Famulatur in Südafrika – Plastische Chirurgie

1. April 2016

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Südafrika, Kapstadt, Tygerberg Academic Hospital (11.01.-04.03.2016)

Um die Spannung direkt vorwegzunehmen: das Leben und meine Famulatur in Kapstadt waren eine der besten Erfahrungen meines Lebens! Ich durfte nicht nur ein sehr nettes Team am Tygerberg Academic Hospital kennenlernen, sondern ich habe auch praktisch und theoretisch sehr viel Neues dazu gelernt. Die Verantwortung, welche einem bei guter Mitarbeit gewährt wurde, hat die gewonnenen Erfahrungen noch viel wertvoller gemacht.

Kapstadt – ich komme!

Nächtlicher Ausblick vom Lion's Head auf die Skyline von Kapstadt
Nächtlicher Ausblick vom Lion’s Head auf die Skyline von Kapstadt

Mit dem Wunsch, sowohl eine außergewöhnliche Erfahrung im Ausland zu machen als auch in einem englischsprachigen Land zu famulieren, war relativ schnell klar, dass Kapstadt die geeignetste Stadt war.

Südafrika als eine der buntesten Nationen und Kapstadt als eine der westlichsten Städte schien mir die richtige Wahl für meine Famulatur zu sein, sozusagen ein „Afrika für Anfänger“. Egal, wen ich fragte oder welche Berichte ich mir durchlas, alle Welt war voll und ganz von Kapstadt begeistert. Mit minimalem Hintergrundwissen, was sich, historisch gesehen, auf Nelson Mandela und die Apartheid beschränkte, und keinem blassen Schimmer, mit welchen Erwartungen ich dorthin ging, ließ ich die zwei Monate Kapstadt auf mich zukommen.

Wie jedoch kam ich nun genau auf Kapstadt? Ehrlich gesagt wollte ich, um eben besagten Wunsch, eine Famulatur im Ausland zu absolvieren, nachzugehen, gerne in die USA reisen und habe an einer der „Famulatur und PJ im Ausland“-Veranstaltungen von Medizinernachwuchs.de in Aachen teilgenommen. Durch die überaus große Begeisterung von Herrn Peter Karle, Chefredakteur von Medizinernachwuchs.de und Referent des Auslandsvortrages, für die Regenbogennation und vor allem die Lehrkrankenhäuser „dort unten“ war der USA-Wunsch relativ schnell verworfen und auf dem Tagesplan stand nun Kapstadt.

Was Kapstadt als englischsprachige Nation natürlich auch attraktiver machte, war die von mir für den Aufenthalt gewählte Jahreszeit, sprich aus Winter mach Sommer, die Gebühren für die Universität, welche sich verhältnismäßig zu allen anderen englischsprachigen Nationen im Rahmen hielten, und eine Masse an Aktivitäten, die nicht nur die Stadt sondern das ganze Land Südafrika bieten.

Entscheidung für das Tygerberg Academic Hospital

Das Tygerberg Academic Hospital der University of Stellenbosch
Das Tygerberg Academic Hospital der University of Stellenbosch

In Kapstadt gibt es zwei große Universitätskrankenhäuser: das Groote Schuur Hospital von der University of Cape Town und das Tygerberg Academic Hospital der University of Stellenbosch. Beide große und öffentliche Krankenhäuser – beide renommiert. Warum also das Tygerberg Academic Hospital?

Obwohl das Tygerberg Academic Hospital aufgrund seiner Lage, 20 km nördlich des Cape Town City Centers, definitiv eher einen Minuspunkt erhielt, gewann es aber meiner Meinung nach vor allem wegen des Campus Lebens. Im Gegensatz zum Groote Schuur Hospital lebt man im Tygerberg mit allen Medizinstudenten auf dem Campus und mit gemietetem Auto ist die besagte Strecke auch überhaupt kein Problem mehr.

Außerdem ist für Chirurgie-begeisterte Medizinstudenten, wie eben mich, natürlich neben der Sprache, der Lage und dem Leben vor allem die praktische und eigenständige Arbeit extrem wichtig.  Da das Tygerberg Academic Hospital das zweitgrößte öffentliche Krankenhaus Südafrikas ist und allen Bevölkerungsschichten Zugang bietet, schien es mir der richtige Ort zu sein, um viele „Skills“ auszubauen und auch neu erlernen zu können. Viele der Erfahrungsberichte der chirurgischen Fachgebiete belegten, dass dies in Kapstadt keineswegs zu kurz kommt. Stichverletzungen, Schusswunden und komplexe Krankheitssyndrome schienen Tagesprogramm zu sein.

