Famulatur im Sudan – Tropenmedizin, Gynäkologie & Geburtshilfe, Notaufnahme

13. Oktober 2016

in Chancen im Ausland, Famulatur im Ausland, Gynäkologie und Geburtshilfe, Notfallmedizin, Sudan, Tropenmedizin

Sudan, Khartoum, University of Khartoum (01.08.-31.08.2016)

Die Universität von Khartum richtet seit 2008 einmal im Jahr einen Tropenmedizinkurs für internationale Medizinstudierende aus, der „Sudan Tropical Exchange Project“, kurz „STEP“, genannt wird. Ziel ist es, internationale Medizinstudierende mit tropischen Krankheiten vertraut zu machen und die sudanesische Kultur kennenzulernen. Im August 2016 war ich für einen Monat im Sudan und damit waren zum ersten Mal Deutsche in einer diesmal ziemlich internationalen Gruppe von 24 Leuten aus Kanada, Australien, England, Italien, Holland, Finnland und Taiwan mit dabei. Es war ein unglaublich spannender Monat und eine krasse Erfahrung!

Warum überhaupt in den Sudan?!

Ich hatte Lust an diesem Projekt teilzunehmen, da ich mich für Tropenmedizin und Medizin in Entwicklungsländern interessiere, mir vorstellen könnte, als Ärztin später an Projekten dort zu arbeiten und es eine einmalige Chance war, den Sudan als Land kennenzulernen. Das Tolle an „STEP“ (Sudan Tropical Exchange Project) ist, dass man wirklich vor Ort in einem Entwicklungsland ist und Patienten mit den entsprechenden, auch ausgefallenen, tropischen Krankheiten sieht und dazu auch noch einiges theoretisch beigebracht bekommt. Dadurch sind es nicht nur Krankheiten, die in einem fernen Land vorkommen und über die man liest, sondern man erlebt direkt betroffene Patienten, wodurch die Krankheitsbilder viel besser verdeutlicht werden.

Wie bewirbt man sich?

Die Bewerbungsmodalitäten werden auf der Internetseite der IFMSA (International Federation of Medical Students Associations) erklärt. Man füllt ein Bewerbungsformular aus, schickt dieses unterschrieben und eingescannt zusammen mit einem Motivationsschreiben, Lebenslauf, Passkopie an die angegebene Emailadresse (). Man muss sich nur an den vorgegebenen Bewerbungszeitraum halten. Bewerbungsschluss war Ende Mai. Zusätzlich zur Vorklinik sollten Kurse wie Mikrobiologie und Pharma vorher absolviert worden sein.

Wie bereitet man sich auf den Aufenthalt im Sudan vor?

 

Whirling Dervishes in Khartoum
Whirling Dervishes in Khartoum

Man sollte sich um eine Auslandskrankenversicherung und die entsprechenden Impfungen kümmern. Es gibt zwar direkt keine Impfvorschriften, folgendes ist ganz gut: Gelbfieber, Hep A und B, Polio, Tollwut, Typhus, Cholera, Meningokokken ACWY, zusätzlich zu den allgemeinen Impfungen, die auch in Deutschland empfohlen sind.

Khartum und Port Sudan gelten als Malaria frei. Ich hatte mir aber ein Mittel als Standby-Medikament besorgt, um auf Nummer sicher zu gehen. In Holland und Italien wird eine Chemoprophylaxe empfohlen, in Deutschland nicht, solange man nicht in den Süden reist, was zurzeit eher nicht empfohlen wird. Da es im Verlaufe des Monats anfing zu regnen, Khartum nicht über Kanalabflüsse verfügt, sich das Wasser somit schön als große Pfützen in den Straßen sammelte und die Sudanesen bei dem kleinsten Schwächegefühl oder Fieber direkt Malaria in Verdacht haben, hatte ich mich dann doch dazu entschlossen, in der zweiten Hälfte ein Mittel als Prophylaxe zu nehmen. Das Risiko soll eigentlich sehr, sehr klein sein und man soll selbst entscheiden, ob man die Prophylaxe einnimmt oder nicht. Bei uns ist in dem Monat niemand an Malaria erkrankt.

