Famulatur in Australien – Kardiologie

18. November 2016

in Australien, Chancen im Ausland, Famulatur im Ausland, Kardiologie

Australien, „Outback“, Heart of Australia (15.08.-17.09.2016)

Mit „Heart of Australia“ unterwegs ins Herz Australiens! Was würde mich während dieser Famulatur erwarten? Ich hatte keine Ahnung! Der Truck, auf dem ich diese Semesterferien meine Famulatur in Australien absolvierte, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die meistgefragtesten Spezialisten, ein großartiges Team aus engagierten Ärzten, Arzthelfern und Helferinnen, in das „Outback“ und damit direkt zu den Menschen zu bringen.

Auf dem Weg ins Herz Australiens!

Heart of Australia und seine aufgebaute Praxis auf Rädern
Heart of Australia und seine aufgebaute Praxis auf Rädern

Es sind 30 Grad, über der Straße schwebt ein Flimmerteppich und am Straßenrand liegen verstreut ein paar einzelne aufgeblähte Kängurukadaver. Wir sitzen schon seit drei Stunden im Auto, ohne auch nur einmal abgebogen zu sein. Hinter uns fährt unser Truck und wir haben noch drei weitere Stunden dieser Art vor uns. Endlich angekommen, parken wir unseren Jeep und den LKW auf dem Town-Square, steigen aus und beginnen die Metamorphose einzuleiten.

Es dauert 30 Minuten und aus unserem Truck ist eine vollkommen funktionsfähige kardiologische Praxis mit Empfang und Wartezimmer, zwei Konsultationsräumen und einem Funktionsraum geworden. Hier bleiben wir bis die Sonne wieder untergeht und empfangen Patienten. Dann packen wir alles zusammen und es geht weiter zur nächsten Station – einer weiteren Kleinstadt tief versteckt in den endlosen Weiten des Australischen „Outbacks“.

Wovor sich viele auf dem Land Lebende in Deutschland fürchten, ist in Australien schon längst zur Realität geworden. Entlegene Ortschaften, die damals zu Zeiten des Bergbau-Booms aus dem Boden gestampft wurden und in ihren Hochzeiten mehrere Tausend Einwohner hatten, zählen heute nur noch einen Bruchteil ihrer einstigen Bevölkerung und sind fast vollkommen abgeschnitten von den größeren Städten und ihren Vorzügen.

Genauso verhält es sich mit den v.a. von der Schaf-und Rinderzucht lebenden Dörfern. Diese ganzen Towns können sich glücklich schätzen, wenn sie gute Allgemeinärzte und evtl. sogar ein kleines Krankenhaus für Notfälle und zum „Raus-Helikoptern“ haben. Doch was sie meistens nicht haben, sind Spezialisten wie Nephrologen, Orthopäden, Kardiologen, usw. Um zu einem dieser Spezialisten zu gelangen, muss man entweder das Flugzeug nehmen oder endlose Stunden im Auto verbringen. Die nächst größere Stadt mit ausreichender medizinischer Versorgung kann bis zu 800 km entfernt sein. Das ist so, als würde man die Strecke von Hamburg bis nach München fahren, nur um einen Arzt für einen Routinecheck aufzusuchen – einen Routinecheck, der mitunter allerdings lebensentscheidend sein kann.

Das Projekt „Heart of Australia“!

Der Truck von Heart of Australia in voller Länge
Der Truck von Heart of Australia in voller Länge

Der Truck, auf dem ich diese Semesterferien meine Famulatur in Australien machte, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die meistgefragtesten Spezialisten in das „Outback“ und damit direkt zu den Menschen zu bringen. Dr. Rolf Gomes, selbst Kardiologe, kam auf die Idee, einen Truck (25x3m) in eine ambulante kardiologische Praxis umzubauen, vollständig ausgestattet mit Laufband, Sonogerät, EKG und Spirometrie. Er selbst fährt als leitender Kardiologe mit noch weiteren engagierten Ärzten, Arzthelfern und Helferinnen in Rotationen durchs „Outback“.

Ich hatte das Glück, dieses engagierte Team für einen Monat begleiten zu dürfen und lernte dabei viel über die Menschen im „Outback“, die Medizin dort draußen, aber auch unerwartet viel über das Führen einer Praxis, das Leiten seiner Angestellten und v.a. die Wertschätzung, die man den Menschen entgegenbringen sollte, mit denen man in einem Unternehmen zusammenarbeitet.

