Forschungsaufenthalt in Frankreich – Dermatologie und Immunologie

29. April 2016

in Chancen im Ausland, Dermatologie, Forschung im Ausland, Frankreich

Frankreich, Paris, Centre d’Immunologie et des Maladies Infectieuses – Université Pierre et Marie Curie

(10.09.2014-15.02.2015)

Ein Auslandsaufenthalt im Rahmen des Medizinstudiums ist mittlerweile für die meisten Studierenden ein Muss. Einen Teil seiner Doktorarbeit im Ausland zu machen, ist dabei für den Großteil der Mediziner jedoch eher ungewöhnlich. Ich habe diese Möglichkeit genutzt! Mein Forschungsaufenthalt in Paris war eine durch und durch positive Erfahrung und ich kann einen Forschungsaufenthalt im Ausland jedem nur wärmstens empfehlen.

Wie alles begann

Sonntagsspaziergang in Montmartre
Sonntagsspaziergang in Montmartre

Ich hatte das Glück, eine Doktorandenstelle im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes zu bekommen und damit von Anfang an die Aussicht, einen Teil meiner experimentellen Arbeit in Paris zu absolvieren. Ich beschäftige mich in meiner experimentellen Arbeit mit nadelfreien Impfverfahren und hatte neben der Internationalität auch den Vorteil, interdisziplinär arbeiten zu können, nämlich im Bereich der Dermatologie und Immunologie.

Nach einiger Recherche auf verschiedenen Institutsseiten der Charité – Universitätsmedizin Berlin hatte ich eine Arbeitsgruppe gefunden, die sich ansatzweise mit dem Gebiet meines Interesses beschäftigte. Ich machte bei der Arbeitsgruppenleiterin einen Termin und bei einem netten Gespräch stellte sie mir ein vielseitiges Projekt vor. Die Projektidee in Kombination mit der Aussicht, einen Teil der Versuche in Paris zu absolvieren, überzeugte mich. Dabei kam der Forschungsaufenthalt im Ausland auch erst auf den Tisch, als ich mein generelles Interesse für einen Auslandsaufenthalt äußerte und die Bereitschaft signalisierte, ein oder zwei Urlaubssemester zu nehmen. Wenn Ihr also Interesse an einem Forschungsaufenthalt im Ausland habt, ist es sinnvoll, Euren zukünftigen Doktorvater oder Betreuer direkt auf diese Möglichkeit anzusprechen und Euch vor der Bewerbung die Kooperationen der Arbeitsgruppe genauer anzusehen.

Mein Forschungsaufenthalt am CIMI in Paris

Eingang zum Klinikum Pitié-Salpêtrière und den Laboren des UP in Paris
Eingang zum Klinikum Pitié-Salpêtrière und den Laboren des UP in Paris

Nachdem ich ein dreiviertel Jahr im Labor in Berlin gearbeitet hatte, ging es für mich im September 2014 nach Paris ans Centre d’Immunologie et Maladies Infectieuses (CIMI), ein renommiertes Institut der Université Pierre et Marie Curie, mit Schwerpunkt für Immunologie, Infektionskrankheiten und Krebsforschung. Aus Berlin kannte ich bereits grundsätzliche Abläufe eines Forschungslabors, die Ausstattung und Arbeitsweisen in Paris waren jedoch um einiges beeindruckender. Das CIMI ist ein reines Forschungsinstitut und muss im Gegensatz zu meiner Abteilung in Berlin nicht so viel Zeit für Lehre und Klinikalltag aufbringen. Aufgrund des Schwerpunktes Immunologie werden dort viele komplizierte Verfahren und zahlreiche hochklassige Gerätschaften verwendet.

Die Franzosen sind in ihrer Arbeitsweise sehr angenehm. Meine Kollegen waren stets nett und hilfsbereit und auch wenn man in der Forschung in ständiger Konkurrenz mit anderen Arbeitsgruppen steht, wird Persönliches und Arbeit stets getrennt. Probleme oder Fehler werden mit sehr viel Gelassenheit gesehen und die gegenseitige Hilfsbereitschaft ist sehr groß. Meine Kollegen und Vorgesetzten waren sehr entspannt und dabei trotzdem sehr effizient. Verlängerte Wochenenden oder freie Tage waren nie ein Problem und auf Ferien legen die Franzosen sehr viel Wert. Dies heißt jedoch nicht, dass die Arbeit einfacher oder weniger umfangreich ist als in Deutschland. Man arbeitet durchaus öfter bis 21:00 Uhr oder später und generell wird in einem Institut wie dem CIMI sehr viel Engagement und Motivation erwartet. Wie bei experimentellen Doktorarbeiten generell ist es wichtig, sich ein Vorwissen zu schaffen, eigenständig Zusammenhänge zu erfassen und vor allem, sich von Problemen nicht demotivieren zu lassen.

