PJ in Südafrika – Unfallchirurgie / Allgemeine Chirurgie

25. August 2016

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Fachgebiet, Praktisches Jahr im Ausland, Südafrika, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie

Südafrika, Kapstadt, Groote Schuur Hospital / New Somerset Hospital (07.09.-28.12.2015)

Die vier Monate meines PJ-Tertials in Südafrika vergingen wie im Flug. Und um das Fazit gleich vorneweg zu nehmen: Ich würde mich wieder für Kapstadt und besonders für die „Trauma Unit“ entscheiden. In dieser Zeit konnte ich viele lehrreiche Schichten am Krankenhaus absolvieren und unglaublich viel lernen. Und zusätzlich zu dem großen Lerneffekt in der Chirurgie lockte natürlich auch das breite Freizeitangebot, das Kapstadt und Südafrika zu bieten haben.

Entscheidung für die Chirurgie in Südafrika

Ein Untersuchungscontainer der SHAWCO Kinderklinik der University of Cape Town in einem Township
Ein Untersuchungscontainer der SHAWCO Kinderklinik der University of Cape Town in einem Township

Da ich gerne reise und aufgrund der Doktorarbeit leider keine Zeit mehr für ein Erasmusjahr bleiben würde, stand früh fest, dass es auf jeden Fall im PJ ins Ausland gehen muss. Das war auch gut, denn so konnte ich mich für den PJ-Platz schon zweieinhalb Jahre vorher bewerben. Da mich die Notfallmedizin reizte und ich als Werkstudent in der Notaufnahme in Deutschland bislang nur Erfahrungen mit kleineren Verletzungen gemacht hatte, entschied ich mich für die Traumatologie in einem Schwellenland.

Kapstadt in Südafrika schien mir ideal, da es neben einer relativ hochentwickelten medizinischen Versorgung auch einen hohen Freizeitfaktor bot und es viele positive Berichte gab. Die Mitarbeiterinnen des LPA rieten mir dazu, mein Chirurgie Tertial zu splitten, um zwei Krankenhäuser kennen zu lernen. Daher bewarb ich mich neben zwei Monaten in der „Trauma Unit“ des Groote Schuur Hospital auch für zwei Monate General Surgery im New Somerset Hospital für den Zeitraum von September bis Dezember. Von der Jahreszeit in Südafrika her entspricht dies ungefähr Frühling bis Sommer.

Wichtige Aspekte bei der Bewerbung und Vorbereitung

Auf dem Flur der Trauma Unit mit Übergang zur Resuscitation Area im Groote Schuur Hospital in Kapstadt
Auf dem Flur der Trauma Unit mit Übergang zur Resuscitation Area im Groote Schuur Hospital in Kapstadt

Obwohl ich mit der Organisation meines Auslandstertials sehr früh begonnen hatte, war ich mit drei Monaten für das Visum sehr spät dran. Dies lag unter anderem daran, dass Südafrika kurz zuvor seine Visa-Bestimmungen geändert hatte. Während für Aufenthalte kürzer als drei Monate weiterhin ein bei Einreise am Flughafen beantragtes Touristenvisum reichte, musste ich für den viermonatigen Aufenthalt ein „Study Visa“ beantragen. Dafür brauchte ich unter anderem mein Polizeiliches Führungszeugnis (bis vier Wochen Wartezeit), eine Röntgenthorax Aufnahme mit Befund und Gesundheitsstatus zum Ausschluss von Tuberkulose und eine erneute Bestätigung der Abteilungen.

Besonders überrascht war ich, dass dem Südafrikanischen Staat meine deutsche Auslandskrankenversicherung nicht ausreichte und ich zusätzlich eine südafrikanische Krankenversicherung abschließen musste. Nachdem ich ein paar Angebote verglichen hatte, entschied ich mich für „THEBEMED medical aid scheme“, da sie am schnellsten antworteten. Des Weiteren benötigt man einen Nachweis über „ausreichende finanzielle Mittel“.

Wenn man alle notwendigen Dokumente beisammen hat, muss man den Antrag in der Botschaft in Berlin stellen. Leider vergibt diese keine Termine, deswegen lohnt sich ein frühes Erscheinen. Die Bearbeitung des Antrags kann noch mal 4 – 8 Wochen dauern. Andere Studenten hatten sich damals trotz viermonatigem Aufenthalt für das Touristenvisum entschieden und hatten kurzzeitig das Land verlassen, um erneut einzureisen. Ob das immer problemlos klappt, kann ich nicht sagen. Um die Impfungen sollte man sich ebenfalls früh kümmern.

