Famulatur auf Barbados – Anästhesie

19. Mai 2017

in Anästhesie, Barbados, Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Land

Barbados, Bridgetown, Queen Elizabeth Hospital (06.03.-04.04.2017)

Nachdem ich mein gesamtes Krankenpflegepraktikum und einen Teil meiner Famulaturen in Deutschland abgeleistet hatte, wollte ich endlich einmal ein Krankenhaussystem in einem mir unbekannten Land sehen – am besten so weit weg, wie möglich! Die Karibik schien mir für die Wintersemesterferien ein ideales Ziel, weshalb ich mich blind auf diversen englischsprachigen Inseln bewarb. Das Queen Elizabeth Hospital auf Barbados hatte nicht nur das einfachste Bewerbungsverfahren, sondern war auch das erste, von dem ich eine Rückmeldung erhielt. Im Endeffekt ein absoluter Glücksgriff!

Bewerbung für Barbados und erste organisatorische Schritte

Ich hatte mich ein Dreivierteljahr vor dem geplanten Beginn der Famulatur beworben. Die Bewerbung verlief ganz unkompliziert, denn die Medizinische Fakultät der University of the West Indies (UWI) von Barbados hat ein fertiges Formular auf ihrer Website, auf der man ein paar persönliche Angaben macht, sich drei Wunsch-Stationen aussucht und einen Lebenslauf als auch ein Empfehlungsschreiben der Heimatuniversität hoch lädt. Hier gilt: „First come, first serve“! Drei Monate später erhielt ich dann per E-Mail eine Zusage mit einem Angebot in der Anästhesiologie.

Zusammen mit dem Angebot für mein „Medical Elective“ kam ein ganzer Stapel an Anforderungen: „Immunization Record“ (Nachweis von HepB-Immunität, MRSA-Screen, Röteln-Titer usw., die von der Arbeitsmedizin ausgefüllt werden müssen), „Rules and Regulations“ und ein ausführlicher „Dress Code“.

Wichtiger Hinweis: „Immunization Record“ am besten sofort erledigen, wenn man das Angebot bekommt. Bei mir mussten einige Impfungen aufgefrischt werden und ehe man Impftermine und Titer-Kontrollen erledigt hat, können schon mal zwei Monate ins Land gehen.

Auch der „Dress Code“ hat mich einiges an Zeit und Geld gekostet. OP-Kleidung und -Schuhe müssen selbst mitgebracht werden! Ansonsten ist die Kleidung im Hospital sehr formal. Die Männer tragen ein weißes Hemd mit schwarzer Krawatte und eine ordentliche köchellange Hose, die Frauen eine Bluse und einen langen schwarzen Rock oder eine Stoffhose – nicht enganliegend, knöchellang. Oben drüber kommt ein kurzer Kittel, aufgrund der Temperaturen am besten kurzärmlig.

Nachdem ich alle Formalitäten erledigt und dem Queen Elizabeth Hospital zugesagt hatte, kam von meiner Kontaktperson leider auf keine einzige E-Mail eine Antwort. Im Endeffekt hätte ich mir deswegen aber keine Sorgen machen müssen, da alles angekommen war und es am ersten Tag auch gar keine Probleme gab. Allen anderen ausländischen Famulanten ging es ähnlich.

Weitere erforderliche Vorbereitungen

  • Visum

Ein Visum war für mich nicht nötig, da man bis zu 90 Tage ohne Visum bleiben darf. Wichtig ist es aber, bei der Einreise ein Weiter-/Rückflugticket, die Adresse der Unterkunft und eine Bestätigung für den Famulatur Platz im Krankenhaus parat zu haben.

(Anm.d.Red. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

  • Literaturempfehlungen

Ich hatte immer ein kleines Taschenbuch „Medical English“ für Übersetzungsschwierigkeiten dabei, welches mir oft geholfen hat. Im Voraus hatte ich an meiner Universität einen Kurs in „Medical English“ absolviert. Außerdem hatten die meisten Ärzte am Hospital nichts dagegen, wenn man schnell etwas im Handy nachliest. Viele Studenten haben – sogar im OP – mit ihren Tablets gearbeitet.

Ebenfalls sehr empfehlenswert ist es, sich für die freien Tage einen Reiseführer für Barbados zu besorgen, denn im Internet findet man vergleichsweise wenig gute Tipps.

  • Versicherungen

Einen Nachweis für eine Auslandskranken- und Haftpflichtversicherung wurde vom Krankenhaus nicht gefordert, diese Versicherungen sind aber selbstverständlich absolut empfehlenswert. Ich hatte das Glück, dass ich im Rahmen der Auslandsstipendien von Medizinernachwuchs.de, für die ich mich im Voraus beworben hatte, für eine finanzielle Unterstützung meiner Famulatur auf Barbados ausgewählt wurde und zudem auch eine gute Beratung für ein Rundum-Versicherungspaket für Medizinstudenten (Neues Auslandspaket „Easy Med Student Set“) erhalten habe.

