Famulatur in Nepal – Plastische Chirurgie

1. September 2017

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Nepal, Kirtipur, Kirtipur Hospital (22.02.-23.03.2017)

Die Famulatur am „Kirtipur Hospital“ in Nepal war für mich eine sehr lehrreiche Erfahrung und die Verbrennungschirurgie ein Feld, das ich davor nicht kannte. Es war sehr interessant, zwei so grundverschiedene Gesundheitssysteme wie das nepalesische und das deutsche miteinander vergleichen zu können. Zudem war es spannend, mit Ärzten aus Nepal in Kontakt zu kommen, mit ihnen zusammen zu arbeiten und von ihnen zu lernen.

Motivation und Entscheidung für Nepal

Das Kirtipur Hospital in Nepal
Das Kirtipur Hospital in Nepal

Jedes Land hat eine eigene Art, Medizin zu praktizieren, je nach kulturellen und landesüblichen Gegebenheiten. Aus diesem Grund entschied ich mich, eine Famulatur im Ausland zu absolvieren. Mein Ziel war es, in ein Land zu gehen, das geringe finanzielle und somit technische Ressourcen aufweist, jedoch mit einem breiten Wissensschatz punktet. Hierfür erschien mir Nepal die richtige Wahl. Ich würde nicht nur in ein anderes Gesundheitssystem eintauchen, sondern auch eine andere Kultur kennenlernen.

Es war mir ein Anliegen, die Famulatur über eine Organisation vermittelt zu bekommen, die sich vor Ort für die Gesundheitsvorsorge einsetzt und den Wissensaustausch in beide Richtungen unterstützt. Über Ärzte hatte ich von „Nepalmed e.V.“ erfahren. Dies ist ein kleiner Verein, der eine Handvoll Krankenhäuser in Nepal mit Hilfe von Spendengeldern, medizinischen Geräten und Know-how unterstützt. Jedes dieser Krankenhäuser hat verschiedene Schwerpunkte, so z.B. Neurochirurgie im „Annapurna Neurological Hospital“ oder Augenheilkunde im „Eye Hospital“. Da ich eine neue Seite der Plastischen Chirurgie kennenlernen wollte, entschied ich mich für die Plastische Chirurgie im „Kirtipur Hospital“.

Meine Bewerbung

Die Bewerbung für meine Famulatur in Nepal verlief relativ einfach. Ich hatte ein Jahr vor Beginn der Famulatur eine E-Mail an die Ansprechpartnerin von „Nepalmed e.V.“ gerichtet. Sie schickte mir eine aktuelle Studenteninformation und einen Mitgliederantrag für den Verein. Weitere Papiere, die benötigt wurden, waren eine aktuelle Studienbescheinigung und eine Postanschrift.

Vor Ort benötigen die Krankenhäuser: Passbilder, CV, einen Letter of Recommendation, jede Universität hat Vordrucke dafür, und eine Kopie des Reisepasses.

Gesundheitsvorkehrungen und Visum

Für Nepal benötigt man verschiedene Impfungen, die ich beim Tropeninstitut auffrischen ließ. Je nach Krankenkasse bekommt man die Impfkosten rückerstattet.

Das Visum für Nepal hatte ich ein paar Monate vor Famulatur Beginn in der Nepalesischen Botschaft beantragt. Es gibt verschiedene Touristenvisa für 15, 30 oder 90 Tage. Es ist ebenfalls möglich das Visum bei der Ankunft am Flughafen in Nepal zu bekommen. (Anm.d.Red. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Weiterhin hatte ich eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Auch über eine Berufshaftpflichversicherung für Studenten im Ausland sollte man sich informieren.

Anfallende Kosten

Der buddhistische Stupa der Tempelanlage Swayambhunath - eines der Wahrzeichen von Kathmandu
Der buddhistische Stupa der Tempelanlage Swayambhunath – eines der Wahrzeichen von Kathmandu

Um eine Famulatur über „Nepalmed e.V.“ absolvieren zu können, muss man Mitglied des Vereins werden. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 15 Euro. Weiterhin zahlt man eine Gebühr von 25 Euro. Dies ist eine Spende für die Projekte in „Amppipal“ und „Kathmandu“ in Nepal.

