Famulatur auf Guadeloupe/Frankreich – Kardiologie

8. September 2017

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Frankreich, Guadeloupe, Innere Medizin, Kardiologie, Land

Guadeloupe, Pointe-à-Pitre, Centre Hospitalier Universitaire (03.06.-31.07.2017)

Eine Verbindung von Neugierde und einer Famulatur im Ausland führte mich nach Guadeloupe, einem Überseedépartment und einer Region Frankreichs, bestehend aus einer Gruppe von Inseln der Kleinen Antillen in der Karibik. Dort hatte ich mich für eine Famulatur am Centre Hospitalier Universitaire in Pointe-à-Pitre beworben und für das Fachgebiet Kardiologie entschieden. Und ich würde eine Famulatur auf Guadeloupe sofort wieder machen!

Mein Ziel: Guadeloupe

Bunte Briefkästen säumen die Straßen auf Guadeloupe
Bunte Briefkästen säumen die Straßen auf Guadeloupe

Die Kleinen Antillen liegen inmitten des Atlantischen Ozeans. Schon 1493 betrat Christoph Kolumbus als erster Europäer die Insel Guadeloupe, um sie zu kolonialisieren. Dies war der Beginn jahrhundertelanger Territorialkriege, in denen das Archipel nun von den Spaniern über die Franzosen an die Briten und wieder an die Franzosen ging. Im Lauf der Geschichte wurde so auch die Zusammensetzung der Gesellschaft immer bunter. Nun leben auf der Insel ehemalige Festlandfranzosen, Afroafrikaner, Inder und Chinesen in Frieden zusammen. Um herauszufinden, was all diese Menschen über die Jahrtausende an diesen Flecken Erde zog, machte auch ich mich im März 2017 auf den Weg nach Guadeloupe.

Diese Neugierde ließ sich sehr gut mit einer Famulatur auf Guadeloupe verbinden. Die Insel ist die größte der Kleinen Antillen. Sie gehört als sogenanntes „DOM-ROM“ (Départements et régions d’outre-mer) zu Frankreich. Dies bedeutet, für dieses Land braucht man als Deutscher kein Visum, das Rechtssystem ist das Französische und die Währung ist der Euro. Die Insel ist frei von den meisten Infektionskrankheiten, wie beispielsweise Malaria oder Gelbfieber, sodass keine Impfungen außer den in Deutschland üblichen nötig sind. Ebenfalls gibt es auf der Insel trotz eines üppigen Dschungels beinahe keine giftigen Tiere und die Kriminalitätsrate ist vergleichsweise niedrig. Guadeloupe ist tatsächlich ein kleines Paradies!

Und los geht die Organisation!

  • Bewerbung

Ich hatte meine Bewerbung für eine Famulatur am Centre Hospitalier Universitaire in Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe neun Monate vorher losgeschickt. Diese ist aber wohl verschollen. So habe ich nochmals eine E-Mail abgeschickt und hatte innerhalb eines Tages meine Zusage für die Kardiologie. Mit dieser Zusage wendet man sich an die hierfür zuständige Ansprechpartnerin in der Verwaltung. Man muss dort nochmals explizit anrufen und erhält dann den Vertrag per Mail. Ich denke, ein Vorlauf von 3-6 Monaten ist perfekt.

  • Literaturempfehlungen

Ich hatte den wohl gängigsten Guadeloupe-Reiseführer von „Iwanowski“ dabei. Der Autor dieses Buches hat seinen Fokus auf die bunte Tierwelt, Städte, Museen und die Strände gelegt. Für sportliche Outdoor-Aktivitäten ist es besser, vor Ort jemanden zu fragen, denn dieser Bereich kommt im Buch leider etwas zu kurz.

Für die Arbeit im Krankenhaus eignet sich prima das Taschenbuch „Französisch für Mediziner“ von „Elsevier“. Besonders nützlich sind hier die Erläuterungen der gängigsten medizinischen Abkürzungen. Im Internet kommt man da meist nicht sonderlich weit.