Im Sudan spricht man Arabisch. Es gibt ein Kauderwelsch Buch „Arabisch für den Sudan“, welches in der Vorbereitung bestimmt hilfreich ist. Der Kurs selbst ist auf Englisch, alle vor Ort sprechen Englisch und untereinander kommuniziert man auch auf Englisch. Wir hatten vor Ort einen kleinen Arabischkurs in Vorbereitung auf die „Medical Mission“ im Norden. Es ist bestimmt hilfreich, sich vorher etwas damit zu beschäftigen, aber nicht notwendig. Floskeln, Zählen und das weitere Notwendigste lernt man auch vor Ort.

Der Tropenmedizinkurs kostet 600€ für Unterkunft, Verpflegung (zweimal pro Tag), Social Program, Transport, Visum, allem Drum und Dran. Flüge kosten zwischen 500-600€. Es fliegen u.a. folgende Fluggesellschaften in den Sudan: Emirates, Turkish Airlines, Etihad Airways, Ethiopian Airlines. Zusätzlich habe ich weniger als 200€ an Taschengeld benötigt für Mitbringsel, zusätzliche Mahlzeiten in Restaurants, Kaffee, Knabberzeugs und Süßigkeiten etc. Für die sechs Wochen kommt dann doch was an Kosten auf einen zu. Das Auslandsstipendium von Medizinernachwuchs.de (Aktuelle Ausschreibung der Auslandsstipendien) war daher wirklich eine große Unterstützung in der Finanzierung des Aufenthalts! Vielen Dank an dieser Stelle!

Vor Ort wird alles für die Unterkunft und den Großteil der Verpflegung gestellt und man muss sich vorher um nichts kümmern, auch nicht ums Visum, denn dieses gibt es vor Ort bei der Einreise am Flughafen, von dem man natürlich auch abgeholt wird. Teilweise sind wir sogar mit den gleichen Flügen angereist, sodass man sich in z.B. Dubai oder Istanbul schon kennengelernt hat. Entsprechende Kleidung muss man natürlich mitbringen.

Der Sudan ist ein muslimisches Land mit Scharia-Recht. Man sollte wirklich immer die Beine und Schultern bedecken. Lange Röcke sind für Frauen praktisch und luftig bei den hohen Temperaturen im August, Männer sollten eigentlich immer lange Hosen tragen. Untergebracht sind alle „STEPPERS“ in einem gemeinsamen großen Haus mit Küche, Wohnzimmer und Garten. Die Zimmer haben alle Ventilatoren und Klimaanlage und sind mit dem Nötigsten ausgestattet, sodass man ganz komfortabel leben kann.

Der eigentliche Kurs – Scientific Program

Campus der medizinischen Fakultät der University of Khartoum
Campus der medizinischen Fakultät der University of Khartoum

Das „STEP“ Scientific Program ist das Kernstück des Kurses und beinhaltet alle akademischen Veranstaltungen. Es setzt sich aus einer Vielzahl unterschiedlicher Bausteine zusammen: Vorlesungen, Tutorials, Clinical Rounds, Schichten im Kreissaal und in der Notaufnahme, Besuche in speziellen Forschungszentren und der „Medical Mission“.

In den ersten zwei Wochen hatten wir am Vormittag Vorlesungen und nachmittags „Social Program“ zum Einleben und Kennenlernen. Professoren und Dozenten der University of Khartoum, alle sehr renommiert auf ihrem Gebiet, halten nur für die „STEPPERS“ ausgelegte Vorlesungen z.B. über die Tropenklassiker wie Malaria, Dengue und Gelbfieber, aber auch über sudan-spezifischere, seltenere Krankheiten wie Onchozerkose, Myzetom, Lepra, Leishmaniose etc. Insgesamt wird ein Sammelsurium an tropischen Krankheiten behandelt. Diese werden teilweise in den interaktiven Tutorials wieder aufgegriffen und gemeinsam durchgesprochen. Tutorials werden von „Junior Doctors“ gehalten, welche größtenteils selbst als Studenten bei der Organisation von „STEP“ mitgewirkt haben und große Freude am Lehren haben. Die Tutorials haben immer viel Spaß gemacht und dadurch hat sich das Essentielle jeder Krankheit nochmals im Kopf gefestigt.

