Famulatur in den USA – Herz- und Thoraxchirurgie plus Kinderherzchirurgie

26. Februar 2016

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USA, Sacramento, University of California Davis Medical Center (10.08.-02.10.2015)

Meine Famulatur in den USA in Kalifornien war eine sehr lehrreiche Zeit, sowohl in als auch außerhalb der Klinik. Durch die Menschen, die ich kennengelernt habe und die mir in verschiedenen Gesichtspunkten bei der Organisation geholfen haben, habe ich eine neue Wertschätzung für viele Dinge gewonnen und mich persönlich in gewissen Aspekten verändert.

Ein wenig Glück gehört manchmal dazu!

Blick von der höchsten Brücke Kaliforniens in Auburn
Blick von der höchsten Brücke Kaliforniens in Auburn

Meine Famulatur in Kalifornien hat sich durch viele glückliche Umstände ergeben. Ich kann nicht garantieren, dass dies für andere Medizinstudenten funktioniert, denn wie immer waren persönliche Kontakte und ein bisschen Glück notwendig, aber ich bin sicher, dass es möglich ist, sich in den USA eine Famulatur zu organisieren, auch wenn das bedeutet, viele Krankenhäuser anzuschreiben und auch weniger bekannte Orte mit einzubeziehen.

Ich hatte das Glück, bereits Leute in Kalifornien zu kennen, welche ich mit Verwandten in diesem Jahr erneut besuchen wollte. Hier bot sich also die perfekte Gelegenheit, dies mit einer Famulatur zu verbinden. Meine Motivation ergab sich somit aus der Möglichkeit, in die USA zu reisen und dort vorübergehend zu wohnen. Außerdem war ich davon überzeugt, dass mich ein Praktikum in Amerika in vielerlei Hinsicht weiterbringen würde.

Zufälligerweise lernte ich einige Monate vorher einen Arzt kennen, der mit einem Arzt der Herz- und Thoraxchirurgie am University of California Davis Medical Center in Kalifornien zusammengearbeitet hatte. Da wir in die Nähe von Sacramento reisen wollten, entschloss ich mich, mich an der UC Davis zu bewerben. Zuerst erhielt ich zwei Absagen von Personen, die sich offiziell mit der medizinischen Lehre und studentischen Angelegenheiten befassten. Dann kontaktierte ich den Chirurgen direkt, welcher sich zu meiner Freude bereiterklärte, als mein Supervisor zu agieren und die nötigen Formalitäten in Gang zu setzen.

Es waren nicht viele Dokumente notwendig, was letztendlich daran lag, dass ich offiziell als „Observer“ oder „Visitor“ behandelt wurde. Nichtsdestotrotz wollte ich diese Erfahrung gerne mitnehmen. In meinem Fall reichte es aus, mich weniger als ein halbes Jahr vorher zu bewerben, was aber auch daran lag, dass ich die entsprechenden Kontakte vorher nicht kannte. Ich hatte mich bereits ein Jahr im Voraus an anderen Krankenhäusern beworben und auch eine Zusage für ein anderes Krankenhaus erhalten, was aber aus verschiedenen Gründen wieder abgesagt werden musste. Grundsätzlich würde ich den allgemeinen Empfehlungen folgen und mich zur Sicherheit ca. 12 Monate vorher um diese Angelegenheiten kümmern.

Da ich weniger als 90 Tage in den USA verbracht habe, reichte das Touristenvisum aus. Ich habe jedoch im Krankenhaus nachgefragt und würde dies, besonders für das PJ, noch einmal genauer abklären.

(Anm.d.Red. Um wirklich auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

An Impfungen wird im Winter eine aktuelle Grippeimpfung verlangt und ansonsten ein negativer Tbc-Test.

Das UC Davis Medical Center in Sacramento

Medical Center und Medical Campus der University of California in Sacramento
Medical Center und Medical Campus der University of California in Sacramento

Das UC Davis Medical Center ist eine moderne und relativ junge Klinik, was man an verschiedenen Stellen merkt. Das Medical Center ist in Sacramento lokalisiert und auch der Medical Campus befindet sich in Sacramento und nicht an der Hauptuniversität in Davis, einem Nachbarort. Das Medical Center ist für seine Burn Unit überregional bekannt. Die UC Davis ist außerdem für seine veterinärmedizinische Universität in Davis berühmt und gefragt, sodass viele Ärzte in Sacramento arbeiten, um in Davis an der Tierklinik Tierexperimente unter sehr guten Bedingungen durchführen zu können.

Ich hatte das Glück, zweimal mit einem Arzt nach Davis zu fahren, um bei seinen Versuchen dabei sein zu können. Hier zeigt sich direkt ein großer Unterschied zu Deutschland. Dort ist es normal, dass die Oberärzte den Studenten mal ein Mittagessen ausgeben oder sie eben in ihrem Auto mitnehmen. Die Beziehung zwischen Medizinstudenten und Ärzten, Schwestern und jeglichem Personal ist weniger von Hierarchie und Arroganz geprägt, was schon allein durch das englische „you“ erleichtert wird. Das „you“ nimmt einige Distanz weg und vermeidet unangenehme Situationen, die im Deutschen manchmal etwas verkrampft wirken.