Im Ausland kommt dazu natürlich eine sprachliche sowie kulturelle Barriere. Gerade in einem Land wie Frankreich ist es sehr hilfreich, die Landessprache zu sprechen. Auch wenn in einer Forschungseinrichtung alle Englisch sprechen, ist es den meisten Franzosen lieber, in ihrer eigenen Sprache zu sprechen und so werden die Wenigsten beim Mittagessen nur um Deiner Willen Englisch sprechen. Darüber hinaus wird es einem hoch angerechnet, wenn man bemüht ist, sich anzupassen und Französisch zu lernen. Auch wenn Frankreich unser Nachbarland ist, gibt es kulturelle Unterschiede und als zielstrebiger und direkter Deutscher muss man sich manchmal zurück nehmen und sich den dortigen Gepflogenheiten anpassen.

Arbeitsbeginn ist meist zwischen 9:00 Uhr und 10:00 Uhr, wobei der Vormittag oft aus Literaturrecherche und Vorbereitung der Experimente bestand. Je nachdem, ob und welche Versuchsreihen anstehen, kann der Tag auch früher beginnen. Gegen 12:00 Uhr wird oft gemeinsam im benachbarten Supermarkt oder in einem der zahlreichen Bistros eingekauft und im Essensraum des Instituts zusammen zu Mittag gegessen.

Am Nachmittag werden meistens Versuche durchgeführt und je nachdem, wie viel zu tun ist, entsprechend lang ist der Arbeitstag. Generell ist der Austausch innerhalb der Arbeitsgruppe sehr lebhaft. Jeden Montag gibt es ein Arbeitsgruppentreffen, bei dem jeweils eine Person seine Ergebnisse vorstellt, die anschließend gemeinsam besprochen werden. Bei Fragen und Problemen kann man von Kollegen über Post-Doc bis zur Arbeitsgruppenleiterin jeden fragen und um Hilfe bitten. Wenn Experimente mal besonders lange dauern, sind die Kollegen auch dazu bereit, einem zu helfen, damit man schneller vorankommt. Dies sollte natürlich auf Gegenseitigkeit beruhen. Am Freitag geht man mit Kollegen ab und zu etwas trinken und alle paar Monate gibt es die Möglichkeit, reduzierte Eintrittskarten für Ausstellungen und Museen zu bekommen, die man oft auch gemeinsam besucht.

Das Leben in Paris

Wochenmarkt vor dem Institut in Paris
Wochenmarkt vor dem Institut in Paris

Das kulturelle Angebot in Paris ist schier unendlich. Viele Museen haben an einem spezifischen Wochentag bis 21:00 Uhr geöffnet, sodass man auch unter der Woche das mannigfaltige Angebot nutzen kann. Darüber hinaus sind viele Museen und Galerien für junge Leute unter 25 Jahre kostenfrei. Die Menge an Bars und Restaurants lädt dazu ein, jede Woche einen neuen Stadtbezirk zu entdecken und Spezialitäten aus verschiedenen Regionen der Welt zu probieren.

Mit der Metro kommt man sehr bequem durch die ganze Stadt, viele Distanzen kann man aber auch zu Fuß oder mit einem der öffentlichen Fahrräder zurücklegen und dabei die architektonische Schönheit der Stadt genießen. Wer einer bestimmten Sportart nachgeht und dieser weiter nachgehen möchte, findet in Paris sicherlich ein breites Angebot.

Vorbereitung und Finanzierung meines Forschungsaufenthaltes

Mein morgendlicher Weg zur Arbeit
Mein morgendlicher Weg zur Arbeit

Bevor man einen solchen Forschungsaufenthalt im Ausland beginnt, gibt es einige Dinge vorzubereiten. Eine der wichtigsten ist sicherlich zu klären, ob und inwieweit Forschung im Ausland vom Promotionsbüro seiner Heimatuniversität anerkannt wird und ob es dabei Bedingungen oder Details zu beachten gibt.

Ein weiterer Punkt ist die Finanzierung. Als medizinischer Doktorand wird man meistens für seine Arbeit nicht bezahlt und muss sich daher um alternative Finanzierungsmöglichkeiten bemühen. Von Vorteil ist es dabei, sich um Stipendien zu bewerben. Ich persönlich hatte das Glück, ein Stipendium von Medizinernachwuchs.de zu bekommen und darüber hinaus von einem Förderwerk finanziell unterstützt zu werden. Weitere Möglichkeiten sind Erasmus Plus oder der DAAD.