Was konnte ich also mehr verlangen? Eine tolle Stadt, viel Praxis im Krankenhaus und die Möglichkeit, unseren unschönen deutschen Winter zu überspringen. Mit großer Vorfreude und absolut keinem Schimmer, was mich genau erwartet, ging es also nach Südafrika.

Die Bewerbung begann

Der Studenten-Eingang des Tygerberg Academic Hospital
Der Studenten-Eingang des Tygerberg Academic Hospital

Da Kapstadt unter internationalen Medizinstudenten als Famulatur und PJ-Ort sehr beliebt ist, empfiehlt sich eine zeitige Bewerbung. Wenn man es genau nimmt, begann ich meine Bewerbung für eine Famulatur in Südafrika für Januar 2016 schon im Oktober 2014. Aber in Südafrika dauert alles etwas länger – denn „TIA“ (This Is Africa). Mit jedoch einer guten Portion freundlicher Beharrlichkeit, inklusive zahlreicher Telefonate, kann auch hier alles klappen.

  • 1. Schritt:

Ein kurzes Motivationsschreiben mit dem Grund der Bewerbung an die zuständige Ansprechpartnerin adressieren.

  • 2. Schritt:

Vermutlich mehrmals anrufen und mehrmals erläutern, wer man ist, was man will und was man bereits mehrmals gemeinsam besprochen hatte. Auf eine Antwort sollte man freundlich beharren, dann klappt dies auch, denn das International Office erhält wirklich etliche Bewerbungen.

  • 3. Schritt:

Man muss nach Bestätigung der Bewerbung folgende Dokumente einreichen:

  • das ausgefüllte Bewerbungsformular (wird zugeschickt)
  • das Registrierungsformular des „Health Professions Council of South Africa“ (HPCSA) (wird zugeschickt)
  • ein Lebenslauf
  • eine Kopie des Reisepasses
  • eine Bestätigung der Auslandskrankenversicherung
  • einen Sprachnachweis (Muttersprache, TOEFL/IELTS, Sprachkurs
  • oder Bestätigung des Sprachzentrums der heimischen Universität)

Vorbereitungen und persönliche Tipps

  • Am Camps Bay Beach in Kapstadt mit Blick auf die 12 Apostel
    Am Camps Bay Beach in Kapstadt mit Blick auf die 12 Apostel

    Visum

Da ich insgesamt mit zwei Monaten Famulatur und einer dreiwöchigen Rundreise knapp noch im Rahmen des 90-tägigen Reisevisums war, benötigte ich keine weiteren Vorbereitungen. Wer jedoch einen längeren Aufenthalt plant, sollte möglichst frühzeitig, da alles etwas länger dauern kann, ein Visum bei der südafrikanischen Botschaft beantragen.

(Anm.d.Red. Um wirklich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

  • Vorbereitungen kurz vor Abreise

Was den Dress Code im Krankenhaus betrifft, unterscheidet sich dieser deutlich von dem, was wir deutschen Medizinstudierenden gewohnt sind. Am Tygerberg Academic Hospital ist eher ein schicker Kleidungsstil üblich, jedoch laufen die „local medical students“ entweder in kurzen weißen Kitteln, Scrubs oder schicker Straßenkleidung herum. Es empfiehlt sich also, nur ein paar Scrubs (Kasacks) einzupacken, jedoch auf gar keinen Fall einen Kittel.

Da auch in der Chirurgie ein HIV-Schutz im OP von Nöten ist, empfiehlt es sich, eine Schutzbrille mitzubringen – dies ist ein Kann und kein Muss.

Für die Students-Lodge sollte man unbedingt zwei Schlösser mitnehmen: eins für den Kleiderschrank und eins für die Zimmertür.

Auch nicht zu vergessen, ist natürlich ein Steckdosenadapter.

