Famulatur in Tansania – Gynäkologie und Geburtshilfe

30. Dezember 2015

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Famulatur im Ausland, Gynäkologie und Geburtshilfe, Land, Tansania

Tansania, Moshi, Kilimanjaro Christian Medical Centre
(27.07.-25.08.2015)

„Karibu Sana“ in Tansania! Meine letzte Famulatur absolvierte ich in der Gynäkologie und Geburtshilfe am Kilimanjaro Christian Medical Centre in Moshi, einer Stadt im Nordosten von Tansania am Südhang des Kilimanjaro. Die sieben Wochen in diesem Land waren eine wunderbare Zeit. Im Krankenhaus habe ich wirklich verstanden, was ein Dritte-Welt-Land für Probleme hat und ich habe auch fachlich viel gelernt, da die Ärzte sehr gut ausgebildet sind und viel erklären. Mein persönliches Highlight war meine erste Spontangeburt, die ich mit Hilfe einer Hebamme durchgeführt habe. 

Motivation

Ich wollte meine letzte Famulatur unbedingt in einem Entwicklungsland verbringen, um einmal Medizin fernab unserer HighTech-Geräte kennenzulernen. Ich wusste schon lange, dass ich nach Afrika möchte. Nordtansania bietet mit der Serengeti, dem Kilimanjaro, Sansibar, den Massai und vielem mehr so viele atemberaubende Ziele auf engstem Raum, dass man lange suchen muss, um vergleichbares zu finden. Da ich zudem im Internet sehr viele positive Erfahrungsberichte über das Kilimanjaro Christian Medical Centre (KCMC) in Moshi gefunden hatte, war die Entscheidung schnell gefallen, hierher zu kommen.

Einfache Bewerbung

Die Bewerbung war unkompliziert. Ich hatte ca. ein Jahr im Voraus eine einzige Bewerbungsmail mit Lebenslauf und Motivationsschreiben verschickt und eine Woche später die Bestätigung erhalten. Da alle akzeptierten ausländischen Medizinstudenten automatisch einen Platz auf dem KCMC-eigenen Wohngelände, dem „Dotors Compound“ bekommen, musste ich mich darum auch nicht kümmern. Den weiteren Ablauf bekommt man dann vom Kilimanjaro Christian Medical Centre per Email mitgeteilt. Das war’s, man braucht keinerlei Organisation, die einem dabei hilft. Ich habe einige Medizinstudenten und Freiwillige kennengelernt, die über eine Organisation hierher kamen. Sie hatten dafür 500 Euro bezahlt und mussten dann trotzdem sämtliche Kosten für Wohnung und Unterkunft selbst tragen. Es entsteht also kein nennenswerter Mehrwert, da man alles so einfach selbst organisieren kann.

Vorbereitung meiner Famulatur

Drei junge Geparden in der Serengeti bei Morgengrauen - ein magischer Moment
Drei junge Geparden in der Serengeti bei Morgengrauen – ein magischer Moment

Bezüglich Impfungen lässt man sich am besten aktuell im Tropeninstitut beraten. Ich hatte mich gegen Gelbfieber, Meningokokken, Tollwut,  Heptatitis A und Typhus impfen lassen. Die übrigen Impfungen gegebenenfalls auffrischen lassen. Ärztliche Untersuchungen wurden keine gefordert.

Das Visum kann man direkt am Flughafen in Tansania kaufen. Man braucht ein Touristenvisum für 50 USD und das Study Visa Class C für 200 USD. Das gilt für drei Monate. Moskitospray und Malarone oder Doxycyclin für die Malariaprophylaxe nicht vergessen. Ich war über meine Private Krankenversicherung automatisch auslandskrankenversichert. Das sollte man natürlich vorher abklären.

