 3. Reihe, aber wenn man fragte, konnte man sich auch mit einwaschen und assistieren.

Die thailändischen Medizinstudenten sind hier viel im Krankenhaus und sind uns deutschen Studenten deshalb in vielen Bereichen um Einiges voraus. Dafür haben sie aber auch regelmäßig Dienste und kaum Ferien. Für sie ist es ein Privileg, Medizin studieren zu können.

Feierabend war, wenn alle OPs durch waren, bei langwierigen OPs wurde man auch mal eher nach Hause geschickt. Insgesamt herrschte ein gutes Klima im Team und alle waren wirklich nett. Die Ärzte haben mir viele Tipps zu Bangkok selbst und zu Wochenendausflügen gegeben. Der zuständige Oberarzt in der Kinderchirurgie hat einmal im Monat alle zum Essen eingeladen und die thailändischen Medizinstudenten und Ärzte waren sehr interessiert, wie bei uns in Deutschland alles so abläuft. Im Team der Kinderchirurgie ist es Tradition, dass jeder Praktikant einen Vortrag über seine Universitätsklinik und sein Land hält.

Ein typischer Tagesablauf am Hospital

Der Tagesablauf im „Chula“ richtete sich danach, ob gerade OP-Tag oder Ambulanz-Tag war. Ich war eigentlich nie auf Station bei den Kindern. Wenn wir im OP waren, bin ich morgens direkt zu den Sälen gekommen und habe mir auf dem OP-Plan aussuchen können, wo ich hingehen wollte. Allerdings darf man, wie bereits erwähnt, meistens nur zuschauen und nicht viel selber machen, da jede Woche ein neues Team thailändischer Medizinstudenten da war und diese alle einmal die Assistenz übernehmen mussten. Wenn man gegen Ende der Famulatur mal lieb fragt, sollte dies aber doch kein Problem sein, da die Ärzte auch gerne erklärt haben.

In der Ambulanz konnte ich mir ebenfalls immer die spannenden Patienten raussuchen und habe einfach zugeschaut. Aufgrund der Sprachbarriere ist es unmöglich, eigene Patienten aufzunehmen. Aber auch da wurde mir viel erklärt und ich durfte auch mit Hernien tasten, auskultieren, etc. Gegen 13:00 Uhr sind wir alle zusammen mit den Ärzten Mittagessen gegangen und danach gab es noch ein Seminar, zu ganz verschiedenen Themen, immer von einem der Ärzte aufbereitet.

So gingen die Tage am King Chulalongkorn Memorial Hospital stets rum bis etwa 15:00 Uhr, dann konnte ich gehen.

Wohnen in Bangkok

Blick aus dem Lumphini Park auf Bangkok
Blick aus dem Lumphini Park auf Bangkok

Alle Famulanten und PJler am King Chulalongkorn Memorial Hospital in Bangkok konnten kostenlos im Studentenwohnheim auf dem Krankenhausgelände wohnen, das war sehr praktisch. Zum einen hatte man es morgens nicht weit und außerdem konnte man so nach der Arbeit gut noch etwas zusammen unternehmen und sich treffen. Besuch ist nicht erlaubt, worauf auch wirklich geachtet wird. Das Wohnheim selbst ist nicht das neueste, aber durchaus ausreichend und sicher. Auch die einheimischen Medizinstudenten wohnen zum Großteil hier und es ist rund um die Uhr bewacht. Die Tür bekommt man nur mit Fingerabdruckscanner auf. Außerdem gibt es unten direkt einen „7/11“, der die ganze Nacht geöffnet hat und einen „ATM“. Münzwaschmaschinen gibt es auch.

Der Campus der Chulalongkorn University ist gleich nebenan und da man einen Studentenausweis bekommt, kann man das große Unisportzentrum für eine kleine Gebühr auch mitbenutzen. Hier gibt es ein großes Fitnessstudio und einen Sportpool, eine Laufbahn und eine Sauna. Außerdem liegt das King Chulalongkorn Memorial Hospital direkt am „Lumphini Park“. Hier kann man nach der Arbeit in der Sonne liegen, joggen gehen oder beim täglichen Aerobic im Park mitmachen.