(Anm.d.Red.: Um wirklich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Das Groote Schuur Hospital in Kapstadt

Ein Model des berühmten Groote Schuur Hospitals in Kapstadt
Ein Model des berühmten Groote Schuur Hospitals in Kapstadt

Den ersten Tag verbringt man mit organisatorischen Dingen. Nach der Anmeldung im Groote Schuur Hospital in Kapstadt musste man zum „Upper Campus“, um sich seine ID Card ausstellen zu lassen. Zwischen den Campi gibt es einen kostenlosen Shuttle Service. Danach erfolgte die Vorstellung in der „Trauma Unit“ C14.

Von der Sekretärin wird man zunächst in die Abläufe eingeführt. Es gibt einen Schichtplan mit Nacht- und Wochenenddiensten, in den sich die Medizinstudenten in gegenseitiger Absprache eintragen müssen, so dass jede Schicht mit zwei bis drei Studenten besetzt ist. Dies war selten ein Problem, da der Pool ausreichend groß und die meisten Studenten auch sehr motiviert waren. Beliebte Schichten waren vor allem Freitag- und Samstagnacht, da dann mit dem höchsten Patientenaufkommen in der Trauma Unit zu rechnen war.

Der Tagesdienst geht von 8:00 Uhr bis 18:00 Uhr und der Nachtdienst von 18:00 Uhr bis 8:00 Uhr. Anders als in vielen anderen Abteilungen und Krankenhäusern in Kapstadt wird in dieser Zeit auch die volle Anwesenheit und Mitarbeit erwartet. Jeweils zum Schichtwechsel findet eine Übergabe statt, bei der man die gesehenen und behandelten Patienten vorstellt. Beim Tagesdienst konnte man in Abhängigkeit des Patientenaufkommens an den Unterrichtsveranstaltungen der Medizinstudenten im 5. oder 6. Jahr teilnehmen.

In der Unfallchirurgie am Groote Schuur Hospital in Kapstadt

Wartende Patienten in der Green Area der Trauma Unit am Groote Schuur Hospital in Kapstadt
Wartende Patienten in der Green Area der Trauma Unit am Groote Schuur Hospital in Kapstadt

Die „Trauma Unit“ am Groote Schuur Hospital war in einen „grünen Bereich“, einen „gelben Bereich“ und den „roten Resuscitation-Bereich“ mit kritischen Patienten unterteilt. Im grünen Raum anamnestizierten und untersuchten wir zunächst die Patienten und nahmen die Daten mit Ipads in das System auf. Die meisten Patienten sprechen Englisch. Ist das nicht der Fall, können häufig Krankenschwestern oder andere Patienten übersetzen. Danach erfolgte die Rücksprache mit einem „Intern“. Das sind fertige Ärzte, die nun zwei Jahre durch alle Fachbereiche rotieren. Dann meldeten wir Röntgen Untersuchungen an oder versorgten Wunden mit Nähten und Frakturen im Gips-Raum.

Das Krankheits- bzw. Verletzungsspektrum umfasste vor allem Kopfplatzwunden, Messerschnittverletzungen und Knochenbrüche der Extremitäten und des Gesichts. Um die Meinung der Fachärzte, z.B. MaxFacs Maxillary-Facial-Surgeon, einzuholen, schickte man ihnen ein abfotografiertes Bild per What’sApp. Bei Fragen war immer ein Ansprechpartner vorhanden. Teilweise waren dies auch internationale Ärzte, die ebenfalls extra nach Kapstadt gekommen sind, um in der „Trauma Unit“ des Groote Schuur Hospitals Erfahrungen zu sammeln.

Nach einiger Zeit wurde man ermutigt, zunehmend auch „gelb-triagierte“ Patienten zu übernehmen. Dabei handelte es sich häufig um Opfer von Verkehrsunfällen, welche im „Spineboard“ immobilisiert eingeliefert wurden. Diese galt es zu entkleiden und gründlich zu untersuchen, inkl. „Backrole“ und digital rektaler Untersuchung. Außerdem musste Blut abgenommen und Zugänge etabliert werden. An die anderen Nadeln und Braunülen muss man sich zunächst gewöhnen. Man sollte im „gelben Bereich“ sicher gehen, dass die diensthabenden Ärzte ständig über die Patienten informiert werden, da die Krankheitsbilder schwer sind und man selbst leicht Dinge übersehen kann. Einige Ärzte trauen einem mehr zu, als durch den bisherigen Ausbildungsstand gerechtfertigt wäre.