Außerdem stellen sich selbst die Oberärzte („Attending“) mit ihrem Vor- oder Spitznamen vor. Auch dies schafft eine sehr angenehme und lockere Atmosphäre, in der es Spaß macht, zu arbeiten. Zum Beispiel ist mir wenige Tage nach meiner Reise in Deutschland aufgefallen, wie eine OP-Schwester eine Anästhesistin fragte: „Ist das so in Ordnung für Sie, Frau Doktor?“ In den USA würde dies mit dem Anästhesisten Dr. Michael XXX folgendermaßen lauten: „Is that alright, Mike?“ Es wirkt wie eine Kleinigkeit, macht aber im Alltag einen großen Unterschied. Des Weiteren habe ich mich sofort in jedem Team willkommen gefühlt und nie das Gefühl gehabt, jemand sei genervt von meiner Anwesenheit oder meinen Aussagen, was in Deutschland häufiger vorkommt.

Meine Arbeit in der Klinik

Der Haupteingang des UC Davis Medical Center in Sacramento
Der Haupteingang des UC Davis Medical Center in Sacramento

Da ich offiziell als „Visitor/Observer“ geführt wurde, hatte ich keinen Batch erhalten, welcher einem Zugang zu fast jedem Raum ermöglichen würde und ich hatte auch keinen eigenen Computerzugang wie die US-Studenten. Dies hat einige Situationen etwas mühselig und mich sehr viel abhängiger von anderen Personen im Krankenhaus gemacht. Um diese Dinge sollte man sich also beim nächsten Mal unbedingt bemühen.

Ich habe acht Wochen in der Klinik verbracht, wovon ich ca. zwei Drittel der Zeit schließlich auf der Kinderherzchirurgie verbracht habe.

An meinem ersten Tag wurde ich sehr nett im Sekretariat der Chirurgie empfangen und von dort aus zur „CT ICU“, also der Cardiothoracic Intensive Care Unit, geschickt, wo einer der „Senior PAs“ auf mich wartete und mich mit „Guten Tag“ begrüßte. „PAs“ sind „Physician Assistants“, eine Position, welche in Deutschland so nicht existiert. Genau wie die „NPs“, also die „Nurse Practitioners“, nehmen sie eine Position ein, welche das Problem der Schnittstelle zwischen Schwestern und Ärzten löst und übernehmen Aufgaben von beiden Seiten. So untersuchen sie die Patienten in der Ambulanz für eine erste Einschätzung, assistieren im OP und übernehmen auch viele organisatorische Aufgaben und können zum Beispiel Routine-Untersuchungen präoperativ anordnen.

  • 1. Station: Herz- und Thoraxchirurgie

Die erste Zeit verbrachte ich also auf der Herz- und Thoraxchirurgie. Nachdem viele Personen und auch ich anfangs nicht sicher waren, was ich offiziell machen darf, hatte ich letztendlich die Erlaubnis, mich im OP einzuwaschen, was ich bei einigen Bypass-Operationen und bei einem sehr interessanten Thorax chirurgischen Eingriff tat. Ansonsten ist es den Studenten jederzeit erlaubt, in den OP zu gehen, bei Eingriffen zuzuschauen, sich einzuwaschen oder auch wieder auf Station zu gehen, und dies weniger streng und anstrengend, als ich es manchmal in Deutschland erlebt habe. Ich habe jedoch häufig bei Herz- oder Thorax-Operationen unsteril zugeschaut, da besonders in der Herzchirurgie häufig mindestens ein „Attending“, ein „Resident/Fellow“ (Assistenzarzt), ein „PA/NP“ und eine OP-Schwester am Tisch stehen, sodass ich zwar oft die Möglichkeit gehabt hätte, mich einzuwaschen, aber ehrlich gesagt, die beste Sicht gehabt habe, wenn ich von der Seite der Anästhesisten zugesehen habe und so auch direkt mit den Ärzten kommunizieren konnte. Das Gleiche gilt natürlich für videoassistierte Eingriffe, welche häufig in der Thoraxchirurgie durchgeführt wurden.

Jeder Student wird aufgefordert, am Ende einen kleinen Vortrag in der morgendlichen Konferenz, welche um 6:45 Uhr, an einigen Tagen um 6:00 Uhr, stattfindet, zu halten. Dadurch hört man in regelmäßigen Abständen interessante Präsentationen und bekommt mehr Übung und Selbstsicherheit im Vortragen. Darüber hinaus werden generell sehr viele „Grand Rounds“, conferences und teaching lessons angeboten, sodass man theoretisch jeden Tag die Möglichkeit hat, an einer Fortbildung oder Konferenz teilzunehmen und meistens wird dort auch für das leibliche Wohl gesorgt.

