Krankenpflegepraktikum in Togo – Gynäkologie und Geburtshilfe, Chirurgie

23. September 2016

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Im Fokus, Krankenpflegepraktikum im Ausland, Togo

Togo, Vogan, Centre Hopitalier Préfectoral de Vogan (06.08.-05.09.2015)

Nach zwei Monaten Krankenpflegepraktikum an einer deutschen Klinik zog es mich für den letzten Abschnitt meines Krankenpflegepraktikums an ein Krankenhaus im französisch-sprachigen Teil Afrikas – nach Togo. Und was man hier sehr schnell feststellen konnte, war, dass man sich als ausländischer Praktikant generell zunächst einmal „beweisen“ und ein hohes Maß an Eigeninitiative zeigen musste, um Aufgaben zugeteilt zu bekommen.

Krankenpflegepraktikum in Afrika

Im August 2015 absolvierte ich einen Teil meines Krankenpflegepraktikums für die Physikums Zulassung in der kleinen Stadt Vogan in Togo. Nach zwei Semestern Medizinstudium und bereits zwei Monaten Krankenpflegepraktikum auf einer deutschen Intensivstation war es mit ein großes Bedürfnis, „mal raus zu kommen“ und den fehlenden Monat mit einem Auslandsaufenthalt zu verknüpfen – auch um wieder etwas Motivation und Kraft für die anstrengende Vorklinikzeit zu schöpfen.

Mir war es ein Anliegen nach Afrika zu gehen, da ich noch nie dort gewesen war und unbedingt diesen spannenden Kontinent bereisen wollte. Zudem war es mir wichtig, in ein frankophones Land  zu gehen, um einerseits mein Französisch wieder anwenden zu können, aber auch weil mich die Kolonialgeschichte der ehemaligen französischen Protektorate sehr interessiert.

Erste Eindrücke zu Togo

Ein typischer afrikanischer Wochenmarkt in Togo mit allem was das Herz begehrt
Ein typischer afrikanischer Wochenmarkt in Togo mit allem was das Herz begehrt

Togo liegt südlich von Mali, zwischen dem Benin und Ghana und hat ca. 6,8 Millionen Einwohner. Verglichen mit seinen Nachbarländern ist es deutlich schlechter entwickelt und hat eine stagnierende Wirtschaft, geprägt von Korruption. Daher verlassen viele junge Togolesen das Land, um zum Arbeiten entweder nach Ghana oder nach Nigeria zu gehen. Bei einer Arbeitslosenquote von über 50 Prozent ist dies nicht verwunderlich. Die Stadt Vogan liegt ca. eineinhalb Stunden Fahrt mit dem Auto über die Buckelpiste von Lomé entfernt und hat ca. 20.000 Einwohner. Als „weiße“ Frau fällt man dort noch mehr auf als in den großen Städten. An den Wochenenden habe ich mithilfe von Kontakten vor Ort einige Ausflüge in die verschiedenen Regionen des Landes gemacht.

Generell ist es sehr eindrucksvoll, wenn man das erste Mal nach Afrika kommt. Dabei hängt natürlich stark davon ab, welches Ziel man gewählt hat. Nichtsdestotrotz sind die Eindrücke im Verkehr, im Stadtbild und auch die krassen Widersprüche überall ähnlich. Die (Arbeits-) Kultur in Togo ist geprägt von dem Staat als größtem Arbeitgeber und damit verbundener Gleichgültigkeit oder Gemütlichkeit gegenüber Arbeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Wer dorthin reist, muss sich im Klaren sein, dass er nicht europäische Ansprüche an sein Umfeld stellen kann.

Kulinarisch dominieren vor allem Lebensmittel aus eigenem Anbau wie Reis, Couscous und das Nationalgericht Pâtes. Gemüse, außer Tomaten, ist eher rar und kaum eine Mahlzeit ist ohne Fleisch – Vegetarier also aufgepasst! Generell muss man ein gewisses Maß an Offenheit gegenüber der nationalen Einstellung zu Tieren mitbringen. Das Schlachten auf dem Markt verläuft dort noch sehr „authentisch“.

Bewerbung und Vorbereitung

Weites Land Blick vom höchsten Berg Togos
Weites Land Blick vom höchsten Berg Togos

Den Kontakt zum Centre Hôpital in Vogan lief über die Organisation „Rainbow Garden Village“, die auch Vorschläge für eine Unterkunft geliefert hatte. Davon habe ich dann einen angenommen. Im Nachhinein würde ich diese Möglichkeit der Vermittlung von einer externen Organisation nicht nochmal nutzen, da die Kosten, welche die Organisationen für ihre Vermittlung verlangen, in keinem Verhältnis zu den gebrachten Leistungen stehen. Gerade in Togo lohnt es sich, initiativ Krankenhäuser anzuschreiben und sich nach einer Praktikumsstelle zu erkundigen. Deutsche Medizinstudenten sind dort gerne gesehen und werden sehr herzlich aufgenommen.