  • Literaturempfehlungen

Ehrlich gesagt, habe ich mich per se vor der Abreise kaum auf meinen Aufenthalt in Kapstadt vorbereitet, was auch in Ordnung war, da man die besten Tipps und Tricks vor Ort von den internationalen und lokalen Medizinstudenten bekommen hat. Um sich aber auch vor Ort zurechtzufinden, hier einige gute Seiten:

Hilfreich kann auch folgender Titel des „Lonely Planet“ sein: „Kapstadt und Garden Route“.

  • Impfungen & Versicherungen

Welcher Impfschutz ausreichend vorhanden sein sollte:

  • Hepatitis B
  • Hepatitis A
  • Malariaprophylaxe (Falls Ihr einen Besuch z.B. des „Krüger National Parks“ etc. anstrebt, ist es sinnvoll, sich die nötige Menge mitzubringen.)

Was die Versicherungen angeht, deckte meine eigene Krankenversicherung den Zeitrahmen meines Aufenthaltes leider nicht ab. Man sollte sich nach einem guten Angebot und Gesamtpaket inklusiver Berufs- und Haftpflicht-, Unfall- und Auslandsreisekrankenversicherung umsehen.

Meine Famulatur in der Plastischen Chirurgie

Auf der KOEBERG-Station des Tygerberg Academic Hospital
Auf der KOEBERG-Station des Tygerberg Academic Hospital

Nun zum wohl interessantesten Teil. Ich muss wirklich sagen, dass von der eigenständigen chirurgischen Arbeit, die ich hier machen durfte, dies mit Abstand meine beste und auch hiermit abschließende Famulatur war.

Fangen wir von vorne an. Die Klinik der Plastischen Chirurgie besteht aus einem fünfköpfigen Team: einem deutschen Chefarzt, einem deutschen Oberarzt und drei Assistenzärzten. Die Station D3 wird sich mit den „Max-Facs“ (Maxillo-Facial Surgery – MKG) geteilt. Ich kann die genaue Anzahl der Plastisch chirurgischen Betten nicht benennen, jedoch kann ich sagen, dass es zumindest für uns Studenten kaum Stationsarbeit gab.

Bevor ich mit dem wöchentlichen Arbeitsplan und Tätigkeitsfeld weitermache, kurz etwas zum Arbeitsumfang für uns internationale Medizinstudenten. Da das Ärzte-Team relativ klein ist und im Gegensatz zu den anderen Fachrichtungen im Tygerberg Academic Hospital die Plastische Chirurgie nicht auf dem Rotationsplan der „local medical students“ steht, sind die internationalen Medizinstudenten meist auch die einzigen Studenten. Dies heißt natürlich, dass man mit offenen Armen empfangen wird und auch stets viel Bedarf an helfenden Händen besteht. Alles aber nach dem Motto: „Kann und kein Muss“.

Je nach Motivation kann man mit ehrlichem Nachfragen auch den einen oder anderen Tag frei machen, obwohl unser deutscher OA genau weiß, wie die Praktika bei uns ablaufen sollten. In fast allen anderen Abteilungen waren die internationalen Studenten meist schon etwas früher raus. Bei uns ging der Tag, wie gesagt, je nach OP/Sprechstundenplan durchschnittlich bis ca. 16:00 Uhr.

Hier nun ein kleiner Umriss einer normalen Woche auf der Plastischen Chirurgie:

Montag:

  • 7:30 Uhr: Treffpunkt im Arztzimmer und Aufteilung je nach OP/Stationsarbeit
  • ab 8:00 Uhr: OP Beginn im „A/B theatre“ (OP Saal) auf der 3. Etage (je nach OP-Dauer und Anzahl kann der Tag bis 16:00/17:00 Uhr gehen)
  • zwischendurch laufen diverse OPs, zu denen die Plastiker gerufen werden. Hier kann man oft bei sehr interessanten Lappen-OPs z.B. dem OA assistieren

 

OP-Spektrum (kleiner Umriss):

  • Brustverkleinerungen und -vergrößerungen, freie Lappen (freier Fibula-Lappen für komplexe Gesichtsrekonstruktionen, DIEP, TRAM etc.),  Verbrennungsversorgung (Débridement, Hauttransplantationen), Schädelrekonstruktionen (bei kindlichen Suturen Verwachsungen), Kieferrekonstruktionen (die sog. „Mandible“-OPs wurden sich mit den MKGlern geteilt) und vieles mehr.

