PJ in Südafrika – Innere Medizin

24. März 2016

in Chancen im Ausland, Innere Medizin, Praktisches Jahr im Ausland, Südafrika

Südafrika, Kapstadt, Tygerberg Academic Hospital

(11.01.-04.03.2016)

Es ging zum PJ nach Südafrika – und dies nicht in die Chirurgie! Ich hatte mich für zwei Monate in der Inneren Medizin entschieden, wovon ich einen im Rahmen des international renommierten Projektes „HOPE Cape Town“ verbrachte. Das Tygerberg Academic Hospital ist das größte Krankenhaus im Western Cape und das zweitgrößte in ganz Südafrika. Wer einen Einblick in das „wahre Südafrika“ haben möchte, dem ist ein Praktikum am Tygerberg Academic Hospital nur zu empfehlen. 

Auf nach Kapstadt!

Kapstadt aus der Vogelperspektive
Kapstadt aus der Vogelperspektive

Meine Begeisterung für Südafrika, die Regenbogennation mit seiner brisanten und noch immer aktuellen Geschichte der Apartheid, bestand schon seit Kindheitstagen und spätestens nach der Fußballweltmeisterschaft 2010 war mein Entschluss gefällt, irgendwann in das Land am Kap der Guten Hoffnung  zu reisen.

Weltweit kam für meinen geplanten PJ-Abschnitt im Ausland nur eine begrenzte Anzahl an englischsprachigen Ländern in Frage. Im Vergleich z.B. zu den Studiengebühren in den USA, Großbritannien oder Australien liegen die südafrikanischen noch im gerade bezahlbaren Bereich (ca. 1.500€ inklusive Unterkunft für zwei Monate). Sie waren allerdings noch so hoch, dass ich mich gegen ein ganzes Tertial à vier Monate und „nur“ für ein halbes Tertial von zwei Monaten entschieden habe.

Kapstadt, „Kaapstad“, „iKapa“, Cape Town, Le Cap, Ciudad del Cabo oder einfach „The Mother City“… – diese wahnsinnige Stadt mit atemberaubender Lage am Tafelberg hat viele Namen. Keiner kann jedoch ihre Vielfalt, städtische als auch natürliche Schönheit und gleichzeitig ihre krassen Widersprüche in sich vereinen. Diese Eigenschaften muss man mit eigenen Augen erfahren, denn gerade sie machen diese Stadt am Kap zu einer der schönsten, aufregendsten und lebenswertesten weltweit.

Entscheidung für die Innere Medizin am Tygerberg Academic Hospital

Das Krankenhaus, für das ich mich entschieden hatte, war das Tygerberg Academic Hospital der University of Stellenbosch. Es ist das größte Krankenhaus im Western Cape und das zweitgrößte in ganz Südafrika mit einer Bettenzahl von ca. 1.900 (Vergleich Universitätsklinikum Aachen: ca. 1.300). Da es ein öffentliches Krankenhaus ist, haben quasi alle Bevölkerungsschichten Zugang dazu. Wer also einen Einblick in das „wahre Südafrika“ haben möchte, dem ist ein Praktikum am Tygerberg Academic Hospital nur zu empfehlen.

Ein weiterer Grund, weshalb ich mich gerade für das Tygerberg Academic Hospital entschieden hatte, waren die durchweg positiven Berichte anderer Medizinstudenten. Gerade das Zusammenleben mit den anderen internationalen Studenten in der „Elective Students Lodge“ wurde in allen Berichten hervorgehoben und – so viel kann ich vorwegnehmen – nicht ohne Grund.

Die meisten Medizinstudenten aus Europa kommen nach Südafrika, um ein Praktikum in der Chirurgie zu absolvieren, da man dort oft schnell selbstständig Wunden nähen kann und viele Verletzungen zu sehen bekommt, die bei uns wohl eher seltener sind wie z.B. Schuss- und Stichverletzungen. Ich hatte mich jedoch für zwei Monate in der Inneren Medizin entschieden, wovon ich einen im Rahmen des international renommierten Projektes „HOPE Cape Town“ verbrachte. Auch die internistischen Krankheitsbilder in einem südafrikanischen Krankenhaus unterscheiden sich oft elementar von jenen in Europa. Vor allem Tuberkulose (TB) und HIV/AIDS spielen eine gewaltige Rolle. Da ich mich besonders mit der AIDS-Problematik, die in Südafrika mit 5,8 Millionen Infizierten (Stand 2008) viel größer ist als in anderen afrikanischen Ländern, beschäftigen wollte, hatte ich mich also gegen die Chirurgie und für zwei Monate in der Inneren Medizin entschieden.