Ein typischer Tag begann um 9:00 Uhr mit einer Vorlesung auf dem Unicampus der University of Khartoum, wofür wir um 8:15 Uhr in unserem Haus abgeholt wurden und mit einem Bus zur Universität gefahren wurden. Nach zwei bis drei Vorlesungen gab es dann Mittagessen, welches wir entweder in der open air „Mensa“ einnahmen oder es gab selbstgekochtes Essen von der Mutter einer Studentin. Nachmittags blieben wir entweder für einen Kurs an der Universität, fuhren zu spezialisierten Krankenhäusern in Khartum oder es gab ein „Social Program“.

Nachtschichten im Kreißsaal und in der Notaufnahme

Fortgeschrittenes Myzetom an der Hand eines Patienten
Fortgeschrittenes Myzetom an der Hand eines Patienten

Zusätzlich hatten wir Nachtschichten im Kreißsaal und in der Notaufnahme. Im Kreißsaal war es besonders interessant, da einige Frauen im Sudan noch beschnitten sind. Zwar ist diese Praktik inzwischen nicht mehr so weit verbreitet, es gibt jedoch noch viele Frauen, die im Mädchenalter beschnitten wurden und nun Kinder bekommen. Es ist erschreckend, eine beschnittene Frau zu sehen, an der während der Geburt dann eine Art ventrale Episiotomie durchgeführt werden muss, um das Kind überhaupt zu gebären, und die direkt im Anschluss wieder zugenäht werden. Für mich war dies der am meisten einprägsame Moment!

In der Notaufnahme ist es für einen selber eher frustrierend, da man außer beim Viggo legen nicht viel helfen kann, obwohl es viel Leid gibt. Teilweise kamen die Opfer eines Autounfalls reingelaufen oder wurden jammernd durch Umstehende hereingetragen und mussten erst einmal ewig warten, bis ein Arzt sich ihnen widmete. Patienten verstarben, weil das Krankenhaus keinen Defibrillator hatte! Alles ging sehr langsam vonstatten und man hat sich sehr hilflos gefühlt. Es ist eine Erfahrung, so etwas mal gesehen zu haben.

Des Weiteren waren wir noch im Myzetom-Zentrum, im Tropical Hospital, dort untersuchten wir Leishmaniose-Patienten, und in einem spezialisierten Tuberkulose-Krankenhaus. Hier sah man Patienten mit allen möglichen Komplikationen und versteht dort erst, warum es früher Schwindsucht hieß! Die Patienten sind so ausgemergelt und schwach. Ferner besuchten wir die Lepramission und fuhren zu einer spezialisierten Gastro-Klinik, in der viele Patienten mit portaler Hypertension (durch Schistosomiasis) und deren Folgen lagen. Die Milz der Patienten konnte man teilweise in der rechten Fossa iliaca tasten! Wir hatten sehr viele unterschiedliche Stationen rund um Khartum, bei denen wir immer sehr herzlich empfangen wurden und so gut es ging mitarbeiten, untersuchen und helfen durften. Jeder hatte Lust, uns die Krankheitsbilder näher zu bringen! Am Ende der viereinhalb Wochen steht auch tatsächlich eine Klausur mit Bilderfragen, Case Studies und MC-Fragen an, die man bestehen muss, um das Zertifikat zu bekommen.