Das Queen Elizabeth Hospital – Krankenhaus & Universitätsklinikum

Das Queen Elizabeth Hospital in Bridgetown auf Barbados
Das Queen Elizabeth Hospital in Bridgetown auf Barbados

Das Queen Elizabeth Hospital (QEH) ist das einzige staatliche Krankenhaus auf Barbados und liegt in der Hauptstadt Bridgetown. Es ist die Universitätsklinik der University of the West Indies (UWI). Die Medizinstudenten auf Barbados studieren drei Jahre lang die Vorklinik an der UWI und im 4. und 5. Jahr rotieren sie in Monatsabschnitten täglich über bestimmte Stationen im Krankenhaus. Ich hatte das Glück, dass gleichzeitig mit mir die Studenten des 4. Jahres ihren Monat auf der Anästhesie begannen. Deswegen konnte ich bequem einer Gruppe zugeteilt werden, bei der ich die ganze Zeit mitlief und an Konferenzen und Unterrichtseinheiten teilnahm. Jede Woche war ein anderer Anästhesist für die Gruppe zuständig, sodass ich alle chirurgischen Disziplinen einmal gesehen habe.

Die Ausstattung und das Vorgehen im Hospital entsprechen nicht dem Standard, den wir aus Deutschland kennen. Vor allem die ärmere Bevölkerung kommt ins Queen Elizabeth Hospital; diejenigen, die eine gute Versicherung haben, weichen wohl öfter auf private Krankenhäuser und Praxen aus.

Meine Famulatur in der Anästhesie

Grundsätzlich besteht die Aufgabe der Medizinstudenten darin, dem zuständigen Anästhesisten zu folgen, alles zu beobachten und Fragen zu stellen. Ohne Eigeninitiative passiert sonst nicht viel. Je nachdem, wie gesprächig und motiviert der Arzt war, konnte ein Tag sehr lehrreich und interessant, aber auch sehr sinnlos und langweilig werden. Anfangs durften die Studenten und ich so gut wie nichts Praktisches machen, erst in der letzten Woche habe ich bei der Einleitung der Anästhesie, Beatmung und Intubation mit anpacken dürfen. Ansonsten gab es eher kleinere Hilfsarbeiten, wie Spritzen aufziehen, Patienten umlagern, EKG und Blutdruckmanschette anlegen als auch Vitalparameter protokollieren. Von den ausländischen Famulanten wird nicht viel erwartet, weshalb man aber allgemein auch weniger in die Abläufe einbezogen wird. Es lohnt sich also, die zuständigen Ärzte wiederholt anzusprechen und Motivation zu zeigen!

Jeden Mittwoch um 7:30 Uhr gibt es auf der Station eine „Conference“, an der alle Anästhesisten und Studenten teilnehmen. Ein Assistenzarzt hält dort einen Vortrag und das Thema wird im Anschluss diskutiert. Die „Conferences“ fand ich immer sehr spannend, da dort sowohl viel theoretisches Wissen aus dem Medizinstudium als auch neueste Studienergebnisse besprochen werden.

Vereinzelt gab es in den Wochen Unterrichtseinheiten, für welche die Medizinstudenten aus dem OP entschuldigt wurden. Dort wurde zum Beispiel das Intubieren an Modellen geübt oder die verschiedenen Beatmungsformen besprochen.

Der Lerneffekt meiner Famulatur war also überwiegend theoretisch und eher wenig praktisch, was für mich persönlich nicht so dramatisch war, da ich vor allem mit dem Ziel, an meinem „Medical English“ zu arbeiten, nach Barbados gekommen war.

Tagesablauf in der Klinik

Geplanter Arbeitsbeginn in der Anästhesie ist täglich um 8:00 Uhr, der tatsächliche Arbeitsbeginn war jedoch immer unterschiedlich. Es gab eigentlich immer eine Verspätung von mindestens einer Stunde. Kurz vor OP-Beginn fanden die „Ward Rounds“ (Visiten) statt, die für die einheimischen Medizinstudenten verpflichtend waren. Wenn es für mich um 8:00 Uhr also noch keine OP zum Zuschauen gab, habe ich mich einfach den Studenten angeschlossen und bin bei der Visite mitgelaufen.

Je nach Fachgebiet sind täglich zwischen drei und sechs OPs geplant und zwischen den OPs gibt es ungefähr eine zwanzigminütige Pause, in der man essen oder etwas nachlesen kann. Die Studenten haben immer so lange zu bleiben, bis der zuständige Anästhesist Arbeitsschluss hat oder sie nach Hause schickt. Das heißt, an manchen Tagen bin ich um 14:00 Uhr aus dem Hospital spaziert, an anderen Tagen war ich dort, bis es dunkel war!