Das Visum für 90 Tage kostet 90 Euro. Außerdem berechnen die einzelnen Krankenhäuser einen Betrag für die Famulatur. Im „Kirtipur Hospital“ waren dies 200 USD für einen Monat.

Für die Unterkunft kann man mit ca. 15 Euro am Tag pro Person rechnen (inkl. Halbpension). Das Mittagessen in der Krankenhaus Kantine ist sehr günstig (1-2 Euro). Auch der Transport von Kirtipur nach Kathmandu kostet nur 20 Cent. Somit betragen die Kosten für den Monat in Nepal ungefähr 800-900 Euro – ohne Flug und sonstige Aktivitäten.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Zuschüsse für eine Famulatur im Ausland zu erhalten. Erfreulicherweise wurde ich durch ein Auslandsstipendium von Medizinernachwuchs.de (Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien) in Höhe von 250 Euro unterstützt. Dies half mir, die oben genannte Famulatur Gebühr zu begleichen.

Die Vorstadt Kirtipur und die Unterkunft

Kirtipur ist eine kleine Vorstadt von Kathmandu. Sie liegt ca. 30 km vom Zentrum der Hauptstadt entfernt und ist somit außerhalb der „Staubwolke“. Das Leben in Kirtipur ist ruhiger als im Zentrum. Trotzdem ist es problemlos möglich, nachmittags mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren und sich verschiedenste Tempel anzusehen oder sich entspannt in ein Café zu setzen.

Es gibt verschiedene Unterkunftsmöglichkeiten für Famulanten in Kirtipur. Durch eine nepalesische Bekannte wurde mir eine Familie empfohlen, die ein „Homestay“ betreibt („Homestay Nepal“: www.familyhomestaykathmandu.com ). Das „Homestay“ liegt ca. 30 min zu Fuß vom „Kirtipur Hospital“ entfernt. Die Familie war sehr freundlich. Morgens gab es im Haus ein leckeres Frühstück und abends hat die „Homestay Mutter“ typisch nepalesisches Essen vorbereitet. Jeden Morgen bin ich nach dem Frühstück von der Unterkunft zum Krankenhaus gelaufen. Der Spaziergang ging entlang von Feldern und Häusern und war somit eine gute Möglichkeit, das tägliche Leben der Einheimischen zu sehen.

Eine weitere Unterkunftsmöglichkeit ist ein tibetisches Nonnenkloster. Es liegt direkt neben dem Hospital. Die Zimmer sind sehr schön, es bietet ebenfalls eine Halb-Pension und an schönen Tagen eine wunderschöne Sicht auf das Kathmandu Tal und das Himalaya Gebiet.

Das Kirtipur Hospital in Nepal

Das Kirtipur Hospital in Nepal
Das Kirtipur Hospital in Nepal

Das „Kirtipur Hospital“ ist ein für nepalesische Verhältnisse mittelgroßes Krankenhaus. Es beherbergt 47 Ärzte, 100 Betten, eine Notaufnahme und verschiedene internistische Abteilungen. Das Hospital ist ein Zentrum für Verbrennungsopfer und Patienten mit Mund-Kiefer-Gaumenspalten. Somit sind es plastische Eingriffe, die zusammen mit Kaiserschnitten am häufigsten in den Operationsräumen stattfinden. Der Fokus liegt dort weniger auf der ästhetischen Chirurgie, sondern vielmehr auf der Hand-, Rekonstruktiv- und Verbrennungschirurgie.

Das „Kirtipur Hospital“ gehört einer non-profit Organisation an und ist kein akademisches Lehrkrankenhaus. Somit zahlen die Patienten privat für ihre Behandlung, das Krankenhaus macht jedoch mit den Einnahmen keinen Profit. Geburten, Sectios und Operationen von Mund-Kiefer-Gaumenspalten werden mit Hilfe von Organisations- und Spendengeldern finanziert.

Die Arbeit im Krankenhaus

Einer der OP Räume am Kirtipur Hospital in Nepal
Einer der OP Räume am Kirtipur Hospital in Nepal

Mein Tag im „Kirtipur Hospital“ begann immer um acht Uhr morgens mit der Frühbesprechung. In dieser wurden die neu aufgenommenen Patienten und der OP Plan besprochen. Hierbei konnte man sich schon einmal Gedanken machen, bei welchen Eingriffen man an diesem Tag teilnehmen möchte. Anschließend hielt einer der Assistenzärzte einen Vortrag über ein Thema der Plastischen Chirurgie. Diese morgendlichen Besprechungen wurden auf Englisch gehalten.