Als Literatur empfehle ich die bekannten grossen Reiseführer wie „Lonely Planet“ oder „National Geographic“. Die kleineren taugen in meinen Augen nicht viel, da sie einfach nicht ausführlich genug sind. Ansonsten hatte ich einiges über Tropenkrankheiten gelesen und ein Gynäkologiebuch zum Nachschlagen mitgenommen. Ich hatte auch ein Kisuaheli-Buch, bin aber ehrlich gesagt nicht groß dazu gekommen, dieses zu lesen. Wenn man wirklich „Swahili“ lernen will, dann empfiehlt es sich, im Voraus und/oder vor Ort Unterricht zu nehmen. Für vier Wochen lohnt sich das aber kaum, da man auch mit Englisch gut durchkommt. Die Ärzte können alle gut Englisch, die Patienten meistens gar nicht. Somit kann man mit diesen ohne Übersetzer kaum kommunizieren. Wer ein paar Monate bleibt, sollte die Sprache also auf jeden Fall lernen, da sie nicht sehr kompliziert ist und die Einheimischen einen viel mehr respektieren und auch weniger über den Tische ziehen können. Der Alltag, z.B. auf dem Markt, gestaltet sich dann auch viel einfacher.

Ankunft in Tansania und wichtige Tipps

Haus A7 - Unterkunft für internationale Studenten auf dem Doctors Compound
Haus A7 – Unterkunft für internationale Studenten auf dem Doctors Compound

Ich bin mit KLM in insgesamt 12 Stunden von München über Amsterdam direkt zum Kilimanjaro International Airport geflogen, das war sehr angenehm. Es gibt Varianten, die ein wenig billiger sind, zum Beispiel über Dubai oder Istanbul. Hierbei muss man aber dann eine Nacht im Hotel verbringen und kommt normalerweise in Dar es Salaam an. Von dort nimmt man dann den Bus nach Moshi, was eine weitere Tagesreise bedeutet.

Vom Kilimanjaro Christian Medical Centre wird ein Abholservice vom Kilimanjaro Airport für 60 USD angeboten, das habe ich in Anspruch genommen. Man ist wirklich froh über einen vertrauenswürdigen Fahrer, wenn man spät nachts am Flughafen ankommt. Für gerade Mal eine gute halbe Stunde Fahrt ist das allerdings einfach  nur unverschämt teuer, wenn man bedenkt, dass mancher Tansanier nicht viel mehr als dies im Monat verdient. Inzwischen weiß ich, dass lokale Taxifahrer die Strecke für ca. 25 USD machen. Ich bin darüber sehr verärgert und habe mich bei der Sekretärin beschwert. Wenn man es irgendwie schafft, sollte man sich also im Voraus einen vertrauenswürdigen lokalen Taxifahrer buchen. Besonders zu erwähnen, ist der Taxifahrer Alfred. Jeder auf dem Compound kennt ihn, er ist die gute Seele des Compounds und man fühlt sich bei ihm wie ein Familienmitglied. Er hat uns mehrmals zu sich nach Hause zum Essen eingeladen und so sieht man auch mal, wie eine normale tansanische Mittelschichtsfamilie lebt. Er wurde von uns Medizinstudenten dauernd gebucht, für kurze und lange Fahrten. Er fährt für 45.000 Tansanische Schilling vom Compound zum Airport, das sind ca. 20 Euro.

Wenn man spät abends oder am Wochenende ankommt, wird der Schlüssel beim Pförtner am Doctors Compound hinterlegt. Das Gelände ist wirklich schön. Man wohnt zu siebt in kleinen Häusern. Es gibt Einzel- und Doppelzimmer. Außerdem zwei Badezimmmer, eine Küche und ein großes Wohnzimmer. Jedes Haus hat eine Veranda und einen riesigen Garten. Es gibt immer viele Studenten auf dem Compound, manchmal 30 oder mehr. Wir hatten eine eigene Whats App-Gruppe, allein dafür lohnt es sich schon, ein Smartphone mitzubringen. Hier findet man immer jemanden, der zu einem Tagestrip, einer Safari oder nach Sansibar mitkommt oder einem am Anfang den Weg in die Stadt zeigt. Der Compound und die anderen Studenten sind mit das Beste an der Zeit am KCMC. Jeden Morgen läuft man dann die 10 Minuten zum Krankenhaus hinüber.

