Forschungsaufenthalt in den USA – Public Health

11. September 2015

in Chancen im Ausland, Fachgebiet, Forschung im Ausland, Land, Public Health, USA

Im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes durfte ich eine einzigartige Zeit am Boston Medical Center in den USA verbringen. Ich hatte großes Glück, dass Herr Peter Karle (Medizinernachwuchs.de) auf seiner Facebook-Seite auf das weltweite RISE-Programm hinwies und ich erst so von dieser tollen Möglichkeit erfuhr. Da ich wissenschaftlich interessiert bin, zögerte ich auch nicht, mich zu bewerben. Für diese Entscheidung bin ich heute sehr dankbar, denn durch das RISE-Programm durfte ich fantastische Erfahrungen sammeln. Heute möchte ich Euch sehr gerne davon berichten und für das RISE-Programm weltweit begeistern.

Bewerbung für das RISE-Programm weltweit

Das RISE-Programm weltweit, kurz für Research Internships in Science and Engineering, ist ein Förderprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Auch Medizinstudierende können sich hierfür bewerben und haben im nächsten Jahr wieder die Möglichkeit, mit Forschern auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten, die zur Unterstützung ihrer Projekte deutsche Studenten in ihre Arbeitsgruppe aufnehmen wollen. Diese Forschungsaufenthalte finden zumeist während der vorlesungsfreien Zeit im Sommer statt und werden vom DAAD mit Stipendien unterstützt.

Ausführliche Informationen rund um die Bewerbung findet Ihr in einem separaten Bericht von mir auf Medizinernachwuchs.de unter dem Titel: RISE-Programm weltweit – Internationale Forschungspraktika zur Förderung des Studierendenaustausches

Das Gebiet meines Forschungsprojektes in den USA

Der Campus in der Nähe des Boston Medical Center
Der Campus in der Nähe des Boston Medical Center

Insgesamt acht Wochen verbrachte ich mit meinem Forschungspraktikum am Boston Medical Center. In den ersten zwei Wochen fand die Einweisung statt und ich nahm an einem einführenden Research Curriculum teil. Dort wurde täglich im Unterrichtsformat das Verfassen und Prozedere bei einer wissenschaftlichen Arbeit erklärt, was sehr hilfreich war. Leider wird ein solches Research Curriculum in der Regel nicht bei jedem Forschungspraktikum angeboten.

Im Büro hatte ich meinen eigenen „Cubicle“ – genau so einen, wie man ihn aus amerikanischen Filmen kennt. Ich bin dankbar, dass ich meinen eigenen Arbeitsplatz hatte, an dem ich mich in Ruhe mit der Literaturrecherche beschäftigen konnte.

Von meinem Betreuer wurde mir ein Forschungsthema aus dem Bereich Public Health zugeteilt. Hier befasste ich mich mit der Malariadiagnostik in Form von Rapid Diagnostic Tests (RDTs) und deren Anwendung. Der Hintergrund dazu ist, dass die sinkende Anzahl an Malariainfektionen eine zuverlässige Diagnostik zur Bestätigung bzw. zum Widerlegen eines Malariaverdachts notwendig macht. Dadurch soll vermieden werden, dass Patienten mit Fieber falsch mit Malaria diagnostiziert und folglich unnötig mit Malariamedikamenten überbehandelt werden. Obwohl eine hohe Verfügbarkeit von RDTs in Sambia vorliegt, wird nur ein Bruchteil davon genutzt. Meine Aufgabe war es zu erörtern, was die Implementation von moderner, bereits verfügbarer Malariadiagnostik in Sambia erschwert und was solche erleichtert. In diesem Rahmen habe ich sehr viele Papers gelesen. Am Anfang hatte mein Betreuer mir einige zugeschickt und es dabei zu gut gemeint. So erhielt ich hunderte von Seiten und sollte sie innerhalb von zwei Tagen durchlesen. Mein Betreuer war sehr beschäftigt, bei Fragen aber stets sehr behilflich.

Einmal in der Woche fand ein interner „Journal Club“ statt, bei dem ein Paper vorgestellt und anschließend diskutiert wurde. Zusammen mit den Mittagspausen boten sie eine gute Gelegenheit, mit neuen Kollegen ins Gespräch zu kommen, was immer viel Spaß gemacht hat.