Mein Weg nach „down under“

Wem man so auf der Straße im weiten Outback Australiens begegnet – Cowboys
Wem man so auf der Straße im weiten Outback Australiens begegnet – Cowboys

Nach Australien wollte ich schon immer. Doch leider muss man sich für eine Famulatur, möchte man an eine Universitätsklinik bzw. an ein akademisches Lehrkrankenhaus in „Down Under“, für den Zeitraum seines Praktikums bei einer der australischen Universitäten einschreiben und die fälligen Studiengebühren bezahlen. Das können mitunter schnell über 1.000 Euro sein und das obwohl man doch eine freiwillige Arbeitskraft darstellt. Es gibt allerdings einen Schleichweg, um diese Regelung herum: private Ärzte und Kliniken. Wenn man einen Arzt findet, der in einer privaten Klinik arbeitet und Willens ist, sich eines Medizinstudenten aus Deutschland anzunehmen, kann man sich dies als Famulatur anrechnen lassen. Doch dazu muss man erst einen solchen Arzt finden.

Für mich gestaltete sich dieses Unterfangen als recht schwierig. Emails und persönliche Nachfragen wurden entweder nicht beantwortet oder ich wurde mit einem Kopfschütteln auf das staatliche System verwiesen. Wer jemanden im Gesundheitssystem kennt, mag es leichter haben, doch ich hatte dieses Glück nicht. Der Zufall wollte es allerdings, dass ich, schon kurz bevor ich aufgeben wollte, auf Doug gestoßen bin. Doug ist jahrelang durch die Welt gereist und hat sich um die Lichtinstallation größerer Bands und Veranstaltungen gekümmert. Seit kurzem hat er die Richtung seiner Karriereplanung geändert und leitet nun zusammen mit Rolf Gomes „Heart of Australia“. Durch ihn habe ich diesen Praktikumsplatz bekommen, dabei ist er nicht einmal Mediziner. Man kann sich aber auch bei „Heart of Australia“ melden und einfach nett nachfragen. Sie sind Praktikanten gegenüber sehr offen.

Erwartungen und erste Eindrücke

Endlose Weiten im Outback Australiens
Endlose Weiten im Outback Australiens

Was würde mich erwarten während dieser Famulatur? Ich hatte keine Ahnung! Ich war schon vorher ein paar Mal durch Australien gereist, wusste also, worauf ich mich landschaftlich und entfernungsmäßig einlasse. Doch was genau mich auf dem Truck erwarten würde? Ich ließ mich überraschen.

Es sollte sich herausstellen, dass die Arbeit gar nicht so unähnlich der einer deutschen Arztpraxis ist. Nur das gesamte Drumherum ist davon meilenweit entfernt – im wahrsten Sinne des Wortes… Der Truck steht selten still, außer natürlich während der Patienten Konsultationen. Ansonsten zieht er seine ewig währenden Kreise im Zweiwochen-Rhythmus durch die immer ans Extreme grenzende Landschaft.

Um ein Beispiel zu nennen: Wir starteten ganz im Süden in der Nähe der Grenze zu New South Wales in einem Dorf namens „Goondiwindi“ und ließen im Laufe von nur eineinhalb Wochen eine Strecke von 2.100 km hinter uns und erfuhren dabei einen Temperatursprung von 15 auf 30 Grad. Die LKW-Fahrer, die gleichzeitig auch die gesamte Mannschaft mit Essen versorgen und sich um die Reparaturen des Trucks kümmern, wechseln jede Woche.

Genauso die Person am Empfang. Die Ärzte und Sonografeure, diese sind in Australien keine Ärzte sondern eine eigene Berufsgruppe, wechseln im drei Tages Rhythmus und werden dann rein- oder rausgeflogen. Alle Umweltaktivisten und Naturliebhaber unter uns werden nun die Hände über ihren Köpfen zusammenschlagen und es als eine große Umweltsünde betrachten, alle drei Tage Menschen für eineinhalb Stunden rein und raus zu fliegen. So hatte auch ich etwas gezögert. Aber bei einem Land so groß wie Europa und mit weniger als einem Drittel der Einwohnerzahl von Deutschland gibt es wohl kaum andere Möglichkeiten. Es gibt sogar Fluggesellschaften, die wie eine Art „Busunternehmen“ die verschiedenen Towns des „Outbacks“ verknüpfen. „Regional Express“ ist so eine Gesellschaft. Sie starten morgens um 7:00 Uhr in Brisbane und fliegen eine „Stopp and Go” oder besser gesagt „Take-off and Land” Runde durchs „Outback“, bis sie am Ende des Tages wieder in Brisbane landen.

