Famulatur in Österreich – Kardiologie

20. Juni 2017

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Kardiologie, Land, Österreich

Österreich, Salzburg, Salzburger Landeskliniken (27.02.-28.03.2017)

Zwischen Kardiologie und Sachertorte! Meine Famulatur führte mich in die Kardiologie der Salzburger Landeskliniken. Da ich mich sehr für die Kardiologie interessiere und mir auch für die Zukunft dies als Fachgebiet vorstellen kann, hat mir die Arbeit auf Station besonders gut gefallen. Für mein Studium konnte ich dort praktische Fertigkeiten erlernen und üben. Und ich war begeistert, wie sich die Ärzte Zeit für die Patienten und auch für uns Medizinstudenten genommen haben. Die Famulatur in Salzburg wird mir in sehr guter Erinnerung bleiben!

Mein Ziel: die Kardiologie der Salzburger Landeskliniken

Salzburg und die Berge
Salzburg und die Berge

Liebe Leser, ich heiße Tom, bin 26 Jahre alt und studiere Medizin in Dresden an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus. Im klinischen Abschnitt unseres Medizinstudiums sind Famulaturen vorgesehen, also Einsätze in Kliniken bzw. Praxen, in denen wir Praxisfertigkeiten wie z.B. Blut abnehmen, Flexülen legen, aber auch Patientenanamnese/-untersuchungen und Therapieplanungen erlernen und festigen sollen. Da mich das Herz, seine Erkrankungen und deren Heilung sehr faszinieren, war mir klar, dass ich eine Famulatur auf einer Kardiologie absolvieren werde. Vor ca. zwei Jahren war ich bereits für einen Tag in Salzburg, um die Stadt zu erkunden – viel zu wenig für diese wunderbare Stadt und ihre Umgebung.

Somit war klar: Ich bewerbe mich für eine Famulatur im März 2017 in der Kardiologie der Salzburger Landeskliniken (SALK), dem Universitätsklinikum der PMU (Paracelsus Medizinische Privatuniversität).

Alles will geplant sein!

Salzburg - ein großartiges Panorama vom Mönchsberg
Salzburg – ein großartiges Panorama vom Mönchsberg

Vorab waren einige Angelegenheiten zu planen: Bewerbung, Unterkunft, Anreise, Arbeitszeiten, Ansprechpartner und – für einen Studenten elementar wichtig – die Finanzierung!

Die Bewerbung für einen Famulatur Platz ging sehr schnell und komplikationslos. Die Ansprechpartnerin ist die Chefsekretärin der Universitätsklinik für Innere Medizin II – Kardiologie und Internistische Intensivstation. Nach einer Anfrage per Mail, wurde mir die Famulatur Stelle schnell bestätigt. Ich hatte mich bereits ein Jahr vor dem Famulatur Start beworben.

Die Unterkunftssuche in Salzburg gestaltete sich jedoch schwieriger. Nach langer Suche konnte ich ein Personalzimmer im Personalhaus „Lehen“ der „Christian-Doppler-Klinik“ sichern. Ansprechpartner: Frau Ulbing. Dieses liegt mit dem Fahrrad ca. fünf Minuten vom Universitätsklinikum entfernt und auch nahe dem Zentrum von Salzburg. Das Fahrrad ist meiner Meinung nach übrigens die beste Variante, stressfrei durch Salzburg zu kommen. Die Ampeln dort vor Ort bringen einen durch ihre langen Umschaltzeiten eher zur Verzweiflung. Außerdem erreicht man mit dem Rad alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in kurzer Zeit und tut sich selber als auch der Umwelt etwas Gutes!

Wer nach Salzburg kommen möchte, kann per Flugzeug, der Flughafen liegt nahe dem Zentrum, mit der Bahn, bei früher Buchung sind Sparpreistickets zu guten Konditionen erhältlich, oder mit dem Auto anreisen. Salzburg liegt von Dresden aus ca. 530 km entfernt. Ich hatte mich für das Auto entschieden, da Salzburg eine wunderschöne Natur, so z.B. den Wolfgangsee, den Königssee, den Fuschlsee etc., in der nahen Umgebung zu bieten hat. Außerdem konnte ich dadurch auch mein Fahrrad mitbringen.

Für die finanzielle Unterstützung meines Projektes hatte ich mich für ein Auslandsstipendium (Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien) bei Mediziniernachwuchs.de beworben und war sehr glücklich, dass mir dieses gewährt wurde!

Los ging’s!

Am 25.02.2017 ging es mittags los. Nach ca. 6 h Autofahrt in Richtung Berge kam ich dann abends in der kleinen Metropole Salzburg an. Die Personalzimmer des Personalhauses „Lehen“ der „Christian-Doppler-Klinik“ bieten Einzelzimmer mit Bett sowie eigener Küchenzeile und Bad mit Dusche, Toilette und Waschbecken. Durch die Nähe zur Klinik und dem Zentrum ist dieses Wohnheim perfekt gelegen, auch wenn die direkte Umgebung und das Haus an sich etwas trostlos wirken.