Mit großen Erwartungen, einer Portion Respekt und sehr viel Vorfreude ging ich also nach Südafrika. Mein Fazit kann ich schon hier vorwegnehmen: Wenn Ihr die Chance habt, eine Famulatur oder ein PJ-Tertial in Kapstadt zu verbringen, nehmt sie wahr! Ihr werdet es nicht bereuen und mit viel Lebenserfahrung zurückkehren.

Bewerbung und gezielte Vorbereitung

Auf dem Chapman's Peak Drive auf der Kap-Halbinsel südlich von Kapstadt
Auf dem Chapman’s Peak Drive auf der Kap-Halbinsel südlich von Kapstadt

Es empfiehlt sich – je nach Fachgebiet – eine Kontaktaufnahme mit dem International Office der Medizinischen Fakultät der University of Stellenbosch mindestens ein Jahr (Innere Medizin) bis fast zwei Jahre (Emergency Room) im Voraus. Dort sind zwei Damen Eure ausgesprochen netten, jedoch etwas unorganisierten Ansprechpartner. Eine E-Mail reicht meistens nicht aus. Es empfiehlt sich bei ausbleibender Antwort die gleiche Mail nochmals zu schicken und ansonsten auch frühzeitig zum Telefonhörer zu greifen. Aber nicht wundern. Dies braucht seine Zeit, denn „T.I.A.“ – This Is Africa.

Wenn der Kontakt hergestellt ist, müssen folgende Unterlagen eingereicht werden:

  •  das ausgefüllte Bewerbungsformular (wird zugeschickt)
  •  das Registrierungsformular des Health Professions Council of South Africa (HPCSA) (wird zugeschickt)
  •  ein Lebenslauf
  •  eine Kopie des Reisepasses
  • eine Bestätigung der Auslandskrankenversicherung
  •  einen Sprachnachweis (Muttersprache, TOEFL/IELTS, Sprachkurs
  •  oder Bestätigung des Sprachzentrums der heimischen Universität)

Für den Aufenthalt an sich kann ich noch drei mehr oder weniger wichtige Tipps geben. Zunächst sollte auf die Mitnahme von Kitteln definitiv verzichtet werden. Diese werden in Südafrika nicht getragen. Mitnehmen sollte man jedoch „Scrubs“ als blaue oder grüne Kasacks aus Deutschland. Im Krankenhaus wird jedoch zumeist Straßenkleidung bzw. Hemd und Hose getragen. Zweitens: Unbedingt an einen südafrikanischen Steckdosenadapter denken und eventuell auch einen Mehrfachstecker mitnehmen! Als letztes lohnt es sich, die App „Uber“ herunterzuladen und einen Account anzulegen. Möchte man sich in und um Kapstadt ohne eigenes Auto bewegen, ist dies die bessere und sicherere Variante gegenüber den öffentlichen Taxis.

Literaturempfehlungen:

  • der aktuellste Lonely Planet „Kapstadt & Garden Route“

Visum:

Da mein Aufenthalt unter 90 Tage dauerte, galten für mich die Bestimmungen eines Reisevisums, welches man als Deutscher Staatsbürger am Flughafen in Südafrika bekommt. Wer jedoch länger als 90 Tage bleibt, muss sich unbedingt frühzeitig (mehrere Monate vor Reisebeginn) um ein Visum kümmern und dieses bei der Südafrikanischen Botschaft beantragen.