  • Versicherungen

Das Centre Hospitalier Universitaire (CHU) in Pointe-à-Pitre fordert den Nachweis einer Haftpflichtversicherung. Für Guadeloupe ist sicherlich auch eine Auslandskrankenversicherung eine gute Entscheidung. An dieser Stelle möchte ich auf das Auslandspaket „Easy Med Student Set“ der Agenturen Sobe und Partner hinweisen, welches speziell Medizinstudierenden einen sehr guten Rundum-Versicherungsschutz für einen Auslandsaufenthalt bietet.

Unterkunft und anfallende Kosten

Der Hafen von Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe
Der Hafen von Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe

Die Unterkunft hatte ich bei „AirBnB“ gefunden. Es ist recht schwer, etwas Günstiges in der Nähe von Pointe-à-Pitre zu finden, da Guadeloupe generell etwas teurer ist als Deutschland. Pointe-à-Pitre hat mir als Stadt nicht so gut gefallen und die Kriminalität ist dort höher als in den umliegenden Dörfern. Die Insel hat auf ihren beiden Flügeln zwei unterschiedliche Klimazonen und es macht Sinn im trockeneren Klima auf „Grande-Terre“ nach etwas zu suchen. „Le Gosier“ und „St. Felix“ sind schöne, nah am Klinikum gelegene Orte, die ich sehr empfehlen kann.

Glücklicherweise braucht man auf Guadeloupe im Vergleich zu vielen anderen Inseln der Kleinen Antillen keine Registrierungsgebühr an das Krankenhaus zu zahlen. Ein Auto ist ein absolutes Muss auf der Insel, die Preise hierfür sind vergleichbar mit dem deutschen Markt. Dazu kommen die eher hohen Mietkosten und die hohen Lebensmittelkosten. Guadeloupe importiert beinahe alle Lebensmittel aus Europa! Mit Ausflügen und sonstigen Ausgaben sind 1.000€ ein realistischer Preis von Haustür zu Haustür.

Das Centre Hospitalier Universitaire auf Guadeloupe

Das Hauptgebäude des Centre Hospitalier Universitaire in Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe
Das Hauptgebäude des Centre Hospitalier Universitaire in Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe

Das Centre Hospitalier Universitaire (CHU) in Pointe-à-Pitre ist die mit Abstand größte Klinik auf der Insel und liegt genau in der Mitte der Insel, die von oben betrachtet wie ein Schmetterling anmutet. Es ist ein relativ großer Gebäudekomplex und ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Die Kardiologie dort ist für die Basisversorgung zuständig. Künstlichen Klappenersatz gibt es nur auf Martinique und zu Herztransplantationen müssen die Guadeloupaner nach Paris reisen!

Die Arbeitskleidung musste ich selber stellen. Mit Kittel, langer Jeans und Turnschuhen war ich allerdings relativ allein, denn die meisten Ärzte trugen offene Schuhe und kurze Hosen. Ich hatte mir ein kleines Desinfektionsfläschchen aus Deutschland mitgebracht, das sich sehr gelohnt hat. Die Ausstattung an Handschuhen, Desinfektionsständern oder Mundschutz war etwas defizitär. Das Krankenhaus bietet für Famulanten ein kostenfreies Mittagessen in der Mensa an. Dies ist eine gute Möglichkeit, um mit anderen Studenten in Kontakt zu kommen.

Meine Famulatur in der Kardiologie

Beim Centre Hospitalier Universitaire (CHU) in Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe handelt es sich um ein akademisches Lehrkrankenhaus, welches mit der Medizinischen Fakultät „Hyacinthe BASTARAUD“ der „Université des Antilles-Guyane“ zusammenarbeitet. Die Kardiologie des CHU ist unterteilt in eine Überwachungsstation und eine Normalstation. Dazu kommen eine offene Sprechstunde, ein Herzkatheter Labor und ein Echo. Während der Famulatur bekommt man in alle diese Bereiche einen guten Einblick.