Am ersten Arbeitstag geht man in das Information Centre zu Wahiakyada. Man bezahlt 150 USD Anmeldegebühr und 150 USD pro Monat Zimmermiete. Sie nimmt keine Schilling. Nehmt auf jeden Fall genug Dollar mit, denn auch zum Bezahlen von großen Trips wie Safari und Kilimanjaro Besteigung ist es viel praktischer, in Dollar zu zahlen. Mit einer Kreditkarte bekommt man in Moshi nur Tansanische Schilling und keine Dollar. Jedes Mal abheben, kostet Gebühren und man kann maximal 400.000 Schilling (ca. 200 US-Dollar) pro Tag abheben. Es gibt viele Wechselstuben für Dollar, wie immer beim Wechseln verliert man auch hier etwas an Wert. Wenn man eine Safari für 600 USD  (Preis für 4 Tage) in Schilling zahlen will, braucht man 1.320.000 TSh. Da die höchste Banknote 10.000 Schilling ist, schleppt man einen Riesenhaufen Scheine durch die Gegend. Wenn man ein paar hundert Dollar mehr mitnimmt, erspart man sich also viele Umstände. Wichtig ist, dass die Dollar nicht älter als wenige Jahre sind, da in Tansania keine alten Dollar akzeptiert werden! Diese Info hatten viele hier nicht und sind auf ihrem Haufen Dollar von z.B. 2003 sitzengeblieben. Um sicherzugehen, würde ich keine Dollar mitnehmen, die älter als 3-4 Jahre sind.

Mitnehmen

Ein Blick über den Dächern von Moshi auf die Gipfel Mawenzi und Kibo des Kilimanjaro
Ein Blick über den Dächern von Moshi auf die Gipfel Mawenzi und Kibo des Kilimanjaro

Ich hatte aus Sicherheitsbedenken nur ein sehr altes Handy und keinen Laptop mitgenommen. Fast alle hatten aber das volle Programm mit Smartphone, Tablet und Laptop dabei. Geklaut worden, ist in meiner Zeit niemandem etwas. Ich empfehle also durchaus, ein modernes Gerät mitzunehmen, da man mit lokaler Simkarte recht billig gleich etliche GB Internet pro Monat bekommt.  Man muss halt gut darauf aufpassen, wenn man Smartphone und Co. in die Stadt mitnimmt. Moshi gilt als recht sicher, dennoch kommen Taschendiebstähle oder auch Überfälle immer wieder vor. Fast immer gewaltlos, aber man ist seine Habseligkeiten los.

Für das Krankenhaus braucht man einen Kittel, ein Stethoskop und am besten ein kleines Taschendesinfektionsmittel. Für den OP braucht man Scrubs (OP-Kasack und Hose) und OP-Schuhe. Handschuhe, Kopfhauben und Mundschutz sind vorhanden. Wir haben die meisten Sachen am Ende hiergelassen, denn die Mitarbeiter, auch die Ärzte, freuen sich sehr über Kleiderspenden und man hat mehr Platz im Koffer.

Das Kilimanjaro Christian Medical Centre

Haupteingang des Kilimanjaro Christian Medical Centre in Moshi - Tansania
Haupteingang des Kilimanjaro Christian Medical Centre in Moshi – Tansania

Das KCMC ist das zweitgrößte Krankenhaus Tansanias nach dem in Dar es Salaam, dementsprechend groß sind die Stationen. Auf der Gynäkologie und Geburtshilfe gibt es OG1 (Obs and Gyn 1), das ist die Geburtshilfestation, OG 2 (Gynäkologiestation) und den „Labor Ward“ (Kreißsaal mit eigenem Kaiserschnitt-OP). Dann gibt es noch das „Outpatient Department“ (Ambulanz) und die „Reproductive Clinic“ im Nachbargebäude. In diesen beiden war ich aber nie.

In OG1 liegen die schwangeren Patientinnen, es dreht sich viel um Blutungen, Praeeklampsie, HELLP Syndrom und ähnliches. In OG2 sind die gynäkologischen Patientinnen.  Die Fälle hier sind wesentlich abwechslungsreicher. Man begegnet dem gesamten Spektrum an gynäkologischen Erkrankungen, sehr häufig sind Zervixkarzinom, genitale oder Harnwegs-Infektionen, vesiko-vaginale Fisteln und Leyomyome. Im „Labor Ward“ kann man bei Kaiserschnitten assistieren. Die Spontangeburten werden normalerweise komplett von den Schwestern geleitet. Wenn man dort eine Weile verbringt und die Schwestern einen kennenlernen, dann darf man auch hier assistieren.