Meine Famulatur in der Kardiologie

Die Salzburger Landeskliniken - Haus D - Kardiologie
Die Salzburger Landeskliniken – Haus D – Kardiologie

Am 27.02.2017 startete ich dann in den ersten Tag meiner Famulatur in der Kardiologie an den Salzburger Landeskliniken und wurde gleich einem „Turnusarzt“ zugeteilt, der für den gesamten Zeitraum mein Mentor war und mit dem ich bei allen Fragen Rücksprache halten konnte. „Turnusärzte“ besitzen die Approbation und arbeiten direkt nach dem Medizinstudium noch neun Monate im Klinikum, bevor sie sich dann für eine Facharztweiterbildung entscheiden.

Ich wurde der Männerstation zugeteilt, jedoch war es während der gesamten Famulatur möglich, auch andere Stationen bzw. Funktionseinheiten wie z.B. Katheterlabor, IST kennenzulernen. Die Arbeitszeiten sind offiziell montags bis freitags von 7:00 bis 15:30 Uhr. Der Tagesablauf verlief meist in dieser Abfolge: 8:00 Uhr Morgenbesprechung (ca. 5-15 min) mit allen Kollegen der Kardiologie. Hier wurden Patientenfälle des Vorabends/der Nacht besprochen bzw. Krankengeschichten und deren Behandlungen erörtert. Danach ging es dann auf Station, wo die Aufgaben bereits auf einen warteten. Meine Tätigkeiten waren vor allem Patientenaufnahmen mit körperlicher Untersuchung, EKG-Aufzeichnung und Auswertung zusammen mit den Ärzten der Station, venöse/arterielle Blutabnahmen und Flexülenanlage.

Zur morgendlichen Visite wurden mit den Patienten die Ergebnisse der Untersuchungen besprochen bzw. die weitere Vorgehensweise erklärt. Ich konnte dadurch auch direkt meine Fragen klären, die sich bei mir, z.B. bei der Behandlungsstrategie, ergeben hatten. Ich habe vor allem durch die Visiten und die Gespräche mit den Ärzten viele praktische Tipps erhalten. Das ärztliche wie auch pflegerische Personal auf Station war – wirklich ohne Ausnahme – immer hilfsbereit. Natürlich öffnen sich einem noch mehr Türen, wenn man Interesse für das Fach zeigt.

Da ich mich sehr für die Kardiologie interessiere und mir auch für die Zukunft dies als Fachgebiet vorstellen kann, hat mir die Arbeit auf Station besonders gut gefallen. Nachdem ich ein paar Mal bei den Ultraschalluntersuchungen des Herzens zugeschaut hatte, fragte ich, ob ich dies auch selber mal bei Patienten versuchen könnte. Dies war, mit Einverständnis der Patienten, kein Problem. Die Ärzte zeigten mir geduldig auch nochmal den Algorithmus dieses „Herz-Echos“. Um auch einen Einblick in die anderen Bereiche der Kardiologie vor Ort zu bekommen, habe ich jeweils ein paar Tage auf der ITS, Notaufnahme und dem Herzkatheter Labor vorbeigeschaut. Auch hier war ich begeistert, wie sich die Ärzte Zeit für die Patienten und auch für uns Medizinstudenten genommen haben.

In kurzer Zeit konnte ich somit einen Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten bei kardiologischen Erkrankungen erhalten. Grundsätzlich war es so, dass ich als Famulus immer in Rücksprache mit den Ärzten Aufgaben wie Patientenaufnahmen und -untersuchungen durchführen konnte. Danach habe ich die Patienten dann den Ärzten vorgestellt und wiederum wurden mir dann Fragen gestellt, wie ich weiterverfahren würde. Meiner Meinung nach ist dies die effektivste Methode, Behandlungsstrategien zu verstehen.

Die Salzburger Landeskliniken (SALK) sind Lehrkrankenhaus der PMU Salzburg (Paracelsus Medizinische Privatuniversität). Somit waren auch vereinzelt Medizinstudenten der PMU auf den Stationen. Mit einem dieser Studenten konnte ich mich in der kurzen Zeit anfreunden. Im Gespräch mit ihm konnte ich die Unterschiede im Medizinstudiums Ablauf erkennen. So ist zum Beispiel das Humanmedizinstudium in Salzburg an der PMU auf fünf Jahre festgelegt, wobei diese kürzere Dauer des Studiums durch viel kürzere Semesterferien möglich ist. Es gab aber auch Praktikanten aus den anderen medizinischen Universitäten Österreichs, aus Graz, Linz, Innsbruck.