(Anm.d.Red. Um wirklich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich immer rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Impfungen:

Es sollte ein ausreichender Hepatitis B-Impfschutz bestehen. Zudem ist eine Hepatitis A-Impfung zu empfehlen. Ansonsten ist man mit einem eingehaltenen Impfkalender der STIKO auf der sicheren Seite. Falls man in Malaria-Gebiete, u.a. den Krüger-Nationalpark, reisen möchte, sollte man zudem an Malaria-Prophylaxe bzw. Stand-By-Medikation denken.

Meine Arbeit am Tygerberg Academic Hospital

  • 1. Monat: Innere Medizin
Das Tygerberg Academic Hospital der University of Stellenbosch
Das Tygerberg Academic Hospital der University of Stellenbosch

Als Student der University of Stellenbosch in der Inneren Medizin wird man einer Gruppe von „S.I.“ („Student Interns“) und einem Assistenzarzt zugeteilt, mit denen man die meiste Zeit im großen und teils heruntergekommenen Tygerberg Academic Hospital verbringt. Einmal pro Woche hat man Aufnahmedienst. Das heißt dann, dass man einen halben Tag mit den anderen Medizinstudenten und dem Arzt auf der internistischen Notaufnahmestation des Krankenhauses verbringt und die eingelieferten Patienten aufnimmt. Diese werden dann unter den Studenten aufgeteilt und sind für die kommende Woche deren eigene Patienten. An jedem anderen Wochentag werden diese Patienten zunächst alleine visitiert und untersucht. Anschließend findet eine größere Visite mit Oberärzten und ggf. mit dem Chefarzt statt. Am Nachmittag haben die Studenten meist Tutorials, Seminare und Bedside-Teaching, bei denen man als International Student stets sehr willkommen ist.

Nach einem Monat auf der Inneren Medizin des Tygerberg Academic Hospital kann ich nur empfehlen, keine Berührungsängste im Umgang mit den Patienten zu haben. Da man die Chance bekommt, „eigene“ Patienten zu haben, sollte man diese unbedingt wahrnehmen. Die Ärzte zahlen dies mit einem ungemein guten Teaching, wie ich es in Deutschland noch nicht oft gesehen habe, zurück. Sie nehmen sich Zeit, Krankheitsbilder am Patienten mit den Studenten durchzusprechen, stellen Fragen und sorgen mit der Demonstration von akkuraten Untersuchungsmethoden für einen nachhaltigen Eindruck.

Da in Südafrika nicht immer sofort auf technische Hilfsmittel zurückgegriffen werden kann, hat die körperliche Untersuchung einen viel größeren Stellenwert als in Deutschland. So sind die meisten Medizinstudenten auf diesem Gebiet bereits vor Berufseintritt hervorragend ausgebildet. Ein weiterer Unterschied ist zudem natürlich das Auftreten von Krankheiten, die bei uns eher Seltenheitswert haben. Besonders Tuberkulose und AIDS/HIV stellen die erste Differentialdiagnose fast jeden Krankheitsbildes dar. Meist zu Recht. Aber auch hier gilt: Keine Angst vor Berührungen! Ist man bei Blutabnahmen vorsichtig und gewissenhaft, trägt man bei Kontakt mit TB-Patienten eine Gesichtsmaske und befolgt man die Hygienevorgaben (regelmäßige Händedesinfektion), dann besteht kein Grund zur Sorge!

Ein normaler Tagesablauf auf der Inneren Medizin (nicht am Aufnahmetag):

8:00 Uhr: eigenständige Visite, Anamnese und Untersuchung der eigenen Patienten

9:00 Uhr: Visite mit den Assistenz-, Ober- und Chefärzten

12:00 Uhr: Stationsarbeit (Blutabnahmen, Zugänge; selten: Arterielle Blutabnahmen, Liquor Punktionen)

ab 13:00 Uhr:  entweder zur freien Verfügung oder Teilnahme an den Seminaren der Medizinstudenten der University of Stellenbosch

  • 2. Monat: HOPE Cape Town/ Kid Cru

Das im Jahr 2000 vom deutschen Pfarrer und Seelsorger Stefan Hippler gegründete Projekt „HOPE Cape Town“ wird überwiegend durch Spenden aus Deutschland finanziert und hat seitdem auch international Beachtung gefunden. Mehrere Ärzte und sogenannte „Community Health Worker“ haben sich vor allem der Diagnostik, Therapie und Betreuung von HIV-infizierten Kindern und ihren Müttern verschrieben. Sowohl im Tygerberg Academic Hospital, in welchem man einen eigenen Flur hat, als auch in den vielen Townships um Kapstadt, weit ab von Luxus und Lifestyle, sind sie in engem und persönlichen Kontakt mit der zumeist unterprivilegierten Bevölkerung Südafrikas.

