PJ in Südafrika – Innere Medizin

11. März 2016

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Innere Medizin, Land, Praktisches Jahr im Ausland, Südafrika

Südafrika, Kapstadt, Tygerberg Academic Hospital (07.09.-31.10.2015)

Mein halbes PJ-Tertial in Kapstadt war eine super als auch lehrreiche Erfahrung. Die Lehre im Tygerberg Academic Hospital der University of Stellenbosch ist sehr gut und vor allem praxisorientiert. Die südafrikanischen Medizinstudenten rotieren bereits ab dem 3. Jahr ihres Studiums im Krankenhaus, machen die Dienste mit und übernehmen ihre „eigenen“ Patienten, sind also schon früh in den Krankenhausalltag integriert und erlernen die praktischen Fähigkeiten. Ich musste schon sehr schlucken, als ich gleich am ersten Tag alleine eine Lumbalpunktion machen sollte.

Entscheidung für Südafrika und organisatorische Schritte

Südafrika und vor allem Kapstadt sind bei Medizinstudenten sehr beliebt, sowohl für Famulaturen als auch für das PJ, insbesondere im Bereich Chirurgie. Ich hatte mich ein Jahr vorher beworben, was für ein PJ-Tertial in der Inneren Medizin ausreichend war. Ich erhielt eine Zusage von der Stellenbosch University in Kapstadt. Für ein Chirurgie-Tertial sollte man sich aber durchaus noch früher bewerben.

Wie alle Universitäten in Südafrika verlangt auch die University of Stellenbosch nicht ganz unerhebliche Studiengebühren, die man nach Erhalt der Zusage spätestens bis drei Monate vor Beginn überweisen muss. Da der Campus und das Krankenhaus etwa 20 km außerhalb liegen, entschied ich mich, auf dem Campus in der „International Students Lodge“ unterzukommen. Das International Office schickt einem die nötigen Unterlagen zu, um sich für ein Zimmer auf dem Campus zu bewerben. Es heißt immer, dass die Zimmer heiß begehrt seien und man sich schnell entscheiden muss. In der Zeit als ich dort war, war diese Lodge nicht mal annähernd voll besetzt. Und noch ein kleiner Tipp: Wenn die Damen aus dem International Office nicht auf E-Mail antworten, immer fleißig anrufen.

Aufgrund der Studiengebühren, die sich aus der „registration fee“ und einer zu zahlenden „study fee“ für jede Woche zusammensetzen, als auch wegen des doch nicht ganz so einfachen Visa-Verfahrens, dessen Bestimmungen sich ständig ändern, entschied ich mich, nur acht Wochen in Südafrika zu bleiben. Derzeit ist es so, dass man das Visum frühestens drei Monate vorher und nur persönlich beantragen kann, was schwierig ist, wenn man das Tertial vor Südafrika ebenfalls im Ausland ist. Allerdings kann man auch vor Ort eine Verlängerung beantragen. Man braucht jedoch für die Einreise irgendeinen Nachweis, dass man innerhalb von drei Monaten wieder ausreist, also ein Flug- oder Busticket, weil sie das bei der Passkontrolle sehen wollen.

(Anm.d.Red. Um wirklich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

Vom Flughafen in Kapstadt zum Campus muss man mit dem Taxi fahren oder mit einem Shuttle Bus. Am besten und wahrscheinlich auch am günstigsten ist es, ein Taxi über die Uber-App zu bestellen. Man kann auch im International Office anfragen, ob sie einen vom Flughafen abholen. Gelegentlich sollen sie das wohl auch machen.

Das Tygerberg Academic Hospital

Das Tygerberg Academic Hospital der University of Stellenbosch in Kapstadt
Das Tygerberg Academic Hospital der University of Stellenbosch in Kapstadt

Am ersten Tag fand eine Einführung für alle neuen ausländischen Medizinstudenten im International Office statt und wir wurden dann den Sekretärinnen der verschiedenen Fachbereiche vorgestellt. In der Inneren Medizin erhielten wir ein kleines Handbuch mit allen Infos und einer Anwesenheitsliste, welche die für uns zuständige Ärztin jeden Tag abzeichnen sollte. Ich habe mir alles zusammen am Ende unterschreiben lassen, die Assistenzärzte nehmen diese Liste nicht so ernst… Wir wurden jeweils einer „firm“ zugeteilt.

Jede „firm, bestehend aus einem Facharzt, einem Assistenzarzt, einem „Intern“, das ist ein Arzt im 1. oder 2. Jahr der Weiterbildung, und vier bis zehn Studenten, hat an einem Tag in der Woche Früh- oder Spätdienst in der Notaufnahme der Inneren Medizin. Der Tagesdienst geht von 8:00-18:00 Uhr, der Spätdienst von 18:00-23:00 Uhr.