Medical Mission – medizinische Versorgung im ländlichen Gebiet

Reifenpanne unterwegs in der Wüste bei der Medical Mission
Reifenpanne unterwegs in der Wüste bei der Medical Mission

Eine besonders spannende Woche erlebt man in der 3. Woche des Aufenthaltes während der „Medical Mission“. Bereits seit den 60er Jahren fahren Ärzte und Medizinstudenten der University of Khartoum jährlich in eine ländliche Region des Sudans, um dort medizinische Versorgung zu leisten. Jedes Jahr wird eine andere Region besucht und in diesem Jahr fuhren wir in den Norden nach Abu Hamad in die Wüste. Abu Hamad ist eine Stadt am Nil, ca. 12 Stunden mit dem Bus von Khartum entfernt. Die „STEP“-Teilnehmer dürfen an der „Medical Mission“ teilnehmen und tatkräftig mitarbeiten. Man ist in vier gleich große Gruppen eingeteilt, die aus „STEP“-Teilnehmern, Medizinstudenten, Laborpersonal und Ärzten, meistens „Junior Doctors“, bestehen und täglich jeweils andere Dörfer in „näherer“ Umgebung, d.h. zwischen 1-6 Stunden Fahrtzeit mit kleineren Bussen, ansteuern, um dort die Patienten hauptsächlich mit akuten Erkrankungen zu sehen.

Im Dorf angekommen, gibt es meist Verpflegung vom Dorf, und dann baut man in Gemeinderäumen, Schulen oder draußen die Klinik, Apotheke und das Labor auf. Es gibt eine Frauen-, eine Kinder- und eine Männerklinik, in der die Ärzte die Patienten untersuchen, dann Rezepte ausstellen oder Laboranforderungen machen. Das Labor ist sehr einfach ausgestattet mit Mikroskopen für Blutausstriche und Urinsediment, Zentrifuge für Urin- und Stuhlproben, Schnelltest für HCG und Malaria, sowie Blutabnahme zur Blutzucker und Hb-Bestimmung. Man konnte schon einiges mit sehr einfachen Methoden im Labor testen! Für die Hb-Bestimmung musste man das Blut über eine Pipette mit dem Mund bis zu einer bestimmten Linie ansaugen. Dies war schon sehr abenteuerlich, um kein Patientenblut bis hoch in den Mund zu ziehen!

In der Apotheke hatten wir jede Menge Medikamente mitgebracht, inkl. Antibiotika und Anti-Malaria-Mittel. Viele Patienten haben nur Schmerzmittel oder Hustensaft verschrieben bekommen. Im Sudan ist es sehr wichtig, dass ein Arztbesuch die Einnahme von Medikamenten zur Folge hat, weshalb oftmals Paracetamol ausgeteilt wurde, wenn keine anderen Medikamente benötigt wurden oder auf dem Rezept draufstand: „Big fat smile“!

Am Tag kommen bis zu 500 Patienten mit ganz unterschiedlichen Krankheitsbildern. Alle chronischen Krankheiten wie Hypertonus und Diabetes konnten wir nicht behandeln, da diese eine langfristige Kontrolle benötigen. Typ II ist sehr, sehr stark verbreitet im Sudan, da sehr viel Süßes gegessen wird. Patienten mit erhöhten Werten, teilweise bis zu 800 mg/dl, mussten wir daher für die Einstellung immer an das nächste Gesundheitszentrum überweisen, welches teilweise mehrere Tagesmärsche entfernt liegt. Akute Krankheiten, Reflux oder Malaria konnten wir dagegen gut behandeln. Während der gesamten „Medical Mission“ habe ich viele interessante Fälle gesehen, so z.B. Schwangerschaft mit Präklampsie, riesige Struma, Malaria, Kinder und Erwachsene mit Pika-Syndrom, und dank der Mühe der „Junior Doctors“ sehr viele Untersuchungstechniken gelernt.