Der Truck und seine Mission!

Mit Heart of Australia unterwegs ins Herz Australiens
Mit Heart of Australia unterwegs ins Herz Australiens

Im LKW gibt es nur zwei Sitze, also fährt die Crew im Jeep. Nur ich begleitete gerne ab und zu unseren LKW-Fahrer auf den erhöhten Sitzen unseres Giganten auf Rädern. Zugegebener Maßen ruckelt es etwas mehr als im Jeep, dafür hat man jedoch eine fantastische Aussicht auf die Umgebung und kann vor allen anderen Kängurus, Emus und andere Tiere „spotten“. Wenn wir über Nacht fuhren oder schon sehr früh aufbrachen, legte ich mich auch gerne ins LKW-Bett, welches in der Fahrerkabine direkt an die Sitze anschließt. So versuchte ich noch die eine oder andere Stunde Schlaf raus zu kitzeln, denn Schlaf bekam ich hier mit Abstand zu wenig. Unsere Tage waren nicht selten 14 Stunden lang und wenn am Abend noch eine Lehrveranstaltung dazukam oder man von netten Menschen, die von dem Truck gehört hatten, zum Essen eingeladen wurde, kam man nicht vor 24:00 Uhr ins Bett. Der nächste Tag begann meistens um 6:30 Uhr, wenn wir gleich mit der Klinik um 8:00 Uhr anfingen und früher, wenn wir noch ein Stück zu fahren hatten. Und so geht es sieben Tage die Woche ohne Pause.

Wir erschienen also zwischen 7:00 Uhr und 7:30 Uhr am Truck und manchmal saßen schon ein paar Patienten davor, obwohl die reguläre Sprechstunde erst um 8:00 Uhr begann. Denn obwohl wir schon in die entlegeneren Orte fuhren, gab es immer noch Menschen, die noch weiter im Nirgendwo wohnten und ca. eine Stunde für die Anfahrt benötigten. Es handelte sich dann meistens um Farmer mit großen Schaf- und Rinderherden irgendwo im „Outback“ mit mehreren Kilometern zwischen ihnen und dem nächsten Nachbarn. Wie dieses isolierte Leben sein muss, kann ich mir nur vage vorstellen. Es hat sicher seine Romantik, doch es ist auch voller unerwarteter Hindernisse.

Australiens Gesundheitssystem

Australien hat ein duales Gesundheitssystem, dem Großbritanniens gar nicht so unähnlich. Es gibt „Medicare“, die staatlich geförderte Krankenkasse, in die jeder Australier und Neuseeländer, der arbeitet, einzahlt, ob er will oder nicht. „Medicare“ trägt allerdings nicht alle Kosten und übernimmt, wenn überhaupt, ungefähr die Hälfte des zu zahlenden Betrages. So sind zum Beispiel Zahnarztkosten gar nicht und diverse Untersuchungen nur zum Teil abgedeckt vom öffentlichen System. Deswegen haben viele Australier, v.a. diejenigen, die es sich leisten können, noch eine zusätzliche private Versicherung, welche die restlichen Kosten trägt und es dem Versicherten erlaubt, auch privat Ärzte und Krankenhäuser aufzusuchen. Sollte nun aber ein Patient überhaupt keine Mittel haben, die restlichen 50 Prozent der Behandlung zu zahlen, geht das auch. Dann können einige Praxen und auch der Truck mit einem sogenannten „Bulk Bill“ abrechnen. Damit trägt der Versicherte gar keine Extrakosten. Dies geschieht aber nur bei den wirklich Armen, von denen es im „Outback“ Australiens allerdings viel zu viele gibt.

Wie überall sonst auch auf der Welt verdient es sich im privaten System als Arzt besser. Was allerdings nicht zugleich darauf schließen lässt, dass die Ärzte in öffentlichen Krankenhäusern und Praxen „schlechter“ sind. Man muss nur des Öfteren wesentlich länger auf einen OP, CT oder MRT Termin warten. Notfälle werden natürlich sofort behandelt. Es scheint eine relativ gut funktionierende Koexistenz von öffentlicher und privater Versorgung zu sein und viele Ärzte arbeiten auch in beiden Sektoren zugleich – drei Tage in der eigenen privaten Praxis und zwei weitere Tage im städtischen, öffentlichen Krankenhaus.

„Heart of Australia“ verbindet beide Systeme in einem Truck. Wer es sich leisten kann, bezahlt aus eigener Tasche und lässt die private Versicherung zahlen. Wer kein Geld hat, der bekommt trotzdem die gleiche Behandlung. Ich würde es sozialen Ausgleich im Miniaturformat nennen.