Als großer Unterschied zu den deutschen Kliniken, an denen ich bereits gute Erfahrungen sammeln konnte, fiel mir Folgendes auf. Soweit ich es erkennen konnte, gab es mehr medizinisches Personal (Ärzte und Pflegekräfte) zur Versorgung der Patienten. Das wiederum zeigte sich durch den etwas weniger stressigen Tagesablauf. Somit bleibt auch für die Ärzte mehr Zeit für die Patienten und zur Ausbildung der Famulanten. Auch wenn ich in den vorherigen Kliniken sehr gut betreut wurde, scheint mir dieser Faktor sehr entscheidend für die Lehre.

Es gibt viel zu sehen

Einfach herrlich - St. Wolfgang am Wolfgangsee
Einfach herrlich – St. Wolfgang am Wolfgangsee

Salzburg und seine Umgebung sorgen am Wochenende und nach Dienstschluss dafür, dass keine Langeweile aufkommt. In der Stadt gibt es zahlreiche Museen wie das Salzburger Museum, das Dom-Museum etc., Kirchen wie die Universitätskirche, die St. Peterskirche etc. und die Salzburger Festung. Auch zum Wandern gibt es kleine und größere Touren. Vom Mönchsberg aus hat man eine wunderbare Aussicht auf die Stadt und die nahen Berge. Die vielen Cafés in der Salzburger Innenstadt laden bei Sonnenschein zum Verweilen ein.

Die wohl „beste“ Sachertorte Österreichs soll man im „Hotel Sacher“, einem Hotel direkt im Zentrum, finden. Ich habe sie gekostet und muss sagen, es stimmt. Auch wenn der Preis für 6,50 Euro/Stück wirklich schmerzt, war es ein unvergesslicher Genuss im Vergleich zu anderen Konditoreien. Da Salzburg die Geburtsstadt Mozarts ist, finden sich auch viele Spuren des Künstlers in der Stadt.

Meiner Meinung nach ist der beste Tipp, um Salzburg kennenzulernen, in die „Getreidegasse“ zu gehen, die Hauptstraße Salzburgs, und die Stadt auf sich wirken zu lassen. Man gelangt dadurch zu den meisten Sehenswürdigkeiten. Die „Stiegl-Brauerei“, Österreichs größte Brauerei, bietet unterhaltsame Führungen durch die Brauerei mit anschließender Bierverkostung an – da sagt man als Student gern zu. Falls mal der Hunger kommt, kann ich den „Bärenwirt“ empfehlen, der wohl das „beste Brathendl der Stadt“ zubereitet – und ja, das kann ich bestätigen. Abends gibt es genügend Lokale, um mit Freunden auszugehen. Hier sollte man am besten die Salzburger Studenten fragen. Mit ihnen habe ich ein paar Lokale und deren Geschichten kennengelernt!

In der nahen Umgebung von Salzburg befindet sich „Schloss Hellbrunn“, das im Sommer durch seine Wasserspiele verzaubert. Im Park lässt sich am Wochenende auch gut die Sonne genießen. In der Umgebung von Salzburg finden sich zudem viele Seen. Neben dem Fuschlsee, dem Mattsee und anderen ist der Wolfgangsee meiner Meinung nach der atemberaubendste. Die Lage zwischen den Bergen, die Farben, die Natur, die Luft, St. Wolfgang – ein Traum! Ich war während meines Famulatur Aufenthaltes mehrmals dort.

Der Königssee bietet in den wärmeren Monaten ebenfalls herrliche Entspannung, leider war es im März noch zu kalt für Touren. Die Saison an den Seen und der Umgebung beginnt erst ab ca. April, sodass im März noch viele Geschäfte und Attraktionen geschlossen waren. Aber die Natur selbst sorgt dafür, dass diese Orte auf ewig in Erinnerung bleiben.

Das Fazit meiner Famulatur

Salzburg bei Nacht
Salzburg bei Nacht

Die Famulatur in Salzburg wird mir in sehr guter Erinnerung bleiben. Für mein Studium konnte ich praktische Fertigkeiten erlernen und üben. Für mich war es besonders wichtig, die Gegebenheiten im Vergleich zu deutschen Krankenhäusern kennenzulernen. Aber auch die Stadt und deren Menschen. Ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt und habe einige tolle Menschen kennengelernt.

Daher empfehle ich Jedem von Euch: Traut Euch und geht ins Ausland, um Erfahrungen zu sammeln. Es wird Eurer persönlichen Entwicklung auf kultureller und menschlicher Ebene dienen.

Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich bei Herrn Karle und Herrn Sobe, den Gründern von Medizinernachwuchs.de (Aktivitäten / Engagement) für das verliehene Auslandsstipendium bedanken. Es bedeutete für mich eine große finanzielle Unterstützung.

Vielen lieben Dank!

P., T.

Dresden, März 2017

Stipendiat im Rahmen der Auslandsstipendien 2016-2017

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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