Im Sudan allgemein und während der „Medical Mission“ im Besonderen ist man auf die körperliche Untersuchung viel mehr angewiesen, als dies bei uns der Fall ist. Während bei uns bei einem Patient mit Verdacht auf Schilddrüsenprobleme der TSH bestimmt und mal der Ultraschall drauf gehalten wird, guckt man sich im Sudan die Patienten erst einmal ganz genau an. Wir konnten weder TSH bestimmen, noch hatten wir ein Ultraschallgerät dabei. Es gibt viel mehr körperliche Zeichen, die Aufschluss auf die Krankheit geben, als wir es in Deutschland lernen. Ich hatte das Gefühl wieder viel näher am Patienten zu untersuchen und nach Hinweisen zu suchen.

Auf der Rückfahrt von einem Dorfbesuch nach einem langen Tag wurden im Bus immer sudanesische Lieder gesungen und abends hat jeweils eine Gruppe Sketche (über andere Teilnehmer), Lieder und Gedichte vorgetragen. Meistens kamen wir erst um ca. 2:00 Uhr morgens zurück zur Unterkunft, um am nächsten Tag um 7:00 Uhr wieder abfahrtbereit zum Stützpunkt zu fahren, von dem aus es nach einem kleinen Frühstück zu den Dörfern ging. Die Woche war nicht nur spannend, sondern auch sehr anstrengend! Für einen Monat im Sudan muss man sich viel Geduld und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Wartezeiten mitbringen…

Social Program

Whirling Dervishes in Khartoum
Whirling Dervishes in Khartoum

Immer sonntags, dienstags und freitags gibt es ein „Social Program“ zum „Team Building“, Khartum entdecken als auch zum Kennenlernen der sudanesischen Kultur. Wie auch der Rest von „STEP“ wird das „Social Program“ von Medizinstudenten organisiert. Wir haben eine Stadtrundfahrt gemacht, waren im National Museum, gemeinsam im „Souq“, praktisch, wenn die Sudanesen beim Verhandeln helfen, beim traditionellen „Nuba“-Wrestling, bei den „Whirling Dervishes“ in „Omdurman“ und bei den Pyramiden von „Meroe“.

Wir hatten einen Sporttag auf einer Farm in Khartum, hatten eine „Girls Night“ mit Henna bzw. „Boys Night“ mit Schaf schlachten und grillen, waren auf einer sudanesischen Hochzeit und haben selbst eine Hochzeitszeremonie nachgestellt mit den sudanesischen Traditionen und Liedern. Es waren immer sudanesische Medizinstudenten mit im Haus und im Garten zum Chillen, es wurde stundenlang geredet über Politik, Religion und Kultur im Sudan und wir haben dadurch einen sehr guten Einblick in das Leben im Sudan bekommen.

Für die sudanesischen Medizinstudenten ist der Monat mit den internationalen „STEPPERN“ auch einer der aufregendsten des akademischen Jahres. Für Sudanesen ist es sehr schwierig, nach Europa zu reisen. Für ein Visum benötigt man immer eine offizielle Einladung. Daher ist es für die meisten die beste Möglichkeit, andere Menschen und Kulturen über das „Sudan Tropical Exchange Project“ der University of Khartoum kennenzulernen und so „innerhalb des Sudans zu reisen“.

Khartum ist eine sehr sichere afrikanische Stadt. Die Unterkunft ist in einem besseren Viertel, auch wenn es etwas länger dauert, bis man versteht, dass Sandstraßen und unfertige Häuser auch in „besseren“ Vierteln dazugehören, und man kann sich tagsüber und abends auch als Frau frei bewegen. Da die Sudanesen kaum Touristen kennen, wird man auch nicht belästigt oder als „Geldbeutel mit Beinen“ behandelt. Auf der Straße wird man oft angesprochen, aber nur um zu erfahren, warum wir im Sudan sind und ob es uns hier gefällt. Die Frage „So, how do you like Sudan?“ beantwortet man tausendfach in den sechs Wochen. Die Sudanesen sind sehr hilfsbereit, offen und stolz auf ihr Land und ihre Kultur. Man hat das Gefühl, dass jeder Sudanese sehr bemüht ist, sein Land im besten Licht darzustellen und zu repräsentieren. Die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen kennt keine Grenzen!

Post-STEP-Tour – Schnorcheln im Roten Meer!