Als Medizinstudent bekommt man einen gut durchstrukturierten Wochenplan, welcher sowohl die Teilnahme an Visiten der Infektiologie, die selbstständige Untersuchung und Anamnese von Patienten als auch den Besuch von Township Krankenhäusern („Community Health Centers“) und Hausbesuchen in den Townships beinhaltet. Durch die vielfältige Gestaltung der Woche, erhält man vor allem einen Einblick in das Leben der Menschen in den Townships von Kapstadt, die oft nicht mehr als ein Wellblechdach über dem Kopf haben und ihr „Haus“ mit mehreren Familien teilen müssen.

Die Therapie von HIV-Infektionen ist im Prinzip recht simpel und bei regelmäßiger Einnahme mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich. Eine der Ärztinnen sagte zu mir: „Heute ist es in den Townships für die Menschen einfacher, mit HIV zu leben als mit Diabetes. Mit HIV müssen sie lediglich ihre Tabletten nehmen und könnten damit 100 Jahre alt werden. Haben sie Diabetes, reicht dies nicht aus.“ Doch ganz so einfach ist es leider meistens doch nicht.

Viele junge Mütter leben mit ihren Kindern in haarsträubenden sozialen Verhältnissen. Für die Menschen sind meist andere Dinge wie die Nahrungsbeschaffung für den kommenden Tag viel wichtiger als die regelmäßige Einnahme von Medikamenten. Am meisten leiden darunter letzten Endes die Kinder. Das größte Problem ist jedoch das Stigma, welches von HIV und AIDS ausgeht. So war einer der am meisten bewegenden Momente meines Aufenthaltes in Kapstadt für mich, als ein 8-jähriges Mädchen die Ärztin fragte: „Warum ist es so schlimm, zu sagen, dass man HIV-positiv ist?“ In Puncto Aufklärung und Bekämpfung dieses Stigmas gibt es in Südafrika noch viel Arbeit zu tun. „HOPE Cape Town“ trägt einen wichtigen Teil dazu bei.

Angegliedert an „HOPE Cape Town“ ist die Forschungsabteilung „Kid Cru“. Dort nimmt man aktiv an der aktuellsten HIV-Forschung im Tygerberg Academic Hospital teil. Außerdem fährt man mit den Ärzten zu verschiedenen Krankenhäusern im Umfeld und lernt die Organisation sowie Durchführung von Studien zu infektiologischen Themenschwerpunkten kennen.

Sehr empfehlen kann ich allen Medizinstudenten in Kapstadt eine Nachtschicht in einem Township Krankenhaus. Im „Community Health Center“ in Delft konnte ich die Ärzte in der Notaufnahme aktiv unterstützen, indem ich Stichwunden nähen und Brandwunden behandeln durfte.

Beispiel eines Wochenplans bei HOPE Cape Town:

Montag

9:00-13:00 Uhr: Fahrt zu einer Community Clinic und Begleitung einer Health Workerin

Dienstag

8:00 Uhr: Frühbesprechung im Tygerberg Academic Hospital (Infektiologie, Pädiatrie und HOPE Mitarbeiter)

9:00 Uhr: „Infectious Diseases“ – Stationsarbeit und Visite

14:00 Uhr: Lab Discussion über Toxoplasmosis gondii

Mittwoch

7:40 Uhr: Treffen in der Virologie und Mitarbeit auf der Erwachsenen Infektiologie

14:00-16:00 Uhr: Pädiatrie Vorlesungen

Donnerstag:

8:00 Uhr: Untersuchung von Patienten auf der Kinder-Infektiologie-Station und Gespräch mit den Müttern

10:00-13:00 Uhr: Kinder-Infektiologie Visite

Freitag:                      