Im Dienst nehmen die Medizinstudenten die Patienten auf, die entweder notfallmäßig vorstellig werden oder von einem anderen Krankenhaus überwiesen worden sind. Dann werden sie dem Assistenzarzt vorgestellt. Die Studenten sind dann bis zur Entlassung für diesen Patienten zuständig. Bei der Visite mit dem Facharzt am nächsten Tag stellt jeder Medizinstudent seinen Patienten vor und wird besprochen. Je nach Facharzt wird man zum Krankheitsbild abgefragt. Bei vielen Patienten und viel „teaching“ kann die Visite bis zu vier Stunden dauern, ist dann aber auch super lehrreich.

Bei der Visite läuft man von Station zu Station, weil man die Patienten behält, die man während des Dienstes aufgenommen hat und diese je nach Diagnose auf die entsprechende Station verlegt werden. Man läuft also viel hin und her und rauf und runter, was natürlich zusätzlich viel Zeit in Anspruch nimmt.  Es wird dann über das weitere Vorgehen gesprochen. Am Ende der Visite sagt der „Intern“ noch einmal, was bei den einzelnen Patienten gemacht werden muss, sprich Blutentnahme, Lumbal-, Aszites-, Pleurapunktion etc. und jeder Student übernimmt diese Aufgabe für seinen Patienten.

Die anderen Tage laufen ähnlich ab, allerdings findet da die Visite ohne den „Consultant“ statt, sondern nur mit dem Assistenzarzt und dem „Intern“. Vor der Visite muss man seinen Patienten sehen, ihn untersuchen und alles dokumentieren, in der Visite den Patienten und den Verlauf vorstellen und im Anschluss an die Visite die entsprechenden Aufgaben erledigen. Ein- oder zweimal im Monat kommt auch ein Wochenenddienst dazu, von dem ich als ausländische Medizinstudentin netterweise befreit wurde. Eigentlich soll man laut dem Plan auch einmal pro Monat einen Wochenenddienst absolvieren.

Montags findet immer eine zweite „Consultant“-Visite statt, bei der noch einmal die alten Patienten gesehen werden, sofern sie noch nicht entlassen wurden.

Röntgen-Anforderungen, Entlassungsbriefe etc. schreiben die Ärzte. Man selbst hat also viel Patientenkontakt und kann sich ausgiebig mit den Patienten beschäftigen. Die Medizinstudenten in Südafrika rotieren bereits ab dem 3. Jahr ihres Studiums im Krankenhaus, machen die Dienste mit und übernehmen ihre „eigenen“ Patienten. Zwischendurch haben sie verschiedene Tutorien, an denen ausländische Studenten natürlich auch auf freiwilliger Basis teilnehmen können. Die Medizinstudenten in Südafrika sind also schon früh in den Krankenhausalltag integriert und erlernen die praktischen Fähigkeiten. Ich musste schon sehr schlucken, als ich gleich am ersten Tag alleine eine Lumbalpunktion machen sollte.

Im Allgemeinen muss ich sagen, dass die Lehre im Tygerberg Academic Hospital der University of Stellenbosch sehr gut ist und vor allem praxisorientiert. Allerdings ist das Arbeiten im Krankenhaus absolut ineffektiv. Nach dem Dienst muss man seine Patienten suchen, weil es kein System gibt, in dem man sehen kann, wohin sie verlegt worden sind. Die Materialien für Blutentnahmen und Punktionen sind oft nicht auf der Station vorhanden, sodass man möglicherweise stundenlang durchs Haus läuft, um ein blaues Entnahmeröhrchen zu finden oder eine Stunde auf die eine und einzige Sekretärin wartet, die neue Patientenklebchen ausdrucken kann, damit man das Blut endlich ins Labor schicken kann…

Unterkunft  in Kapstadt

Faszinierender Blick vom Tafelberg auf Kapstadt
Faszinierender Blick vom Tafelberg auf Kapstadt

Die „International Students Lodge“ ist, wie der Name schon sagt, voll von ausländischen Medizinstudenten. Viele Deutsche, Holländer, aber auch Australier, Belgier und Norweger kommen dort unter. Das Gute an der Unterkunft ist, dass man in 3 min im Krankenhaus ist. Zudem findet man schnell Anschluss, weil in der Lodge immer etwas los ist und man immer jemanden findet, um etwas zu unternehmen. Allerdings ist man auch sehr abgeschieden, weil die Unterkunft 20 km außerhalb von Kapstadt liegt.

Man braucht auf jeden Fall ein Auto, sonst kann man nicht einmal einkaufen gehen. In der Nähe gibt es auch keine Restaurants oder Bars, d.h. wenn man weggehen will, muss man immer mit dem Auto je nach Verkehr 25-35 min in die Stadt fahren. Ich hatte mir mit anderen ein Auto bei „Richies Car Rental“ gemietet, was super geklappt hat. Selbstverständlich musste man sich immer absprechen, was manchmal nicht so einfach war, weil natürlich alle etwas andere Arbeitszeiten hatten und evtl. auch jeder andere Wochenendpläne, aber es war auf jeden Fall machbar und für mich war die Wohnsituation für diese zwei Monate so absolut ok.