You know ,Sudan has more Pyramids than Egypt and also two Niles ,Egypt only one
You know ,Sudan has more Pyramids than Egypt and also two Niles ,Egypt only one

Nach der Klausur und der „Closing Ceremony“ ist der offizielle Teil von „STEP“ vorbei. Man kann sich für 60€ für die „Post-STEP-Tour“ anmelden, bei der man ein paar Tage in „Port Sudan“ am Roten Meer verbringt und über „Merowe“ wieder nach Khartum fährt. In „Port Sudan“ waren wir zwei Tage am Meer schnorcheln und mit einem Boot unterwegs. Dort könnte man auch tauchen gehen, wenn vor Ort das Boot für die Tauchgänge nicht gerade kaputt ist. Typisch Sudan. Danach fährt man in die Berge für eine kleine Sonnenaufgangswanderung und dann weiter zum Damm von „Merowe“ und den Pyramiden dort, bevor es wieder nach Khartum und dann nach Hause geht.

Die Atmosphäre während der „Post-STEP-Tour“ war wirklich sehr entspannt und ich würde es jedem mit etwas mehr Zeit empfehlen, für diesen kleinen Betrag die Woche „Sudan entdecken“ noch mitzunehmen. Es ist schwer, im Sudan auf eigene Faust zu reisen. Auf den Straßen gibt es ständig Checkpoints, die man passieren muss. Selbst mit einem von der Botschaft in Berlin ausgestellten Visum darf man eigentlich nur in Khartum bleiben. Für weitere Reisen braucht man als Ausländer eine extra Genehmigung, die für uns eingeholt wurde. Auf dem Weg nach „Abu Hamad“ oder ans Rote Meer wurden wir an jedem Checkpoint kontrolliert. Als wir „Port Sudan“ wieder verlassen wollten, durften wir einen Checkpoint nicht passieren, da es angeblich „Unregelmäßigkeiten“ mit unseren Erlaubnissen gab. Wir fuhren zurück in die Stadt und warteten drei Stunden, bis der Sicherheitsbeauftragte von „Port Sudan“ alle Papiere geprüft, den „Dean“ der Fakultät in Khartum erreicht hatte, um auch wirklich bestätigt zu bekommen, dass wir nur harmlose Touristen sind und keine Spione, wie angenommen wurde. Es gab wohl im Jahr zuvor tatsächlich Probleme mit internationalen „Touristen“, die den Militärstützpunkt in „Port Sudan“ ausspioniert hatten. Alleine herum zu reisen empfiehlt sich daher nur, wenn man fließend Arabisch spricht, ein eigenes Auto hat und sich gerne mit Behörden auseinandersetzt.

Mein Blick zurück

Es war eine unglaubliche und einzigartige Erfahrung, den Sudan näher kennenzulernen! Jeder, der Lust auf die Verschmelzung von Afrika und Arabien hat, ist im Sudan bestens aufgehoben. Man wird herzlich willkommen geheißen und erlebt ein Land und eine Kultur, welche noch nicht vom Tourismus verändert wurde.

Hinzu kommt die gute medizinische Ausbildung, die man während der Zeit erhält, und all die spannenden Fälle, die man sieht. „STEP“, das „Sudan Tropical Exchange Project“ der University of Khartoum, ist ein großartiges Projekt, welches ich jedem interessierten Medizinstudenten ans Herz legen würde.

H., C.

Köln, Oktober 2016

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2016

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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1 Kommentar

  • Hallo!
    Dein Bericht liest sich sehr spannend und ich bin mir sicher, dass man sehr viel dort lernt.
    Aber etwas fehlt mir: Im Sudan herrscht Krieg. Bashir führt einen Krieg gegen die eigene Bevölkerung in Darfur und den Nubabergen. Ich finde, so etwas sollte man nicht außer acht lassen und kann man auch mal hinterfragen. Gerade wenn die Sudanesen so stolz auf ihr Land sind. Meiner Meinung nach gehört es in solch einem Bericht erwähnt.

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