Famulatur in Australien – Innere Medizin/Hämatologie

3. Februar 2017

in Australien, Chancen im Ausland, Famulatur im Ausland, Innere Medizin

Australien, Sydney, Nepean Hospital Sydney (29.03.-29.04.2016)

Nach einem anstrengenden Jahr Arbeit an meiner experimentellen Doktorarbeit wollte ich mir gegen Ende meines Medizinstudiums endlich einen Traum erfüllen und zumindest einige Zeit im Ausland verbringen. Das Ziel stand schnell fest: Australien! Etwa eine Stunde außerhalb von Sydney am Fuße der Blue Mountains verbrachte ich eine sehr interessante und lehrreiche Famulatur, die durch die aufgeschlossene, freundschaftliche Art der Australier eine besondere Erfahrung für mich war und auf die ich sehr gerne zurückblicke!

Ab ans andere Ende der Welt – Die Entscheidung für Australien

Seit Beginn meines Medizinstudiums war ich mir sicher, eine Famulatur oder einen Teil des PJs im Ausland verbringen zu wollen. Im klinischen Abschnitt des Studiums an der Unversität Hamburg gibt es 3-monatige Freiblöcke, welche u.a. für die Promotion oder das Absolvieren von Famulaturen genutzt werden können. So einen Freiblock hatte ich mir für das letzte Fachsemester aufgespart, um nun endlich meine Pläne in die Tat umzusetzen und eine Famulatur im Ausland zu verbringen.

Ich hatte schon länger den Traum, eine Reise nach Australien zu machen und eine Famulatur bietet einerseits die Möglichkeit, das Land, die Menschen und deren Kultur kennenzulernen und andererseits einen Einblick in ein neues Gesundheitssystem zu bekommen. Zudem war es sehr wichtig für mich, in ein englischsprachiges Land zu gehen, um meine medizinischen Englischkenntnisse zu erweitern. Durchweg positive Erfahrungsberichte über die Arbeit in australischen Krankenhäusern trugen dazu bei, dass die endgültige Entscheidung schnell gefallen war.

Bewerbung

Etwa zwei Jahre vor meinem geplanten Aufenthalt informierte ich mich im Internet über mögliche Krankenhäuser für eine Famulatur in Sydney und Umgebung. Ich hatte mich für Sydney entschieden, um zum einen das Leben in einer australischen Großstadt kennenzulernen und zum anderen einen guten Ausgangspunkt für Tages- und Wochenendausflüge zu haben.

Da ich bereits am Ende meines Studiums angekommen war, wollte ich die Famulatur außerdem dazu nutzen, eine für mich in Frage kommende Facharztrichtung besser kennenzulernen. So suchte ich speziell nach Krankenhäusern, in denen die Möglichkeit einer Famulatur in der Hämatologie bestand. Über die Hämatologie im Nepean Hospital Sydney fand ich viele positive Erfahrungsberichte, welche die gute Lehre und engagierte Ärzte hervorhoben.

Ich schickte eine Anfrage per Mail an die zuständige Studentenkoordinatorin und bereits am nächsten Tag erhielt ich eine Antwort mit dem Angebot, die Famulatur in meiner gewünschten Fachrichtung zu absolvieren. Sie sendete mir außerdem eine Liste mit erforderlichen Unterlagen zu. Diese beinhaltete u.a. einen Lebenslauf mit Foto, ein Empfehlungsschreiben des Dekans meiner Heimatuniversität, ein polizeiliches Führungszeugnis und den Nachweis erforderlicher Impfungen. Da das Nepean Hospital ein Teaching Hospital der Sydney Medical School ist, fielen für die Famulatur Gebühren an, welche sich aus einer Bearbeitungsgebühr von 100$ sowie Studiengebühren in Höhe von 1.200$, dies gilt für Aufenthalte von 5-8 Wochen, zusammensetzten. Nachdem ich alle Unterlagen per Post nach Australien geschickt hatte, bekam ich eine schriftliche Zusage für die Famulatur.

