Famulatur in der Schweiz – Herz- und Gefäßchirurgie

4. März 2016

in Chancen im Ausland, Chirurgie, Famulatur im Ausland, Gefäßchirurgie, Herzchirurgie, Schweiz

Schweiz, Zürich, UniversitätsSpital Zürich (02.03.-01.04.2015)

Zusammen mit einer Kommilitonin hatte ich mich entschlossen, eine Famulatur in der Schweiz zu absolvieren. Es sollte eine sehr interessante Zeit am UniversitätsSpital Zürich werden, in welcher ich sehr viel über die Herzchirurgie und überraschenderweise viel in der Gefäßchirurgie gelernt habe, obwohl ich vorher nicht viel Interesse an der Gefäßchirurgie hatte. Für mich haben sich diese Famulatur und die Reise in die Schweiz auf jeden Fall gelohnt.

Meine Motivation

Eine Famulatur im Ausland zu machen, war für mich schon immer ein Wunsch gewesen und die Schweiz als deutschsprachiges Land bietet sich hierbei sehr gut an, um erste Auslandserfahrungen zu sammeln.

Vorweg für alle Norddeutschen: Die „Unterassistenten“, auch „Uhus“ genannt, sind die Medizinstudenten (Famulanten und PJler),  Spital ist das Krankenhaus, der „Pikettdienst“ ist der Bereitschaftsdienst, das „Natel“ ist das Handy und beim „Suggi“ sollte man im OP zum Sauger greifen.

Dass es nach Zürich in das UniversitätsSpital gehen sollte, hatte sich relativ spontan ergeben, da eine Freundin, mit der ich diese Reise zusammen angetreten habe, voller Begeisterung davon berichtete, dass ihr eine andere Medizinstudentin von ihrer Erfahrung in der Schweiz vorschwärmte, von den großartigen Erfahrungen während ihrer Famulatur und von dem schönen Land.

Bewerbung, anfallende Kosten und Verdienst

Wohnheim Eingang Vogelsangstrasse in Zürich
Wohnheim Eingang Vogelsangstrasse in Zürich

Nachdem meine besagte Freundin mir im Oktober davon berichtete und mich schließlich überzeugte, mit ihr zusammen eine Famulatur in Zürich zu absolvieren, entschlossen wir uns, uns für den nächstmöglichen Zeitraum zu bewerben. Wir wählten also die Semesterferien im kommenden März und schickten die Bewerbung im Oktober ab. Die Bewerbung verlief relativ problemlos. Telefonisch hatten wir zuerst bei der Kontaktperson der entsprechenden Abteilung für die Unterassistenten nachgefragt, in unserem Fall für die Chirurgie, ob es noch freie Plätze für Unterassistenten in dem von uns gewünschten Bereich der Chirurgie gäbe. Glücklicherweise war dies der Fall und wir hatten daraufhin die nötigen Unterlagen, die uns die entsprechende Ansprechpartnerin am Telefon nannte, per E-Mail zugeschickt und kurze Zeit später eine Bestätigung erhalten.

Für die Chirurgie darf man zwei Wünsche für die Abteilungen angeben und bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen Erstwunsch zugeteilt. Anfang Dezember haben wir unseren Mietvertrag für das Wohnheim erhalten. Alle Medizinstudenten sind, wenn sie nicht selber für eine Unterkunft sorgen, in der Vogelsangstrasse untergebracht und zwar für CHF 600/Monat. Zusätzlich muss man CHF 100 als Depot für Schlüssel und Sichtausweis einplanen, welche man am Ende zurück erhält. Die Unterassistenzzeit wurde in unserem Fall mit CHF 938 vergütet, sodass man damit rechnen kann, von diesem Geld unter Umständen die Monatsmiete plus Hin- und Rückflug bezahlen zu können. Damit bleiben an Kosten „lediglich“ die Lebenshaltungskosten, welche in der Schweiz und besonders in Zürich schnell große Dimensionen annehmen können.