Stauschläuche, Verbandsscheren zum Zerschneiden der Kleidung und Pupillenleuchten sind Mangelware und sollten möglichst mitgebracht werden. Gegen den teils starken Fußgeruch zogen einige Schwestern den Patienten Gummihandschuhe über die Füße. Grüne Bereichskleidung wurde zur Verfügung gestellt. Über den Kauf einer bequemen Schutzbrille gegen Blutspritzer sollte man nachdenken.

Mein Highlight in der Zeit in der „Trauma Unit“ am Groote Schuur Hospital

Morgendliche Visite in der Resuscitation Area im Groote Schuur Hospital in Kapstadt
Morgendliche Visite in der Resuscitation Area im Groote Schuur Hospital in Kapstadt

Der spannendste Bereich war allerdings der „Resuscitation“-Bereich. Wird ein „rot-triagierter“ Patient eingeliefert, läutet der Rettungsdienst eine Glocke im Eingangsbereich. Man sollte immer versuchen, an der Versorgung der Patienten mit zu wirken. Die Aufgaben sind zum Teil ähnliche wie im „gelben Bereich“. Zunächst schaut man zu, dann kann man sich in das Team mit einbringen.

Die Leitung liegt immer bei einem erfahrenen Arzt. Der Patient muss umgelagert und entkleidet werden, zwei großlumige  Zugänge bekommen, Blut wird meist arteriell aus der Leistenarterie gewonnen. Zudem verfügt der Raum über einen Lowdox Ganzkörper Röntgengerät. Ist eine Reanimation notwendig, wird oft durchgewechselt. Man sollte unbedingt Handschuhe tragen. Da man die Krankenpfleger häufig um Gefallen bitten muss, bietet es sich außerdem an, im Gegenzug nach der initialen Versorgung auch das Legen des Urinkatheters zu übernehmen.

Wenn man etwas selber machen möchte, muss man die Ärzte nur ansprechen. Sie sind froh, wenn man ihnen Arbeit abnimmt und sind auch gerne bereit, Dinge zunächst zu erklären. In den zwei Monate konnte ich so ca. 10 Thorax-Drainagen legen und eine gewisse Routine erwerben. Man sollte solche Möglichkeiten nutzen, aber aufpassen, dass die Aufgaben die eigenen Fähigkeiten übersteigen. So wurde mir am zweiten Tag ein Patiententransport zum CT übertragen. Der Patient war intubiert und musste während der Fahrt mit dem Ambu-Beutel beatmet und mit Midazolam nachsediert werden. Auf dem Weg musste ich feststellen, dass die Braunüle paravasal lag und der Patient langsam unruhig und wacher wurde. Den Ärzten in Südafrika ist häufig nicht bewusst, dass unsere Ausbildung in Deutschland sehr viel theoretischer ist als die der südafrikanischen Medizinstudenten.

Neben der Arbeit in der Notaufnahme gab es außerdem manchmal einen Einsatz im OP mit dem „CuttingReg“ („Cutting Registrar“). Zwar musste man auch hier überwiegend Hakenhalten, doch handelte es sich meist um spannende Operationen. Erschien man zudem etwas eher, konnte man häufig unter Leitung des Anästhesisten intubieren. Unvergessen wird mir eine Notfallthorakotomie nach Messerstichtrauma zum Herz mit Herzbeuteltamponade bleiben.

Von der Möglichkeit, auch einmal eine Woche in einem Krankenhaus in den Townships zu verbringen, habe ich leider zu spät erfahren. Ein Freund konnte aber sehr positive Erfahrungen im Krankenhaus in „Khayelitsha“ machen.

Insgesamt war die Zeit in der „Trauma Unit“ am Groote Schuur Hospital in Kapstadt sehr lehrreich und ich hätte gerne die vollen vier Monate dort verbracht.