Visum und weitere Vorbereitungen

 

The Tree Sisters - eine Felsformation in den Blue Mountains in New South Wales, Australien
The Tree Sisters – eine Felsformation in den Blue Mountains in New South Wales, Australien

Die Flüge nach Australien hatte ich etwa ein halbes Jahr vor der Famulatur gebucht und gleichzeitig mit der Organisation des Visums begonnen. Es ist sinnvoll, sich rechtzeitig damit zu beschäftigen, um nicht in Zeitnot zu geraten. Ich hatte mich telefonisch bei der Australischen Botschaft erkundigt, welches Visum für eine Famulatur im Krankenhaus benötigt wird und entsprechend der Empfehlung ein online Visitor Visa (subclass 600) beantragt.

Zusätzlich musste ich angeben, dass ich im medizinischen Bereich tätig sein werde, was eine Reihe von erforderlichen ärztlichen Untersuchungen mit sich brachte wie z.B. körperliche Untersuchung, Röntgenthorax, Blut- und Urinprobe. Die Untersuchungen können nur von sogenannten „Immigration Panel Physicians“ der Australischen Botschaft durchgeführt werden. Auch hierbei lohnt es sich, rechtzeitig einen Termin zu vereinbaren.

Die Kosten für das Visum beliefen sich auf 135$ für die Beantragung sowie etwa 200€ für die medizinischen Untersuchungen. Im Nachhinein habe ich von vielen Studenten gehört, dass sie lediglich mit einem kostenlosen Touristenvisum eingereist sind und dadurch auch die teuren medizinischen Untersuchungen wegfielen. Im Krankenhaus wurde zwar nicht nach dem Visum gefragt, wer aber auf der sicheren Seite sein will, sollte sich unbedingt an die Auskunft der Australischen Botschaft halten.

(Anm.d.Red. Um wirklich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Zur weiteren Vorbereitung auf den Auslandsaufenthalt nahm ich an einem Englischsprachkurs für Mediziner teil, welcher vom Fremdsprachenzentrum einmal wöchentlich über den Zeitraum von einem Semester angeboten wurde. Im Nachhinein würde ich allerdings sagen, dass man sich im Krankenhaus mit guten Englischkenntnissen auch ohne spezielle Vorbereitung innerhalb von wenigen Tagen sprachlich super verständigen kann und recht schnell alle wichtigen Begriffe und Fachausdrücke lernt. An Literatur kaufte ich mir das „Oxford Handbook of Clinical Hematology“, um die hämatologischen Krankheitsbilder und Symptome auf Englisch zu kennen. Jedem, der sich für Hämatologie interessiert, kann ich dieses Buch wirklich empfehlen! Aufgrund des übersichtlichen und gut strukturierten Aufbaus nutze ich es auch jetzt noch, um einzelne Krankheiten nachzuschlagen. Auch die australischen Medizinstudenten greifen auf die „Oxford Reihe“ für die unterschiedlichen Fachbereiche zurück.

Bei Medizinernachwuchs.de hatte ich mich für ein Famulatur-Auslandsstipendium beworben (Aktuelle Ausschreibung der Auslandsstipendien) und bekam kurze Zeit später die erfreuliche Nachricht, dass ich für eine Förderung ausgewählt wurde. Die finanzielle Unterstützung hat mir aufgrund der nicht gerade unerheblichen Kosten für die Famulatur sehr geholfen!

Endlich geht’s los – Famulatur am Nepean Hospital Sydney

Auf dem Nepean Hospital Campus der Sydney Medical School in Kingswood-Penrith
Auf dem Nepean Hospital Campus der Sydney Medical School in Kingswood-Penrith

Das Nepean Hospital liegt etwa 50 km westlich außerhalb von Sydney im Vorort „Penrith“, noch etwas genauer in „Kingswood“. Mit der Bahn dauert es eine knappe Stunde bis in die Innenstadt. „Penrith“ gehört nicht zu den sichersten Gegenden im Großraum Sydney; Kriminalität und Drogenmissbrauch spielen eine deutlich größere Rolle als im zentrumsnahen Bereich. So waren die meisten Medizinstudenten auf Anraten der Studentenkoordinatorin abends nur in einer größeren Gruppe unterwegs. In der Zeit, in der ich dort war, gab es glücklicherweise keine unangenehmen Situationen.

Das Krankenhaus ist gut ausgestattet als auch gepflegt und bietet eine umfassende medizinische Versorgung in fast allen Fachgebieten. Es gehört außerdem zu den Lehrkrankenhäusern der Sydney Medical School der University of Sydney. Auf dem Gelände des Krankenhauses gibt es ein modernes „Clinical School Building“, in welchem der Unterricht stattfindet und sich Computerräume sowie Aufenthaltsräume für die Studenten befinden. Ich war öfters nach Feierabend dort und hatte so die Möglichkeit, auch einige australische Medizinstudenten kennenzulernen.

