Famulatur in Jamaika – Kardiologie

5. Mai 2017

in Chancen im Ausland, Famulatur im Ausland, Jamaika, Kardiologie

Jamaika, Kingston, Heart Institute of the Caribbean (13.02.-14.03.2017)

„Von weißen Sandstränden, todesnahen Taxifahrten und der entspannten Kultur der Rastafari“. Es ging zu einer spannenden und interessanten Famulatur in die Karibik, genauer gesagt an das Heart Institute of the Caribbean auf Jamaika. Wenn man Interesse und Eigeninitiative mitbringt, kann man an diesem Krankenhaus in der Hauptstadt Kingston in der Fachrichtung Kardiologie sehr fit werden. Und zudem in seiner Freizeit das Leben und Treiben auf einer wunderschönen Insel erkunden.

Ziel Jamaika – Meine Bewerbung

Beeindruckende Natur Jamaikas - Wandern zu kleinen Wasserfällen und in tropischen Wäldern
Beeindruckende Natur Jamaikas – Wandern zu kleinen Wasserfällen und in tropischen Wäldern

 

Es fing alles mit der fixen Idee an, eine Famulatur im Ausland zu machen und bei einem Bierchen erzählte mir im April 2016 ein guter Freund von seiner Famulatur auf Jamaika. Ich denke, da wurde das Projekt geboren und die Suche nach Mitreisenden begann. Nach einigem Hin und Her fanden sich am Schluss zwei Freunde, die auch Feuer und Flamme für eine Reise in die Karibik waren und ich setzte mich Ende August an die Planung. Früher wäre natürlich besser gewesen, aber auch ein halbes Jahr vorher ist eigentlich genügend Zeit, um alles zu organisieren.

Als erstes kontaktierte ich einen deutschen Schönheitschirurgen, der vor etlichen Jahren nach Kingston ausgewandert war und uns wirklich in allen Fragen weiterhalf. Da bei ihm schon alle Famulatur Plätze für den Zeitraum Februar/März 2017 besetzt waren, schickte er mir zwei andere Adressen. Zum einen vom Hospital May Pen, circa eine dreiviertel Stunde von Kingston Zentrum entfernt, und vom Heart Institute of the Caribbean. Außerdem kümmerte er sich ganz lieb um eine Unterkunft für die vier Wochen, die wir in Kingston famulieren würden.

Über den Zeitraum von September bis November schrieb ich unzählige Mails, sowohl mit dem Schönheitschirurgen als auch mit dem Hospital May Pen. Dieses war leider sehr enttäuschend. Tagelang wartete man vergeblich auf eine Antwort und dann hieß es immer wieder, dass diese und jene Person nicht zuständig wäre. Ich wurde gefühlt durch das ganze Krankenhaus weitergeleitet und es interessierte keinen so wirklich, dass wir ein Praktikum machen wollten. Als ich dann schlussendlich eine Telefonnummer bekam und mich schon freute, alles schnell am Telefon klären zu können, lernte ich, dass dieser Begriff „schnell“ in Jamaika eher nicht existent ist. Es war die falsche Telefonnummer und das Warten auf die richtige dauerte zwei weitere Wochen.

Da es in diesem Krankenhaus so schwierig war, eine/n Verantwortliche/n zu finden und ich schon leicht nervös wurde, schickte uns der Schönheitschirurg den Kontakt zum Heart Institute of the Caribbean und ich setzte wieder ein Bewerbungsschreiben auf. Dieses Mal aber mit Erfolg! Natürlich dauerte es wieder einige Wochen, bis wir die  Zusage im E-Mail Postfach hatten, schlussendlich Ende Dezember 2016, aber damit war der Stress auch dann vorbei und wir freuten uns schon auf geniale Wochen in der Sonne.

So ging es am 10. Februar 2017 raus aus dem tiefen Winter in Deutschland in die schwüle Hitze Jamaikas. Da wir direkt am Flughafen eine Mitfahrgelegenheit nach Kingston fanden, konnten wir noch am gleichen Abend bei dem Schönheitschirurgen klingeln und lernten bereits das chaotische Treiben auf dieser kleinen karibischen Insel kennen.