Unterkunft auf Barbados

Die Carlisle Bay in Bridgetown auf Barbados - 10 Gehminuten vom Queen Elizabeth Hospital entfernt
Die Carlisle Bay in Bridgetown auf Barbados – 10 Gehminuten vom Queen Elizabeth Hospital entfernt

Mit dem Famulatur Platz Angebot des Krankenhauses bekam ich gleichzeitig eine Liste mit empfohlenen Unterkünften in der Umgebung. Ich kam letzten Endes bei Antje unter, einer netten deutschen Dame, die im Stadtteil Belleville, 15min zu Fuß vom Queen Elizabeth Hospital entfernt wohnt. Von der Liste ist es die einzige Unterkunft, von der man fußläufig zum Krankenhaus kommt, außerdem ist sie mit 750 Barbados-Dollar pro Monat sehr preiswert, wunderschön und nur 20min von der tollen „Carlisle Bay“ entfernt, wo man nach der Arbeit mit Schildkröten schwimmen und am Strand liegen kann.

Gleichzeitig mit mir haben dort vier weitere Studentinnen gewohnt. Also eine absolute Empfehlung von mir!

Kosten und Finanzierung

Eine Famulatur auf Barbados ist keine ganz billige Angelegenheit. Hin-und Rückflüge kosten zwischen 700 und 1.000 Euro, dazu kommen die Miete, Geld für Ausflüge und für Essen. Das Essen auf Barbados ist extrem teuer, da so gut wie alles importiert wird. Eine Milch kann dann schon mal 5 Euro kosten. Es hilft sehr, einfach zu schauen, wo die Einheimischen einkaufen gehen und was viel gekocht wird – wie z.B. „Bajan Peas n‘ Rice“.

Außerdem möchte das Queen Elizabeth Hospital von ausländischen Medizinstudenten für den Famulatur Platz bezahlt werden: 100 US-Dollar „Application Fee“ und 250 US-Dollar „Registration Fee“. Es reicht, dies am ersten Arbeitstag beim „Dean’s Office“ (Dekanat) der University of the West Indies zu bezahlen, auch wenn in den Dokumenten, die man vorher bekommt, steht, dass das Geld im Voraus überwiesen werden soll.

Zum Teil finanzieren konnte ich mir meine Famulatur auf Barbados durch ein Auslandsstipendium von Medizinernachwuchs.de und möchte mich für diese Unterstützung gerne noch einmal bedanken. Ich kann allen Medizinstudenten, die einen Auslandsaufenthalt planen, nur ans Herz legen, sich auch auf eines dieser Auslandsstipendien zu bewerben.

Das Leben auf Barbados

Bathsheba auf Barbados - ein sehr beliebtes Ziel von Surfern im Osten der Insel
Bathsheba auf Barbados – ein sehr beliebtes Ziel von Surfern im Osten der Insel

Barbados ist eine traumhaft schöne Insel in der Karibik mit unendlich vielen Stränden und ein Paradies für Wassersportler. Dadurch, dass sie so klein ist, hat man die Chance, mit dem Bus mal alle Küsten anzuschauen – und dies für 1 US-Dollar pro Fahrt, egal wie weit! Was meinen Aufenthalt jedoch so schön gemacht hat, waren die Einheimischen! Ich habe noch nie hilfsbereitere Menschen getroffen und die ganze Stimmung auf der Insel ist heiter und aufgeschlossen.

Die Insel ist zwar englischsprachig, es ist aber wichtig zu erwähnen, dass es dort einen sehr starken Dialekt („Bajan English“) gibt. Ich musste anfangs sowohl Patienten als auch Personal oft darum bitten, Dinge langsam und deutlich für mich zu wiederholen, konnte mich aber nach einer Weile an die Aussprache gewöhnen. Die einheimischen Medizinstudenten sind offen und super freundlich auf mich zugekommen und haben mir sogar ein bisschen von ihrem Dialekt beigebracht, der im Übrigen sehr lustig klingt.

Was Sicherheitsaspekte betrifft, ist Barbados die wohl sicherste Insel der Karibik. Jedoch gibt es, wie sonst überall, bestimmte Stadtteile, die man insbesondere nachts meiden sollte! Mir wurde mehrfach davon abgeraten, mich alleine im Dunkeln zu bewegen, also habe ich abends einfach ein Taxi genommen. Zwischenfälle gab es keine und unsicher habe ich mich auch nicht gefühlt.

Fazit

Barbados - endlose Strände im Westen der Insel
Barbados – endlose Strände im Westen der Insel

Eine Famulatur im Queen Elizabeth Hospital in Bridgetown auf Barbados kann ich nur bedingt weiterempfehlen, je nachdem, was man sich davon erwartet. Für jemanden, der vor allem praktisch eingebracht werden möchte, ist es nicht das Richtige. Wer gerne beobachtet und kein Problem damit hat, aktiv auf die Ärzte zuzugehen, für den kann es passen. Es ist wie immer sehr abhängig von der Eigeninitiative, die man zeigt! Der Lerneffekt bleibt sonst begrenzt.

Für mich war es vor allem interessant, auch mal zu sehen, wie es in einem Krankenhaus außerhalb von Deutschland läuft und an meiner englischen Fachsprache zu arbeiten. Und sich Barbados und die Menschen dort anzuschauen, lohnt sich allemal! Ich bin sehr zufrieden mit meinem Aufenthalt auf Barbados und er ging mir viel zu schnell vorbei!

H., F.

Berlin, April 2017

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2016-2017

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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