Am ersten Tag der Famulatur traf ich mich mit der Studentenkoordinatorin, die sich viel Zeit dafür nahm, mir das Krankenhaus zu zeigen und mich meiner Station und den Ärzten vorzustellen. Auch im gesamten Verlauf der Famulatur war sie immer erreichbar und alle benötigten Bescheinigungen wurden ohne Probleme und vor allem rechtzeitig zum Ende der Famulatur ausgestellt. Alle ausländischen Medizinstudenten sollten über ihre Arbeit auf der Station eine Art Tagebuch erstellen, welches zum Ende vom zuständigen Oberarzt oder Chefarzt gelesen und abgezeichnet wurde. Dieses beinhaltete die Beschreibung der täglichen Tätigkeiten sowie die Vorstellung einzelner Patienten. So beschäftigte man sich jeden Tag nochmal genauer mit den gesehenen Krankheitsbildern und lernte außerdem kurz und präzise eine Anamnese auf Englisch zu schreiben.

Die Arbeitswoche ging von Montag bis Freitag, am Wochenende hatte ich immer frei. Es war auch mal möglich, am Freitag früher Feierabend zu machen, um das Wochenende für Ausflüge zu nutzen. Der Tag startete etwa um 8:00 Uhr mit der morgendlichen „Ward Round“. Jeder Patient wurde visitiert und untersucht. Als ausländischer Student hat man allerdings keine feste Aufgabe, sodass ich gerade zu Beginn häufig nur mitlief und zuhörte. Nach und nach konnte ich dann selber Anamnesen erheben oder kleinere Untersuchungen durchführen. Interessante Fälle wurden nach der Visite nochmal genauer besprochen und auch Ideen und Vorschläge für weitere Untersuchungen wurden gerne angenommen. Wenn ich Lust hatte, konnte ich Blutentnahmen durchführen und Braunülen legen. Dies ist eigentlich nicht Aufgabe der Medizinstudenten, alle haben sich aber über die Unterstützung gefreut. Feierabend war meist am früheren Nachmittag.

Es ist Eigeninitiative gefragt, um darüber hinaus bei klinischen Untersuchungen oder Prozeduren dabei zu sein. Wer nicht wollte, musste auch nicht. Da ich mich sehr für die Hämatologie interessiere und bereits in Deutschland bei Lumbal- und Knochenmarkspunktionen assistiert hatte, durfte ich auch in Australien die Ärzte bei der Entnahme und weiteren Untersuchung der Proben unterstützen. So lernte ich u.a., die verschiedenen Leukämieformen unter dem Mikroskop zu unterscheiden.

Zwei Tage die Woche fand vormittags eine ambulante hämatologische Sprechstunde statt, an der die Studenten gerne teilnehmen konnten. Insbesondere die Sprechstunde mit dem Chefarzt der Hämatologie war sehr lehrreich und ich konnte einen guten Überblick über die hämatologischen Krankheitsbilder bekommen. Er nahm sich nach jedem Patienten einige Minuten Zeit, um den Fall mit mir zu besprechen und Fragen detailliert zu klären. Ich sah sowohl sehr junge als auch alte Patienten mit akuten und chronischen Krankheiten; von Leukämien und Gerinnungsstörungen bis hin zu seltenen hämatologischen Krankheiten war alles dabei.

Im Gegensatz zu deutschen Verhältnissen haben die Ärzte deutlich mehr Zeit für ihre Patienten, was vor allem daran liegt, dass ein Arzt für weniger Patienten zuständig ist. Das Verhältnis zu den Ärzten, auch zu Ober- und Chefärzten, war freundschaftlich und eine Hierarchie nicht so sehr zu spüren wie in Deutschland.

Der Dresscode im Krankenhaus ist schick, weiße Kittel werden nur auf der Intensivstation getragen. Männer tragen Hemd und Stoffhosen, Frauen knielange Röcke, Kleider oder auch feine Hosen. Jeans und Turnschuhe waren nicht erlaubt!