Finanzierung der Auslandsfamulatur

Mango Sticky Rice - unbedingt probieren
Mango Sticky Rice – unbedingt probieren

Natürlich ist so eine Auslandsfamulatur mit Kosten verbunden, die man in Deutschland nicht hätte. Schon allein der Flug nach Asien ist nicht billig, aber wenn man die Augen offen hält, gibt es meistens günstige Angebote im Voraus. Wenn man mehr Zeit hat als die üblichen vier Wochen bietet es sich auch an, verschiedene Gabelflüge zu checken. So hat mein Flug nur rund 600€ gekostet und ich habe außer Thailand auch noch etwas von Vietnam und Kambodscha gesehen. Wir Famulanten konnten im Studentenwohnheim auf dem Krankenhausgelände kostenlos wohnen, das hat den Geldbeutel zusätzlich wirklich geschont. Außerdem kann man sich über die „bvmd“ auch noch auf einen Fahrtkostenzuschuss bewerben und auf Medizinernachwuchs.de findet man eine Förderung von Auslandsaufenthalten in Form von Auslandsstipendien (Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien).

Das meiste Geld habe ich für Essen und Wochenendtrips ausgegeben. In Thailand kocht fast niemand zuhause und wir hatten im Wohnheim auch keine Küche. Und außerdem möchte man ja möglichst viel von der lokalen Küche probieren, denn Bangkok ist auch nicht umsonst bekannt für seine guten „Street Food“ Möglichkeiten an jeder Ecke.

Das Leben und Treiben in Thailand

Postkarten-Atmosphäre an einem Strand im Süden Thailands
Postkarten-Atmosphäre an einem Strand im Süden Thailands

Thailand selbst ist ein unglaublich schönes Land mit vielen verschiedenen Landschaften. Oben im Norden ist das Klima angenehmer und man kann gut wandern gehen oder eines der Elefantencamps besuchen. In fast jeder Stadt gibt es Tempel anzuschauen und in Bangkok ist der Königspalast ein Muss! Unbedingt zu empfehlen sind auch die „Rooftop“-Bars in der Hauptstadt. Von hier habt Ihr einen super Ausblick über die Stadt, besonders schön, wenn die Sonne gerade untergeht. Dies sollte jeder einmal gemacht haben.

Im Süden des Landes sind natürlich die Inseln immer eine Reise wert und für jeden Geschmack ist etwas dabei. Wer gerne taucht fliegt nach „Ko Tao“, die „Partypeople“ zieht es zur „Full moon“ Party nach „Ko Phangan“ und wer die Kulisse von „The Beach“ (Jahr 2000 mit Leonardo DiCaprio) bestaunen will, muss nach „Ko Phi Phi“. Es gibt aber auch viele kleinere Inseln, die noch nicht so touristisch erschlossen sind und wo man die Natur noch richtig genießen kann.

Die Thailänder selbst sind sehr freundlich und helfen immer gern. Die Kommunikation ist manchmal schwierig, aber gerade in den Touristenregionen können die meisten Englisch. Ansonsten halt mit „Händen und Füßen“.

Was die Sicherheitsaspekte vor Ort betrifft, ist Thailand insgesamt ein sehr sicheres Land. Natürlich sollte man sich an ein paar Grundregeln halten, die aber meiner Meinung nach für alle Großstädte und Touristengegenden gelten. Also Achtung vor Taschendieben, den teuren Schmuck lieber zuhause lassen und die Spiegelreflexkamera nicht ganz so offensichtlich rumtragen. Auch im Straßenverkehr sollte man vorsichtig sein, denn der ist in Asien ja generell etwas chaotisch und es passieren viele Unfälle. Lieber nicht mit „Tuk-Tuks“ fahren, das ist für Touristen die reinste Abzocke. Taxis sind günstig, jedenfalls solange man nicht in der Rushhour fährt und ewig braucht. Unbedingt darauf bestehen, dass das Taximeter eingeschaltet wird.

Das Fazit meiner Auslandsfamulatur in Thailand

Goldener Buddha in einem Tempel in Chiang Mai
Goldener Buddha in einem Tempel in Chiang Mai

Im Großen und Ganzen würde ich es immer wieder so machen und bereue meine Entscheidung, die Auslandsfamulatur in der Kinderchirurgie in Bangkok zu machen, nicht. Auch wenn man bei Famulaturen in Deutschland, verglichen mit Thailand, wahrscheinlich mehr machen darf und dadurch mehr praktische Fähigkeiten lernt, würde ich die Famulatur am King Chulalongkorn Memorial Hospital jedem weiterempfehlen. Man sieht Krankheitsbilder, die man zuhause wohl nie zu Gesicht bekommt und lernt viel über die Kultur und die Menschen Thailands.

A., C.

Dresden, Juli 2017

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