Man kann mehr oder weniger beliebig zwischen den Abteilungen rotieren, man lernt aber deutlich mehr, wenn man mindestens eine Woche am selben Ort bleibt.

Tagesablauf meiner Famulatur

Bettenzimmer auf der Gynäkologischen Station am Kilimanjaro Christian Medical Centre in Moshi - Tansania
Bettenzimmer auf der Gynäkologischen Station am Kilimanjaro Christian Medical Centre in Moshi – Tansania

Normalerweise beginnt der Tag um 7:30 Uhr mit der Morgenbesprechung. Man bespricht, was in der Nacht passiert ist, die Neuaufnahmen und die Aufgaben des Tages. Dann werden die Ärzte auf die Stationen verteilt. Nach der Morgenbesprechung ist erstmal Frühstückspause und man geht gemeinsam in die Kantine. Um 9:00 Uhr beginnt dann die Visite. Hier kommt es sehr auf den Arzt an. Mit den Patienten wird nur Kisuaheli gesprochen. Manche Ärzte erklären und übersetzen alles auf Englisch, andere nicht. Im letzteren Fall kann eine Visite sehr langweilig sein, da sie schon mal drei Stunden dauern kann. Die meisten Ärzte sind aber sehr nett und immer offen. Auf Station kann man selbst leider kaum etwas Praktisches machen, da oft auch einheimische Medizinstudenten auf der Station sind, die Vorrang haben, da sie meist kurz vor Prüfungen stehen. Um 13:00 Uhr, nach der Visite, geht man Mittagessen. Danach kann man zurück auf die Station gehen.

Am Anfang muss man sich an den speziellen englischen Dialekt der Tansanier etwas gewöhnen. Jeder Tansanier lernt zuerst seine Stammessprache, es gibt rund 120 verschiedene Stämme wie zum Beispiel die Massai oder die „Chagga“ rund um den Kilimanjaro, dann Kisuaheli und diejenigen, die in die weiterführende Schule gehen, lernen und studieren komplett auf  Englisch. Englisch ist als Bildungssprache daher immer nur Drittsprache. Schlimmer als der Akzent ist allerdings, dass sämtliche Ärzte im „Morning Report“ unglaublich leise reden und mit gesenktem Kopf von ihrem Notizzettel ablesen. Häufig läuft im Gang morgens auch Musik aus Lautsprechern. Ich habe oft kaum etwas verstanden. Dies muss den anderen Ärzten jeden Tag auch so ergehen, es sei denn, sie haben alle ein extrem gutes Gehör, allerdings beschwert sich nie jemand, dass lauter gesprochen werden soll. Das ist auf die Dauer echt nervig und man schaltet schnell ab.

Es gibt viele Unterschiede zu deutschen Krankenhäusern. Zum Beispiel gibt es kein CTG-Gerät (Kardiotokographie). Die Wehen werden gar nicht aufgezeichnet und der kindliche Herzschlag wird mit einem „Fetal Scope“ abgehört. Das ist einTrichter aus Holz oder Plastik, den man auf den Bauch der Mutter drückt und an den der Untersucher dann sein Ohr hält. Es braucht einige Übung, bis man den leisen kindlichen Herzton hört. Auf der gesamten Gynäkologiestation sowie im Gyn-OP gibt es kein EKG! Das gibt es generell nur im Haupt-OP und auf der Intensivstation, sonst nirgends. Im Kaiserschnitt-OP gibt es auch keinen Monitor. Das einzige, was die Anästhesisten hier haben, ist ein winziges Gerät von der Größe eines Tischweckers für die Herzfrequenz und die Sauerstoffsättigung. Sämtliche Kaiserschnitte werden in Spinalanästhesie durchgeführt.