Meine Famulatur im „Outback“!

Der Diagnostik-Raum im Truck von Heart of Australia
Der Diagnostik-Raum im Truck von Heart of Australia

Der Tag fing bei uns erst einmal mit frühstücken an. Der LKW ist mit einer recht komfortablen Küche ausgestattet und in dieser versorgten wir uns mit dem überaus notwendigen Koffein in Form von Kaffee und Tee, aber auch mit Brot, Müesli und allem, was man zum Sandwichmachen braucht. Wenn unser Fahrer/Koch mal einen guten Tag hatte, gab es auch ein typisches „BBQ-Frühstück“ mit all den Dingen, was dazu gehört.

Um 8:00 Uhr war dann meistens der erste Patient zum Echo, Stresstest, EKG oder einfach zur Sprechstunde geladen. Für die Untersuchung auf dem Truck erhält man nur mit einer Voranmeldung und einem Überweisungsschein vom Allgemeinmediziner einen Platz. Der Allgemeinmediziner, der den Patienten im besten Falle gut kennen sollte, entscheidet auch, wie nach erbrachter Leistung die Abrechnung zu erfolgen hat. „Heart of Australia“ ist ein privater Anbieter, ermöglicht es aber auch Patienten, die nicht zahlen können, und von diesen gibt es im „Outback“ viele, einen Platz auf dem Truck zu bekommen. Gewinn machen sie daraus zwar nicht, aber wenn man schon einen medizinischen Service anbietet, so sollte er doch auch alle Menschen erreichen.

Meine Aufgaben während der Sprechzeiten waren recht vielseitig. Ich durfte mich in allem einmal ausprobieren. So habe ich diverse Kniffe beim Herzultraschall gelernt und durfte unseren LKW-Fahrer komplett selbst sonografieren. So oft ich konnte, saß ich mit in der Arztsprechstunde und lauschte verschiedenen Herzgeräuschen. Ich habe gelernt, eine „Medical History“ aufzunehmen und schon nach einer Woche hatte man mir das Anlegen von 24 Stunden EKGs, Langzeitblutdruckmessungen, Schlafapnoetests und die Spirometrie ganz überlassen. Zwischendurch war aber immer genug Zeit, mir die EKG-Befunde erklären zu lassen oder mir meine tausend anderen Fragen zu beantworten.

Die Patienten kamen mit den typischen Beschwerden, wie wir sie passend zu Herzproblemen aus der Uni kennen: Atemlosigkeit, Palpitationen, Synkopen und auch einfach nur zum Check Up. Hat „Heart of Australia“ schon wirklich etwas bewirkt und konnten dadurch Menschenleben gerettet werden? Ganz klar JA! Einen 60jährigen Patienten zum Beispiel hatten wir wegen gravierender Atemlosigkeit ohne Anmeldung mit aufgenommen und ein Herz Echo gemacht. Es stellte sich heraus, dass er einen hochgradigen Mitralklappen Defekt hatte. Die Ärzte überwiesen ihn sofort an eine Spezialklinik in Brisbane und schon am nächsten Tag wurde er für einen Klappenersatz am offenen Herzen im Krankenhaus aufgenommen.

Einen anderen Patienten lernte ich nur während der Nachuntersuchung kennen. Es handelte sich um einen Aboriginal, Farmer und Vater von drei Kindern. Als er sich beim Doktor für die Diagnose einer hochgradigen Stenose von zwei Coronararterien und die anschließende Weiterleitung ans Krankenhaus in Brisbane bedankte, sagte er, „Heart of Australia“ habe nicht nur sein Leben gerettet, sondern auch das Leben seiner drei Jungen. Als Alleinverdiener, wer hätte sich da um die Farm und seine Familie gekümmert? Wer hätte dafür gesorgt, dass die Jungs den rechten Weg finden? Dank dieses Projektes kann er weiterleben und muss nicht an einem Herzinfarkt sterben. Als er das sagte, kamen ihm dabei die Tränen und mir zugegebener Maßen auch ein wenig.