Chirurgie am New Somerset Hospital in Kapstadt

Das New Somerset Hospital in Kapstadt
Das New Somerset Hospital in Kapstadt

Das New Somerset Hospital in Kapstadt liegt direkt an dem Touristenmagnet „Victoria & Alfred Waterfront“ und besteht aus einem hübschen Altbau und einem älteren Neubau.

Die Tätigkeit auf der allgemeinchirurgischen Station folgte einer Rotation. Bis auf den OP-Tag begann jeder Tag mit der Stationsvisite. Am 1. Tag arbeitet man im Aufnahmeraum. Dort gilt es, elektiv einbestellte Patienten aufzunehmen, die Anamnese und die körperliche Untersuchung, in besonderem Hinblick auf ihr aktuelles Krankheitsgeschehen, sowie Narkose- und Operationsrisiken eigenständig durchzuführen. Bei Fragen war jederzeit die Rücksprache mit einem Arzt möglich.

Am Nachmittag wurden alle aufgenommen Patienten dann auch noch ärztlich gesehen. Weiterhin nahmen die Medizinstudenten Blut ab und meldeten, wenn nötig, weitere Diagnostik wie ein EKG oder eine Röntgen-Thorax Aufnahme an.

Am 2. Tag der Rotation war man für die Operationen der Patienten eingeteilt, die man am Tag zuvor aufgenommen hatte. Schwerpunktmäßig waren dort vor allem laparoskopische und offene Leisten- und Bauchnabelhernien, Spaltungen von Abszessen sowie zahlreiche Mastektomien und Ablatio Mammae zu operieren. Zusätzlich dazu gab es nicht elektive Eingriffe bei unklarem oder akutem Abdomen, wobei die Appendektomie dominierte.

Meine Aufgabe als 1. OP-Assistenz war dabei entweder das Halten von Wundhaken oder das Führen der Kamera inklusive Freihalten des Sichtfeldes. Bald durfte ich aber auch regelmäßig die intrakutane Hautnaht nähen oder das Klammergerät benutzen. Wenn es mir möglich war, begleitete ich den Patienten schon vorher in den Operationssaal, um unter Aufsicht des Anästhesisten zu intubieren oder eine Lanryngsmaske zu legen.

Am 3. Tag der Rotation wurde man für Stationsarbeit eingeteilt. Während der Visite stellte man die Patienten den Oberärzten vor, notierte deren Anordnungen und arbeitete sie nach Ende der Visite ab. Dazu zählten überwiegend das Ziehen von Thorax-Drainagen, Blut abnehmen, venöse Zugänge legen und weitere Diagnostik in die Wege zu leiten.  Danach begann die Rotation erneut. Am Dienstag und Donnerstag war zudem Lehrvisite, die mit kleinen mündlichen Prüfungen zu unseren Patienten gespickt waren.

Meine Erfahrungen in der Allgemeinchirurgie am New Somerset Hospital

Emergency Room im New Somerset Hospital in Kapstadt
Emergency Room im New Somerset Hospital in Kapstadt

Zusätzlich zu den Rotationen wurden die Studenten einmal pro Woche innerhalb der Woche und einmal pro Monat am Wochenende für einen Dienst bis 22:00 Uhr in der Notaufnahme eingeteilt. Diese Dienste waren oft noch interessanter, da die Ärzte noch mehr Zeit hatten, einem Dinge zu erklären. Außerdem war es mir möglich, meine bereits in der „Trauma-Unit“ des Groote Schuur Hospitals gelernten Fähigkeiten mit einzubringen. Neben dem Legen von Blasenkathetern, der femoralen venösen und arteriellen Blutabnahme konnte ich auch hier unter Aufsicht Thorax-Drainagen legen.

Besondere Operationen stellten auch das Wund-Debridement bei Verbrennungspatieten dar. Hier galt es nekrotisches Gewebe zu entfernen, um eine Besiedlung mit Bakterien zu verhindern und das vitale Gewebe zur Bildung von Granulationsgewebe zu stimulieren. Ähnlich gingen wir auch bei infizierten, zu spät therapierten Hundebissen und peripherer arterieller Verschlusskrankheit vor, die allerdings oft die Amputation von Zehen oder dem Bein unterhalb oder oberhalb des Knies notwendig machten.

Eine weitere besondere Operation, der ich als 1. OP-Assistenz beiwohnen konnte, war die Ausräumung eines Pleuraempyems und Lösung der verklebten Pleurablätter nach penetrierender Thoraxverletzung durch offene Thorakotomie.