Alle anderen Gyn-Ops finden ein Stockwerk tiefer im OP-Trakt statt. Auch Hysterektomien und Genitalfistel-OPs finden in Spinalanästhesie statt. Eine Vollnarkose-OP habe ich in der Gyn nicht gesehen. In der Allgemeinchirurgie gibt es Vollnarkosen, hier gibt es auch einen größeren Monitor für die Überwachung. Sauerstoff kommt aus großen Pressluftflaschen. Das ist ziemlich praktisch, da ab und zu auch im Haupt-OP der Strom ausfällt und man mitten in der OP im Dunkeln steht, bis das Notstromaggregat anläuft. Immerhin ist dann die Sauerstoffversorgung gesichert, da er ja aus der Flasche kommt. Diese Stromausfälle sind die Ärzte gewohnt und dies wird höchstens mit einem „Pole Pole” kommentiert: „Immer mit der Ruhe”.

Neben den Stromausfällen und dem Mangel an vielen Standard-Geräten gibt es noch weitere Probleme in der täglichen Medizin, die man aus entwickelten Ländern so nicht kennt. In meinen ersten zwei Wochen gab es keine Blutkonserven, da die zentrale tansanische Blutbank nicht mehr liefern konnte. Dies lag an mehreren Dingen. Zum einen ist für lange Zeit der Strom ausgefallen, so dass viele Konserven kaputt gegangen sind. Zum anderen meinte ein Arzt, dass die Blutbank kein Geld mehr hatte. Darüberhinaus gab es Probleme mit dem Transport der Konservern. Das ist ziemlich gravierend, denn allein in der Gynäkologie hatten sehr viele Frauen Anämien, entweder durch Mangelernährung (Eisenmangel) oder durch Blutungsprobleme. Man musste auch alle größeren OPs aufschieben, da sie ohne Blut einfach zu riskant sind. Am meinem ersten Tag wurde in der Morgenbesprechung von einer Patientin mit starken Blutungen berichtet, die beinahe gestorben wäre, nur weil es keine Blutkonserven gab.

Im KCMC wurde daraufhin ein großer Blutspendeaufruf gestartet. Die Angehörigen konnten für ihre Verwandten Blut spenden. Zum Glück hat dies gut funktioniert, so dass es bald wieder Blut gab. Hierbei konnten aber sicher nicht alle Standards bezüglich Hygiene und Testungen eingehalten werden, die zum Beispiel in Deutschland Standard sind.

Eine Freundin hat auf der Notaufnahme einen Tetanuspatienten sterben sehen, da es dort nur ein Beatmungsgerät mit Intubationsmöglichkeit gibt. Der Patient ist mit einer Atemlähmung erstickt, weil das Beatmungsgerät von einem anderen Patienten gebraucht wurde. Es gibt in Tansania eben auch keine flächendeckende Impfung von Kinderkrankheiten.

Eines der größten Probleme stellt die nicht vorhandene Krankenversicherung dar. Behandlungen, Medikamente, Röntgenbilder, einfach alles muss von den Patienten und Familien selbst bezahlt werden. Eine Nacht im Krankenhaus kostet zwischen 10.000 und 15.000 TSh, was für die meisten Leute hier viel Geld ist. Das führt dazu, dass viele Menschen erst sehr spät ins Krankenhaus kommen, wenn die Infektion, der Tumor oder die Blutung schon sehr weit fortgeschritten sind. Dies macht die Behandlung umso schwieriger. Es gibt auch kein Früherkennungs-Screening für irgendeine Krebsart. Ein Großteil der Bevölkerung ist schlecht oder gar nicht aufgeklärt, es grassieren viele Gerüchte über die Sexualität, vermischt mit Aberglauben, besonders bei der Landbevölkerung. Das führt nicht nur zu vielen Teenager-Schwangerschaften, sondern auch zu einer der weltweit höchsten HIV-Raten. Auch viele andere sexuell übertragbaren Krankheiten sind häufig.

Ein anderes Thema ist der Straßenverkehr. Er gehört zu den gefährlichsten der Welt und schwere Verkehrsunfälle mit Todesfolge sind absoluter Alltag. Es gibt kaum Verkehrsschilder, Kleinbusse („Dalla Dallas“) werden hoffnungslos überladen und viele fahren viel zu schnell. Die Polizei kümmert das alles wenig.