OP – Was ich machen durfte:

  • Haken Halten, Aktives Assistieren (Saugen, Schneiden etc.), Annähen von Drainagen, Zunähen des OP-Gebietes, Mobilisation von Hauttransplantaten

Dienstag:

  • Zeitlicher Ablauf wie Montag
  • plus „Day Surgery“ ab 12:00 Uhr: auch hier ist unsere Assistenz gerne gesehen. Im „Day Surgery“ OP bietet sich oft unter Anweisung des operierenden Arztes die Möglichkeit, bei kleinen OPs eigenständig zu arbeiten.

 

„Day Surgery“ – Spektrum (kleiner Umriss):

  • im „Day Surgery“ wurden kleinere Eingriffe unter Vollnarkose getätigt, die nicht den Umfang des großen OP Saals benötigten
  • kleine Liposuctions, Narbenrekonstruktionen, kleinere Eingriffe an Kindern etc.

„Day Surgery“ – Was ich machen durfte:

  • Aktives Assistieren, Nähen

Mittwoch:

  • 7:30 Uhr: Treffpunkt im Arztzimmer. Am Mittwochmorgen gibt es den „Academic Talk“. Hier stellen die Assistenzärzte wöchentlich interessante Paper vor, welche dann mit dem Oberarzt und dem Chefarzt diskutiert werden.
  • ab 10:00 Uhr: Sprechstunde/Clinics

 

Clinic – Spektrum:

  • Beratung, Follow-ups, komplexe Krankheitssyndrome und Fehlbildungen (welche man in dieser Form kaum in Deutschland zu Gesicht bekommt)
  • sog. Wires nach Kieferbrüchen ziehen, Steroid Spritzen für Kelloid-Narben setzen

Donnerstag:

  • 8:00 Uhr: ein Assistenzarzt stellt ein OP Verfahren vor, große „Wardround“ (Visite)
  • ab 10:00 Uhr: Clinics
  • ab 13:00 Uhr (meistens etwas später): „KOEBERG“: ambulanter OP

 

„KOEBERG“ – Spektrum und was ich machen durfte:

  • Die „KOEBERG“-Tage waren meine absoluten Favoriten, da man hier wirklich eigenständig kleine Operationen an Patienten durchführen durfte.
  • Die „KOEBERG“ Station im Erdgeschoss des Tygerberg Academic Hospital kann zu Beginn ziemlich schockierend sein, da auf kleinstem Raum auf vier Betten Ärzte und Medizinstudenten an Patienten operieren. Mit den anwesenden Patienten hat sich dann bereits nach kürzester Zeit im Sommer die Luft weggeatmet und man muss gegen den ankommenden Schweiß ankämpfen. Für all diese unmenschlichen Bedingungen für Arzt und Patient wurde man jedoch mit eigenen OPs belohnt!
  • Was ich alleine machen durfte: Narbenkelloid-Revisionen, Neurofibromentfernungen, BCC (basalcellcarcinoma)-Entfernung und Spalthauttransplantation (alle Schritte mit Vorbereitung, Waschen, Lokalanästhesie-Setzen, OP, Zunähen, Patienten-Nachbereitung und natürlich unter Anleitung und Überwachung der Ärzte)

Freitag:

  • 7:30 Uhr: Treffpunkt im Arztzimmer; alle zwei Wochen Fall-Konferenzen mit Plastikern aus Kapstadt
  • ab 8:00 Uhr: je nach Woche unterscheidet sich freitags der OP Plan: Cleft-OP, Trauma-OP, Peds List, Academic Talk

Was ich zu all den obigen Erfahrungen jedem Medizinstudenten nur sehr ans Herz legen kann, ist eine Woche auf der Verbrennungsstation. Die „Burns“-Station enthält zusätzlich auch eine Intensivstation, was durch die hohe Anzahl an Verbrennungspatienten in Südafrika alles sehr beeindruckend ist. Auch hier auf der „Burns“-Station darf man neben der ausgezeichneten Lehre, die man erhält, viel im OP mithelfen und lernen.

Falls Ihr irgendwie die Gelegenheit haben solltet, mit den Ärzten in Township Hospitals zu fahren und mitzuhelfen, so nimmt diese Chance auf jeden Fall wahr. Ich persönlich war einige Male, unter anderem auch für eine Nachtschicht, im Community Health Center von Delft, dem zweitgrößten Township Kapstadts. Dieses Krankenhaus ist die erste Anlaufstelle für viele der Township Patienten, die je nach Schwere der Verletzung eben anschließend ins Tygerberg Academic Hospital müssen.