Daraufhin fand die Visite statt. Hier war es manchmal etwas schwierig, allem folgen zu können, da die Patientenakte zwar auf Englisch geführt wird, die Ärzte und Pflegerinnen untereinander jedoch meist auf „Nepali“ reden. Trotzdem war es interessant, die Patienten nach den Operationen sehen zu können. Je nach Arzt fand manchmal ein „bedside-teaching“ statt.

Nach der Visite ging es dann in den OP. Die Plastische Station verfügt über mehrere OP-Räume. Einige von ihnen wurden als ,,nicht steril“ eingestuft. Hier wurden den Verbrennungsopfern die Verbände gewechselt oder ihnen die tief verbrannte Haut abgenommen. Nach einer gewissen Einarbeitungsphase war es uns Famulanten möglich, beim Verbandswechsel zu helfen. Außerdem durften wir bei Operationen an den Verbrennungsopfern assistieren und die Haut präparieren.

In den ,,sterilen“ OP-Räumen wurden Mund-Kiefer-Gaumenspalten oder andere rekonstruktive Operationen durchgeführt. Bei den Operationen an der Hand oder an Mund-Kiefer-Gaumen durften wir meist nur zuschauen. Je nach Operateur haben wir jedoch viel über den Eingriff und die Technik gelernt. Es war jederzeit möglich, zwischen den OP-Sälen zu wechseln oder auf die Intensivstation zu gehen. Somit war ich in der Gestaltung meines Arbeitstages sehr frei und konnte an den Operationen teilnehmen, die mich besonders interessiert haben.

Der Arbeitstag endete mit der letzten Operation und dies war meist gegen 14:00 Uhr.

Unterschiede zwischen Nepal und Deutschland und ein Fazit

Atemberaubender Blick auf den 8.167 m hohen Dhaulagiri beim Trekking in Nepal in der Annapurna Region
Atemberaubender Blick auf den 8.167 m hohen Dhaulagiri beim Trekking in Nepal in der Annapurna Region

Die Famulatur in Nepal war für mich eine sehr lehrreiche Erfahrung. Die Verbrennungschirurgie ist ein Feld, das ich davor nicht kannte. Dabei stellen Verbrennungen ein globales medizinisches Problem dar. Eine Viertelmillion Menschen stirbt jährlich an Verbrennungen, ungefähr die Hälfte davon in Süd-Ost Asien. Besonders betroffen sind Frauen und Kinder. Das liegt daran, dass die meisten Menschen mit offenem Feuer kochen und sich auch nachts am Feuer wärmen. Dadurch fallen oft Kinder ins Feuer oder auch Frauen schaffen es nicht, sich ihrer regionalen Gewänder schnell genug zu entledigen.

Zudem ist das Wissen über die wichtigsten Erstmaßnahmen bei Verbrennungen in der Bevölkerung noch gering und so werden die Schwerverbrannten an Ort und Stelle oft nicht ausreichend versorgt. Auf Grund der schlechten Straßenverhältnisse und der langen Fahrtzeiten dauert es oft viele Stunden bis hin zu Tagen, bis die Patienten mit Hilfe von Bussen in das Krankenhaus kommen.

Mangelnde Ressourcen führen dann im Hospital zu Komplikationen. Synthetische Haut, wie sie in Deutschland für die Therapie von tiefen Verbrennungen genutzt wird, ist für die Patienten zu teuer. Auch sind die Anästhesisten nicht speziell auf die Intensivmedizin von Verbrennungsopfern geschult. Dadurch erleiden die Patienten oft eine Sepsis.

Das ganze Team am „Kirtipur Hospital“ arbeitet daran, die Versorgung der Patienten zu verbessern, jedoch stellen finanzielle Restriktionen eine Hürde dar.

Es war eine sehr interessante Erfahrung, zwei grundverschiedene Gesundheitssysteme miteinander vergleichen zu können. Zudem war es spannend, mit Ärzten aus Nepal in Kontakt zu kommen und von diesen zu lernen. Ich kann eine Famulatur im „Kirtipur Hospital“ sehr weiterempfehlen!

E. Deuster

München, April 2017

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2016-2017

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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