Der Arbeitstag am Klinikum begann um 8:00 Uhr mit der Morgenbesprechung. Es mag verrückt klingen, aber 8:00 Uhr ist wirklich spät, da auf Guadeloupe die Sonne schon um 6:00 Uhr aufgeht. Ich habe die Zeit genutzt und vor der Arbeit noch eine Stunde lang Vokabeln gepaukt. Gegen 9:00 Uhr wurde ich dann einem Arzt zugeteilt und durfte den Tag über mit diesem mitlaufen. Hierbei wurde mir viel erklärt und die Ärzte haben sich hierfür wirklich viel Zeit genommen. Jeden Tag gab es außerdem ein paar Fälle, die ich selber aufnehmen oder voruntersuchen und meinem zugeteilten Arzt vorstellen durfte.

Zu meinen Aufgaben gehörten außerdem Patientenaufklärungen, das Schreiben von Arztbriefen sowie die Interpretation von EKG-Befunden. Besondere Befunde werden im CHU immer mit den Medizinstudenten durchgesprochen.

Im Allgemeinen kann man am Centre Hospitalier in Pointe-à-Pitre viel sehen, wenn man sich etwas dahinterklemmt! Das Leben auf Guadeloupe ist lockerer als auf dem europäischen Festland, sodass eine gute Work-Life-Balance möglich ist. Die flachen Hierarchien an diesem Klinikum haben mich beeindruckt! Das Reinigungspersonal hatte genau das gleiche Ansehen wie ein Arzt und ihre Arbeit wurde in gleicher Weise gewürdigt. Das CHU auf Guadeloupe ist das sauberste Krankenhaus, das ich je gesehen habe.

Leben auf Guadeloupe

Die dichten Mangrovenwälder auf Guadeloupe laden zu Kajak-Touren ein.
Die dichten Mangrovenwälder auf Guadeloupe laden zu Kajak-Touren ein.

Die Bewohner von Guadeloupe sind sehr freundlich und hilfsbereit. Ich hatte mich sofort wohlgefühlt. Besonders auffällig ist das Verhalten im Straßenverkehr. Ich kenne keinen Ort, an dem die Straßenverkehrsteilnehmer so respektvoll und umsichtig sind wie auf Guadeloupe. Viele der Guadeloupaner sprechen kreolisch, einen französischen Dialekt. Ich hatte große Probleme damit, ihn zu verstehen, aber es gab meistens jemanden, der in Hochfranzösisch übersetzen konnte.

Zur Sicherheit ist zu sagen, dass ich den Eindruck hatte, dass man bei Tage auf Guadeloupe nichts zu fürchten hat. Pointe-à-Pitre würde ich eher meiden, ansonsten habe ich keine Einschränkungen bemerkt. Bei Einbruch der Dunkelheit war ich meist wieder zu Hause. Besonders gefallen hat mir der Dschungel. Weil es dort keine giftigen Tiere, außer einem speziellen Tausendfüßler, gibt, kann man völlig unbesorgt sehr schöne Touren machen. Die Hygienebedingungen auf Guadeloupe waren exzellent. Das Wasser hat Trinkwasserqualität, allerdings schmeckt man das Chlor heraus. Ich hatte nie Probleme mit irgendwelchen Lebensmitteln.

Ein Fazit

Die Buchten des Archipel Les Saintes - Heiligeninseln - vor der Südspitze von Guadeloupe zählen zu den wohl schönsten Orten der Erde
Die Buchten des Archipel Les Saintes – Heiligeninseln – vor der Südspitze von Guadeloupe zählen zu den wohl schönsten Orten der Erde

Guadeloupe ist ein wahres Paradies. Es gibt noch recht wenige Touristen dort und man kommt schnell in Kontakt mit den Einheimischen.

Der Standard des Centre Hospitalier Universitaire in Pointe-à-Pitre gleicht eher dem südamerikanischen als dem französischen. Besonders gefallen hat mir der respektvolle Umgang miteinander.

Eine Famulatur auf Guadeloupe würde ich sofort wieder machen!

K., E.

Tübingen, August 2017

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