Insgesamt war die zeitliche Gestaltung im New Somerset Hospital unflexibler. Während Medizinstudenten am Groote Schuur Hospital ein Studientag pro Woche zugesprochen wurde, wurde von uns an diesem Hospital Anwesenheit erwartet. Leider war die Leiterin der Chirurgie zudem im Gespräch und im Hinblick auf den Wunsch, auch das Land Südafrika kennen zu lernen, nicht zu Zugeständnissen bereit. Als aufgrund von Nebenwirkung der cART nach Nadelstichverletzungen zwei Studentinnen ausfielen, sollten die anderen ihre Dienste übernehmen.

Während der Dienste kann man sich in das „Studentskills Lab“ zurückziehen oder bei weniger Arbeitsbelastung auch kurz mit den „Interns“ für einen Kaffee zur „Victoria & Alfred Waterfront“ gehen. Im „Skills Lab“ gibt es problemlos W-Lan über „Eduroam“. Einige Medizinstudenten wechselten in die sehr viel großzügigere Orthopädische Chirurgie.

Insgesamt war das ärztliche Personal freundlich und hat gerne und viel erklärt. An regulären OP-Tagen musste man bis 16:00 Uhr in der Klinik bleiben, sonst war die Arbeit häufig schon etwas früher erledigt. Das Konzept mit längeren Schichten und dafür mehr freien Tagen aus dem Groote Schuur Hospital gefiel mir besser und ermöglichte mehrere Kurztrips in die Umgebung von Kapstadt.

Unterkunft in Kapstadt

Meine Unterkunft - das SHAWCO House in Kapstadt
Meine Unterkunft – das SHAWCO House in Kapstadt

In den ersten zwei Monaten wohnte ich in dem Haus einer studentischen Hilfsorganisation namens „SHAWCO“. Das Haus liegt in der Hillroad in Rondebosch, ca. 1km oder 13 Gehminuten vom Groote Schuur Hospital entfernt. Es verfügt über fünf Zimmer mit zwei bis fünf Betten, die aber selten voll ausgebucht sind. Ich zahlte ca 320 € pro Monat und teilte mir ein Zimmer. Wenn es Mitbewohner gab, dann vor allem afrikanische Medizinstudenten.

Es besteht außerdem die Möglichkeit, an „SHAWCO Clinics“ teilzunehmen. Man fährt mit medizinischem Equipment in die Townships und untersucht dort in Rücksprache mit mindestens einem Arzt Patienten. Wenn nötig stellt man eine Überweisung in das nächste Krankenhaus aus. Neben der Klinik für Erwachsene gibt es auch eine für Kinder.

Im dritten Monat wechselte ich zur „Makulu Lodge“ in der Irwell Street im hippen Stadtteil „Observatory“, nur fünf Gehminuten vom Groote Schuur Hospital entfernt. Leider war sie mit 440€ deutlich teurer. Zudem teilte ich mir wieder ein Zimmer zu zweit. Dafür verfügte die Lodge über einen Pool mit schönem Garten. Die Mitbewohner waren überwiegend Deutsche, Niederländer oder Briten und es war deutlich einfacher, Freizeitaktivitäten zu organisieren. Wenn man früher reserviert und hart verhandelt, kann man sicherlich andere Preise erzielen.

Für den 4. Monat wechselte ich zurück ins „SHAWCO Haus“. Der Vorteil der Studenten Lodges ist der Kontakt zu den anderen Studenten und eine bessere Freizeitgestaltung. Dafür sind sie deutlich überteuert.

Finanzielle Aspekte: Anreise, Unterkunft, Mobilität

Insgesamt bin ich von deutlich niedrigeren Preisen für die Unterkunft ausgegangen. Die Höhe war sicherlich auch meiner späten Organisation geschuldet. Andere Medizinstudenten haben als Gruppe mit „AirBnB“ gute Erfahrungen gemacht.

Ein weiterer großer Kostenpunkt war ein eigenes Auto. Ich habe einen Hyundai Atos ohne Airbags für ca. 280€ pro Monat vom deutschsprachigem Verleih „Ulf Car Rental“ gemietet. In der Hauptsaison wird es etwas teurer. Der CityGolf ist günstiger, wird aber deutlich häufiger gestohlen und aufgebrochen, da es auch bei Einheimischen ein sehr beliebtes Auto ist. Es hat sich bewährt, beim Verlassen des Autos das Handschuhfach auf zu lassen und die Hutablage in den Kofferaum zu legen, damit klar ist, dass es nichts zu holen gibt.