Nach der Sprechzeit

Waschtag im Outback Australiens - auch das muss natürlich sein
Waschtag im Outback Australiens – auch das muss natürlich sein

Wenn wir alle Patienten gesehen hatten, begannen wir mit dem Abbau des Trucks. Jeder bekam dafür ein Zimmer zugeteilt, für welches er verantwortlich war. Alles wurde bombenfest verschlossen und angegurtet. Nichts durfte während der Fahrt zum nächsten Ort kaputt gehen. Und die Straßen dort draußen können mitunter recht holprig werden. Wir mussten uns ständig um Reparaturen kümmern. An einem Tag funktionierte die Klimaanlage nicht. Und ein Stressecho bei 30 Grad ohne Klimaanlage ist kein Genuss für feine Nasen. An einem anderen Tag wollte unsere Eingangstür einfach nicht mehr öffnen und zwei Männer mussten sich mit voller Kraft dagegenstemmen, um in den Truck zu kommen. Zum Glück konnte aber alles in ein bis zwei Tagen repariert werden.

Der Abbau dauerte bei einem eingespielten Team ca. 30 Minuten. Zum Abendessen gab es je nachdem, wann wir Schluss machten, entweder etwas Selbstgekochtes auf dem Truck oder ein ordentliches Steak in einem typischen „Outback-Pub“. „Heart of Australia“ übernahm dafür die Kosten, sowie auch für die Unterkunft in Motels und die Inlandsflüge. Das ist viel mehr, als ich je für eine in Deutschland abgeleistete Famulatur bekommen habe und ich bin dafür sehr dankbar.

Rückblick und Ausblick!

Heart of Australia und seine aufgebaute Praxis auf Rädern
Heart of Australia und seine aufgebaute Praxis auf Rädern

Im Allgemeinen bin ich „Heart of Australia“ für vieles sehr dankbar! Dafür, dass sie mich einfach so als Praktikantin aufgenommen haben, sich die Zeit genommen haben, mir all meine Fragen zu beantworten und mir eine Familie während unserer Zeit auf dem Truck  waren. Das Team selbst war oft international. Es gab Zeiten, da bestand das Team aus einem britischen Arzt, einer italienischen Sonografeurin, einer Arzthelferin von den Philippinen, einem australischen LKW-Fahrer und mir, einer deutschen Praktikantin.

Was mich all diese Menschen während meiner Zeit auf dem Truck gelehrt haben, ist, dass mehr Menschen als „nur“ ein Arzt notwendig sind, um solch ein Projekt am Leben zu halten. Jeder Einzelne hatte seine Funktion während unserer Reise durch das australische „Outback“. Ohne die Ärzte gäbe es keine Behandlung, ohne die Sonografeure keine Diagnose, ohne die Arzthelfer würde die Praxis im Chaos versinken und ohne unseren Fahrer würde der Truck sich nirgendwo hinbewegen und nicht die tausend Menschen erreichen, die ihn dringend brauchen.

Wir Mediziner vergessen oft, was es alles an Berufsgruppen und Qualitäten bedarf, um sich um kranke Menschen zu kümmern. In den großen Krankenhäusern dieser Welt ist dies zugegebener Maßen auch nicht immer so leicht ersichtlich. Doch es bedarf viel mehr als nur ein paar Ärzte, um ein Krankenhaus oder eine Praxis zu führen und was würde ein Arzt ohne Krankenpfleger machen? Ohne MTAs? Oder ohne Physiotherapeuten und Logopäden? Um nur ein paar zu nennen. Wo wäre der Truck von „Heart of Australia“ ohne Fahrer? Wo würden wir schlafen ohne die Organisation der Leute im Büro in Brisbane und wer würde dem Arzt den Rücken freihalten, wenn nicht die Person am Empfang?

Ich habe das Gefühl, dass die Wertschätzung dieser ganzen Menschen im Klinik- und Praxisalltag schnell verloren geht. Doch kostet ein Dankeschön wirklich so viel Zeit, als dass man es nicht auch in stressigen Zeiten aussprechen kann? Meine Mutter pflegte zu sagen: „Wenn der Chef für eine Woche Urlaub macht, merkt man es meistens nicht. Wenn die Reinigungskraft nur einen Tag lang krank ist, quillt der Mülleimer sehr schnell über und merkt man es sofort!”.

Die Frage, die ich mir in den letzten paar Wochen unweigerlich gestellt habe, ist: „Wird so eine Art der Patientenversorgung irgendwann auch in Deutschland notwendig sein?“ Wenn ja, ist der „Heart of Australia“ Truck definitiv ein gutes Beispiel, wie man so ein Projekt auch in Deutschland verwirklichen könnte. Und wir können viel von ihm lernen.

Für alle die mehr über den Truck und seine Entwicklung wissen wollen, gibt es eine tolle Reportage unter folgendem Link: http://www.abc.net.au/austory/content/2015/s4418731.htm

Nadja Kutschke

Berlin, November 2016

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