Paris ist bekanntermaßen eine sehr teure Stadt, vor allem, wenn man die typische Pariser Ess- und Trinkkultur in Cafés und Restaurants nah und ausgiebig erleben möchte. Wenn man sich darin jedoch einschränkt und beispielsweise selbst kocht, kann man mit ca. 400 Euro im Monat gut über die Runden kommen. Für die öffentlichen Verkehrsmittel ist es sicherlich sinnvoll, sich eine Monatskarte zu besorgen, wobei es sich dabei lohnt, sich an einem Verkaufsschalter über Studentenrabatte zu informieren.

Was die Wohnungssuche betrifft, ist es hilfreich, sich an seine Kollegen vor Ort zu wenden oder Freunde und Verwandte zu fragen. Wohnraum ist in Paris, vor allem in zentralen Gegenden, sehr teuer und so kann es hilfreich sein, sich mit deren Hilfe und auf Studentenplattformen nach WGs umzusehen.

Eine Auslandskrankenversicherung ist in Frankreich eigentlich nicht nötig, da die deutsche Versicherung im EU Ausland entrichtete Kosten erstattet. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man jedoch vor dem Aufenthalt seine deutsche Krankenversicherung kontaktieren, um zu prüfen, ob nicht doch ein zusätzlicher Schutz nötig wird. Besondere Untersuchungen oder Visa benötigt man nicht.

Sicherheitsaspekte

Freitagabend an der Bastille
Freitagabend an der Bastille

Aufgrund der momentanen Sicherheitslage nach den Attentaten von Paris sollte man sicherstellen, dass der Personalausweis oder Reisepass während der gesamten Aufenthaltsdauer gültig ist. In diesem Kontext ist generell der Punkt Sicherheit zu erwähnen. Paris ist eine sichere Stadt, vor allem im Kern der Stadt braucht man sich um seine persönliche Sicherheit keine Sorgen zu machen. Einige Vorstadtbezirke sollte man jedoch meiden und sich in gewissen Gegenden, beispielsweise um „Pigalle“ und „Montmartre“, nachts am besten in Begleitung aufhalten.

Während meines Aufenthaltes wurden die Attentate auf „Charlie Hebdo“ verübt, welche das alltägliche Leben langfristig beeinflusst haben. Die generelle Anteilnahme und die Trauermärsche waren dabei die mit am meisten beeindruckenden und berührenden Erlebnisse meines Lebens. Die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen in Folge der Attentate waren zwar eine Umstellung, jedoch allgemein mehr als akzeptiert. Nach der zweiten Anschlagsserie im November 2015 sind die Ängste der Einwohner von Paris sicherlich weiter gewachsen, vor allem aufgrund der Natur der Anschläge auf wahllose Zivilisten und Orte des täglichen Lebens. Die Einwohner sind jedoch darauf bedacht, sich in ihrem Lebensstil und ihrer genießerischen Lebensweise nicht durch Angst einschränken zu lassen. Ich persönlich hatte mich bei meinen Besuchen nach dem 13. November nie unsicher gefühlt, sondern durch die allgemeine Solidarität eher sicherer, da die Bewohner der Stadt in ihrer Trauer und ihrem Schock eher zusammengefunden haben.

Mein Resümee

Weihnachtliches Montmartre
Weihnachtliches Montmartre

Im Ganzen war mein Forschungsaufenthalt eine durch und durch positive Erfahrung. Fachlich konnte ich zahlreiche neue Methoden lernen und ein generelles Bild von Wissenschaft auf internationalem Niveau gewinnen. Menschlich habe ich viele neue Bekanntschaften und Freundschaften geschlossen, sowohl durch die Arbeit als auch privat. Paris ist für mich zu einer Art zweiten Heimatstadt geworden und auch jetzt fliege ich regelmäßig hin.

Ich kann jedem, der Interesse hat, einen Teil seines Medizinstudiums im Ausland zu absolvieren und der eine experimentelle Doktorarbeit machen möchte, nur empfehlen, sich über die Kombination im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes im Ausland Gedanken zu machen. Darüber hinaus kann man einen Erasmusaufenthalt im selben Land oder einem anderen gut anschließen, da man nicht durch festgelegte Semesterzeiten eingeschränkt ist.

Ich habe diese Möglichkeit genutzt und bin mit der Entscheidung durch und durch zufrieden. Auch wenn das Studium durch eine solche Unternehmung verlängert wird, bin ich überzeugt, dass der Gewinn an persönlicher und charakterlicher wie auch an professioneller Entwicklung dieses mehr als rechtfertigt. Ich kann einen Auslandsaufenthalt und diesen vor allem im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes jedem nur wärmstens empfehlen. Für mich waren es sicherlich mit die besten sechs Monate meines bisherigen Lebens!

W., L.

Berlin, Februar 2016

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2014-2015

 

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

 

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