Wohnen auf Jamaika

Der Arzt hatte uns zwei Zimmer bei einer Freundin vermittelt. Eigentlich bietet Nancy ihre Zimmer auf AirBnB an, aber dank seiner Intervention konnten wir für vier sehr schöne Wochen bei ihr einziehen. Es fühlte sich bald wie eine WG an und wir frühstückten jeden Morgen gemeinsam auf der Terrasse und tranken den weltberühmten „Blue Mountain Coffee“ aus den Bergen Jamaikas. Nancy half uns auch immer weiter, wenn wir Ausflugsziele suchten oder die schönsten Strände sehen wollten. Außerdem wusste sie, wo Jam Sessions der Rastafari, Filmvorträge und Kunstaustellungen stattfanden. Es war die 380€ Miete vollkommen wert und der Abschied fiel uns allen schwer!

Vier Wochen Famulatur am Heart Institute of the Caribbean

Behandlungszimmer im Heart Institute of the Caribbean in Kingston - Jamaika
Behandlungszimmer im Heart Institute of the Caribbean in Kingston – Jamaika

Wir fanden uns schnell in Kingston, dieser quirligen Hauptstadt Jamaikas, zurecht. Es gibt unzählige Route Taxis, die für wenig Geld zwischen den wichtigsten Verkehrsknotenpunkten fahren. Da wir in „Jacks Hills“ bei Nancy wohnten, mussten wir jeden Tag ein Taxi bis „Halfway Tree“ nehmen und von dort dann zum Krankenhaus gehen. Diese Fahrten lassen den Adrenalinspiegel schon mal in die Höhe fahren!

Am ersten Tag bekamen wir am Heart Institute of the Caribbean eine Einführung in die Klinik und wurden dem gesamten Personal vorgestellt. So fühlten wir uns gleich willkommen und wurden auch direkt in den Klinikalltag miteinbezogen. Es arbeiteten auch fünf portugiesische technische Assistentinnen in dem Heart Institute, die uns in den ersten zwei Wochen unter ihre Fittiche nahmen und uns mit viel Geduld in die Kunst der „Herzsonographie“ einführten. Wir durften viel an uns gegenseitig üben, bei Untersuchungen zusehen und viele Fragen stellen sowie am Schluss auch selbst den Schallkopf in die Hand nehmen. Wenn weniger los war, zeigten sie uns interessante Fälle aus der Vergangenheit und erklärten die verschiedenen Pathologien. Außerdem lernten wir eine Carotis Doppler Untersuchung durchzuführen und werteten unzählige EKGs aus.

Da nicht alle drei von uns im gleichen Raum sein sollten, weil dies doch unangenehm für die Patienten war, wechselten wir uns immer ab. Ein bis zwei waren im Behandlungszimmer mit den Ärzten, einer beim Echo und einer sprang zwischen EKG, Belastungsecho, Cardiac Scan und Angiogramm hin und her. Je nachdem was auf dem Tagesplan stand.

Meistens kamen wir um 9:00 Uhr in die Klinik, schauten kurz, was für den Tag angesetzt war, und gingen dann zu den Ärzten und in die Echoräume.  Wann immer ein Angiogramm angesetzt war, durften wir zusehen und einer der Ärzte erklärte uns im Nachhinein, wo zum Beispiel eine Stenose sichtbar war und was die nächsten Schritte in der Behandlung wären. Meistens blieben wir bis nach 16:00 Uhr. Außer dienstags, denn da ist immer klinische Konferenz, an der das gesamte Personal, wenn möglich, teilnehmen soll. Dabei gab es immer eine Person, die einen Vortrag zu einem interessanten Fall oder einer bestimmten Studie etc. hielt, und dann diskutierte man etwaige Fragen oder fügte noch interessante Infos hinzu. Wir hielten während unserer Famulatur einen Vortrag zu „Carotis Doppler und EKG Veränderungen bei Sportlern“.