Unterkunft und Finanzierung der Auslands-Famulatur

Zusammen mit den International Students auf dem Lion's Head in Kapstadt zum wunderschönen Sunset
Zusammen mit den International Students auf dem Lion’s Head in Kapstadt zum wunderschönen Sunset

Was die Unterkunft am Tygerberg Academic Hospital betrifft, so möchte ich an dieser Stelle auf einen weiteren Erfahrungsbericht eines Kommilitonen verweisen, der zur selben Zeit einen PJ-Abschnitt in der Inneren Medizin am Tygerberg Academic Hospital absolviert hat und dessen Erfahrungsbericht ebenfalls auf Medizinernachwuchs.de veröffentlicht ist:

http://medizinernachwuchs.de/chancen-im-ausland/2016/03/pj-in-suedafrika-innere-medizin-2

So im Nachhinein hat es sich bei dem ganzen Spaß nicht unbedingt um ein günstiges Vergnügen gehandelt. Das Leben in Kapstadt war für uns dieses Jahr im Verhältnis jedoch sehr günstig, was natürlich an dem atemberaubenden Wechselkurs von 1:17 (Euro: Südafrikanischer Rand) lag. Für uns war es günstiger, für jede Mahlzeit auswärts zu dinieren, als im Supermarkt die teuren Produkte einzukaufen. Wie gesagt, mit dem Euro lässt es sich in Südafrika also mehr als gut leben.

Welche Kosten in etwa auf Euch zukommen, sind folgende:

  • Uni-Gebühren: ca. 1.200-1.600€ (je nach Wechselkurs und Dauer des Aufenthaltes)
  • Students-Lodge: monatlich ca. 300€
  • Flug: ca. 650-750€
  • Leben in Kapstadt: Supermarktpreise vergleichbar mit europäischen Preisen, Hauptmahlzeiten in schon sehr hochwertigen Restaurants ab 70-80R (ca. 3-4€)
  • Auto: etwa 4.500 R (ca. 260 €, am besten teilt man sich die Autos) + 180 € Kaution + Tanken (ca. 400 R für einen vollen Tank, etwas mehr als 20€)

In der „Students Lodge“ sind die altbekannten Rentals von „Ulf“ oder „Richie“ beliebt. Die Vermietung ist relativ preiswert und mit einer maximalen Selbstbeteiligung/Kaution von ca. 180€ insgesamt das beste Angebot, was man vermutlich für lange Zeiträume bekommen kann. Ich persönlich hatte eher weniger Probleme mit den Autos, die ich hatte. Dies schien aber auch eher Glück zu sein, da einige andere sich wirklich häufig mit den „Vermietern“ herumschlagen mussten, was aber mit einer Portion Freundlichkeit und Gelassenheit auch kein weiteres Problem darstellte.

Wie habe ich mir den Aufenthalt finanzieren können? Neben meinem Hiwi-Job im Krankenhaus, mit welchem ich mir einen Großteil der Reise finanzieren konnte, durfte ich mich als eine der StipendiatInnen von „Medizinernachwuchs.de“ glücklich schätzen. An dieser Stelle nochmals einen großen Dank, nicht nur für die finanzielle Unterstützung, sondern auch speziell an Herrn Peter Karle, Chefredakteur der Seite Medizinernachwuchs.de, der mir stets mit Rat und Tat bei anstehenden Fragen zur Seite stand!

Einmal Kapstadt – immer Kapstadt!

Kapstadt - auf der India Venster Route auf den Tafelberg um 5.30 Uhr morgens
Kapstadt – auf der India Venster Route auf den Tafelberg um 5.30 Uhr morgens

Für mich war es meine erste Reise nach Afrika. Wer erwartet, in Kapstadt viel von der „wahren“ afrikanischen Kultur mitzubekommen, liegt meiner Meinung nach eindeutig falsch. Nicht, dass Kapstadt jetzt nicht zu einer meiner absoluten Lieblingsstädte gehört. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass man in die wohl westlichste Stadt Afrikas reist.