  • 2. Station: Kinderherzchirurgie

Da ich die meiste Zeit letztendlich in der Kinderherzchirurgie verbracht habe, werde ich einen typischen Tag aus dieser Zeit beschreiben. In dieses Gebiet bin ich gerutscht, da ich mir in der dritten Woche zusammen mit einem Assistenzarzt einen „congenital case“, also eine OP aus diesem Fachbereich, angeschaut habe, da die Kinderherzchirurgen einmal wöchentlich in einem OP-Saal der Herzchirurgen operieren. Die Thematik faszinierte mich sofort und daher habe ich schlichtweg die beiden Kinderherzchirurgen gefragt, ob ich einige Zeit auf deren Station verbringen dürfe und bin von da an, in dieser Abteilung hängen geblieben.

Ein typischer Tag begann für mich in den letzten Wochen um 06:00 Uhr. Die eigentliche Visite war um 06:50 Uhr, ich entschloss mich aber, den Chirurgen bei der „Vor-Visite“, also den „Pre Rounds“, zu folgen, da hier die kleinen Patienten untersucht wurden. Danach fanden an einigen Tagen die o.g. „Grand Rounds“ oder ähnliche Veranstaltungen statt. Später ging es entweder in den OP oder in die ambulante Klinik, sodass ich ein breites Spektrum an angeborenen Herzfehlern und viele Thorax Deformitäten sah.

Die Studenten haben an sich keine Verpflichtungen, was einem viele Freiheiten lässt und die Möglichkeit, andere „Grand Rounds“ oder interessante Operationen, z.B. in der Erwachsenen-Herzchirurgie, zu besuchen. Die Kinderherzchirurgen sitzen in der Klinik im gleichen Büro wie die Kinderkardiologen, sodass ich auch viel Zeit mit diesen verbracht habe und dort beispielsweise einige Patienten eigenständig gesehen habe, bevor der Kardiologe selbst mit mir zusammen zu den Patienten ging. Der Alltag war also sehr vielfältig.

Das Leben in Sacramento

Der Eagle Lake in der Nähe von Lake Tahoe
Der Eagle Lake in der Nähe von Lake Tahoe

Gewohnt habe ich bei Bekannten in der Nähe des Krankenhauses. Ansonsten ist es natürlich möglich, sich eine Wohnung zu mieten. Mir wurde ein Raum für 600$/Monat in Sacramento angeboten, was wohl ein sehr faires Angebot ist. Das Wohnen ist in Amerika aber generell nicht günstig. Auch Lebensmittel waren verhältnismäßig teuer.
Was Freizeitaktivitäten angeht, ist Sacramento wohl einer der Orte mit der besten Lage. In der Nähe befinden sich San Francisco, der Yosemite-Nationalpark, der Lake Tahoe, das Napa Valley und etwas weiter weg auch Las Vegas, San José, die Monterey Bay, Los Angeles und viele weitere Nationalparks.

Ich hatte das Glück, fast jedes Wochenende einen dieser berühmten Orte zu besichtigen oder auch zu weniger bekannten Orten zu gehen, wie z.B. Auburn, wo wir einen sehr schönen Tag mit Wandern und Schwimmen verbracht haben. Die Natur in Kalifornien ist unglaublich schön und vielfältig und es ist nicht immer notwendig, zu den weltberühmten Plätzen zu gehen. Direkt vor Ort, z.B. am American River, bieten sich wunderschöne Routen zum Fahrradfahren und Möglichkeiten zum Kajak fahren, Rudern, Segeln, Stand-up-Paddling usw. an.

Mein Fazit

Die Golden Gate Bridge in San Francisco im Nebel
Die Golden Gate Bridge in San Francisco im Nebel

Ich bin sehr froh über diese Erfahrung und bereue diese Zeit in keiner Hinsicht. Es war sehr lehrreich und hat mir unglaublich viel Freude bereitet, sowohl in als auch außerhalb der Klinik. Durch die Menschen, die ich kennengelernt habe und die mir in verschiedenen Gesichtspunkten bei der Organisation geholfen haben, habe ich eine neue Wertschätzung für viele Dinge gewonnen und mich persönlich in gewissen Aspekten verändert.

Die kalifornische Mentalität allgemein hat mir sehr gefallen und ich möchte versuchen, diese Freude, Höflichkeit, Offenheit und Dankbarkeit mehr in meinen Alltag zu integrieren, auch wenn ich hier in Deutschland sofort wieder auf den deutschen Ernst, die Kritik, Skepsis, Unfreundlichkeit und wortwörtliche Kälte gestoßen bin.

C. Brand

Hamburg, Oktober 2015

Stipendiatin im Rahmen der Auslandsstipendien 2015

Neue Ausschreibung der Auslandsstipendien

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