Informationen zur Unterassistenz erhält man ausreichend auf der Internetseite des UniversitätsSpitals Zürich (USZ). Generell ist das Personal im USZ sehr zuvorkommend und antwortet schnell. Telefonisch oder per E-Mail kann man viele Fragen unkompliziert direkt beantworten.

Es empfiehlt sich, eine Auslandsreisekrankenversicherung für diesen Zeitraum abzuschließen oder zumindest die eigene Krankenkasse über den Aufenthalt zu informieren.

Als „Uhu“ in der Herz- und Gefäßchirurgie

Als Unterassistent ist man auf den meisten Stationen an irgendeiner Stelle fest als kleines Zahnrädchen im großen Uhrwerk der Abteilung eingesetzt und sollte funktionieren. In der Herz- und Gefäßchirurgie als auch in anderen chirurgischen Abteilungen war es so, dass die Unterassistenten für die Aufnahmen von neuen Patienten verantwortlich waren, was bedeutet, einen Status für jeden Patienten anzulegen, welcher die Basis für die weitere Arbeit der Assistenzärzte darstellt. „Statusanlegen“ beinhaltet, ein Dokument am Computer mit dem eigenen PC-Zugang, den jeder Unterassistent vorrübergehend erhält, auszufüllen. Dies  sollte Informationen über den aktuellen Zustand des Patienten enthalten sowie über die Anamnese, körperliche Untersuchung und vorangegangene Untersuchungen und deren Ergebnisse.

Daneben sind die Studenten in der Chirurgie natürlich häufig im OP als Assistenz mit eingeplant. In der Viszeralchirurgie habe ich von Kommilitonen gehört, die regelmäßig den kompletten Tag im OP verbracht haben, in der Unfallchirurgie wird man ebenfalls fast täglich, allerdings für kurze Zeit, in den OP gerufen, in der Herzchirurgie ist dies jedoch leider relativ selten. Wenn die Medizinstudenten zu einem kardiochirurgischen Eingriff gerufen werden, ist dies häufig der Fall, um zum Beispiel das Herz für einen Bypass in einer bestimmten Position zu halten. Sobald die Ärzte einen besser kennen, darf man jedoch mehr und mehr assistieren und beispielsweise beim Bypass kurzzeitig erste Assistenz sein oder am Ende beim Zunähen helfen.

Mein Tagesablauf am UniversitätsSpital Zürich

Täglicher Ausblick auf die Stadt auf dem Weg zum UniversitätsSpital Zürich
Täglicher Ausblick auf die Stadt auf dem Weg zum UniversitätsSpital Zürich

Ein typischer Tag beginnt morgens um 07:30 Uhr mit der Frühbesprechung, in welcher die Operationen des letzten Tages und die anstehenden OPs besprochen werden. Mittwochs fängt der Tag um 07:00 Uhr mit einer kleinen Fortbildung vor der üblichen Besprechung an. Danach bereitet man, wenn nicht schon am Vortag geschehen, alle Informationen für die Aufnahme der Patienten vor, die üblicherweise im Laufe des Vormittages eintreffen.

Hiernach kann man sich solange interessante Eingriffe ansehen oder den Ärzten in die Ambulanz folgen, bis auf Station der erste Patient aufgenommen werden muss oder eine ABI-Messung ansteht. In der Regel vereinbart man mit den Assistenzärzten, ihnen die aufgenommenen Patienten bis 13:00 Uhr vorzustellen, sodass diese genug Zeit haben, sich auf die Nachmittagsbesprechung um 15:00 Uhr vorzubereiten, in welcher die neuen Patienten diskutiert und zukünftige Eingriffe geplant werden.

Im Durchschnitt befinden sich zwei bis drei Medizinstudenten in der Herz- und Gefäßchirurgie und am Tag müssen bis zu zehn Patienten aufgenommen werden, sodass man sich die Arbeit mit den anderen Unterassistenten teilen und absprechen kann, wer welche Patienten übernimmt oder wer beispielsweise einen ganzen Tag im OP oder in der Ambulanz verbringen möchte. Nach der Nachmittagsbesprechung stehen manchmal noch kleine Aufgaben wie weitere ABI-Messungen an oder man bereitet die Patienten für den kommenden Tag vor oder darf manchmal direkt nach Hause gehen.