Dienstags kam zudem immer ein Arzt aus einer anderen Stadt, ein Spezialist für Kinderkardiologie. Dadurch sahen wir noch unzählige angeborene Herzfehler in Echo und EKG.

Am Heart Institute of the Caribbean sieht man viele Herzerkrankungen und ist nach der Famulatur einigermaßen sicher in Echos und EKGs. Allerdings hatten wir auch viele Stunden nichts zu tun, weil keine Patienten kamen. Jamaikaner haben angeblich Angst vor Regen, deswegen haben immer alle Patienten an Regentagen abgesagt… Ob das stimmt? Ab der dritten Woche wurde es mühsam, da wir keinen neuen Input mehr hatten und viele Medikationen hinterfragten, die den Patienten verordnet wurden, da diese nicht unbedingt leitliniengerecht waren.

Wenn man Interesse und Eigeninitiative mitbringt, kann man am Heart Institute of the Caribbean in Kingston in der Fachrichtung Kardiologie sehr fit werden. Ich würde jedem raten, mit 2-3 Kommilitonen dort gemeinsam eine Famulatur zu machen, da es oft sehr entspannt zugeht und immer mal wieder Zeit für eine Runde Skat war.

Was bietet Jamaika sonst so?

Wandern in den Blue Mountains auf Jamaika
Wandern in den Blue Mountains auf Jamaika

Wir machten am Wochenende oft Ausflüge und wenn man fragt, darf man auch mal am Freitag frei nehmen, um eine weitere Tour zu unternehmen. Sehr zu empfehlen ist eine Tour in den „Blue Mountains“, um den Sonnenaufgang am Berggipfel zu sehen. Außerdem gibt es unglaublich schöne Strände, zum Beispiel die „Treasure Beach“. An diesem Strand gibt es auch die „Pelican Bar“ mitten im Ozean, wo man den Jamaikanern beim Dominospielen zusehen  und ein kühles Bier in der Sonne genießen kann. Für einen Tagesausflug lohnt auch eine Fahrt mit einem Boot zu der kleinen vor Kingston gelegenen Insel „Lime Cay“. Der Norden Jamaikas ist an manchen Orten eher touristisch, vor allem rund um „Ocho Rios“. Aber sechs Wochen reichen bei Weitem nicht, um alles auf dieser wunderschönen Insel zu erkunden.

Donnerstags treffen sich immer einige Musiker im Golf Club und musizieren gemeinsam. Man sollte auf jeden Fall mal dort vorbeischauen. Dort finden sich auch immer viele Mitglieder der „German-Jamaican Society“, die gute Tipps für Reisende haben und alle zwei Wochen am Sonntag eine Wanderung für alle veranstalten, die Lust und Laune haben.

Finanzierung

Konzerte in Kingston - die Musik spielt im Leben der Jamaikaner eine wichtige Rolle
Konzerte in Kingston – die Musik spielt im Leben der Jamaikaner eine wichtige Rolle

Hier mal eine grobe Aufschlüsselung unserer Kosten:

  • Flüge: 630€
  • Unterkunft für vier Wochen: 380-500€ pro Person.
  • Leben/Reisen: circa 400-500€ für sechs Wochen
  • Hostel: pro Nacht 15-25€

Das klingt sehr viel, aber da wir alle unsere Zimmer zuhause für die zwei Monate zwischenvermietet hatten, mussten wir nicht doppelt Miete bezahlen.