Ansonsten benutzt man in Kapstadt vor allem „Uber“ zur Fortbewegung. Es ist sicherer als normale Taxis und die Bezahlung ist unkompliziert. Kostengünstigere Alternative bei Tageslicht sind die Minibusse, mit denen man für ca. 50 Cent in die Innenstadt kommt.

Der Flug mit Emirates über Dubai nach Kapstadt lag bei ungefähr 700€. Hinzu kommen die Studiengebühren und weitere Ausgaben für das Visum und das Polizeiliche Führungszeugnis.

Freizeitaktivitäten in und um Kapstadt

Traumhafter Blick vomTable Mountain auf Kapstadt
Traumhafter Blick vom Table Mountain auf Kapstadt

Kapstadt bietet eine riesige Auswahl an Aktivitäten zur Freizeitgestaltung. Es ist auf jeden Fall ratsam, sich mit einem Freund oder alleine ein Auto zu mieten. So ist man flexibel und kann auch nachmittags nach der Klinik noch spontan zu den vielen Strände fahren wie z.B.  „Muizenburg Beach“ (Surfen), „Blouberg Beach“ (Kitesurfen), „Llandudno Beach“,  „Clifton Beach“ oder „Camps Bay“.

Die atemberaubende Bergkulisse von Kapstadt weckt ganz automatisch den Wunsch, wandern zu gehen. Eine der schönsten Routen beginnt im „Botanischen Garten“ in „Kirstenbosch“. Hier lohnt es sich, ein paar Augenblicke zu verweilen und sich vor dem Aufstieg zu stärken. Im Sommer finden hier abends auch Open Air Konzerte oder Kinovorführungen statt. Tickets gibt es meist unter www.webtickets.co.za.

Der Aufstieg zum „Table Mountain“ ist etwas schweißtreibend und festes Schuhwerk Pflicht. Ein Teil der Strecke verläuft durch das Bett eines Wasserfalls, der aber meist nur wenig Wasser führt. Dann erreicht man eine Abzweigung und ein Sandweg führt zu einem Stausee, der sich wunderbar zum Picknick und Badengehen eignet. Es folgen noch ein paar 100 Meter Aufstieg bis man eine unglaubliche Aussicht auf Kapstadt und Umgebung genießen kann. Dann wandert man auf dem Plateau des Tafelbergs bis zur Bergstation der Seilbahn. Man sollte sich vorher informieren, wann die letzte Bahn fährt und Tickets ggf. vorbestellen. Ich war von der Route so begeistert, dass ich sie fünfmal gewandert bin.

Auch Wanderungen zum „Devil’s Peak“ und zum weniger anstrengenden „Lion’s Head“ sind sehr zu empfehlen. Man kann außerdem Flüge mit dem Gleitschirm über Kapstadt buchen.  Wer vom Wandern noch nicht genug bekommen hat, der sollte einen Wochenendausflug in die „Cederberg Mountains“ in Betracht ziehen. Es liegt gerade noch in der erlaubten Reichweite der meisten Mietwagen, diese sind auf den „Dirtroads“ allerdings meist nicht versichert. Wir sind den „Wolfberg Cracks & Arch“ gewandert, der ein bisschen Kletterei durch eine Felsspalte voraussetzt. Außerdem gibt es noch diverse Wasserfälle als weitere Tagesetappen. Übernachtet haben wir im „Gecko Creek Wilderness Lodge“ in Zelten. Man sollte sich etwas Wein für die Abende einpacken.

Weitere lohnenswerte Wochenendausflüge führen einen für eine Weinprobe in die „Vineyards“ nach „Stellenbosch“.