8:00-13:00 Uhr: Fahrt zu einer Community Clinic und Teilnahme an der pädiatrischen Infektiologie Sprechstunde

Die Unterkunft

Ausflug ans Kap der Guten Hoffnung
Ausflug ans Kap der Guten Hoffnung

Man hat die Möglichkeit, als International Student am Tygerberg Academic Hospital in der „Elective Students Lodge“ unterzukommen. Dort lebt man entweder in Einzel- oder Doppelzimmern in kleinen WGs, welche zusammen die „Lodge“ bilden. In der Mitte des Komplexes befindet sich ein neuer, großer Gemeinschaftsraum mit Fernseher und Grill. Außerdem befindet sich direkt angrenzend ein großer Pool. Die Wohnungen sind mit dem Nötigsten ausgestattet. Ofen, Herd, Spüle, Kühlschrank und Mikrowelle sind in jeder Küche vorhanden. Hinzu kommt ein Bad mit Dusche. Mitzubringen sind mindestens ein großes Schloss für die Zimmertüre und ein kleineres für den Kleiderschrank, für die es jeweils keine Schlüssel gibt. Die sehr netten „Cleaning Ladies“ unterstützen die Studenten zudem bei kleineren Problemen und wenn man sie nett fragt, waschen sie einem auch die anfallende Wäsche für ca. 30 Rand.

Die Lodge befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Tygerberg Academic Hospital auf dem Medical Campus der University of Stellenbosch. Dort herrscht in der Tat ein kleines Campusleben. Die lokalen Studenten leben in großen Wohnheimen, es gibt eine Mensa, eine Cafeteria, eine Gym und ein riesiges Rugby- und Fußballfeld mit wunderschönem Ausblick auf die Berge der Winelands. Es gibt sicherlich manch schöneren Campus auf der Welt. Dennoch fühlt man sich recht wohl dort – und sicher!

Die International Students sind meist eine recht eingeschworene Gruppe und man kann viel miteinander unternehmen, wenn man dies wünscht. Man tauscht sich über dies und jenes aus, sodass am Ende alle davon profitieren. Jeden Mittwoch findet zudem ein sogenannter „Braai“ statt – ein gemütliches Grillen, Trinken und Beisammensein – Ende offen!

Das Krankenhaus und der Campus befinden sich in etwa zwischen Kapstadt und Stellenbosch. Ohne Auto ist man so gut wie aufgeschmissen. Es empfiehlt sich also, frühzeitig ein Auto bei lokalen Anbietern zu mieten. Gute Erfahrungen wurden mit „Ulf Car Rental“, „Richies Car Rental“ und „Rent a Cheapie“ gemacht. Ohne großen Verkehr braucht man bis Kapstadt zirka 20 Minuten. Zur Rush Hour, die man unbedingt vermeiden sollte, morgens früh und ab 16:00 Uhr bis 18:00 Uhr, kann es auch mal eine Stunde dauern.

Finanzierung

Glücklicherweise hatte ich mit meiner Bewerbung um ein PROMOS Auslandsstipendium an meiner Universität Erfolg. Da ich jedoch nicht davon ausgehen konnte, eines der begehrten Stipendien zu erhalten, musste ich lange vor meiner Reise nach Südafrika dafür sparen und auch so manchen Hiwi-Job wahrnehmen.

Was Europäern besonders zu Beginn des Jahres zu Gute kam, war der, für Südafrika bedauerliche, Absturz des Rand auf einen Kurs von bis zu 1:18. Dies machte die sonst schon günstigen Lebensunterhaltungskosten noch um einiges günstiger. Es empfiehlt sich, auf den aktuellen Kurs zu achten und dementsprechend mit einer Kreditkarte Geld abzuheben, mit der keine Gebühren gezahlt werden müssen. Achtung! Zahlt man jedoch mit Kreditkarte, fallen häufig Gebühren an.

Für die Unterkunft in der „Elective Students Lodge“ zahlt man monatlich ca. 300€. Hinzu kommen Studiengebühren von 1.200-1.600€ je nach Dauer des Aufenthaltes. Für den Flug nach Kapstadt zahlt man durchschnittlich 650-750€. Ich persönlich bin ohne Probleme mit Turkish Airlines über Istanbul geflogen.