Alltag und Leben in Boston

Das Museum of Fine Arts in Boston
Das Museum of Fine Arts in Boston

Gewöhnlich war ich von 9:00 Uhr morgens bis 17:00 Uhr mit der Forschung beschäftigt. Manchmal konnte ich früher gehen, blieb aber auch häufiger bis 20:00 Uhr, wenn es noch viel zu tun gab. Aufgrund des vielen Sitzens war für mich ein sportlicher Ausgleich sehr wichtig. Glücklicherweise befand sich drei Minuten vom Boston Medical Center entfernt eine Sporthalle, sodass ich dort nach der Arbeit fast täglich schwimmen gegangen bin. Um die Stadt zu erkunden, habe ich meistens die Abende und Wochenenden genutzt.

Boston hat unglaublich viel zu bieten und ich kann hier nur einige von meinen vielen Highlights darstellen. Ich hatte großes Glück, dass die Temperaturen im Spätsommer/Frühherbst noch sehr sommerlich waren, sodass sich Stadtbesichtigungen als sehr angenehm gestalteten. Von der endlos langen Newbury Street mit den zahlreichen Geschä ften und Cafés bis hin zum Whale Watching, Farmer’s Market und Sightseeing – für jeden war etwas dabei. Da ich sehr gerne auf Menschen zugehe, habe ich wunderbare Freundschaften geschlossen und dank ihnen die Stadt Boston auch aus Studentenperspektive kennengelernt. So bietet das „Museum of Fine Arts“ mittwochabends kostenlosen Eintritt in alle Ausstellungen, die definitiv einen Besuch wert sind.

Boston hat zudem die besten Meeresfrüchte, die ich jemals gegessen habe. Wenn Ihr vor Ort seid, kann ich Euch das Restaurant „Atlantic Fish“ auf der Bolyston Street nur empfehlen. Der Hummer schmeckt dort hervorragend und alle Meeresfrüchte werden immer frisch zubereitet.

Für Shoppingfans ist die Newbury Street auch gleich um die Ecke. Nach einem langen Spaziergang kommt man auch zum „Boston Public Garden“, der einem nichts anderes übrig lässt, als mit einem Eis den wunderschönen Park zu genießen. Darüber hinaus sieht die „Boston Public Library“ sowohl von innen als auch von außen spitze aus. Sie ist so beeindruckend, dass ich mich dort gar nicht auf das Lernen konzentrieren könnte.

Nach der Arbeit war ich zweimal auf der Spitze des „Prudential Centers“, eine Shopping Mall namens „Top of the Hub“. Dieses Restaurant befand sich im 52. Stock. Dementsprechend war die Aussicht, vor allem bei Nacht, atemberaubend. Am letzten Tag im August gab es außerdem am Boston Harbor ein großartiges Feuerwerk, bei dem fast die ganze Stadt zuschaut hat.

Persönliche Tipps und mein Fazit

Downtown Boston
Downtown Boston

Ich möchte jedem von Euch an Herz legen, offen zu sein und aktiv auf Menschen zuzugehen. Dies ist nämlich überall das Wichtigste. Auf diese Weise habe ich supernette Studenten kennengelernt, mit denen der Aufenthalt in Boston noch viel mehr Spaß gemacht hat. Mit einer Studentin bin ich sehr eng befreundet und wir stehen auch nach einem Jahr noch im regelmäßigen Kontakt.

Für alle, die wissenschaftlich interessiert sind, bietet das RISE-Forschungsprogramm einen guten Einblick in die Forschung. Es ist allerdings zeitlich sehr begrenzt, sodass Ihr das bei der Wahl des Forschungsprojektes berücksichtigen müsst. Zusammenfassend kann ich aber sagen, dass ich in Boston eine traumhafte Zeit verbracht habe.

Zuletzt kann ich Euch wärmstens die Facebook-Seite von Herrn Peter Karle, Chefredakteur von Medizinernachwuchs.de, empfehlen. Dort werdet Ihr regelmäßig mit spannenden Berichten über die tollsten Veranstaltungen bzw. Möglichkeiten im In- und Ausland informiert. Daher möchte ich ihm an dieser Stelle nochmals sehr dafür danken, dass es überhaupt zu meiner Bewerbung für das RISE-Programm kam.

Ich wünsche Euch, dass Ihr bei jedem Auslandsaufenthalt – sei es in der Forschung, bei einer Famulatur, im PJ oder einfach nur im Urlaub – auch so viele wunderbare Erfahrungen sammeln dürft wie ich.

Thi Minh-Thi Do

Berlin, August 2015

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