Weitere interessante Freizeitaktivitäten in Kapstadt sind der Besuch von „Robben Island“ (Karten vorbestellen!), dem „Holocaust Museum“, dem „Malay Quarter“ (Bo-Kaap), dem „Company Garden“, dem „Cape Town Stadium“, dem „Castle of Good Hope“ und natürlich dem „Cape of Good Hope“. Lohnenswert ist auch ein an der „Victoria & Alfred Waterfront“ angebotener Helikopterflug über Kapstadt, ein Ausflug zum „Whale Watching“ oder eine „Township Tour“. Wer gerne joggen geht, der sollte den „New Land Forrest“ an der „Union Avenue“ besuchen. Hier locken abwechslungsreiche Strecken mit guter Aussicht. Alternativ kann man die Promenade in  „Sea Point“ entlang laufen und zum Abschluss ins Freibad „Sea Point Pavilion“ gehen.

Ausgehen in Kapstadt

  • Sushi im Willoughby & Co in der Victoria & Alfred Waterfront in Kapstadt
    Sushi im Willoughby & Co in der Victoria & Alfred Waterfront in Kapstadt

    Eine Vielfalt an Restaurants und Bars und…

Ein weiteres wichtiges Thema in Kapstadt ist Essen. Die Restaurants zeichnen sich durch eine hohe kulinarische Vielfalt bei gleichzeitig niedrigeren Preisen als in Deutschland aus. Für einige Spitzenrestaurants wie z.B. „Testkitchen“ lohnt es sich, sich auf die Warteliste setzen zu lassen. Mein persönlicher Favorit war das „Willoughby & Co“ in der „Victoria & Alfred Waterfront“ mit dem leckersten Sushi, das ich bislang gegessen habe. Außerdem gibt es „Food Markets“, so z.B. am Samstagmorgen in der „Old Buiscuit Mill“ oder am Freitagabend den „Bay Harbour Market“ in „Hout Bay“, häufig mit Live Musik.

Probieren muss man unbedingt das getrocknete und gewürzte Rindfleisch, das  „Biltong“ genannt wird. Für Fleischliebhaber ist zudem ein sonntäglicher Besuch in der Fleischerei „Mzoli’s“ ein Muss. Generell ist Fleisch in Südafrika günstiger als in Deutschland und wird von den Einheimischen reichlich konsumiert.

Das Grillen wird hier „Braai“ genannt und weißt einige kulturelle Besonderheiten auf. Es ist weit verbreitet und es finden sich an vielen öffentlichen Plätzen Gelegenheiten zum „braaien“. „Mzoli’s“ liegt im „Township Gugulethu“ und besteht aus einer Fleischerei und einem Partybereich. An der Theke sucht man sich sein Fleisch aus, bezahlt, übergibt es im nächsten Raum zum Grillen und erhält zunächst eine Nummer. Einige Touristen lassen sich aufgrund der teils langen Wartezeiten dazu hinreißen, den Männern am Grill 20 Rand in die Hand zu drücken, um ihr Fleisch schneller gegrillt zu bekommen. Danach wird das Fleisch mit Freunden bei teils lauter Musik und im Kiosk gekauften Getränken gegessen.

  • … die andere Seite in Südafrika und Kapstadt – Sicherheitsaspekte!

Leider gibt es immer wieder Berichte über Taschendiebstähle und K.O.-Tropfen. Auch meinen Freunden wurden Handys gestohlen. Daher sollte man in Gruppen weggehen, Wertgegenstände weitgehend zuhause lassen und das „Township“ gegen 17:00 Uhr verlassen, da sich dann das Publikum verändert und es unsicherer wird.

Ebenfalls am Sonntag finden regelmäßig Partys im „Shimmy Beach Club“ statt. Dort muss man im Sand vor allem auf seine Schuhe oder Flip Flops aufpassen. Möglichkeiten, Feiern zu gehen, bieten sich außerdem vor allem an der „Longstreet“  oder „Loopstreet“ mit ihren zahlreichen Clubs und Bars wie z.B. dem „Village Idiot“. Doch auch hier sollte man abends besonders vorsichtig sein.

Geldautomaten sollten dann vorzugsweise in Gruppen aufgesucht werden. Man sollte sich nicht auf Gespräche während des Geldabhebens einlassen. Eine Masche besteht in der Behauptung, man müsse den Pin noch mal eingeben, da sonst Gebühren fällig werden würden. Außerdem beliebt sind der „An-Tanz-Trick“ und ein „Hey my Friend, let’s compare shoe sizes“. Wird man alleine von drei Fremden umringt, wird der Übergang vom Diebstahl zum Raub fließend.