Für uns Europäer mit dem Euro lässt es sich hier wunderbar leben, was bedeutet, dass man sich kulinarisch und, was Freizeitaktivitäten betrifft, nicht zurückhalten muss. Was in Kapstadt zudem absolut von Vorteil ist, denn die Stadt bietet in jeglicher Hinsicht Facetten, die unter anderem an New York, San Francisco, Berlin, Los Angeles oder auch Sydney erinnern.

Kapstadt ist in den vergangenen Jahren zu einer über-hippen Metropole geworden, in der man kulturell und naturtechnisch nicht genug bekommen kann. Ich persönlich habe nach meiner Famulatur noch einen Trip mit Freundinnen über Johannesburg in den Krüger Nationalpark und von dort aus ab Port Elizabeth einen Road Trip über die „Garden Route“ zurück nach Kapstadt drangehängt.

Ich könnte eine wohl unendlich lange Liste erstellen mit den Dingen, die man auf keinen Fall verpassen darf. Ich versuche es, einmal logisch zusammen zu fassen:

Aktivitäten:

  • „Free Walking Tours“ (am besten googeln): gut für das erste Einfinden in die Stadt und die Umgebung
  • „Cape of Good Hope“: inklusive „Boulders Beach“ (das Schild „Penguin Viewing“ nicht verpassen, da dort am Strand die Pinguine frei herum laufen)
  • „India Venster Route“ auf den „Table Mountain“: eine der besten Aktivitäten, die ich in Kapstadt gemacht habe (im Sommer am besten zum Sonnenaufgang oben sein, ca. 5:00 Uhr Kletterbeginn, bei einer Kletterdauer von ca. 2h) -> Tipp: man bekommt gesagt, dass dieser Wanderpfad nur für erfahrene Kletterer ist. Das ist bei einer Grundfitness nicht unbedingt der Fall! Man kann den gelb markierten Fußstapfen folgen. Wer sich jedoch unsicher ist, sollte sich vielleicht beim ersten Mal an Leute hängen, die den Pfad bereits erklommen haben.
  • „Lions Head“: ein absolutes Muss, am schönsten zum Sonnenuntergang, mit einem Blick auf ganz Kapstadt mitsamt dem Tafelberg! -> Tipp: daran denken, dass man eine Kopflampe oder Ähnliches mit sich trägt, denn falls es nicht unbedingt „full moon“ ist, dürfte der Rückweg nach dem Sonnenuntergang sehr dunkel werden.
  • „Kirstenbosch Summer Concert“: jeden Sonntag gibt es in einer atemberaubenden Kulisse Konzerte. Frühzeitig Tickets sichern (80-150R)!
  • „1st Thursday“ im Monat – auch „thirsty“ Thursday genannt. An jedem ersten Donnerstag im Monat haben alle Galerien geöffnet und laden zu einem Glas Wein ein (17:00-21:00 Uhr). Die Stadt ist angenehm voll und alle Bars bis in die Nacht belebt.
  • „Waterfall Hike“ in „Porterville“: eine schöne Strecke zum Wandern und Klettern, die permanent von Wasserfällen zum netten Abkühlen begleitet wird. Der Park befindet sich ca. 120 km entfernt – ist aber definitiv empfehlenswert! Dauer: insgesamt ca. 6-8 h!
  • Rugby Match von den „Maties“ (Universitätsteam der University of Stellenbosch): super Stimmung, auch für Leute, die das Spiel nicht verstehen.
  • „Seal Snorkeling“ in „Hout Bay“: http://sealsnorkeling.com/ Ein schöner Spaß und hautnah bei den Robben.
  • „Wine Tasting“: „La Motte Wine Estate“, „Peter Falke Wine Estate“, „Boschendal Wine Estate“, „Buitenverwachting Wine Estate“
  • „Sunset Boat Drive“ an der „Victoria & Alfred Waterfront“: atemberaubende Kulissen – nichts für seeschwache Gemüter!
  • „Batstone Rooftop Pool“: kleiner, aber schöner Pool auf dem Dach eines Einkaufskomplexes, mit Tafelberg und Kapstadt Ausblick! (Öffnungszeiten am besten auf Facebook nachschauen, evtl. mit Mindestverzehr von 50-150R)

Sport:

  • auf dem Campus lässt sich sehr sicher Joggen und dies mit einem schönen Ausblick vom Rugbyplatz auf die Berge des Hinterlandes
  • „Sea Point Promenade“: eine beliebte Joggingstrecke, an der man entspannt am Meer mit frischer Brise entlang laufen kann
  • „Kirstenbosch Botanical Gardens“: auch hier bieten sich schöne Pfade zum Joggen (jedoch mit 30R Eintritt)
  • „Muizenberg Surfkurse“: Für Surf-Anfänger der beste Ort, um ins Surfen einzusteigen, bei seichtem Wellengang und verlockenden Angeboten bei „Surf Emporium“ (http://surfemporium.co.za/)
  • „Langebaan Lagune“: perfekter Hotspot für Kite-Begeisterte
  • Halbmarathon/Marathon: Für Laufbegeisterte gibt es etliche Möglichkeiten, an diversen Läufen teilzunehmen. Es empfiehlt sich, sich frühzeitig zu informieren. Die Strecken können von 5–40 km variieren, wie man eben lustig ist.

Shopping/Cafés/Restaurants/Bars:

  • „Old Biscuit Mill Market“ in „Woodstock“: jeden Samstag von 9:00-12:00 Uhr (Frühstück, Souvenirs)
  • „Hout Bay Market“: Freitag bis Sonntag (variierende Uhrzeiten, Abendessen, Souvenirs)
  • „Noordhoek Community Market“: donnerstags, wahnsinnig idyllischer Ausblick mit tollem Essen!
  • „Truth Coffee“ (City Center) – eine der besten Kaffee-Röstereien
  • „Tribe Coffee“ in „Woodstock“
  • „Yours Truly“: toller Kaffee und auch abends sehr belebt und nett für Drinks!
  • „Rosetta Rostery” am “Woodstock Exchange Market”
  • „Bean There” (bester Kaffee! – „Wale Street“)
  • „Sorbetière“ in „Woodstock“: das beste Eis in Kapstadt!
  • „Victoria & Alfred Waterfront“: empfiehlt sich zum Shoppen und Schlendern (sehr ernüchternd jedoch, dass dies tatsächlich der meistbesuchte Ort Kapstadts ist)
  • „Cafe Paradiso” (internationale Küche – „Kloof Street”)
  • „Yildees“ (thailändisch-asiatische Küche  „Kloof Street“)
  • „Nv80“ (sehr gutes Steak!  „Sea Point“)
  • „Bombay Bicycle Club“ (ein absolutes Erlebnis! Lasst Euch überraschen – „Kloof Street“)
  • „Orchade” (super Smoothies! – „Kloof Street”)
  • „Kauai“ (sehr „gesunde“ Kette mit leckeren Smoothies, Salaten und Breakfast Bowls)
  • „Headquarters” (Steak Specials zum ½ Preis – „Shortmarket Street”)
  • „Hidden Gin Bar“(hinter dem „Honest Chocolate Café“, der leckerste Gin weit und breit! – „Wale Street”)
  • „Mothers Ruin” (sehr leckere Drinks – „Upper Bree Street”)
  • „Village Idiot” (nette Bar zum Trinken und Feiern – „Loop Street“)
  • „Club 31” (im 31. Stockwerk des „ABSA Buildings“ – „Riebeek Street“)

Für weitere Tipps und Lokale etc. mal einen Blick auf die oben genannten Internetseiten werfen!

Mein Blick zurück

Die Langebaan Lagune an der West Coast nördlich von Kapstadt - insbesondere für Kite-Surfer
Die Langebaan Lagune an der West Coast nördlich von Kapstadt – insbesondere für Kite-Surfer

Es war definitiv eine der besten Entscheidungen, meine Famulatur in Kapstadt zu absolvieren. Ich durfte nicht nur ein sehr nettes Team im Krankenhaus kennenlernen, sondern ich habe auch praktisch und theoretisch sehr viel Neues dazu gelernt. Die Verantwortung, welche einem bei guter Mitarbeit gewährt wurde, hat die gewonnenen Erfahrungen noch viel wertvoller gemacht.

Trotz all der positiven medizinischen Erfahrungen wird einem täglich jedoch bewusst, dass es noch große Unterschiede in der Bevölkerung gibt, welche noch lange nicht behoben sind. Dennoch heißen alle einen herzlich willkommen und man gehört vermutlich schnell zu all jenen Kapstadt-Begeisterten. Aber seht selbst! Einmal Kapstadt – immer Kapstadt!

B., M.

Aachen, März 2016

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2015-2016

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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