Dies alles zeigt im Kleinen wie im Großen, wie viele Probleme es im tansanischen Gesundheitssystem gibt und wie riesengroß die Unterschiede zu Deutschland sind. Der Tod ist in Tansania alltäglich und er wird auch viel mehr akzeptiert als in Deutschland.

Trotz dieser zum Teil sehr schwierigen Umstände sind die Ärzte wirklich sehr gut. Die Ausbildung ist in Tansania sehr gut und vom Fachwissen her können die tansanischen Ärzte es definitiv mit unseren aufnehmen. Trotz der schwierigen Umstände und veralteter oder fehlender Ausrüstung, den ständigen Stromausfällen und den weit fortgeschrittenen Krankheiten, mit denen sie oft konfrontiert sind, kommen die Ärzte erstaunlich gut zurecht und vielen Patienten kann sehr gut geholfen werden. Das Problem liegt also eher im Gesamtsystem, vor allem bei der fehlenden Krankenversicherung und der mangelhaften Bildung und Gesundheitsaufklärung in der Bevölkerung. Ein Krankenhaus kann diese Defizite eben nicht völlig ausgleichen, auch nicht mit der besten Behandlung und den motiviertesten Ärzten.

Land und Leute

Schwimmen in den Hot Springs bei Moshi
Schwimmen in den Hot Springs bei Moshi

Da der Arbeitstag in der Klinik etwas früher endet, hat man ausreichend Freizeit, um das schöne Land zu erkunden. Es stört auch niemanden, wenn man darum bittet, mal einen Tag wegbleiben zu können, um einen Daytrip zu machen. Es gibt viele schöne Ziele wie zum Beispiel eine „Coffee-Tour“, auf der man an einem Wasserfall schwimmt, später selbst Kaffee herstellt und dann trinken kann.

Sehr empfehlenswert sind auch die „Hot Springs“, ein idyllischer Ort mit heißen Quellen zum Baden, nicht weit entfernt von Moshi. Für mehrere Tage sollen die „Usambara Mountains“ sehr schön zum Wandern sein. Für die Safari empfehle ich die Firma Kessy Brothers, wirklich ein perfekter Trip. Wir waren vier Tage lang im „Tarangire-Park“, in der Serengeti und im Ngoro Ngoro Krater und haben wirklich alle Tiere gesehen, die man so kennt. Vier Tage Safari kosten ca. 600 USD, 6 Tage Kilimanjaro-Besteigung  ca. 1.200 USD. Definitiv nichts von Deutschland aus buchen, alles kann unkompliziert, spontan und billiger vor Ort organisiert werden!

Die Tansanier haben eine sehr höfliche und freundliche Art, eine richtige Willkommenskultur.  Man kann Minuten damit verbringen, sich zu begrüßen und sich über die Familie als auch das Wohlbefinden zu erkundigen. Wir weißen Ausländer werden als „Mzungu“ bezeichnet und grundsätzlich für reich gehalten. In Moshi kann man sich daher manchmal vor Straßenverkäufern kaum retten. Manche wollen für jede Kleinigkeit wie z.B. eine Auskunft oder Wegbeschreibung ein Trinkgeld haben. Auf dem Markt muss man die Preise kennen, sonst zahlt man gnadenlos extra „Mzungu- Aufschlag“. Lokale Dinge wie Früchte und Reis, Bier in Bars usw. und auch Taxi oder „Dalla Dalla“ fahren, sind sehr billig. Alle touristischen Unternehmungen und alle westlichen Lebensmittel, weil sie extra importiert werden, sind aber sehr teuer. Ein Glas Nutella kostet im Supermarkt über vier Dollar und daher mehr als in Deutschland.

Fast jeder Tansanier hat mittlerweile selbst ein gutes Smartphone, auch wenn sonst eventuell für nichts Geld da ist. Das Mobilfunknetz und das Internet sind in den letzten Jahren extrem gut ausgebaut worden.