Dennoch sollte man sich nicht verrückt machen lassen. Zwar sind fast alle meine Bekannten und auch ich Opfer von Diebstählen geworden, doch lässt sich das Risiko durch ein paar Verhaltensregeln minimieren. Bestimmte Stadtteile meidet man im Dunkeln, auf der Straße bewegt man sich in Gruppen oder bestellt ein „Uber“, man nimmt ein altes Handy mit, lässt Wertgegenstände beim Feiern zu hause und trinkt nicht zu viel Alkohol bei öffentlichen Veranstaltungen. Falls man bedroht werden sollte, ist es meist nicht ratsam, Widerstand zu leisten. Hält man sich an diese Regeln steht einer unbeschwerten Zeit in Kapstadt nichts im Wege.

Südafrika – ein weites Land

Mein Ausflug in den bekannten Krüger-Nationalpark in Südafrika
Mein Ausflug in den bekannten Krüger-Nationalpark in Südafrika

Gegen Ende des Tertials nahm ich mir zwei Wochen Urlaub, mietete mit meinen Freunden ein Auto und fuhr die „Garden Route“ bis „Port Elisabeth“ entlang. Sie ist schön, entspricht aber nicht der typischen Vorstellung von Südafrika. Im Nachhinein hätte ich mich lieber für einen Ausflug nach Namibia entschieden. Von „Port Elisabeth“ flogen wir nach Durban, mieteten erneut ein Auto, einen Renault Duster, und fuhren über den „Sanipass“ nach „Lesotho“, wo wir in den „Drakensbergen“ den „Thabana Ntlenyana“ (3482m) bestiegen. Den Pass soll man eigentlich nur mit 4×4 Allradantrieb befahren.

Von dort ging es weiter nach Johannesburg und schließlich noch für eine Woche in den Krüger-Nationalpark. Für den Weg von Johannesburg zum Krüger-Nationalpark sollte man unbedingt mehr als fünf Stunden einplanen und außerdem die Öffnungszeiten der Gates beachten. Wir blieben fünf Nächte und buchten einen „Night Drive“ und eine Wanderung. Der Zeitraum war ausreichend lang und wir froh, dass wir uns nicht zu einem Besuch in den sehr viel teureren „Private Game Reserves“ entschlossen hatten. Wer flexibel ist, sollte einen „Wilderness Trail“ in Betracht ziehen, um beim Wandern mit Zelten die Natur noch direkter zu erleben. Ab Mitte Dezember ist es dafür leider schon zu heiß.

Wer über Weihnachten in Südafrika ist, kann das Fest einmal ungewohnt mit Freunden bei einem „Braai“ am Strand feiern.

Mein Fazit

Grandioser Blick aus dem Helikopter auf Kapstadt, Devil's Peak und Tafelberg
Grandioser Blick aus dem Helikopter auf Kapstadt, Devil’s Peak und Tafelberg

Die Zeit in Südafrika verging wie im Flug und vier Monate reichten kaum aus, um alles kennen zu lernen, aus zu probieren und zu bereisen. Man sollte sich bewusst sein, dass Südafrika für ein afrikanisches Land weit entwickelt ist und gerade Kapstadt nicht der typischen Vorstellung, die man als Europäer von Afrika haben könnte, entspricht.

Die Zeit im Krankenhaus, besonders in der „Trauma Unit“, war unglaublich lehrreich. Auf der anderen Seite lockte das breite Freizeitangebot. Das zunehmend besser werdende Wetter machte die Entscheidung nicht immer einfacher. Dass man so viele andere ausländische Medizinstudenten kennen lernte, hatte leider den Nachteil von weniger Kontakt zu den südafrikanischen Medizinstudenten.

Für die Arbeit im Krankenhaus sollte man einen eigenen Stauschlauch, eine eigene Schere, eine Pupillenleuchte und für Wundnähte eine eigene Schutzbrille, z.B. aus dem Baumarkt, mitnehmen. An Gummihandschuhen oder TBC-Atemmasken mangelte es in den beiden Krankenhäusern nicht. Um das Visum und die Unterkunft sollte man sich ausreichend früh kümmern.

Insgesamt würde ich mich wieder für Kapstadt und besonders die „Trauma Unit“ entscheiden, da ich sowohl viele lehrreiche Schichten im Krankenhaus absolvieren konnte als auch genug Freizeit für jede Menge Unternehmungen übrig hatte.

M., M.

Hamburg, August 2016

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