Das Leben in Kapstadt

Hiking Table Mountain in Cape Town
Hiking Table Mountain in Cape Town

Kapstadt ist eine wahnsinnig schöne und vielfältige Stadt. In der „Long Street“ und an der „Waterfront“ pulsiert das (touristische) Leben, die „Bree Street“ bietet tolle Bars, in der „Kloof Street“ gibt es schöne Cafés, Restaurants und Lifestyle… Die Liste würde zu lang werden.

Dennoch möchte ich hier einige Aktivitäten hervorheben, die niemand missen sollte:

  • „Old Biscuit Mill Market“ (Samstags 9:00-13:00 Uhr) in „Woodstock“
  • alle „Free Walking Tours“, welche täglich zu bestimmten Uhrzeiten am „Green Market Square“ beginnen
  •  Joggen an der Seepromenade von „Sea Point“
  • Besteigen des „Lion‘s Head“ zum Sonnenuntergang (ca. eine Stunde)
  •  Besteigen des „Tafelbergs“ zum Sonnenaufgang über den Weg „Indian Venster“ (ca.2,5-3 Stunden)
  • ein „First Thursday“ in der Stadt (erster Donnerstag jeden Monats!): Galerien sind abends geöffnet. Danach sind tausende Menschen auf den Straßen und in den Bars der Stadt. Unbedingt erleben!
  • ein Besuch des „Kirstenbosch Botanical Garden“ samt „Canopy Walk“ (wohl einer der schönsten der Welt)
  • Stellenbosch – ein Gegensatz zu Kapstadt; behütet und wunderschön; Sitz der University of Stellenbosch
  • Wine tasting um Stellenbosch und Franschhoek

Ich muss leider sagen, dass mir in Kapstadt der Unterschied zwischen Arm und Reich und, leider auch damit zusammenhängend, zwischen Weißer und Schwarzer/Farbiger Bevölkerung aufgefallen ist. Die Orte, an denen es den Menschen gut geht wie z.B. Cafés oder Restaurants sind häufig fast ausschließlich von der weißen Minderheit Südafrikas besucht. Farbig sind meist nur die Kellner oder die Bettler auf der Straße. Die Folgen der Apartheit sind auch 20 Jahren nach ihrer faktischen Aufhebung noch deutlich zu spüren, wenn gleich sich diesbezüglich schon viel verändert hat. Dennoch spürt man förmlich, dass dieses Land noch viel Arbeit vor sich hat.

Schließlich noch ein paar Sätze zur Kriminalität in Kapstadt, mit der ich glücklicherweise nie konfrontiert wurde. Ich denke jedoch auch, dass ich mich stets gewissenhaft und vorsichtig verhalten habe. Wie so oft gilt nämlich der Grundsatz: Wenn man sich an die Regeln hält, hat man nichts zu befürchten. So sollte man nicht durch unbekannte Straßen gehen, generell möglichst nie und vor allem nachts (!) nie alleine unterwegs sein. Falls es doch zu einem Vorfall kommt, sollte man den Übeltätern alles Geforderte sofort und ohne Gegenwehr überlassen. Nur, wer das alles nicht beachtet, kann in ernsthafte Schwierigkeiten kommen.

Ein Fazit

Malerischer Sonnenuntergang auf der Fahrt vom Tygerberg Academic Hospital nach Kapstadt
Malerischer Sonnenuntergang auf der Fahrt vom Tygerberg Academic Hospital nach Kapstadt

Mein Fazit zu Kapstadt und meinem Praktikum am Tygerberg Academic Hospital fällt ausschließlich positiv aus und ich kann jedem Medizinstudenten nur empfehlen, einen Teil seines Praktischen Jahres am Tygerberg Academic Hospital der University of Stellenbosch zu verbringen.

Die Menschen, das Wetter, das Land Südafrika und nicht zuletzt die Erfahrungen im Krankenhaus lassen einen jeden mit viel Lebenserfahrung und tausend unvergesslichen Erinnerungen zurückkehren.

Sebastian Ludwig

Aachen, den 11. März 2016

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