Man kann den Tag relativ kurz und unkompliziert gestalten und  seine Patienten aufnehmen, vom OP fernbleiben, weniger mit den Ärzten in Kontakt treten und jeden Tag relativ früh nach Hause gehen, wenn man möchte. Ich hatte mich jedoch dazu entschieden, jeden Tag so gut wie möglich zu nutzen und so viel wie möglich zu sehen und bin dazu auch gerne länger in der Klinik geblieben.

Nachdem man etwas Übung in der Anamnese – Achtung, das „Schwyzerdütsch“ ist wie eine Fremdsprache – und körperlichen Untersuchung bekommen hat und weiß, worauf es beim Statuserheben ankommt, kann man versuchen, die restliche Zeit besser zu nutzen, weshalb ich in der zweiten Hälfte der Famulatur täglich entweder im OP oder in der Ambulanz war und viele der angebotenen „Grand Rounds“ oder Seminare besucht habe. Auch ist es möglich, sich häufig einzuwaschen, man muss jedoch bedenken, dass man entweder die Operation vor Ende verlassen muss, um Patienten aufzunehmen, oder mit den anderen Studenten abklären muss, dass diese die Aufgabe für einen übernehmen. Einfacher ist es, bei den häufig endovaskulären Eingriffen der Gefäßchirurgie zuzusehen, da man sich dort im Hybrid-OP mit vielen Monitoren ohnehin nicht einwaschen muss, um den Eingriff verfolgen zu können.

Zu erwähnen ist noch, dass die Medizinstudenten auf den Stationen sich jeweils einen Pieper teilen, über welchen die „Uhus“ in den OP oder für andere Aufgaben gerufen werden. Außerdem muss jeder Unterassistent zweimal pro Monat am „Pikettdienst“ teilnehmen, welcher entweder 24h am Wochenende umfasst oder den Abend und die folgende Nacht an einem Wochentag. In dieser Zeit muss man innerhalb von 30min im Spital in der Notaufnahme sein, um im Not-OP assistieren zu können, wenn Hilfe benötigt wird.

Freizeit

Skifahren im Wintersportgebiet Hoch Ybrig im Kanton Schwyz
Skifahren im Wintersportgebiet Hoch Ybrig im Kanton Schwyz

Außerhalb des Spitals hat Zürich natürlich, abhängig von den individuellen monetären Möglichkeiten, sehr viel zu bieten. Aber auch im Wohnheim in der Vogelsangstrasse werden regelmäßig Kochabende oder Grillfeste veranstaltet, Fernsehen zusammen geschaut oder am Wochenende gemeinsam etwas getrunken.

Also auch, wenn man sich entschließt, alleine anzureisen, knüpft man hier sehr schnell (deutsche) Kontakte. Meine Freundin und ich haben uns zum Teil an die Empfehlungen unseres Marco Polo-Reiseführers gehalten und so unter anderem den Uetliberg, den Zürichsee, Rapperswil, die Lindt Fabrik und Luzern an den Wochenenden besichtigt. Auch die Möglichkeit zum Skifahren sollte man unbedingt nutzen.

Mein Fazit

Besuch bei der Lindt Fabrik
Besuch bei der Lindt Fabrik

Ich habe während dieser Zeit am UniversitätsSpital Zürich sehr viel über die Herzchirurgie und überraschenderweise viel in der Gefäßchirurgie gelernt, obwohl ich vorher nicht viel Interesse an der Gefäßchirurgie hatte. Man kann am USZ wirklich viel lernen und sehen.

Für mich hat sich diese Reise auf jeden Fall gelohnt, denn zusätzlich zu dieser interessanten Famulatur, haben wir sehr viel von Zürich gesehen und an jedem freien Tag etwas unternommen, um die Vielfalt und Schönheit dieses Landes auszukosten.

Ich würde es noch einmal genauso machen.

C. Brand

Hamburg, April 2015

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