Insgesamt werden wir Ausländer sehr gut aufgenommen. Viele Einheimische freuen sich auch, einfach mit uns zu plaudern und von ihrem Leben zu erzählen und von unserem zu erfahren. Wenn man in eine Bar geht, trifft man viele junge Leute und kann eine Menge Spaß haben. Besonders samstags im „Malindis“, der Karaoke Bar oder freitags im „Glaciers“, gleich um die Ecke vom Compound-Gelände.

Trotz aller Berichte über die Gefahren bei Nacht kann man in Moshi das Nachtleben bedenkenlos genießen. Man sollte nachts aber immer ein Taxi nehmen, auch für kurze Strecken. In den Bars oder Restaurants selbst gibt es keine Probleme.

In der Krankenhauskantine gibt es jeden Tag genau das gleiche: Reis, Bohnen, Kochbananen, Fleisch und Spinat. Als Alternative kann man „Chipsi Mayai“ (Omlette mit Pommes) bekommen. Zum Frühstück gibt’s „Chapati“ (Pfannkuchen) oder zahlreiche in Fett ausgebackene Teigkreationen. Reis und „Ugali“, geschmacksneutraler Maisbrei, mit Hühnchen, Bohnen und Bananen sind das erklärte Lieblingsessen fast aller Tanasanier. Wir Europäer haben nach einiger Zeit aber schmerzlich die gewohnte Abwechslung aus Deutschland vermisst. Es gibt zum Glück viele westliche Restaurants in Moshi mit Pizza, Burgern oder asiatischem Essen. Diese sind eine willkommene Abwechslung, allerdings auch ziemlich teuer mit europäischen Preisen, weswegen man dort fast nur Ausländer („Mzungu“) trifft.

Mein Fazit

Strandleben in Kendwa auf Sansibar am Abend der Full Moon Party
Strandleben in Kendwa auf Sansibar am Abend der Full Moon Party

Die sieben Wochen in Tansania waren eine wunderbare Zeit. Im Krankenhaus habe ich wirklich verstanden, was ein Dritte-Welt-Land für Probleme hat. Das Kilimanjaro Christian Medical Centre ist dabei noch sehr modern und gut und fängt die meisten Fehler als auch die Probleme der kleinen Dorfkrankenhäuser auf. Ich habe auch fachlich viel gelernt, da die Ärzte sehr gut ausgebildet sind und viel erklären. Mein persönliches Highlight war meine erste Spontangeburt, die ich mit Hilfe der Hebamme durchgeführt habe. Dies hat die teils sinnlos langen Visiten auf Kisuaheli und die mangelnden praktischen Tätigkeiten ausgeglichen.

Durch die etwas  vermehrte Freizeit kann man wirklich einiges vom Land sehen, das ist genial. Die Safari und der Urlaub auf Sansibar am Ende waren wirklich Höhepunkte. Sansibar ist wunderschön, ein absolutes Südseeparadies. Weiße Sandstrände, Kokosnusspalmen und unglaublich türkis farbiges Meer. Dazu genial leckeres Essen. Einfach mal in „Stone Town“, der Hauptstadt von Sansibar, zu den „Forodhani Gardens“ am Hafen gehen. Dort gibt es jeden Abend ab 19:00 Uhr eine wahre Explosion an frisch zubereiteten lokalen Gerichten wie „Sansibar Pizza“ und natürlich Meeresfrüchte. Dazu einen frisch gepressten Zuckerrohrsaft mit Ingwer und man fühlt sich in einer anderen Welt aus tausend und einer Nacht. Das orientalische Gassengewirr in „Stone Town“ ist genau so einen Besuch wert wie die wunderschönen Strände an der Ostküste in „Paje“ und „Jambiani“.

Mit all den internationalen Studenten und auch den einheimischen Freunden, die man kennen lernt, hat man einfach eine Superzeit und lernt die entspannte Lebensart der Einheimischen lieben. „Hakuna Matata“ („Mach dir keine Sorgen“) und „Pole Pole“ („Langsam, langsam“) werden hier wirklich gelebt.

Mit all diesen Eindrücken werde ich die Zeit hier definitiv nie vergessen. Mit allem, was gut war, und allem, was nicht so gut war. Afrika ist ein besonderer Kontinent und lässt niemanden unberührt.

 

„Karibu Sana“ in Tansania!

R., F.

München, Oktober 2015

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