Wir waren auch ziemliche „Sparfüchse“. Die Supermärkte auf Jamaika sind doch recht teuer und daher kauften wir in diesen nur die Grundlebensmittel wie Reis, Nudeln und Brot. Für den Rest sind wir auf die Märkte nach „CrossRoads“ oder „Downtown“ gefahren. Kleiner Tipp: Es wird dir jeder abraten, dorthin zu fahren, weil immer wieder Touristen ausgeraubt oder bedroht werden. Lasst einfach die Kamera zuhause und nehmt nur so viel Geld mit, wie Ihr ausgeben möchtet. Solange Ihr tagsüber und nicht in irgendwelchen einsamen Straßen unterwegs seid, sollten diese Orte überhaupt kein Problem sein. Wir haben unglaublich nette Jamaikaner kennengelernt, die uns sehr hilfsbereit weiterhalfen und immer daran interessiert waren, was wir denn auf ihrer Insel machen und wie es uns gefällt. Natürlich muss man auf den Märkten handeln, sonst kriegt man alles zu Touristenpreisen. Nach der zweiten Woche  kannten uns dann schon alle. Man gewöhnt sich doch sehr schnell an die „Jamaikanische Lebensart“.

Man kann natürlich ein Auto mieten, wovon ich abraten würde, da der Straßenverkehr überaus chaotisch ist, oder mit gecharterten Taxis rumfahren. Wir haben uns eher auf lokalen Bustransport, Route Taxis und „Hitchhiking“ beschränkt. „Hitchhiking“ hätte ich als Frau alleine nicht gemacht, aber mit zwei Jungs unterwegs, war es überhaupt kein Problem. Dadurch lernten wir die Jamaikaner noch besser kennen und  hatten oft sehr interessante Gespräche über Kultur, Geschichte und Geographie der Insel.

Was die Finanzierung meiner Famulatur auf Jamaika betrifft, hatte ich auch noch das Glück, eine Stipendiatin der Auslandsstipendien von Medizinernachwuchs.de zu sein und durfte mich über 250€ extra freuen. Macht Euch die Mühe und bewirbt Euch für diese Finanzspritze, es lohnt sich wirklich!

Was bei der Vorbereitung zu beachten ist

  • Karibik pur - Zelten am Treasure Beach auf Jamaika
    Karibik pur – Zelten am Treasure Beach auf Jamaika

    Visum:

Ein Visum brauchten wir keines. Der Pass musste am Einreisedatum noch mindestens  sechs Monate gültig sein. Wenn man über die USA fliegt, unbedingt an „ESTA“ denken! Und da ist es ganz wichtig, sich über die offizielle Website anzumelden. Es sollte 14 US$ (Stand Feb 2017) kosten. Auf anderen Webseiten kostet es teilweise über 100US$.

(Anm.d.Red. Um wirklich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

  • Impfung:

Gelbfieberimpfung ist nicht Pflicht, wir haben uns trotzdem immunisiert. Man kann ja nie wissen.

  • Versicherungen:

Ich hatte eine Auslandskrankenversicherung, eine Privat- und Berufshaftpflichtversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Herr Sobe von den Agenturen Sobe & Partner in Berlin, er ist auch Mitgründer der Seite Medizinernachwuchs.de und unterstützt diese finanziell, hat mich darüber sehr gut beraten (Neues Auslandspaket „Easy Med Student Set“). Daher empfehle ich, sich über  Versicherungen informieren zu lassen, falls man noch keine hat.

  • Medikamente:

Eine gute Reiseapotheke ist immer empfehlenswert. Wir hatten von Antibiotikum bis Kohletabletten das Wichtigste dabei. Brauchten zum Glück nichts, aber Kingston ist auch gut mit Apotheken ausgestattet.

  • Kleiderordnung:

Es reicht ein Klinikkittel und lange Hose. Stethoskop soll man selbst mitbringen.

  • Reisen als Frau:

Als Frau alleine kann es auf Jamaika sehr anstrengend werden, da man immer angesprochen wird und meist reicht ein Einfaches „Nein“ nicht. Heiratsanträge bekommt man regelmäßig. Ich fand es sehr angenehm, in einer Gruppe unterwegs zu sein. Das hat vieles erleichtert.

Viktoria Felgel-Farnholz

Dresden, Februar 2017

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2016-2017

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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1 Kommentar

  • Das klingt ja wirklich toll. Wäre es möglich den Kontakt zu dem Schönheitschriurgen oder dem Hearth Institute of the Caribbean weiterzuleiten? Ich würde mich ebenfalls gerne für eine Famulatur bewerben.

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