Allerdings hatten viele, die länger geblieben sind, gesagt, dass sie für die letzte Zeit doch lieber in der Stadt wohnen würden. Wenn man direkt in Kapstadt wohnt, braucht man natürlich ebenfalls ein Auto, um dann zum Krankenhaus zu fahren, aber dafür ist man generell schneller in der Stadt oder am Strand und kann in der Stadt auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.

Das Leben in Kapstadt

Die bunten Strandhäuschen von Muizenberg, einem Vorort von Kapstadt
Die bunten Strandhäuschen von Muizenberg, einem Vorort von Kapstadt

Kapstadt ist eine super schöne und eindrucksvolle Stadt, die sich um den Tafelberg herum entwickelt hat. Man kann hier alleine Wochen verbringen, um auf jeden Berg mindestens einmal hochzuklettern, die schöne Aussicht auf die Stadt zu genießen, um jeden Strand auszutesten, surfen zu gehen, das leckere Essen in den tausenden erschwinglichen Restaurants zu genießen, auf den umliegenden „Vineyards“ günstiges „wine- und/oder chocolate tasting“ zu machen sowie über den „Old Biscuit Mill“ oder den „Hout Bay Market“ zu schlendern.

Noch ein paar Sätze zur Sicherheit in Kapstadt: Wenn man im Tygerberg Academic Hospital in die Notaufnahme geht, ist es quasi unmöglich, keine Schuss-  oder Messerstichverletzung zu sehen. Die Sicherheit in Südafrika ist also nicht mit der in Deutschland zu vergleichen. In bestimmen Gegenden sollte man sich daher einfach nicht aufhalten. Das heißt aber nicht, dass man ab 18:00 Uhr das Haus nicht mehr verlassen darf. An der „Waterfront“ und auch in der Stadt kann man abends und nachts ohne Probleme rumlaufen. Natürlich muss man immer auf seine Wertsachen aufpassen, möglichst wenig mitnehmen und man sollte sich unbedingt mindestens zu zweit fortbewegen. In den Autos sollte man nichts offen liegen lassen, am besten auch alle Jacken mitnehmen. Unser Auto hat sich automatisch verriegelt, sobald wir losgefahren sind.

Reisen in Südafrika

Auf Safari im Kgalagadi Transfrontier Nationalpark in Südafrika-Botswana
Auf Safari im Kgalagadi Transfrontier Nationalpark in Südafrika-Botswana

Südafrika ist ein wunderschönes Land. Einzigartig ist natürlich die Tierwelt, die man bei diversen Safaris beobachten kann, aber auch landschaftlich ist Südafrika einfach wunderschön. Zu einem der Highlights gehört natürlich die „Garden Route“ mit ihren tollen Stränden und Nationalparks, in den man wandern, Kanufahren und Radfahren sowie alle möglichen Extremsportarten machen kann. Nördlich von Kapstadt liegen die „Cederberg Mountains“, die tolle Wanderrouten zu bieten haben.

Wenn man die Zeit hat, lohnt es sich absolut, den weiten Weg an die Grenze zu Namibia auf sich zu nehmen und im „Kgalagadi-Frontier-Nationalpark“, dem größten Nationalpark Südafrikas, den Löwen beim Teilen der Beute zuzusehen! Ein absolutes Muss ist natürlich das „Kap der Guten Hoffnung“, das man auf keinen Fall verpassen sollte! Und zur Wal-Saison ist „Hermanus“ das Ziel, um den mächtigen Tieren dabei zuzusehen, wie sie ihre gigantischen Körper über die Wasseroberfläche heben.

Mietwagen sind relativ günstig und meiner Meinung nach besser als die Busse, da man mit dem eigenen Auto nicht nur flexibler ist, sondern die Busse einen auch nicht überall hinbringen.

Mein Fazit

Am Cape of Good Hope in Südafrika
Am Cape of Good Hope in Südafrika

Das halbe PJ-Tertial in Kapstadt war eine super und auch lehrreiche Erfahrung. Man wird in der Inneren Medizin am Tygerberg Academic Hospital der University of Stellenbosch fest mit eingeplant und kann dadurch viel machen. Sicher hängt das „teaching“ sehr vom jeweiligen Arzt, der einen betreut, ab. Meine Assistenzärztin war in dieser Hinsicht mitunter leider doch sehr darauf bedacht, schnell mit der Visite durchzukommen und hat mitunter dementsprechend weniger erklärt.

Aber alleine für die Wochenendausflüge lohnt sich Kapstadt total.

L.,L.-K.

Köln, Dezember 2015

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