Für die Vorbereitung meines Auslandsaufenthaltes waren einige Impfungen nötig. Für das Visum, das man problemlos beim Konsulat in Bonn auch auf postalischem Wege erhält, ist der Nachweis für eine Gelbfieberimpfung Pflicht. Ich habe zusätzlich noch Impfungen gegen Tollwut und Diphterie vornehmen lassen. Ob man diese Impfungen macht, ist eigenes Ermessen, es empfiehlt sich hier die Beratung durch einen Tropenarzt. Man sollte jedoch nicht die Kosten von einigen Impfstoffen unterschätzen!

Togo ist Malaria Gebiet mit hohem Risiko, gerade in den Sommermonaten. Aus diesem Grund habe ich von meinem Tropenarzt präventive Malariatabletten verschrieben bekommen, die ich aber nach einer Woche abgesetzt habe, da sie zu Verdauungsschwierigkeiten führen. Die Krankenhäuser in Togo sind auf Malaria vorbereitet und ich habe auf einen guten Insektenschutz geachtet. Auch die Einnahme dieser Medikamente liegt im eigenen Ermessen, die Kosten für das Medikament liegen auch hier für vier Wochen bei ca. 200 Euro.

Fachlich hatte ich mich auf das Praktikum kaum vorbereitet, da ich ja nur als Pflegepraktikantin eingesetzt war und daher keine große Verantwortung tragen musste – fachlich wie persönlich. Unabdingbar sind in Togo jedoch ausgesprochen gute Französischkenntnisse, da die Bevölkerung Französisch als ihre Zweitsprache neben der eigenen Sprache „Ewe“ lernt. Englischkenntnisse sind daher oft nur rudimentär oder gar nicht vorhanden.

Krankenpflegepraktikum am Centre Hopitalier Préfectoral de Vogan

Fortbewegungsmittel Nummer eins in Togo das Taxi Moto
Fortbewegungsmittel Nummer eins in Togo das Taxi Moto

Das Krankenhaus in Vogan hatte ein Einzugsgebiet von etwa 50 km in alle vier Himmelsrichtungen und war für die große Menge an Patienten sehr klein und extrem schlecht ausgestattet. Hauptteil der medizinischen Tätigkeit dort waren vor allem Entbindungen inkl. Kaiserschnitte, für die mithilfe von Entwicklungshilfegeldern auch recht gute Bedingungen geschaffen worden waren. Die meiste Zeit war ich also auf der Vorsorge und Entbindungsstation, die aber daneben keine anderen gynäkologischen Behandlungen vorgenommen hat. Neben diesen Stationen hospitierte ich in der Chirurgie, hier gab es vor allem Unfallopfer, die meist mit Motorrädern verunglückten, in der dentalen Abteilung sowie für wenige Tage im hauseigenen Labor.

Die pflegerische Tätigkeit sieht in Krankenhäusern in Togo generell sehr anders aus. Es gab nur einen einzigen Arzt, den Chef des Krankenhauses. Unter ihm stehen mehrere „Assistant Medical“, die das operative medizinische Geschäft leiten und darunter die Pfleger. Dadurch, dass die Pflege, also waschen, Essen bringen, usw., eigentlich nur von den Angehörigen der Patienten gemacht wird, bestand meine Aufgabe als Assistent der Pfleger in der Registrierung und Dokumentation von neu aufgenommenen Patienten sowie das Messen von Vitalwerten und Blutabnahmen.

Generell muss man sich als ausländischer Praktikant zunächst einmal „beweisen“ und ein hohes Maß an Eigeninitiative zeigen, um Aufgaben zugeteilt zu bekommen. Der Arbeitstag ging von 8:00 Uhr bis 17:00 Uhr mit einer Stunde Mittagspause. Auf eigene Initiative hin durfte ich auch zwei Nachtdienste machen.

Zusätzlich war dem Krankenhauskomplex ein HIV Zentrum angegliedert, das wöchentlich zentral Medikamente für HIV Positive ausgegeben hat und als Anlaufstelle für HIV Positive Patienten diente. Die Arbeit der Kräfte dort bestand auch in der Unterstützung im Umgang mit der Krankheit im Privatleben. Hier durfte ich ebenfalls ein paar Tage hospitieren und die Arbeit der Sozialarbeiter dort kennenlernen.

Anerkennung des Krankenpflegepraktikums

Ich hatte im Vorhinein mit der zuständigen Stelle für die Zeugnisse an meiner Universität in Frankfurt am Main gesprochen und mir einige zentrale Begriffe geben lassen, die in dem Zeugnis stehen müssen, damit es anerkannt wird. Die Mitarbeiterin dort sprach zum Glück Französisch, sodass keine notarielle Übersetzung nötig war. Das Krankenhaus in Togo war sehr kulant, was die Formulierungen anging und ich konnte alle Formulierungen unterbringen. Generell empfiehlt sich daher immer eine enge Kooperation mit den zuständigen Stellen seiner Heimatuniversität.

Fazit

Wenn ich noch einmal ein Praktikum in einem afrikanischen Land machen würde, könnte ich Togo auf jeden Fall empfehlen. Wer noch nie in Afrika war, fühlt sich vielleicht mit einer Organisation, die sich um den Großteil kümmert, wohler. Wenn man jedoch schon mal dort war, lohnt es sich durchaus, mit einem gewissen Maß an Eigeninitiative Unterkunft und Logis zu organisieren. Hier lassen sich viele Kosten sparen.

D., C.

Frankfurt am Main, Mai 2016

 

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