Unterkunft in Kingswood/Penrith

Wohnheim für Medizinstudenten und Ärzte des Nepean Hospitals Sydney in Kingswood
Wohnheim für Medizinstudenten und Ärzte des Nepean Hospitals Sydney in Kingswood

Direkt mit der Bewerbung für die Famulatur konnte ich ein Zimmer im Studentenwohnheim buchen, welches zu Fuß nur fünf Minuten vom Krankenhaus entfernt ist. Man wohnt dort zu zweit oder zu dritt in einer Wohnung und hat so direkt vom ersten Tag an Kontakt zu anderen Medizinstudenten.

Im Wohnheim wohnen nicht nur die ausländischen Studenten, sondern auch australische Medizinstudenten und Ärzte. Es wurde zusammen gekocht und Ausflüge unternommen. Die Kosten pro Woche beliefen sich auf 150$.

Sydney – Für mich eine der schönsten Städte der Welt

Blick auf die berühmte Harbour Bridge in Sydney
Blick auf die berühmte Harbour Bridge in Sydney

In „Kingswood“ selbst gab es nicht so viel zu sehen oder zu unternehmen. Meine Mitbewohnerin und ich hatten uns im nur zehn Minuten entfernten Fitnessstudio angemeldet und dort unter der Woche öfters an Kursen teilgenommen. Wann immer es ging, vor allem am Wochenende, haben wir Ausflüge nach Sydney oder in Richtung der „Blue Mountains“ gemacht. Gerade die Verbindung aus Großstadt, schönem Wetter und tollen Stränden macht Sydney zu einem besonderen Erlebnis. Ob Surfen am „Bondi Beach“, Kaffee trinken in einem der kleinen Cafés im Stadtteil „Newtown“, mein persönlicher Lieblingsstadtteil, oder einfach am „Circular Quay“ entlang schlendern – uns wurde nie langweilig.

Es lohnt sich auf jeden Fall die „Opal Card“ für den Nahverkehr in Sydney und Umgebung zu nutzen. Die „Opal Card“ ist eine kostenlose Smartcard, die man wiederverwenden und aufladen kann. Eine Fahrt von „Kingswood“ nach Sydney kostete um die 5$, am Sonntag zahlte man mit der „Opal Card“ für alle Fahrten in Sydney und Umgebung nur maximal 2,50$, was wir natürlich häufig ausgenutzt haben.

Reisen in Australien

Wer vor oder nach der Famulatur noch etwas Zeit hat, sollte die Zeit unbedingt nutzen, um sich das wunderschöne Land genauer anzuschauen. Vor meiner Famulatur habe ich einige Tage an der Ostküste in „Byron Bay“, 800 km nördlich von Sydney, und Umgebung verbracht.

Die Strände und die Landschaft sind wunderschön und eine Reise dorthin lohnt sich auf jeden Fall. Wie schon erwähnt, bietet aber auch Sydney einen guten Ausgangspunkt für Ausflüge und Inlandsflüge sind zum Teil sehr günstig zu finden. Ein Wochenende verbrachte ich zum Beispiel in Melbourne und erkundete von dort aus die „Great Ocean Road“.

Mein Fazit

An der Byron Bay - subtropisches Paradies an der Ostküste Australiens
An der Byron Bay – subtropisches Paradies an der Ostküste Australiens

Eine Famulatur in Australien kann ich jedem empfehlen! Das Arbeitsklima im Krankenhaus, aber auch die offene Art der Australier hat mich jeden Tag aufs Neue begeistert! Durch das sehr gute inhaltliche Teaching, Case Reports und Vorträge habe ich vor allem mein theoretisches Wissen über hämatologische Krankheitsbilder deutlich erweitern können! Praktisch durfte ich insgesamt allerdings weniger machen als in Deutschland. Mein Ziel, meine medizinischen Englischkenntnisse zu verbessern, habe ich auf jeden Fall erreicht.

Wie vielleicht im Bericht an mehreren Stellen deutlich geworden ist, sollte man den finanziellen Aspekt nicht unterschätzen. Mit dem Flug, Studiengebühren, Lebenshaltungskosten und natürlich Freizeitaktivitäten als auch Ausflügen kommen eine Menge Kosten auf einen zu. Es lohnt sich, ein bisschen Geld angespart zu haben, um die Zeit in Australien richtig genießen zu können.

J., M.

Hamburg, Dezember 2016

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2015-2016

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *